Lernen leichtgemacht – traumafrei durch die Prüfung!

7. August 2008
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Du möchtest effektiver lernen, den Stoff dauerhaft behalten, dabei Spaß haben und sicher deine Prüfung bestehen, ohne im Anschluss ein Resozialisierungsprogramm zu benötigen? Hier erfährst du wie.

1. “Exploratives Lernen”

“Du lernst nicht für die Prüfung sondern für das Leben!” Eine Aussage, die zwar einen Euro an die Phrasenkasse kostet, die deswegen aber nicht weniger wahr ist. Inmitten des Stoffurwalds, in dem Medizinstudenten sich ständig befinden, vergisst man schnell die Begeisterung, die man eigentlich für sein Fach aufbringt. Schließlich studierst du nicht zuletzt deshalb Medizin, weil du die Thematik faszinierend findest und möglichst viel darüber wissen möchtest. Versteife dich beim Lernen also nicht darauf, eine Prüfung bestehen zu müssen, sondern nimm die Informationen mit medizinischem Interesse auf. Du wirst dem Stoff viel offener entgegentreten und dir bedeutend mehr merken können, vor allem wenn du versuchst, dir zum Gelernten praktische Anwendungen zu überlegen. Auf diese Weise empfindest du das Lernen weniger als Last, sondern als spannende Expedition, was tatsächlich Spaß und Freude bringen kann!

2. Zeitmanagement

Selbst wenn du es schaffst, mit Lust und Laune “explorativ” zu lernen, ist ein vernünftiger Zeitplan für den Erfolg unentbehrlich. Informiere dich bereits früh im Semester über den vollen Umfang des Lernstoffes und trage möglichst alle nötigen Materialien (Bücher, Skripte, Altklausuren…) an deinem Arbeitsplatz zusammen. Verschaffe dir dann durch Querlesen einen Überblick und schätze eine großzügig bemessene Zeitspanne ab, in der du den Stoff ernsthaft durcharbeiten kannst. Setze dir dabei einzelne Etappenziele, die dir zur Orientierung dienen. Rechne auch unbedingt genug Zeit zur Wiederholung ein!

Doch wie teilst du dir nun die Tage sinnvoll ein? Halte dich an den Grundsatz, zwar jeden Tag, aber niemals mehr als acht Stunden am Schreibtisch zu sitzen. Alles andere führt nur dazu, dass du den bearbeiteten Stoff nicht ausreichend verdauen kannst, um ihn zu verstehen und dauerhaft zu behalten. Tagelange Untätigkeit gefolgt von einem 15-stündigen Büffelexzess richtet in deinem Hirn mehr Chaos an, als dass deine Kompetenzen wachsen…
Darüber hinaus ist es eine gute Idee, morgens früh aufzustehen und die Lernzeiten der physiologischen Lernkurve anzupassen. Die meisten Menschen sind von 8:00 bis 12:00 und wieder von 16:00 bis 20:00 Uhr am leistungsfähigsten. Das gilt auch für selbsternannte Nachteulen! Baue dabei etwa stündlich bewusst Minipausen von 5 Minuten ein, in denen du tief durchatmen und dich etwas bewegen kannst. Die immerhin 16 übrigen Stunden des Tages solltest du mit Dingen verbringen, die dir Spaß machen, die dich entspannen und dich erholen. Triff dich mit Freunden zum Sport, zum Kino oder zum Essen, ganz wie du magst. Du fühlst dich nach der ersten Lernsession müde? Ein Mittagsschlaf kann wahre Wunder wirken und hilft dir, das vormittags Durchgenommene zu verarbeiten. Am Nachmittag ist dein Kopf dann wieder frei für neuen Input.

3. Lernen mit allen Sinnen

Es gilt als gesichert, dass unser Gehirn Informationen umso nachhaltiger speichern kann, je mehr Sinne wir zur Aufnahme einsetzten. Dies kannst du dir zunutzen machen, indem du dich auf die verschiedensten Arten mit dem Lernstoff befasst. Vor allem wenn nach langen Lesephasen die Konzentration nachlässt und du nur noch auf die Buchstaben starrst wie auf ein Bild, gehe lieber zu eher mechanischen Tätigkeiten über, die weniger Aufmerksamkeit erfordern aber unschlagbar effektiv sind. Fasse einen Text schriftlich zusammen, zeichne Schaubilder, bastele Modelle, besprich eine Kassette mit wichtigen Fakten zum unterwegs anhören oder kreuze ein paar Fragen. Probiere dazu mal den Ixxer aus!

4. Lernen im Rudel

Geteiltes Leid ist halbes Leid. Soviel steht fest. Wer sich nicht mit seinem Lernfrust zu Hause verschanzt, sondern sich mit Kommilitonen zusammentut, ist erwiesenermaßen ausgeglichener und zufriedener. Aber auch rein fachlich gibt eine Lerngruppe sehr viel her. Niemand ist ja allwissend und es gibt immer etwas, das du von deinen Lernpartnern mitnehmen kannst. Die gegenseitige Information und Motivation in der Gruppe führt sogar oftmals dazu, dass sich das Wissen der einzelnen Teilnehmer addiert. 1+1+1 ist schließlich 3. Das alte Dogma, sich Lernpartner in seiner eigenen “Leistungsklasse” zu suchen, ist natürlich zumeist sinnvoll. Ist dein Wissensstand allerdings noch äußerst flach, ist es wenig klug, sich mit ähnlich Ahnungslosen zusammenzutun, denn 0+0+0 ist leider immernoch 0. In diesem Fall empfiehlt es sich, mindestens einen “Überflieger” mit ins Boot zu nehmen, der in der Lage ist, schwierige Punkte studentengerecht zu erklären. Auf diese Weise machen die Zuhörer schnell Fortschritte und das Verständnis des Vortragenden vertieft sich umso mehr. Als Erfolgskontrolle sollten die Zuhörer beim nächsten Termin den besprochenen Stoff wiedergeben und gemeinsam diskutieren. Und zwar am besten bei Tee und Keksen…

5. Memotechniken

Ein großes Laster des Medizinstudiums ist sicherlich die Fülle von Daten, die schlicht und einfach auswendiggelernt werden müssen. Nun muss man allerdings kein Gedächtniskünstler sein, um damit zurechtzukommen. Ein paar gezielte Kniffe können dir beim Auswendiglernen schon erheblich weiterhelfen.

  • Merksprüche basieren im Wesentlichen auf Folgen von leicht memorisierbaren Objekten, die zur sofortigen Assoziazion mit dem zu merkenden Begriff führen. Beispielsweise wirst du dir die Cofaktoren der Pyruvatdehydrogenase (Thiaminpyrophosphat, Liponamid, Coenzym A, FAD, NAD) nicht so leicht merken können wie das Sprüchlein “Tiere lieben kostenlose, fade Nahrung.” Das Geheimnis liegt offenbar darin, mehr oder weniger sinnvolle Sätze aus Wörtern zu kreieren, deren Klang oder Bedeutung dich an den zu merkenden Begriff erinnert. Dieses Prinzip funktioniert übrigens auch bei Zahlen. Nutze den zahlähnlichen Klang einiger Wörter wie Heinz, Zweig, Reifen, Wir, zünftig, Hexe, Sieb, Achtung, neu, Zeh (bei Einfallslosigkeit kannst du ja auch mal den Duden befragen…) und baue Sätze daraus. Mit ein bisschen Übung sind deiner Fantasie keine Grenzen gesetzt!
  • Die gute alte Eselsbrücke beruht auf aller Art von Assoziation, selbst wenn sie noch so banal ist. Und wer mit zähem Bemühen eine Assoziation sucht, der findet auch (fast) immer eine. Sie kann zum Beispiel auf die Form von Buchstaben abzielen (das Glomus caroticum ist ein Chemorezeptor), auf Silbenzahlen (Öl,- Linol,- und Linolensäure sind ein,- zwei,- und dreifach ungesättigt), auf Wortbestandteile (Durch Calcitonin gelangt Calcium in den Knochen, durch Parathormon steht es wieder parat im Blut.), oder kann um mehrere Ecken herum führen (Tetrodotoxin ist das Gift des Kugelfischs, der im Salzwasser lebt, also blockiert es die Na-Kanäle). Dabei wirst du feststellen, dass allein die Suche nach Assoziationen deinem Gedächtnis bereits auf die Sprünge hilft. Noch mehr Eselsbrücken findest du hier.
  • Schon Cicero, Cäsar und Aristoteles, die die Inhalte ihrer Reden mit den einzelnen Säulen im Tempel bildhaft verknüpften und so stundenlang auswendig sprechen konnten, wendeten eine Form der Loci-Methode an. Dabei stellst du dir einen wohlbekannten Ort (etwa dein Zimmer) oder einen Weg (dein Weg zur Uni oder nach Hause) vor und verknüpfst mit jedem dir begegnenden Gegenstand einen Lernbegriff. Um dich schließlich daran zu erinnern, musst du nur noch deinen Gedächtnisort oder Weg im Geiste begehen. Um dir logisch aufgebaute Listen besser merken zu können, kannst du die Loci-Methode auch mit einem virtuellen Mindmap verbinden. Dabei gehst du von einem Zentrum aus, von dem mehrere Hauptstraßen wegführen, die sich widerum in Nebenstraßen und Trampelpfade aufzweigen. Am Anfang kann es auch hilfreich sein, dir deine Wege aufzuzeichnen und die Zielgegenstände zu markieren. So behältst du besser den Überblick.

Natürlich kann keine der aufgeführten Methoden dich wirklich vor mühsamen Stunden des Lernens bewahren. Sie können dir allerdings als Hilfe und Anregung dienen, dir das Leben am Schreibtisch möglichst angenehm und erfolgreich zu gestalten. Viel Spaß dabei!

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