Urlaub auf der MS Schall

8. August 2008
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Sagte da irgendjemand, Ultraschall sei langweilig? Ein Schiff im Mittelmeer war in diesen Tagen Schauplatz der ersten satellitengestützten Untersuchung eines Ultraschallroboters. Und in den USA macht eine Einwegsonde für das transösophageale Echo Furore. Nach Gebrauch geht's ab in den Müll.

Schauplatz: Mitten im Hochsommer irgendwo im östlichen Mittelmeer. Das Kreuzfahrtschiff SAPPHIRE schippert auf einer der üblichen Touristenrouten. Plötzlich setzt ein Ultraschallroboter wie von Geisterhand eine Sonde in Bewegung und beginnt bei einem Probanden im Arztzimmer des Schiffs mit einer Ultraschalluntersuchung des Herzens. Gesteuert wird die Prozedur zunächst von Ärzten auf Zypern und dann, in einer zweiten Runde, von Ärzten einer Klinik in Südfrankreich.

Wenn das Herz im Weltall schlägt…

Ferngesteuerte Ultraschalluntersuchungen könnten dazu beitragen, die medizinische Versorgung in abgelegenen Regionen zu verbessern. Vor allem etwas anspruchsvollere Techniken wie die Echokardiographie stehen nicht immer und überall zur Verfügung. Vor etwas mehr als einem Jahr hat das französische Unternehmen Robosoft mit seinem ESTELE-Roboter zum ersten Mal in dieser Hinsicht auf sich aufmerksam gemacht. Ein medizinischer Assistent vor Ort positioniert das Gerät nach den Anweisungen eines per Videokonferenz zugeschalteten Kardiologen auf dem Thorax des Patienten. Dann übernimmt der Experte die Initiative und steuert die Sonde des Roboters mit seinem Joystick.

Bisher klappte dieses Unterfangen nur, wenn Hochleistungskabel mit entsprechend großer Übertragungskapazität vorhanden waren. Das ist jetzt anders: "Die Standardvariante des Tele-Ultraschall-Roboters wurde für klassische Videokonferenzsysteme entwickelt. Neu ist, dass Kunden das System nun ihren individuellen Bedürfnissen anpassen können", betont Robosoft-CEO Vincent Dupourqué. "Individuelle Bedürfnisse" – Auf einem Kreuzfahrtschiff wie der SAPPHIRE ist das die Datenübertragung per Satellit. Zusammen mit Wissenschaftlern des europäischen MARTE-Projekts und Experten des Unternehmen Microsoft Robotics wurde eine entsprechende Lösung entwickelt. Damit ist der ESTELE-Roboter jetzt auch fit für den Einsatz unter problematischen Kommunikationsbedingungen geworden. Mittlerweile läuft in fünf französischen Krankenhäusern die erste klinische Studie mit dem telemedizinischen Echo-Roboter. Pläne für einen Einsatz in Flugzeugen oder auch an Bord von Rettungswägen liegen bereits in der Schublade.

TEE-Sonde statt Pulmonalarterienkatheter?

Mit der Echokardiographie haben sich auch die Mitarbeiter des Unternehmens ImaCor aus Uniondale im US-Bundesstaat New York auseinander gesetzt. Nicht mit der transthorakalen Echokardiographie allerdings, sondern mit der transösophagealen. Die ist bekanntlich etwas umständlich, was zur Folge hat, dass Verlaufsbeobachtungen der Herzfunktion auf diesem Wege schwierig sind. Schließlich will niemand seine Patienten ständig von neuem einen Schlauch schlucken lassen. ImaCor hat sich des Problems angenommen und nach dem Prinzip der Magensonde eine verschluckbare TEE-Sonde entwickelt. Sie verbleibt bis zu drei Tage lang im Ösophagus, bevor sie dann als Einmalprodukt weggeworfen wird. Die Sonde mit dem Handelsnamen ClariTEE kommuniziert mit einem externen Wiedergabegerät, das transösophageale Ultraschallbilder der Herzfunktion bei liegender Sonde quasi auf Knopfdruck liefert.

Die FDA jedenfalls war beeindruckt: Sie hat dem System jetzt eine vorläufige Zulassung erteilt. Vor allem Patienten auf Intensivstationen sollen von dem ungewöhnlichen Ansatz profitieren: "Bisherige Methoden für das hämodynamische Monitoring sind entweder invasiv oder nicht aussagekräftig genug oder beides", sagt der Arzt und ImaCor-Gründer Scott Roth. Die ClariTEE-Sonde sei dagegen minimalinvasiv und erlaube es den Ärzten, Herzgröße und Funktion direkt zu messen und auch zu beobachten, wie sich diese Parameter unter Pharmakotherapie verändern. Erwächst da vielleicht eine Konkurrenz zum Pulmonalarterienkatheter? Vielleicht findet sich ja jemand, der eine Studie macht. Ganz billig wird die Sache freilich nicht sein: Piezoelektrische Kristalle zum Wegwerfen kosten Geld…

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