Studienplatz: Bankdrücker wird Auswahlspieler

10. Oktober 2012
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Abitur in der Tasche, Wunschberuf Arzt und trotzdem keinen Studienplatz? Bei der begrenzten Studienplatzzahl gucken viele Wunschmediziner in die Röhre und legen das Vorhaben oft viel zu schnell ad acta. Dabei lohnt ein Blick auf alternative Wege zum Traumberuf.

Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage

Aktuelle Zahlen zum Thema Studienplätze im Fach Humanmedizin sind geradezu schockierend. Nach Angaben der Stiftung für Hochschulzulassung, die jüngst die Nachfolge der ZVS angetreten hat, kämpften zum Wintersemester 2011/12 über 44.000 Bewerber um weniger als 9.000 Studienplätze. Möchte man als Abiturient seinem Traumberuf Arzt ein Stück weit näher kommen, braucht es entweder extrem gute Abschlussnoten oder eben einen sehr, sehr langen Atem. So wundert es kaum, dass viele Abgelehnte frustriert aufgeben und sich mit zulassungsfreien Studienfächern oder Ausbildungsberufen zufrieden geben, die sie vielleicht nie glücklich machen.

„Nach der Absage der ZVS habe ich gleich eine Ausbildung bei einer großen Discounter-Kette angefangen“, erzählt Frida, die heute im 3. Semester Medizin studiert. „Die Arbeit war für mich damals so schrecklich, dass ich nach kurzer Zeit wieder abgebrochen habe und anfangs nicht mehr weiter wusste“, fasst sie ihre Ausbildungserfahrungen zusammen. Dass sie jetzt erstmals eine reelle Chance hat, ihren Traum vom Arztberuf wahr werden zu lassen, verdankt sie ihrer Familie: „Meine Mutter hat mich immer wieder ermutigt, nicht aufzugeben und mich weiter zu bewerben. Und nach einigen Semestern hat es dann auch endlich geklappt“, erinnert sich Frida erleichtert an das Ende ihrer Wartezeit.

Zweite Chance: Nachrück- und Losverfahren

Bevor sich abgewiesene Bewerber um Medizinstudienplätze allerdings in die langen Warteschleifen einreihen müssen, sollten sie die Möglichkeiten des Auswahlverfahrens zunächst voll ausgeschöpft haben. Genaue Details und Informationen über die Bewerbung um bundesweit zulassungsbeschränkte Studienplätze sind auf der Website der Stiftung für Hochschulzulassung zu finden. Hat ein Bewerber in der ersten Vergaberunde sein Ziel “Studienplatz Humanmedizin” verfehlt, bietet das sogenannte Nachrückverfahren eine weitere Möglichkeit zum Happy Ending.

In Abhängigkeit vom Notendurchschnitt und den jeweiligen Zahlen der Konkurrenten, erhält jeder Bewerber einen Listenplatz. “Bei meiner Bewerbung 2008 hatte ich zunächst einen Listenplatz um die 200”, erinnert sich Lennart an seine Bewerbungsphase. “Da dieser Platz nicht für die Zulassung reichte, kam ich quasi in die nächste Runde und konnte schließlich nachrücken.” Neben dem Nachrückverfahren kann auch das Losverfahren zum gewünschten Erfolg führen. Einen sehr guten Einblick liefert der kurzweilige Youtube-Clip “Kein Studienplatz – Was nun?“.

Wartezeit sinnvoll nutzen

Sind die möglichen Mediziner von Morgen trotz Nachrück- und Losverfahren leer ausgegangen, rücken Alternativen zur Überbrückung der Wartezeit in den Fokus der Zukunftsplanung. Hier sollten sich die Betroffenen vor allem allgemeine Fragen zum Berufswunsch und den eigenen Fähigkeiten und Interessen stellen. Interessiere ich mich beispielsweise für angewandte Medizin und den direkten Umgang mit Patienten, kann eine Ausbildung im Pflegebereich oder als Rettungsassistent eine gute Möglichkeit sein, die Wartesemester zu überbrücken.

Der Lebenslauf von Kai aus Hannover, der zurzeit im 9. Semester an der MHH studiert, ist für diesen kleinen “Umweg” ein sehr gutes Beispiel: “Nach der Absage war ich erst einmal sehr frustriert. Dann machte ich ein Praktikum bei den Johannitern im Sanitätsdienst und fing kurze Zeit später mit der Ausbildung zum Rettungsassistenten an”, so Kai zu seinem bisherigen Werdegang. “Mittlerweile studiere ich Medizin, profitiere von meinen praktischen Erfahrungen im Bereich Notfallmedizin und kann mir sogar durch meinen gelernten Job mein Studium finanzieren.”

Pluspunkte für den Lebenslauf: Das FSJ

Sollten gesundheitsbezogene Ausbildungsberufe als Alternativen zum Studienplatz erstmal nicht in Frage kommen, bietet das Freiwillige Soziale Jahr eine gute Möglichkeit, Pluspunkte für den Lebenslauf zu sammeln. Die Auswahl an Plätzen ist mittlerweile sehr groß und umfasst zudem viele Stellen im medizinischen und sozialen Bereich. Im sogenannten FSJ können die Wartenden wertvolle Erfahrungen im Umgang mit Menschen und gegebenenfalls auch mit Patienten sammeln und sich mehr oder weniger unverbindlich in verschiedenen Bereichen ausprobieren.

Alle wichtigen Informationen zu diesem Thema findet ihr auf der zentralen Homepage zum freiwilligen sozialen Jahr und Bundesfreiwilligendienst. Somit ist eine Absage für einen Studienplatz Humanmedizin also keinesfalls ein Grund dafür, die Flinte ins Korn zu werfen. Denn wie so oft im Leben, gibt es viele Wege, um ein (Berufs-)Ziel zu erreichen!

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