Rheumatoide Arthritis: Zielgenauere Behandlung

2. Oktober 2013
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Forscher haben ein Verfahren entwickelt, mit dem sich ausgewählte Signalwege in definierten Zellen zielgenau beeinflussen lassen. Mithilfe dieser Strategie kann die Bedeutung von intrazellulären Signalwegen für die Entstehung einer Erkrankung untersucht werden.

Das „Sneaking-Ligand-Prinzip“ erarbeiteten die Forscher der Klinik für Rheumatologie und Klinische Immunologie sowie des Centrums für Chronische Immundefizienz am Universitätsklinikum Freiburg in Kooperation mit Prof. Stefan Dübel (TU Braunschweig), Prof. Harald Burkhardt (Universität Frankfurt) sowie Wissenschaftlern der Universität Erlangen-Nürnberg. Die Wissenschaftler entwickelten das „Sneaking-Ligand-Prinzip“ am Modell der rheumatoiden Arthritis, von der fast ein Prozent der Bevölkerung betroffen ist. Unbehandelt kann diese chronisch entzündliche Gelenkserkrankung bis zur Invalidität des Patienten und zu einer merklich verkürzten Lebenserwartung führen. Trotz bewährter Therapien mit Basismedikamenten und neuartigen Biologika können bei mehr als einem Drittel der Patienten die Symptome nicht zufriedenstellend behandelt werden. Da bei der Therapie das Immunsystem des Patienten unterdrückt werden muss, treten zusätzlich stark beeinträchtigende Nebenwirkungen wie ein erhöhtes Risiko für schwere Infektionen auf. „Mit dem ‚Sneaking-Ligand-Prinzip‘ haben wir nun einen Ansatzpunkt für eine neue, nebenwirkungsärmere Behandlung der rheumatoiden Arthritis gefunden“, so Prof. Voll.

Auf der Suche nach neuen Therapiestrategien haben Dr. Sehnert und Prof. Voll den nukleären Transkriptionsfaktor κB (NF-κB) und seine Rolle bei der Entstehung der rheumatoiden Arthritis unter die Lupe genommen. Er fördert die Bildung von entzündungsfördernden Zytokinen sowie von Molekülen, die die Interaktion der Zellen steuern. Unter anderem begünstigt er die Herstellung sogenannter Adhäsionsmoleküle, die die Auswanderung von Entzündungszellen vom Blut über die Zellen der Gefäßwand in die Gelenke ermöglichen.

Aktivierung von NF-κB wird unterbunden

Mit dem „Sneaking-Ligand-Construct“ (SLC) haben die Wissenschaftler nun ein Protein entwickelt, das diese Auswanderung von Entzündungszellen ins Gewebe verhindert. Es besteht aus drei Modulen: Das erste schleust das Protein in die Zelle ein, das zweite übernimmt den Transport innerhalb der Zelle. Dort unterdrückt das dritte Modul den IκB-Kinase-Komplex (IKK) und unterbindet somit die Aktivierung von NF-κB. Dadurch wird der Einstrom von Entzündungszellen in die Blutgefäßwand blockiert sowie die Gelenkentzündung und die Destruktion der Knorpel- und Knochenstrukturen effektiv gehemmt.

Während die bisher üblichen NF-κB-Inhibitoren auch in Zellen aufgenommen werden, die nicht direkt an der Entstehung der rheumatoiden Arthritis beteiligt sind, ermöglicht das „Sneaking-Ligand-Prinzip“ eine zielgenaue Untersuchung und Beeinflussung ausgewählter Signalmoleküle. „Wir hoffen, dass sich das ‚Sneaking-Ligand-Prinzip‘ auch in der Entwicklung neuer Therapien für weitere Autoimmunerkrankungen, aber auch für Krebs bewährt“, so Prof. Voll.

Originalpublikation:

NF-κB inhibitor targeted to activated endothelium demonstrates a critical role of endothelial NF-κB
in immune-mediated diseases

Bettina Sehnert et al.; PNAS, doi: 10.1073/pnas.1218219110; 2013

30 Wertungen (4.53 ø)

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2 Kommentare:

Ingeborg Schnatterzahn
Ingeborg Schnatterzahn

Toller Artikel .
Im Prinzip bestätigt dieser Artikel die Intellgenz der einzelnen Körperzellen ….
Aber wer hat schon Kontakt zu seinen Zellen — kooperiert oder andersrum ….

Von daher wäre das ein interessanter Denkansatz dieser Artikel , was das Ausschalten des Immunsystems über die Tabletten an geht .
Aber auch , — wenn man Kontakt hat , ist es ein neuer Denkanstoß …müßten die Zellen entsprechend “mutieren” unter diesem Wissen — also gezielt ..
Geht ja > Viren machen das auch

Das geht aber nur
in dem Moment , wo der “Lymphgerinnungsfaktor”(das Wort gibt es noch nicht) sich verändert — also Alles offen ist .
Nicht ungefährlich , weil es da zur Multiinfektion kommt — kommen kann .
Käme es auf die “Haltbarkeit” , Belastbarkeit des — ich sage mal — Materie — Organismus an . Trinken > Ausscheiden . Rest eleminieren > Überdruck oder Hitze .

Aber auch die Aushaltbarkeit von hohen Druckverhältnissen .

Tja ….
Oder guter Rheumatologe … ich habe einen

Danke für den Beitrag :-))

#2 |
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Ich möchte im Rahmen von ›Chronisch entzündlichen Erkrankungen‹ das Augenmerk auf eine Impfung mit dem ›Mycobacterium vaccae‹ lenken. In diesem Formenkreis spielt die ›Th1/Th2-balance‹ eine entscheidende Rolle. Unsere Arbeitsgruppe unter Prof. John L. Stanford, UCL (siehe ›PubMed‹) hat zeigen können, dass eine Impfung mit ›M. vaccae‹ positive Effekte zeitigt, die von TBC (über atopisches Exzem) bis hin zu Organtransplantation, eine Wirkung zeitigt. Ergo: Auch den immunomodulatorischen Ansatz in die Therapiekonzeption miteinbeziehen.

#1 |
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