Sechs. Setzen.

20. August 2008
Teilen

Ein Großteil der in Apotheken frei verkäuflichen Akne-Mittel ist in einem aktuellen Test der Zeitschrift Ökotest durchgefallen. Drei Viertel aller Produkte enthalten Stoffe, die entweder nicht helfen oder sogar die Haut gefährden können. Von 19 Produkten wurden deswegen 15 mit "mangelhaft" oder "ungenügend" bewertet.

Nicht nur bei Jugendlichen, auch bei jungen Erwachsenen sind Mitesser und Akne-Pickel kein seltenes Problem. Wer welche hat, will sie in der Regel schleunigst loswerden. Wenn Clearasil & Co aus der Drogerie nicht mehr oder nicht ausreichend helfen, führt der Weg den Leidtragenden meist sehr schnell in die nächste Apotheke. Dort steht dann eine ganze Reihe von nicht-rezeptpflichtigen Präparaten in den Regalen – von Creme und Gel bis Lotio, Lösung oder Tinktur. Eine Untersuchung im August-Heft der Zeitschrift Öko-Test stellt den allermeisten dieser Produkte ein denkbar schlechtes Zeugnis aus. Nur vier Präparate schnitten “sehr gut” ab, nämlich das BPO Combustin Gel (Combustin), das Benzaknen 5% Gel (Galderma), das Benzperox Gel 10% (Medphano) und die Pan Oxyl mild 5% Creme (Stiefel).

Probleme machen Hilfsstoffe und nicht belegte Wirkstoffe

Alle anderen Produkte waren entweder mangelhaft oder ungenügend. Grund ist vor allem eine ganze Armada von Hilfsstoffen, die das Testlabor in den Produkten vorfand. So gab es für die Produkte Aknederm Salbe Neu (Gepepharm), Benzoyt 5% Creme (Riemser), Klinoxid Creme 5% (Valeant), Marduk Gel (S&K Pharma), Brevoxyl 4% Creme (Stiefel) und Sanoxit 5% Gel (Galderma) jeweils eine glatte sechs, weil die Produkte entweder Paraffin oder Diethylphthalat oder Isopropylmyristat oder Formaldehyd/-abspalter oder sogar polyzyklische Verbindungen enthielten. All diese Substanzen gelten nach Angaben von Öko-Test als gesundheitlich bedenklich oder umstritten. Wegen etwas geringerer Konzentrationen der genannten problematischen Hilfsstoffe wurden das Cordes BPO 5% Gel (Ichthyol), die Aknichthol Soft Lotio (Ichthyol), das Akneroxid Gel 50 mg/g (Almirall) und das Aknefug Oxid Mild 5% Gel (Dr. Wolff) “nur” mit “mangelhaft” bewertet. Insbesondere wegen der Formaldehyd-Verbindungen haben die Tester explizit bei den Herstellern nachgefragt. Dort konnte sich offenbar niemand den Befund erklären.

Es waren aber nicht nur die Hilfsstoffe, die für schlechte Urteile sorgten. Auch bei den Wirkstoffen gab es einige Ausreißer. Als Standard kann bei rezeptfreien Aknemitteln das als wirksam belegte Benzoylperoxid gelten. Es wirkt gegen Propionibacterium acnes und fördert außerdem eine Abschilferung der Haut mit entsprechender Hautreinigung und Verringerung der Komedonenbildung. Zum Teil enthalten frei verkäufliche Aknemittel aber auch andere Wirkstoffe. Das Produkt Evazol Creme (Ravensberg) etwa erhielt ein “ungenügend”, weil es mit dem potenziell allergenen Wirkstoff Dequaliniumchlorid arbeitet. Ein “mangelhaft” wegen des Wirkstoffs gab es auch für die Acne Plus Creme (Louis Widmer), die außer Benzoylperoxid noch das Antipilzmittel Miconazol enthält sowie für Aframed Lösung (Aframed), Akaderm Tinktur N (Gepepharm) und Aknefug Liquid (Dr. Wolff), die jeweils mit Salicylsäure arbeiten. Die Tester beklagen hier fehlende Wirksamkeitsnachweise in der Indikation Akne.

Bei schwerer Akne ist der Dermatologe gefragt!

Abgesehen von den 19 Produkten zum Auftragen auf die Haut haben die Öko-Tester zusätzlich drei Produkte unter die Lupe genommen, die entweder ins Badewasser gekippt oder aber eingenommen werden. In dieser Kategorie sah es eher noch schlechter aus als bei den Mittelchen zum Auftragen. Im Dermowas-Konzentrat (Dr. Wolff) fand das Testlabor 149 mg/kg Formaldehyd, was zu einem Gesamturteil “mangelhaft” führte. Das Ichtho-Bad (Ichthyol) bekam wegen einer ganzen Reihe problematischer polyzyklischer Verbindungen sogar ein “ungenügend”. Die Ichthraletten vom selben Anbieter, magensaftresistente Tabletten zum Schlucken, enthielten 6 mg/kg polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, was erneut ein “mangelhaft” zur Folge hatte. Generell gilt, dass junge Menschen mit Akne-Problemen allerspätestens dann den Dermatologen zu Rat ziehen sollten, wenn Benzoylperoxid-haltige Präparate aus der Apotheke nicht ausreichend effektiv sind. Denn auf Rezept gibt es noch ein paar andere, hoch wirksame Optionen gegen die Pickel. In erster Linie zu nennen sind hier die Retinoide, die die Bildung von Komedonen unterdrücken, außerdem antibiotische Produkte, die beim Propionibacterium acnes ansetzen. Zu lange warten und vor allem wüst herum drücken sollte man nicht. Denn dann drohen Narben. Weitere Tipps von und für Betroffene gibt es auf den Internetseiten der Community Aknewelt.

56 Wertungen (3.86 ø)
Allgemein

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: