Aortenklappe, die zweite!

29. August 2008
Teilen

In Deutschland sind fast zwei Millionen Menschen von chronischer Herzschwäche betroffen. Ursache kann eine Aortenklappenstenose sein. Die perkutane Aortenklappenintervention kann Abhilfe schaffen. Die Technik verspricht als Therapie für Aorten-, Pulmonal-, und Mitralklappen perfekte Ergebnisse bei minimaler Belastung.

Ist eine Aortenklappenstenose geringfügig, bleibt sie für den Betroffenen oft unbedeutend. Meistens nimmt sie im Laufe des Lebens jedoch zu und führt aufgrund der erhöhten Belastung zur Schwächung des Herzmuskels. Der Anteil älterer Menschen mit koronarer Herzkrankheit in Kombination mit Herzklappenerkrankungen und einer Vielzahl an Nebenerkrankungen steigt. Bei dieser Patientengruppe stellt sich die Frage nach der geeigneten Therapieform. Die Problematik ist in diesem Zusammenhang nicht mehr allein die Diagnose, sondern zusätzlich die Beurteilung des fortgeschrittenen Alters. Es gilt abzuwägen, ob diese Patienten durch eine Operation am Herzen profitieren oder ob das Risiko eines solchen Eingriffs den Nutzen übersteigt.

Neuer Ansatz

Verschiedene Zugangstechniken für den Klappenersatz haben bereits Interesse gefunden. Der perkutane Zugang hat sich zwar als tauglich bewiesen, das Komplikationspotential für die Einführung großer Klappendurchmesser ist allerdings hoch: Es können Gefässrupturen, Dissektionen, Pseudoaneurysmen, Blutungen, Stenosen oder Thromben vorkommen. Jüngste Fortschritte und Ergebnisse der interventionellen Kardiologie und Herzchirurgie haben das Augenmerk wieder auf die perkutane Therapieoption gerichtet: Die Transkatheter Aortenklappenimplantation stellt sich zunehmend als ideal für Herzklappenerkrankte mit hohem Operationsrisiko heraus. So hat unter anderem die österreichische Universitätsklinik Innsbruck das Konzept eines klappentragenden Stents etabliert. Durch die Kooperation von Kardiologen und Herzchirurgen direkt am Operationstisch wurde bislang etlichen Patienten erfolgreich eine neue Herzklappe perkutan via Stent implantiert.

Ermunternde Resultate

Im Unterschied zum klassischen Operation, die eine Sternotomie erfordert, oder zur minimalinvasiven Operationstechnik ist der Belastungsgrad mit der neuen Behandlungsmethode entscheidend reduziert: Ein Herzklappenimplantat wird ohne die übliche chirurgische Technik mit Stilllegung des Herzens und Eröffnung der Hauptschlagader am schlagenden Herzen durch Einführung einer gefalteten “Stentklappe” über einen Katheter implantiert, wobei der Zugang entweder über die Leistenarterie oder transapikal, also über die Herzspitze erfolgt. “Operationstrauma und -zeit und damit die Belastung der Patienten werden dadurch auf ein Minimum reduziert”, betont Univ.-Prof. Dr. Ludwig Müller von der Innsbrucker Universitätsklinik für Herzchirurgie vor allem in Hinblick auf Hochrisiko-Patienten, bei denen die Anwendung der Herz-Lungen-Maschine und die Stilllegung des Herzens zu riskant wären. Als Risikokriterien gelten das Alter, vorangegangene Operationen und der Allgemeinzustand der Erkrankten.

Kooperation am OP-Tisch

“Die neue alternative Technik, die bei ausgewählten Patienten mit diagnostiziert hochgradiger Aortenklappenstenose und einem Operationsrisiko über 20% angewendet wird, bedingt die perfekte Zusammenarbeit von Kardiologie und Herzchirurgie”, erklärt Priv.-Doz. Dr. Thomas Bartel von der Innsbrucker Kardiologie. Für die Praxis bedeutet dies konkret: Nach der Diagnose durch die Kardiologie erfolgt die Indikationsstellung für die kostenintensive Therapie durch beide Einrichtungen. Im Operationssaal führt der Herzchirurg das Kathetersystem ein, die definitive Positionierung des Implantats vollzieht der Kardiologe, genauso wie die intraoperative Diagnostik. Bei Komplikationen besteht zu jedem Zeitpunkt die Möglichkeit, durch konventionelle herzchirurgische Technik, eine drohende Katastrophe abzuwenden. “Um die Qualität der neuen Technik aber wirklich sicher zu stellen”, so die Herzspezialisten unisono, “ist eine optimale Angiographieanlage unabdingbar.” In Innsbruck arbeitet man derzeit mit einem Behelfssystem. Ein Antrag auf einen so genannten Hybrid-OP-Saal (eine Kombination aus Herz-OP und Herzkatheterlabor), wie er von Kardiologen, Gefäß- und Herzchirurgen befürwortet wird, wurde bereits gestellt.

0 Wertungen (0 ø)
Allgemein

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.



Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: