Der Kampf der Kreuzritter

2. September 2008
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Am 19. und 20. August 2008 war es mal wieder soweit: tausende tapfere "Kreuzritter" stellten sich den Fragen des IMPPs. Eine von ihnen ist Vera, die uns vom ersten Teil der ersten ärztlichen Prüfung an der Uni Heidelberg erzählt.

MS: Vera, wie ist die Prüfung abgelaufen? Ging alles reibungslos von statten?
Vera:
Organisatorisch verlief alles glatt!
Anpfiff war um 9:00 Uhr, man hatte sich aber bereits um 8:15 Uhr am Prüfungssaal einzufinden. Die meisten waren allerdings ohnehin schon viel früher da, um sich noch ein wenig verrückt zu machen. Beim Eintritt in den Prüfungssaal fand eine Passkontrolle statt und man bekam eine Nummer zugewiesen mit der jeder zu seinem eigenen Tisch fand. Auf dem lagen ein Kärtchen und ein Bogen mit den persönlichen Daten bereit, die man genau zu überprüfen hatte. Da wir etwa 100 Leute im Saal waren, war das Aufgebot an Helferchen und Kontrolleuren auch beachtlich. Bis zum Prüfungsbeginn ertönten ständig recht amüsante Durchsagen wie “Sofern Sie Dosen oder kohlensäurehaltige Getränke dabeihaben, so öffnen Sie diese bitte JETZT”. Sobald die Fragebögen ausgeteilt waren und die Durchsage “Die Prüfung beginnt JETZT, Sie haben vier Stunden Zeit” erklang, kehrte aber sehr schnell Ruhe ein.
Während der Prüfung waren auf dem eigenen Kärtchen dokumentierte Toilettengänge unter Kontrolle möglich, es gab sogar eine Raucherecke!

MS: Wie hast du dich in der Prüfung gefühlt? Warst du sehr nervös?
Vera:
Vor der Prüfung war ich ziemlich nervös, habe auch nicht gut einschlafen können. Aber es lief es doch ganz gut! Am Ende war ich vom Konzentrieren so geschafft, dass ich am ersten Prüfungstag vergaß, nochmal zu checken, ob ich alles richtig übertragen hatte. Das hat mich echt ein bisschen geärgert. Auch habe ich im Nachhinein bemerkt, dass ich bei manchen Fragen den Text nicht richtig gelesen habe. Es ist nunmal unheimlich schwer, sich so lange voll zu konzentrieren.
Am zweiten Tag war ich dann schon etwas entspannter und routinierter, denn es war alles bekannt, vom Ablauf, von den Räumlichkeiten…

MS: Wie schätzt du das Niveau der Fragen im Vergleich zu den letzten Physika ein?
Vera:
Im großen Ganzen war der Schwierigkeitsgrad identisch mit den drei vorangegangenen Physika. Die meisten Fragen waren zwar nicht einfach aber recht fair und eindeutig gestellt. Man muss allerdings immer wieder mit fiesen Detailfragen rechnen. Überrascht hat mich vor allem das Themengebiet der Psychologie, wo sehr auf sozio-ökonomische Fakten eingegangen wurde, die nichtmal im Lehrbuch stehen. Bei diesen Fragen konnte ich auch nur an mein Allgemeinwissen appellieren oder gar raten.
Ansonsten ist man mit dem Wissen aus Standardlehrbüchern gut bedient gewesen. Allermeistens waren die Fragen eindeutig einem Themengebiet zuzuordnen und zielten direkt auf ein Lehrbuchkapitel ab. Es kam – wie bei MC-Prüfungen üblich – recht häufig vor, dass ich zwischen zwei Antworten schwankte. In diesem Fall habe ich einfach meinem Gefühl vertraut, unbewusst weiß man ja viel mehr als man denkt.

MS: Was empfiehlst du den nächsten Jahrgängen zur Prüfungsvorbereitung?
Vera:
Aktiv die Dinge durchdenken. In Gruppen oder Paaren lernen und neue Lernangebote nutzen, etwa Fallbuch Biochemie von Thieme oder Arbeitshefte (zu einigen Themen vorhanden). Das Wissen wird so grandios auch mal von anderen Seiten beleuchtet.

Und zur Vorbeugung gegen Erschöpfung mal eine Pause machen! Das fällt schwer und gelingt nicht immer, aber ich glaube, dass es letzlich Kraft bringt, die einen zum Weitermachen frisch hält. Ich war Anfang Juli noch eine Woche in Schweden. Kurz vorher habe ich gezögert, ob ich es wirklich tun soll, aber in der Retrospektive hat es sehr gut getan. Das Verreisen hat mir auch geholfen, indem es Druck gemacht hat, vorher schon viel zu arbeiten. Ich habe eigentlich das ganze Semester durch schon Dinge fürs Physikum wiederholt. Es war ein extrem lernintensives Semester! Wenn aber vieles wirklich mal verstanden ist, ist das Gefühl, so umfassend über den Körper bescheid zu wissen, ein extrem gutes.

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