Mein Freund, der Roboter

12. September 2008
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Kaspar misst 50 cm und kann lächeln, trauern und staunen. Hinter der Fassade des kleinen Jungen versteckt sich ein Roboter. Autistischen Kindern soll Kaspar Angst vor menschlichem Kontakt nehmen. Die Erfahrungen bisher sind so positiv, dass im Rahmen eines EU-Projekts ein weiterer Spielzeugroboter für geistig und körperlich behinderte Kinder entwickelt wird.

Die Roboterpuppe wurde an der Universität Hertfordshire in England entwickelt, um autistische Kinder aus ihrer sozialen Isolation zu locken. Der Name Kaspar steht für Kinesics And Synchronisation in Personal Assistant Robotics. Mit Hilfe der Puppe soll erforscht werden, inwieweit Roboter sich für therapeutische Zwecke bei Autisten einsetzen lassen. Die bisherigen Erfahrungen seien ermutigend, so die Projektleiterin und Spezialistin für Künstliche Intelligenz, Kerstin Dautenhahn. Ihr fiel auf, dass die in sich zurückgezogenen Kinder besser mit Computern als mit Menschen zurechtkommen. Wichtig war daher, einen Roboter zu schaffen, der nicht zu menschlich daherkommt, um keine Ängste aufkommen zu lassen, der aber als Spielzeug mit bestimmten Gesten und Mimiken akzeptiert wird und zur Interaktion anregt.

Roboterpuppe lächelt auf Knopfdruck

Die Bewegungen und Gesichtsausdrücke von Kaspar werden von einem Betreuer ferngesteuert ausgelöst. Per Knopfdruck bringt er die Puppe zum Lächeln, Trauern, Blinzeln oder Trommeln. Von den englischen Forschern wurden typische Grundzüge der zwischenmenschlichen Kommunikation, die mit Hilfe einer speziell entwickelten Software umgesetzt werden, ausgewählt. Die Software steuert acht Freiheitsgrade – mögliche Bewegungsrichtungen – an Kopf und Nacken, sechs an Armen und Händen sowie zwei in den Augen. Das Gesicht besteht aus einer Silikon-Gummi-Plastik und erinnert ein bisschen an Pinocchio. Das ganze wird von einem Aluminium-Rahmen getragen. Die Erfahrungen, die die Engländer in diesem Projekt machten, zeigten, dass die autistischen Kinder sich länger mit dem Roboter beschäftigten als mit normalen Spielsachen. Besonders ermutigend war, dass die Kinder teilweise ihre Menschenscheu ablegten und zusammen mit dem Betreuer spielten. Die bisherigen Ergebnisse aus Hertfordshire werden in ein von der EU gefördertes Projekt, namens IROMEC, einfließen.

Spielzeugroboter als sozialer Mediator

IROMEC steht für Interactive RObotic social MEdiators as Companions. An dem Projekt sind Forscher aus Österreich, England, Italien, Spanien, Frankreich und Niederlande beteiligt. Gemeinsam wollen sie einen Spielzeugroboter entwickeln, der geistig und körperlich behinderten Kindern hilft, soziale Beziehungen spielerisch zu entwickeln. Der Roboter, der keine menschlichen Züge haben wird, soll eine größere Auswahl an Spielen als die Kaspar-Puppe bieten. Welche Anforderungen darüber hinaus vom Konsortium eingebracht wurden, das bleibt unter Verschluss, so der österreichische Koordinator und Projektleiter, Dr. Gernot Kronreif von der Firma Profactor gegenüber DocCheck. In Kürze wird man mehrere Prototypen an die einzelnen Forschungsgruppen verteilen, um Tests an Schulen und Betreuungseinrichtungen durchzuführen. Geprüft werden soll, inwieweit mit Hilfe der Roboter das soziale Verhalten und bestimmte Fähigkeiten trainiert werden können. Das Ergebnis wird zum Ablauf des Förderprojekts – Oktober 2009 – in einem Erfahrungsbericht der EU-Kommission vorgelegt. Dann wird sich auch entscheiden, ob der Prototyp in die Serienproduktion geht. Kronreif hat ein gutes Gefühl, da er bereits in der Vergangenheit positive Erfahrungen mit eigenen Entwicklungen gemacht hat.

“Playrob” hilft Bausteine zu versetzen

Kinder mit schweren Körperbehinderungen seien oftmals nur passive Teilnehmer in Spielhandlungen und profitieren deshalb nicht im gleichen Maße aus dem Spiel wie gesunde, erklärt Kronreif. Ziel von “Playrob”, ein Gemeinschaftsprojekt von Profactor Research und Solutions GmbH, war daher ein Robotersystem, dass dieses Defizit ausgleicht. Dabei wurde ein Ansatz gewählt, in welchem der Roboter nicht selbst als Spielzeug verwendet wird sondern eine Assistenzfunktion zur Handhabung des Spielzeugs – im konkreten Fall LEGO-Bausteine – übernimmt. “Playrob” besteht aus einem speziell entwickelten Greifersystem zur Aufnahme der Bausteine sowie aus mehreren Magazinen zur Bausteinbereitstellung. Die Steuerung des Gesamtsystems wurde so aufgebaut, dass eine Bedienung auch mit einfachsten Eingabegeräten möglich ist. Ein im Rahmen dieses Projektes entwickelter Laserprojektor dient zur Unterstützung der Kinder während der Bausteinpositionierung. Die Reaktionen in zahlreichen Tests, so Kronreif, waren durchweg positiv. Es machte den Kindern sichtlich Spaß, mit dem Robotersystem zu spielen. Erfuhren sie bislang das Spiel mit Bausteinen nur als Zuseher, können sie jetzt mit Hilfe des Roboters alleine bestimmen, welcher Baustein wo eingesetzt wird. Das gesetzte Ziel des Projekts – nämlich das Erreichen einer höchstmöglichen Autonomie beim Spiel – wurde somit klar erfüllt.

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