Ähm… Mhmm

15. September 2008
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Wie bereitet man sich auf den Horror des mündlichen Teils der 1.ÄP vor? Wie trennt man beim Lernen die Spreu vom Weizen? Wie präsentiert man sich den Prüfern? Dies alles sind Fragen, denen wir im folgenden Interview auf den Grund gehen wollen.

Für das Gespräch stand uns Stefan Aurich zur Verfügung. Stefan studiert an der Universität Frankfurt Humanmedizin und hat im August/September diesen Jahres seine 1.ÄP absolviert.

MS: Stefan, worin unterscheidet sich die Vorbereitung auf den mündlichen Teil der Prüfung im Gegensatz zum schriftlichen?
Stefan:
Das ist schwer zu beantworten, da hier wohl jeder eine ganz subjektive Einstellung zum Thema hat. Ich persönlich habe die Vorbereitung auf den mündlichen Teil der Prüfungen als sehr unangenehm empfunden. Zum einen ist es wirklich eine völlig andere Baustelle, als das monatelange Training zur Bewältigung der schriftlichen Multiple-Choice-Fragen aus dem schriftlichen Examens – zum anderen ist der Zeitraum zwischen schriftlichem und mündlichem Teil der 1.ÄP auch sehr knapp bemessen.

MS: Du sagst, dass das Lernen für beide Teilbereiche derart unterschiedlich ist? Wie dürfen wir das verstehen? Es handelt sich doch letztendlich um das gleiche Stoffgebiet, oder?
Stefan:
Ja, natürlich. Es ist nur so, dass man beim schriftlichen Teil des Examens frühzeitig anfängt, sich auf die Art und Weise der Fragestellung (nämlich die Multiple-Choice-Fragen) einzustellen. Wie bei der Ratesendung mit Günther Jauch, wenn man eine Frage gestellt bekommt und vier (im Physikum fünf) Antwortmöglichkeiten abgebildet werden, unter welchen sich eine richtige Lösung befindet Hier ist die Herangehensweise eine völlig andere, als wenn man eine Frage aus dem Stehgreif mit eigenen Worten beantworten muss. Natürlich lernt man anfänglich die Stoffgebiete bestmöglichst anhand von Büchern und Mitschriften – irgendwann versteift man sich dann aber auf das Training anhand von Altfragen und das reine “Kreuzen” mit anschließendem Nachlesen der Kommentare. Dies ist sehr fallspezifisch und hat nicht wirklich etwas mit der folgenden, mündlichen Prüfung zu tun.

MS: Und das böse Erwachen kommt dann nach dem Schriftlichen?
Stefan:
Na ja, so in etwa jedenfalls. Ich habe das Schriftliche eigentlich ganz gut bestanden und mich gleich am Tag nach der Prüfung wieder an den Schreibtisch gesetzt. Ich war dann aber doch erschrocken, wie wenig reine Fakten und Zusammenhänge noch in meinem Kopf gespeichert waren. Ich hätte zwar weiterhin sagen können: “Antwort B ist die richtige aus dem und dem Grund!”, aber wenn ich mich ganz profan zum Beispiel gefragt habe: “Jetzt beschreibe mal laut und in eigenen Worten den Weg eines Nahrungsstückes vom Mund bis in die Toilette!”, musste ich einsehen, dass selbst so einfache Dinge große Schwierigkeiten verursacht haben. Aber genau das sind die Fragen, wie sie gerne als Einstiegsthema in der mündlichen Prüfung vorkommen.

MS: Und wie bist Du das Problem dann schließlich angegangen?
Stefan:
Ich habe mir zu jedem Thema eine ganz allgemeine Fragenliste zusammengestellt. Als Beispiel könnte man das Thema “Magen” nehmen: Was ist das für ein Organ? Wo liegt es? Was sind seine Hauptaufgaben? Wie ist es aufgebaut? An welche Strukturen grenzt es? Was gibt es für klinische Relevanzen? Und so weiter. Und dann habe ich versucht, all diese Fragen laut zu beantworten. Wenn es irgendwo Hänger gab, habe ich diese Sachen nachgeschlagen und notiert. So habe ich mich von Thema zu Thema gehangelt und erst einmal eine solide Grundlage bei den Basics geschaffen.

MS: Hat sich diese Arbeit denn dann auch bezahlt gemacht?
Stefan:
Auf alle Fälle! Es ist tatsächlich so, dass die allermeisten Prüfer mit einer ganz allgemeinen Einstiegsfrage die Prüfung eröffnen. Als Beispiel können wir ja wieder den Magen und die Verdauung nehmen. “Was passiert denn mit einem Stückchen Weißbrot, dass Sie zum Frühstück essen?” Und dann kann man locker beginnen, die einzelnen anatomischen Abschnitte aufzuzählen. Mund, Rachen, Ösophagus, Magen, Zwölffingerdarm, Dünndarm… sowie die ganzen Basics hierzu (Verdauungssekrete etc.). Die Prüfer lassen einen auch gerne mal ein paar Minuten reden und sehen dadurch, ob man sich gut an ein Thema heranarbeiten kann.
Was ich auch ganz wichtig finde: Wenn man anfänglich gleich voll punktet und frei von der Leber quatschen kann, ist es später überhaupt nicht schlimm, wenn man bei den Detailfragen hin und wieder patzt.

MS: Was hast Du sonst noch für Hinweise bezüglich der mündlichen Prüfung? Was ist wichtig? Was wäre ein absolutes “No Go”?
Stefan:
Ganz wichtig: Besucht die Vorgespräche der Professoren, wenn sie denn so etwas anbieten. Das nimmt einen Großteil der Spannung. Zudem geben doch mehr Prüfer als erwartet kleine Hinweise, auf was sie denn besonderen Wert in der Prüfung legen. Falls ihr Prüfer habt, die keine Vorgespräche anbieten, so druckt euch auf alle Fälle die existierenden Prüfungsprotokolle dieser Dozenten aus dem Netzt aus (gibt es normalerweise bei den Fachschaften eurer Uni).

Es ist unglaublich, wie oft diese Protokolle genau den Prüfungsstoff wiedergeben. Macht euch dann eine Liste, welches Thema wie oft in den letzten Jahren gefragt wurde und arbeitet diese Liste nach den Prioritäten ab. Wenn ein Prüfer zum Beispiel jedes Semester nach dem Verlauf des Nervus radialis fragt, aber in 10 Jahren nur einmal die Bursa omentalis gezeigt und erklärt haben wollte, so könnt ihr euch ein ungefähres Bild machen, wo die Schwerpunkte liegen werden. Abweichungen sind hier wirklich eher die Ausnahme, denn die Regel.
Trefft euch mit den anderen Prüflingen aus eurer Gruppe. Besprecht eure Klamottenwahl. Das mag lächerlich klingen, aber es sieht einfach blöd aus, wenn ein Prüfling in Abendgarderobe im Zweireiher und Krawatte kommt, und der andere in Jeans und Sweatshirt aufkreuzt.
Zu guter Letzt: Es wird immer heißer gekocht, als man isst. Die Prüfer wollen euch nichts Böses. Eigentlich sind alle daran interessiert, euch irgendwie durch die Prüfung zu boxen (nicht zuletzt für die eigene positive Quote an der Uni!). Durchfallen wird nur, wer wirklich dauerhaft gar nichts zu sagen hat. Einen oder zwei (auch gröbere) Schnitzer wird man euch verzeihen. Ihr müsst wirklich nicht alles wissen, um trotzdem gut zu bestehen!

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Humanmedizin

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