MRSA: Komm’ rein, Keim!

30. September 2013
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Durch strikte Hygienemaßnahmen ist es vielen Kliniken gelungen, gefährliche multiresistente Bakterien aus ihrem Einflussbereich zurückzudrängen. Jedoch anscheinend nur bis zur Haustüre ihrer Patienten. Dort steigt die Keimbelastung an.

Vor einigen Wochen gab das amerikanische Center for Disease Control and Prevention (CDC) den „Threat Report 2013“ heraus, der “zum ersten Mal überhaupt die Belastung und Bedrohung durch antibiotikaresistente Keime und deren Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit aufnimmt”. CDC Direktor Tom Frieden skizzierte die Situation mit eindringlichen Worten: “Wenn wir nicht aufpassen, dann ist der Medikamentenschrank leer, wenn Ärzte Mittel für die Behandlung benötigen”. Ihnen würden die Antibiotika fehlen, die sie brauchen, um Leben zu retten.

Unverwundbare Bakterien

Die 2012 veröffentlichte ALERTS-Studie berechnet eine knapp fünfprozentige Wahrscheinlichkeit für jeden Klinikpatienten, von einem typischen Krankenhauskeim infiziert zu werden. Jeder fünfzigste dieser Patienten stirbt daran. Über einhunderttausend Mal im Jahr schlagen dabei MRSA zu, Methicillin-resistente Staphylococcus aureus-Keime, gegen die eine Vielzahl früher erfolgreicher Antibiotika heute nichts mehr ausrichten können. Vor einigen Monaten berichtete das Ärzteblatt über den ersten VRSA-Fall in Europa. Hier gewannen die Staphylokokken auch noch eine Resistenz gegen Vancomycin hinzu, eine Eigenschaft, die ihnen fast schon den Status der Unverwundbarkeit verleiht.

Im Vergleich zu den ständigen Zunahmen an Infektionen mit resistenten Keimen steht die Entwicklung neuer Antibiotika sehr mager da. In den achtziger Jahren kamen noch fast dreißig neue antibakterielle Wirkstoffe auf den Markt, seit 2000 waren es ganze neun.

Problemfall CA-MRSA

Zunehmendes Bewusstsein für Hygiene und strikte Maßnahmen in den Kliniken, die eine Ausbreitung gefährlicher Keime verhindern sollen, habe die steile Kurve der Klinikinfektionen zumindest stark abgeflacht. Dagegen taucht aber jetzt die Bedrohung an anderer Stelle in anderer Form wieder auf. Noch wenig untersucht sind Bakterienstämme, die ebenso wie die in der Klinik gefürchteten gegen mehrere Antibiotika resistent sind, jedoch im häuslichen Bereich für Probleme sorgen. Infizierte haben dabei meist keine medizinische Behandlung in der Klinik oder Arztpraxis hinter sich, hatten für längere Zeit keinen Kontakt mit Antibiotika und leiden nicht an einer chronischen Erkrankung oder altersbedingter Schwäche des Immunsystems.

Diese so genannten CA-MRSA (community-associated) MRSA sind bezüglich ihres Erbguts deutlich verschieden von den typischen Klinikkeimen. In Deutschland sind sie noch vergleichsweise selten – wahrscheinlich jedoch wohl mit einer hohen Dunkelziffer verbunden. Oft mit familiärer Häufung führen sie hin und wieder zu lang andauernden rezidivierenden Krankheitsverläufen. Entsprechend den Zahlen von Roger Stephan von der Universität Zürich finden multiresistente Erreger in jedem sechsten gesunden Menschen ein Zuhause.

Tauschbörse für Resistenzgene

Der Haushalt wird damit auch Umschlagplatz für Resistenzfaktoren bei Bakterien. Andere Staphylokokken (wie St. pseudointermedicus, St. schleiferi), aber auch andere Bakterienarten wie Enterokokken können mit Staphylococcus aureus einen für sie nützlichen Genaustausch betreiben. Im Gegensatz zur Klinik haben im häuslichen Bereich wenige potentielle Bakterienwirte intensiven Kontakt miteinander, dafür meist über längere Zeit. Je nach Umgebung haben es Keime bei nicht ganz so intensiver Hygiene leichter, auch einmal mehr als drei Monate oder länger auf dem Küchenschrank zu überleben.

In Deutschland gehören in 35 Prozent aller Haushalte auch noch Katze oder Hund zu den Mitbewohnern. Auch sie sind Überträger. In der Fachzeitschrift PLoS One berichten Birgit Walther und ihre Kollegen von der FU Berlin von Untersuchungen bei einer Hundeausstellung im Jahr 2009. In Abstrichen fanden sich bei knapp zwanzig Prozent der Herrchen und Frauchen sowie bei zwei Prozent ihrer Vierbeiner Staphylococcus aureus-Keime. Staphylococcus intermedicus tauchten bei vierzehn Prozent der Hunde und sechs Prozent ihrer Halter auf. Knapp die Hälfte dieser Isolate war gegen mehr als ein Antibiotikum resistent. Fast alle Hunde durften hin und wieder an der Hand ihrer menschlichen Haushaltsmitbewohner lecken – ein leichter Übertragungsweg für die Mikroben in beide Richtungen. Klinische MRSA-Stämme finden sich aber auch bei Papageien, Kaninchen, Hamstern, Meerschweinchen oder Schildkröten.

Langzeit-Überträger

Je nach Studie liegt die Übertragungsrate von Infizierten auf andere Mitglieder ihres Haushalts zwischen 10 und 43 Prozent. Die Zahl hängt wesentlich von der Zahl der Haushaltsmitglieder, dem Wohnstandard und dem Bakterienstamm ab. Jeder fünfte MRSA-Träger beheimatet seinen MRSA-Klon für viele Monate oder gar Jahre. Damit kann er Familienmitglieder auch mehrmals anstecken, die zwischenzeitlich den Keim wieder losgeworden sind.

Wer die Verbreitung von “Haushalts-Staphylokokken” untersuchen will, sollte sich nicht nur auf einen Nasenabstrich beschränken. Rachen, Haut, Perineum und klinische Läsionen sind ebenso beliebte Unterkunftsorte für sie. Untersuchungen haben gezeigt, dass der Nasenabstrich allein nur rund die Hälfte aller infizierten Haushaltsmitglieder aufdeckt. Das gleiche gilt übrigens auch für vierbeinige Hausgenossen.

Infizierte Tierherden

MRSA-Stämme, die es sich erst einmal zu Hause gemütlich gemacht haben, sind nicht ganz einfach wieder loszuwerden. Spülmittel allein reicht dabei oft nicht, um etwa Geschirr staphhylokokkenfrei zu bekommen. Mexikanische Forscher empfehlen in einem Artikel im Journal of Applied Microbiology eine zweiprozentige Hypochlorit-Lösung oder Reinigungsmittel mit einer Chlor/Ammoniak-Kombination. Wichtig ist aber auch die allgemeine Hygiene im Haushalt, wie etwa regelmäßiger Wechsel der Bettwäsche und die strikte Trennung der Schlaf- und Ruheplätze von Haustier und Mensch. Bei den meisten Haustieren sind humane MRSA-Keime nicht pathogen und werden vom eigenen Immunsystem eliminiert. Gute Studien zu effektiven Desinfektion von Haustieren liegen bisher jedoch kaum vor.

68 Prozent der Geflügelherden und 14 Prozent an Wiederkäuern und Schweinen sind mit multiresistenten Keimen besiedelt, berichtet Robert Stephan über die Verhältnisse in der Schweiz. Entsprechend den Daten vom Robert-Koch-Institut sind LA-(Livestock-asscociated)-MRSA-Infektionen von Menschen, die in Tiermastbetrieben arbeiten, bisher (noch?) selten und bis auf ganz wenige Ausnahmen ohne ernsthaften klinischen Verlauf. Trotzdem besteht weiterhin die Gefahr einer Übertragung von Resistenzfaktoren auf andere Bakterien und im menschlichen Körper.

Versiegende Reserven

Am meisten Sorgen bereitet den Gesundheitsbehörden jedoch in letzter Zeit die Ausbreitung von Enterobakterien, wie etwa Klebsiella-Stämmen, die gegen Carbapeneme resistent sind. Carbapeneme sind “Reserveantibiotika” und gelten oft als “letztes Mittel” bei einer Infektion, die mit anderen antimikrobiellen Agentien nicht mehr einzudämmen ist.

Sehr oft aus ökonomischen Überlegungen heraus stellen viele Firmen Entwicklungsprojekte für neue Antibiotika ein. Um multiresistente Bakterien loszuwerden, helfen daher wohl noch am ehesten strenge Hygieneregeln und regelmäßige Tests auf Besiedlung im klinischen wie im Haushaltsbereich.

Collateral Sensitivity Cycling

Einen kleinen Hoffnungsschimmer vermittelt zumindest ein Artikel, der in diesen Tagen in Science Translational Medicine erschienen ist. Zumindest im Labor funktioniert bei E. coli eine Strategie des “Collateral Sensitivity Cycling”. Die dänischen Autoren nutzten die Eigenart der Bakterien, mit dem Gewinn neuer Resistenzen alte zu verlieren und damit wieder empfindlich gegen bestimmte Antibiotika zu werden. Mit dem “Hin- und Herschaukeln” zwischen zwei Antibiotika-Sets könnte es gelingen, auf diese Weise auch multiresistente Keime auszutricksen. Es wäre zumindest eine probierenswerte Chance, um nicht irgendwann einmal ratlos einer Infektion gegenüber zu stehen, weil pathogene Keime inzwischen gelernt haben, alle unsere Waffen zu eliminieren.

189 Wertungen (4.17 ø)

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18 Kommentare:

Gast
Gast

@Pierpaoli: eines scheint der Artikel ja schon bewirkt zu haben: Sie differenzieren auch zwischen CA- und LA-MRSA. DANKE!

Erschreckend ist doch, dass Kollegen immer noch auf Antibiogramme verzichten (klar, muss alles schnell gehen). Dabei kommt dann aber so etwas raus:

60 Prozent der Verschreibungen bei Halsschmerzen und 73 Prozent der Verschreibungen bei akuter Bronchitis enthielten antibiotikahaltige Medikamente. Dabei waren nur 10 % der Halsschmerzen und sogar null Prozent der akuten Bronchitis auf bakterielle Krankheitserreger zurückzuführen.
Quelle: Michael L. Barnett. Antibiotic Prescribing to Adults With Sore Throat in the United States, 1997-2010. JAMA Internal Medicine, 2013; DOI: 10.1001/jamainternmed.2013.11673

#18 |
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Dr. Ezra Pierpaoli
Dr. Ezra Pierpaoli

Sehr geehrter Herr Lederer,
Vielen Dank für diesen Bericht zu MRSA. Als ehemals selber betroffener Patient mit CA-MRSA, weiss ich, dass man dazu nie genug berichten kann.

#17 |
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Medizinjournalist

Vielen Dank, Herr Dr. Beckmann, für die Korrektur !
Ich hab keine Ahnung, wie das “c” da reingerutscht ist… “Freud”? ;-)

#16 |
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Dr. Gero Beckmann
Dr. Gero Beckmann

Ich musste schmunzeln: Hr. Lederer schreibt von Staph. intermedicus/Staph. pseudointermedicus. Bisher sind aber nur Staph. intermedius/Staph. pseudointermedius – also ohne “c” – beschrieben. Aber sicher gibts die von Hr. Lederer genannten auch: das sind die, die bei Sozialkontakten von Ärzten/Ärztinnen vorzugsweise in Kliniken untereinander ausgetauscht werden oder die so tun als ob :-)

#15 |
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sandra blumenthal
sandra blumenthal

Hallo Helmut Feix,
tja, da ist mir einer tatsächlich zuvor gekommen.
Die Anwendung von Clo2 oder auch NaClo2 unaktiviert kann auch ich empfehlen.
Aber ist denn die Bekämpfung der MRSA überhaupt wirklich gewollt und
das noch mit einem so günstigem Mittel?
Da liegt das eigentliche Problem..:(
Allen noch einen schönen Abend

#14 |
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Nichtmedizinische Berufe

Gibt es eigentlich schon Studien über die Auswirkungen der massiven Zunahme von Touchscreens?

Ich könnte mir lebhaft vorstellen, dass das böse Bakterienschleudern sind und man auch mal darüber nachdenken sollte, das zu beleuchten.

#13 |
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Medizinjournalist

Sehr geehrter Herr Professor Wille, (#9)

Es steht Ihnen natürlich frei, mir miserable Recherche und Berichterstattung vorzuwerfen. Ich würde mich aber freuen, wenn das nicht mit Verallgemeinerungen geschieht.

1) Wahrscheinlichkeit einer Infektion von Krankenhauspatienten:
Resultate einer Zwischenanlayse der ALERTS-Studie: http://europepmc.org/abstract/MED/23934590

Results: During this period, 30,631 patients were admitted to the participating departments. According to CDC definitions we identified 1,637 HAIs, resulting in an overall incidence of 5.3 %. Based on clinical evaluation only, irrespective of the CDC definitions, an additional 944 HAIs were detected (overall HAI rate, 8.4 % [n =2581]
HAI = Health Care infections

Rechnet man, dass davon 15% MRSA sind (haben Sie andere Zahlen, dann bitte informieren Sie uns bitte), kommt man bei einer Hochrechnung auf die im Artikel genannten Zahlen

2) „Dunkelziffer“ ist Spekulation
Ich beziehe mich mit dieser Äußerung nicht auf meine eigene Einschätzung, sondern auf Experten des Robert Koch Instituts, die im Epidemiologischen Bulletin 21/2013 explizit zu CA-MRSA schreiben: „…Dunkelziffer zu rechnen, weswegen wir die niedergelassenen Ärzte bzw. mikrobiologischen Labore explizit auffordern möchten, MRSA….. einzusenden.“

3) Ausführungen über Ca-MMRSA treffen überhaupt nicht zu –
Schade, ich orientiere mich an wissenschaftlichen Artikeln (In Fachblättern wie Lancet und infektiologischer Literatur). Auch da bitte ich Sie, wenn sie uns doch auch belegen könnten, dass das alles falsch ist…

4) Staphylokokken in Tieren;
Zum Teil ist das sicher richtig, dass diese Keim genauso wie beim Menschen zur physiologischen Flora gehören. DAS wollte ich auch nie in Abrede stellen. Aber es geht doch um die Ausbreitung von RESISTENZEN. Bezüglich der Identität von Staph-Klonen(!) (das bedeutet meiner Ansicht nach eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass dieser Keim von Tier auf Mensch übertragen wurde oder umgekehrt) gibt es ca 4-5 Studien, die meisten davon aus den USA (daher habe ich nur die eine Studie aus Deutschland zitiert), die Zeitpunkte des Auftauchens und Verschwindens von Keimen in Tier und Mensch analysiert haben, um daher mögliche Transfer-Mechanismen aufzudecken. Gerne liefere ich die entsprechenden Referenzen.
Und das Problem, das ich angesprochen habe, besteht halt nicht nur in der Übertragung resistenter Keime (die oft schnell wieder eliminiert werden), sondern auf einem horizontalen Transfer von Resistenzfaktoren von Bakterium zu Bakterium, und damit die Ausbreitung von Resistenzen auf die physiologische Flora.

5) Desinfiziert ! Da gebe ich Ihnen recht . Da hab ich mich ungenau ausgedrückt und meinte natürlich die Sanierung. Ob die nötig oder unnötig ist, ist jedoch recht umstritten und muss in den allermeisten Fällen wohl eine Einzelfallentscheidung sein.

#12 |
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Clemens Schulz
Clemens Schulz

@bayerl: jetzt mal bitte mit korrekten Zahlen hantieren und nicht wieder die Schuld bei anderen (hier: Veterinärmedizin) suchen.
Tatsäche ist: in der Veteirnärmedizin sinken die Resistenzen, in der Humanmedizin steigen sie (http://www.animal-health-online.de/gross/2013/08/09/niederlande-anstieg-resistenter-humankeime-bessere-resistenzlage-bei-tieren/26111/)
Tatsache ist auch, dass jede zweite AB-Verschreibung in der Humanmedzin ein Reserveantibiotikum ist. In der Veterinärmedizin werden REserve-AB aber kaum eingesetzt (http://www.animal-health-online.de/gross/2012/09/11/altbewahrte-antibiotika-in-der-veterinarmedizin-weiterhin-wirksam/22207/).

Und jetzt zu den Mengen: in der Tiermedizin (einschließlich Heimtiere!!): rd. 1700 Tonnen (http://www.zds-bonn.de/daten_zum_antibiotikaeinsatz_bei_tieren_veroeffent.html), in der Humanmedizin lt. AOK-Studie 2004 (!) rd. 1.600 Tonnen, wobei der Verbrauch seit 2004 dramatisch gestiegen ist. 2012 wurden 379 Mio. Tagesdosen Antibiotika in der Humanmedizin verabreicht (http://www.animal-health-online.de/gross/2013/04/23/humanmedizin-379-millionen-antibiotika-tagesdosen-in-2012/25261/).

Zitat: “Während Tierärzte mit einer bescheidenen Palette von zumeist seit Jahrzehnten genutzten Antibiotika Tiere in der Landwirtschaft erfolgreich behandeln, hat sich die Situation in deutschen Krankenhäusern deutlich verschlechtert”, heißt es in einer aktuellen Pressemeldung des Internetportals “Animal-Health-Online” (aho). Wie aus einer Antwort der Bundesgesundheitsministerium auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion zu entnehmen ist, seien resistente Erreger in Krankenhäusern auf dem Vormarsch (http://www.animal-health-online.de/gross/2013/04/23/humanmedizin-379-millionen-antibiotika-tagesdosen-in-2012/25261/). Vielleicht lohnt auch ein Blick auf diese Studie: Triclosan Exposure Increases Triclosan Resistance and Influences Taxonomic Composition of Benthic Bacterial Communities. Environmental Science & Technology, 2013; 130725155410004 DOI: 10.1021/es401919k: danach enthalten viele Kosmetikprodukte und Haushaltsreiniger Spuren von AB (Triclosan)

#11 |
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Clemens Schulz
Clemens Schulz

Hallo Herr Lederer, super recherchierter Artikel, der endlich, endlich einmal zwischen CA- und LA-MRSA-Keimen unterscheidet.
Die verschiedenen MRSA-Typen werden oft in der öffentlichen Diskussion nicht unterschieden, dabei ist ihr Gefahrenpotential stark unterschiedlich. So kommt die besonders gefährliche Komponente, das Panton-Valentine Leukozidin (PVL), das häufig Ursache für besonders schwere Krankheitsverläufe ist, nicht bei den Tier-assoziierten (LA)MRSA vor. Außerdem zeigte sich, dass den in Schweinen vorkommenden MRSA-Stämmen das Gen fehlt, das für die Resistenzentwicklung gegen eines der wichtigsten noch wirksamen Antibiotika verantwortlich ist.
In diesem Zusammenhang sei auf eine aktuelle Studie aus dem Saarland hingewiesen (Methicillin-Resistant Staphylococcus aureus in Saarland, Germany: A Statewide Admission Prevalence Screening Study): Wenn Krankenhäuser Risikopatienten vor der Aufnahme auf MRSA untersuchen würden, ständen 05 Mio € an Kosten ein Nutzen von 10 bis 15 Mio. € gegenüber. Das Monitoring zeigte auch, das von rd. 21.000 untersuchten Patienten “nur” rd. 440 Patienten Träger von CA-MRSA waren, darunter nur ein LA-MRSA-Fall und der hatte Hunde.
Bedauerlich ist, dass Sie nicht auf die Studie zum Einfluß der Reserveantibiotika und Resistenzen eingehen: es gibt einen direkten Zusammenhang. Während in der Humanmedizin mittlerweile jede zweite AB-Verschreibung ein Reserve-AB ist, werden diese AB in der Veterinärmedizin kaum eingesetzt – und entsprechend rückläufig sind die Resistenzraten (http://www.animal-health-online.de/gross/2013/08/09/niederlande-anstieg-resistenter-humankeime-bessere-resistenzlage-bei-tieren/26111/). Auch sollte man der Frage pandemischer Klone nachgehen. MRSA-Genotypisierungen weisen darauf hin, dass die verschiedenen MRSA-Typen sehr lokal vorkommen und sich kaum verbreiten (http://www.pnas.org/content/105/37/14130.short). Trotzdem kann man sich natürlich die ein oder andere “Erinnerung” aus Asien mitbringen, wie ein Monitoring mit Indienurlaubern gezeigt hat.

#10 |
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Prof. Dr. med. Burkhard Wille
Prof. Dr. med. Burkhard Wille

Leider ein grottenschlechter Artikel, zumindest aus der Sicht eines Fachmannes. Ich komme mir vor wie bei Ökotest, wo mit Eventuellen Risiken etc. argumentiert wird. Alles das was hier geschrieben es ist so nicht haltbar: alleine die Herunterrechnung der Wahrscheinlichkeit eines Patienten, mit einem typischen Krankenhauserreger infiziert zu werden, beträgt selbst nach den hier genannten Zahlen ein Promille. Alleine die Formulierung “wahrscheinlich jedoch mit einer hohen Dunkelziffer“ ist Spekulation. Die Ausführungen über C-MRSA treffen so überhaupt nicht zu und was die Tiere betrifft, sind die verschiedenen Staphylokokken, die sie tragen, physiologische Besiedlung, im übrigen gehören diese auch zu physiologischen Besiedlung des Menschen…
Wie dann auch ein Haustier desinfiziert werden kann und warum ist das überhaupt erfolgen soll, bleibt schleierhaft! Wahrscheinlich meint der Autor eine Sanierung eines Haustieres, welche jedoch völlig unnötig ist.
Ich komme mir vor, wie beim Fernsehen: wenn man dort eine Sendung über das eigene Fachgebiet sieht, wie man eigentlich gar nichts mehr glauben.

#9 |
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Helmut Feix
Helmut Feix

Natriumchlorit durch Säure aktiviert führt zu Chlordioxyd. Eine Resistenz gegen Chlordioxyd wird es nicht geben, es kann lokal, oral und intravenös angewendet werden.

#8 |
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OStR Fritz Seibel
OStR Fritz Seibel

the empire strikes back!

#7 |
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zu #2, #3, #4

das “Problem” ist die Anwendung von Antibiotika!

Und es ist ÜBERFÄLLIG, hier den Blick einmal dahin zu richten, wo es in größter Menge eingesetzt wird und nicht da, wo es unbestreitbar am dringendsten benötigt wird!

Gruß

#6 |
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Ein ausgezeichneter Beitrag, der sich wohltuend vom mainstream-Krankenhaus-Doktor-bashing unterscheidet.
Denn hier auf der Intensivstation werden Antibiotika nun wirklich benötigt um Menschenleben zu retten.
Ein Blick in die “geschätzten” Antibiotika-Einsätze nach dem, was im Bundesgesundheitsministerium zu lesen ist, zeigt das wahre Problem.
Humaneinsatz von Antibiotika 5-20% im Krankenhaus, der Rest ambulant!
und jetzt kommts:
Das 2-3 fache des gesamten Einsatzes von Antibiotika am Menschen, man hört von 800 bis 1800 Tonnen jährlich kommt auf die Landwirtschaft, sowohl Tierzucht, als auch “Lebensmittel” wie Äpfel, Käse und Honig, hinzu kommen Haustiere Hunde und Katzen, von denen es mehr gibt als Kleinkinder.
Üblicherweise ließt man aber immer nur, Ärzte im Krankenhaus könnten sich nicht die Hände waschen.

Gruß

#5 |
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Heilpraktikerin

Ich würde mich – statt auf die Tierärzte – lieber auf den Hoffnungsschimmer am Ende des Tunnels konzentrieren.
Im letzten Absatz seines Artikels schreibt Herr Lederer doch von dem neuen Ansatz des “Collateral Sensitivity Cycling”. Davon lese ich hier zum ersten Mal.
Statt Sündenböcke zu suchen und Schuldzuweisungen auszutauschen wäre angeraten, das Problem der multiresistenten Keime zu lösen.

#4 |
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Ingrid Langner
Ingrid Langner

Herr Noack ist mir leider mit seinen Argumenten zuvor gekommen.
Auch der Wahlkampf der Grünen in seiner Polemik und Unsachlichkeit scheint Früchte zu tragen. Wenn der Spitzenkandidat die Tierärzte pauschal als ‘Drogenhändler im Stall’ bezeichnet, dann ist das von einer fachlichen Auseinandersetzung weit entfernt.

#3 |
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Dr. med. vet. Rolf Noack
Dr. med. vet. Rolf Noack

Daß “modernste Antibiotika zentnerweise in der Tiermast – als Wachstumshilfe – eingesetzt werden dürfen”, ist eine ebenso erschreckende wie offensichtlich unausrottbare Fiktion.
Antibiotika als Wachstumsförderer sind schon seit Jahren verboten.
Und Vancomycin hat mit Sicherheit niemals dazugehört.
Ein “ganzheitliches Herangehen” wäre in der Tat vonnöten. Aber dann sollte man wissen, wovon man redet.

Rolf Noack

#2 |
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Rolf Müller
Rolf Müller

Leider blickt die Ärzteschaft wie mit Scheuklappen auf den Keim. Ein Blick umher sollte doch auch die Frage aufwerfen, warum modernste Antibiotika zentnerweise in der Tiermast – als Wachstumshilfe – eingesetzt werden dürfen. Bis ins Jahr 2009 sogar noch eine der letzten Bastionen im Kampf gegen MRSA, das Vancomycin. Ein ganzheitliches Herangehen an diese bedrohliche Situation wäre von nöten.
Rolf Müller Arzt für Naturheilverfahren [Kommentar gekürzt da werblicher Natur]

#1 |
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