Fit für den Freistoß

22. September 2008
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Beschädigungen der Kreuzbänder zählen zu den häufigsten Verletzungen im Fußball. Die Doppelkanal-Rekonstruktion bringt nach Verletzungen auch bei Fußballern gute Resultate. Eine Forschergruppe arbeitet mit Studien zur Rotation bei Freistößen an der Optimierung der Methode.

Das Knie ist die am meisten gefährdete Körperregionen von Fußballern. Bei starker mechanischer Belastung kann das vordere oder hintere Kreuzband reißen. Ohne diesen Bandapparat ermüdet der Muskel vorzeitig und das Kniegelenk verliert seine Stabilität. So kommt dem Kreuzband eine wichtige Rolle zu: Es ermöglicht eine stabile Knieführung und reduziert die Knorpelbelastung. Bei Überstreckung des Beines reißt eher das vordere, bei übermäßiger Beugung eher das hintere Kreuzband. Insgesamt kommt ein vorderer Kreuzbandriss häufiger vor, als eine Verletzung des hinteren Kreuzbandes. Durch die Zunahme des Breitensportes und durch die Weiterentwicklung der Skiausrüstung, die das Verletzungsrisiko vom Sprunggelenk zum Kniegelenk verlagerte, hat die Zahl der Kreuzbandverletzungen zugenommen. Bis vor wenigen Jahren bedeutete eine Kreuzbandriss für viele Fußballer nicht nur das sportliche Aus, sie konnten Sportarten, die eine hohe Kniestabilität erfordern, wie Fußball, Tennis, Skifahren, Volleyball oder Squash, nur noch sehr eingeschränkt oder gar nicht mehr ausüben.

Hoffnung für Fußballer

In den letzen Jahren hat die Kreuzbandchirurgie eine enorme Entwicklung erlebt. Basis der Erfolge ist ein besseres Verständnis der anatomischen und funktionellen Zusammenhänge, eine stabile Fixierungstechnik und die optimale Transplantatwahl. Mit den neuen Methoden konnten die Heilungserfolge bei Kreuzbandverletzungen in den letzten Jahren zwar erheblich gesteigert werden, “die bis vor kurzem üblichen Methoden zur Wiederherstellung dieser Funktionalität konnten allerdings nur für bestimmte Sportarten angewandt werden”, erklärt Univ.-Prof. Dr. Gobert Skrbensky, Sportorthopäde an der Medizinischen Universität Wien. Seine Abteilung konnte zeigen, dass gerade für die sportartspezifische Belastung beim Fußball die vor einigen Jahren entwickelte Doppelkanal-Rekonstruktion des Kreuzbands bessere Resultate bringt. Das Ergebnis der Kinematischen Untersuchungen machten deutlich, dass für den Fußballschuss gerade die Wiederherstellung der Rotationsstabilität wichtig ist. Diese gelingt eindeutig besser mit der neuen Doppelkanal-Rekonstruktion des Kreuzbandes. Bei der Kreuzbandoperation mit dieser Methode werden die Semitendinosus- und Gracilis-Sehne von der Oberschenkelrückseite des Patienten entnommen, damit die zwei Bündel des Kreuzbandes rekonstruiert und mit resorbierbaren Schrauben fixiert, die intraartikulär liegen. Um die exakte Platzierung der Bohrungen festzulegen, setzt die Medizinische Universität Wien zusätzlich eine computergestützte Navigation ein. Sie erlaubt eine intraoperative Vermessung und ergänzt die Erfahrung des Chirurgen.

O-Beine schützen

Das Risiko eine Kreuzbandverletzung zu erleiden, ist von vielen Faktoren abhängig. “Wir wissen heute, dass Fußballer vor allem dann besonders stark zu O-Beinen neigen, wenn sie bereits in jungen Jahren viel Fußball gespielt haben. Eine Schweizer Untersuchung hat gezeigt, dass 87 % aller ehemaligen Profifußballspieler bei der Untersuchung ein O-Bein-hatten”, berichtet Univ. Dr. Gobert Skrbensky. Die Gründe dafür liegen zum einen beim einseitigen Training, das zum verstärkten Muskelzug führt und diese Fehlstellung verursacht. “Wesentlich bedeutender dürfte aber eine Überlastung in der Wachstumsfuge unmittelbar unter dem Kniegelenk sein. Das führt zu einer Wachstumsreduktion auf der Innenseite des Unterschenkelknochens, während an der Außenseite das Wachstum nicht in gleicher weise gestört wird.” Für die Belastung der Kreuzbänder hat das positive Auswirkungen, denn O-Beine sind in diesem Zusammenhang sozusagen ein Schutz für die Kreuzbänder. Darüber hinaus spielen auch geschlechtsspezifische Faktoren eine Rolle: Beim X-Bein sind Verletzungen der inneren Seitenbänder und Kreuzbandabrisse häufiger. Zusätzlich hat das Hormon Östrogen gerade zwischen dem 10. und 14. Tag des Zyklus einen signifikant negativen Einfluss auf die Bandqualität. Daher sind Frauen im Fußball häufiger von diesen Verletzungen betroffen.

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