AMD: Gezielte Ernährung stoppt Sehkraftverlust

26. September 2013
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Durch eine gezielte Ernährung lässt sich die altersbedingte Makuladegeneration, kurz AMD, wirksam beeinflussen und die Sehkraft sogar verbessern. Das belegen Augenmediziner am Uniklinikum Leipzig in einer Langzeitstudie.

Über ein Jahr wurden dafür erstmals 200 Teilnehmer mit einer speziellen Diät behandelt und begleitet. Die jetzt veröffentlichten Ergebnisse stützen die Erkenntnis: Die bisher kaum behandelbare trockene Makuladegeneration lässt sich durch unsere Ernährung beeinflussen.

4,5 Millionen Menschen allein in Deutschland betroffen

Jeder dritte Deutsche über 60 ist davon betroffen: Durch die altersbedingte Makulaveränderung schwindet die Sehkraft. Die bisher nicht heilbare Erkrankung schränkt die Betroffenen im Alltag ein, da lesen oder fernsehen nur noch bedingt gut gelingt. Etwa 4,5 Millionen Menschen sind allein in Deutschland betroffen, Auslöser sind Ablagerungen und Veränderungen der Blutgefäße an der Netzhaut. „Wir wissen, dass diese nicht nur altersbedingt sind, sondern auch durch die Lebensführung beeinflusst werden“, erklärt Prof. Jens Dawczynski, stellvertretender Direktor der Augenklinik am Uniklinikum Leipzig und Leiter der Studie.

Essgewohnheiten lassen sich im Gegensatz zum Alterungsprozess aber gut beeinflussen. „Deshalb haben wir in unserer LUTEGA-Studie geprüft, ob bestimmte Nährstoffe die gestörten Stoffwechselprozesse am Auge wirksam wieder verbessern können.“ Untersucht wurde der Effekt einer täglichen Einnahme eines Nahrungsergänzungsmittels mit einer Kombination aus Lutein, Zeaxanthin und Omega-3-Fettsäuren. In der placebokontrollierten, doppelblinden Studie wurden bei 200 Studienteilnehmern mit einer trockenen Form der AMD-Erkrankung über 12 Monate hinweg die Konzentration der Stoffe im Blut ebenso gemessen wie die Beschaffenheit der Makula und die Sehkraft.

Anstieg der Makulapigmente als Folge

„Das Ergebnis hat unsere Hoffnungen bestätigt“, so Prof. Dawczynski. „ Wir haben einen deutlichen Anstieg der Makulapigmente als Folge der Nahrungsergänzungsmitteleinnahme gesehen. Damit wird das mit einem Schwund dieser Pigmente verbundene Voranschreiten der Makuladegeneration gestoppt bzw. verlangsamt.“ Auch die Sehkraft der Studienteilnehmer hat sich als Folge der Nährstoffzufuhr stabilisiert und leicht verbessert. Diese Ergebnisse der Studie wurden aktuell in der Zeitschrift Graefes Journal of Clinical & Experimental Ophthalmologie veröffentlicht.

„Wir wissen damit jetzt sicher, dass wir die bisher kaum behandelbare trockene Makuladegeneration wirksam durch eine einfache, gezielte Diätberatung beeinflussen können“, zeigt sich Prof. Jens Dawczynski begeistert. „Das ist eine große Chance und Hoffnung für unsere Patienten.“

Auch wenn in der Studie die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln untersucht wurde, kann der Effekt auch durch natürliche Nahrungsmittel erzielt werden. Das benötigte Lutein steckt vor allem in grünem Gemüse wie Grünkohl oder Brokkoli, Omega 3 Fettsäuren in Seefisch. „Eine ebenfalls gerade erschienene amerikanische Studie zeigt, dass die Stoffe über das Essen sogar besser aufgenommen werden als über eine Kapsel“, so der Leipziger Augenmediziner.

Originalpublikation:

Long term effects of lutein, zeaxanthin and omega-3-LCPUFAs supplementation on optical density of macular pigment in AMD patients: the LUTEGA study; Dawczynski J; Graefes Arch Clin Exp Ophthalmol. 2013 May 22. [Epub ahead of print]

107 Wertungen (4.4 ø)

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7 Kommentare:

Dr. Bernhard Weilandt-Cohausz
Dr. Bernhard Weilandt-Cohausz

1 Jahr ist noch keine richtige Langzeitstudie. Dies hat sich bei der Bewertung von Antioxidantien wie Vitamin A, Betacarotin und Vitamin E gezeigt, die erst nach einer Beobachtung auffielen. Sie verkürtzten nämlich erst nach 2 Jahren die Lebenszeit.
Kurzfristig (1 Jahr) bewirkten sie keine Lebenszeitänderung

#7 |
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Angestellter Apotheker

@ Dr. med. Bärbel Theuerkorn
METHODS: The LUTEGA study is a double-blind, placebo-controlled clinical trial. 172 patients with non-exudative AMD were enrolled and randomized to three treatment arms. Supplementation included either once (dosage D1) or twice daily (dosage D2) of 10 mg L / 1 mg Z/ O-3-LCPUFAs (thereof 100 mg DHA, 30 mg EPA)/ antioxidants, or placebo (P). After best-corrected visual acuity (BCVA) test, blood sample was collected and MPOD was measured using the 1-wavelength-reflection method and recording reflection images at 480 nm (modified VisucamNM/FA, Carl Zeiss Meditec, Germany). During 1 year of intervention, AMD patients were followed up after 1, 3, 6 and 12 months. 145 AMD patients (D1 = 50, D2 = 55, P = 40) completed the study.

Das Ganze ist sicher interessant, wobei man sich natürlich fragen kann, ob man bei einem Jahr von einer Langzeitstudie sprechen kann.
Und einen “Anstieg der Makulapigmente” würde ich als Surrogat-Parameter bezeichnen.

#6 |
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Dr. med. Bärbel Theuerkorn
Dr. med. Bärbel Theuerkorn

In welcher Dosierung werden die Nahrungsergänzungsmittel vorgeschlagen. Mir sind bisher 3 unterschiedliche Gehalte an Zeaxanthin und Lutein bekannt. Was wird vorgeschlagen?

#5 |
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Finde diesen Artikel prinzipiell gut, wenngleich die Nachricht nicht ganz neu ist. Viele weitere Mikronährstoffe wurden bei AMD bereits studienmäßig untersucht, u.a. Kupfer, Zink, UbiquinoneQ10 usw.
Mittels Ernährung kann man, von wenigen Ausnahmen abgesehen, eher prophylaktische Blutspiegel erreichen. Um therapeutisch wirksame Level zu erreichen braucht es in aller Regel entsprechende Produkte bzw. Präparate. Ich kann das sagen, weil ich seit zwanzig Jahren das Blut meiner Patienten entsprechend untersuche und dann gezielt substituiere – man nennt das “Orthomolekularmedizin”. In Deutschland scheint das aber weiterhin nicht angekommen zu sein, wie man auch an diesem Artikel erkennen kann.
Schade für die Patienten.
Aude sapere!

#4 |
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Petra George
Petra George

Ich finde den letzten Satz ausgesprochen wichtig, da ganz klar gesagt wird, dass die Natur mehr bewirkt, als die Pharmaindustrie. natürlich schafft man es aufgrund von Zeit und Qualität einerseits nicht genügend schutzstoffe zuzuführen! andererseits ist auch nicht an 365 Tagen im Jahr eine breit gefächerte Vielfalt zuzuführen.
Eine intelligente Lösung für die heutige moderne Zeit ist eine natürliche NE, die wissenschaftlich belegt ist.

#3 |
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Sehr guter Beitrag.
Der letzte Satz war überflüssig!

mfG

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Heilpraktikerin

Danke für diesen Artikel. Aus eigener Erfahrung, mein Mann hat sowohl die trockene als auch die feuchte Makuladegeneration, kann ich die Wirkung eines entsprechenden Medikamentes nur bestätigen! Ich würde allerdings freiwillig nie allein auf gute, bewusste Ernährung vertrauen, weil ich die benötigte Wirkstoffkonzentration nicht jeden Tag garantiert einnehmen kann. Ergänzen durch gezielte Nahrungsauswahl kann man immer noch, aber der Gehalt an wirksamen Stoffen kann doch durch Herkunft, Lagerung und Zubereitung zu stark schwanken, um eine gute Wirkung bei dieser fatalen Erkrankung zu gewährleisten. Wir unterstützen die Heilung noch durch Einnahme von homöopathischen Mitteln als Globuli und Augentropfen. Wir sind begeistert, erleichtert und haben eine stabile, gute Situation seit mehr als einem Jahr.

#1 |
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