Nebenjobber: Anatomie-Reise für die Kleinsten

29. September 2008
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Ein guter Job während des Medizinstudiums ist nicht zu verachten. Rechnungen müssen bezahlt werden, die Miete droht am Monatsende, und die Freundin möchte auch gerne mal wieder in den neuen Italiener am Eck ausgeführt werden...

Die Angebote auf dem Jobmarkt sind mannigfaltig: Nachtwachen im Krankenhaus, Rettungsdienste schieben, Zeitungen austragen oder im Altenheim helfen, alte Leute zu füttern und zu pflegen. Ist das die einzige Wahl? Eine ganz andere Idee hatte Joachim Behrens aus der Nähe von Überlingen am Bodensee: Der pfiffige Badener und ehemalige Medizinstudent bietet einen Vortrag der ganz besonderen Sorte an. Hierbei erklärt er Kindergartenkindern den menschlichen Körper auf spielerische Weise – sehr zur Freude der Erzieherinnen und Eltern.

MS: Joachim, vorab natürlich die Frage, wie du auf die wirklich außergewöhnliche Idee gekommen bist, Klein- und Kindergartenkindern die Anatomie näher zu bringen?!

Joachim: Alles fing damit an, dass im neuen Kindergartenjahr meines kleinen Neffen das Jahresthema “Mein Körper” lautete. Da die Erzieherinnen wussten, dass sein Onkel (also ich) Medizin studiert, haben sie mich gefragt, ob ich nicht ein Skelett oder ein anderes Modell eines menschlichen Körpers daheim hätte. Gerne würde sie ein solches ausleihen, um den Kindern ein bisschen etwas über den menschlichen Körper und die inneren Organe erzählen zu können. Man glaubt nämlich gar nicht, wie detailliert und interessiert schon die Kleinsten nach solchen Dingen fragen.An dem Tag, als ich die Modelle in den Kindergarten gebracht habe, fragte mich dann die Gruppenleiterin meines Neffen, ob nicht ich als “Fachmann” Lust hätte, den Kindern ein bisschen etwas über den menschlichen Körper zu erzählen. Und so kam es, dass ich meinen ersten Anatomievortrag in einem Kindergarten gehalten habe.

MS: Wie kann man sich nun einen solchen Vortrag vorstellen? Das kann nicht viel mit einer Vorlesung, wie wir diese von den Universitäten her kennen, zu tun haben, oder?

Joachim: Nein, natürlich nicht. Zunächst habe ich die Modelle ein wenig “verkleidet”, das heißt mit Mützen, Schals und Brillen ausstaffiert, um den Kindern den ersten Schrecken zu ersparen. Viele haben eben doch Angst vor einem Skelett oder einer Puppe, der man die inneren Organe herausnehmen kann.Anfänglich beginne ich ganz allgemein mit dem Körperaufbau. Hier dürfen auch alle Kinder mitmachen. Also: Wir haben zwei Arme und zwei Beine, sowie einen Kopf und einen Rumpf. Der Rumpf und der Kopf beherbergen wichtige Organe wie den Magen, das Herz oder das Gehirn. Auf diese Weise taste ich mich mit den Kindern voran – ich muss immer checken, wo ihre Wissensgrenzen sind oder wann ich zu speziell werde. Das kann ich am besten, wenn ich mit den Kleinen zusammen das Thema angehe. Hier bin ich sehr auf Fragen seitens der Kinder angewiesen.

MS: Und was fragen die Kleinen normalerweise? Sind das ganz einfachste Verständnisfragen, oder kommen da auch hin und wieder echte Spezialistenfragen?

Joachim: Du wirst lachen, aber es kommen größtenteils Fragen, bei welchen ich auch einen Moment nachdenken muss. Kinder fragen eigentlich nie dummes oder unnötiges Zeug, sondern vielmehr Sachen, wie: “Warum sind die Augen eigentlich rund?”, “Wie gelangt das Essen vom Mund in den Magen?” oder “Wie schafft es das Blut, bergauf in den Kopf zu fließen?”. Hier besteht die eigentliche Herausforderung darin, physiologische oder anatomische Besonderheiten in “kindgerechter” Form zu präsentieren – das heißt, sie so darzustellen, dass ein Kind, das ja über keine bis kaum medizinische Vorkenntnisse verfügt, sie verstehen kann. Ich habe so eine Liste, wo die gängigsten Fragen vermerkt sind, welche in losen Abständen eigentlich immer wieder gestellt werden. Aber ich erlebe auch jedes Mal wieder, wie einfallsreich die Kleinen sein können, wenn sie einen Zusammenhang erläutert haben möchten. Da kommt selbst ein alter Hase wie ich manchmal ins Schwitzen! (lacht)

MS: Du hast ja aus deinem Vortrag einen richtigen kleinen Job gemacht. Wie können wir uns das vorstellen?

Joachim: Es hat sich in den Kindergarten meines Neffen herumgesprochen, dass ich solch einen kleinen Vortrag gehalten habe. Diesen “Service” wollten dann auch die anderen Gruppen des Kindergartens nutzen, sowie andere Kindergärten aus der Umgebung. Ich habe dann höflichst angemerkt, dass ich eigentlich keine Zeit dafür habe, diesen Vortrag zwei- oder mehrmals die Woche zu halten, um allen Interessierten entgegen kommen zu können. Da wurde mir angeboten, dieses Programm gegen ein kleines Entgeld anzubieten. Ich konnte also einen meiner Jobs, die ich für meine Lebensunterhalt benötigte, an den Nagel hängen, um im Gegenzug den Kindergartenjob anzunehmen. Seit dieser Zeit werde ich regelmäßig gebucht, um den Kindern diesen kleinen Anatomie-Vortrag zu halten. Ich muss sagen, dass mir dieser Job unglaublich Spaß macht!

MS: Das kann ich mir gut vorstellen. Wie sieht es bei dir in der Zukunft diesbezüglich aus? Kannst du irgendwas aus diesem Job für dich und dein weiteres Berufsleben mitnehmen?

Joachim: Auf alle Fälle! Ich habe gemerkt, dass mir die Arbeit mit den Kindern unheimlich viel Spaß macht. Dies möchte ich auch für meine spätere Berufswahl nutzen, um in den Bereich “Lehre” einzusteigen. Das muss nicht unbedingt an der Universität sein, sondern kann ruhig an einer Schule oder einer vergleichbaren Einrichtung stattfinden. Mir schwebt momentan zum Beispiel die Arbeit an einer Krankenpflegeschule vor, wo ich mich auch schon genauer informiert habe. Auf alle Fälle möchte ich das Ziel weiter verfolgen, interessierten Kindern, Jugendlichen oder jungen Erwachsenen die Faszination der Anatomie weiter zu geben. Das ist eine ganz tolle und spannende Aufgabe und Arbeit!

Mit Joachim Behrens kann man Kontakt aufnehmen und seine Dienste buchen unter joachim.behrens.anatomie@freenet.de.

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