Nicht verzagen – Platz erklagen!

29. September 2008
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Wer sich ins Medizinstudium einklagen möchte, den erwarten in unterschiedlichen Bundesländern unterschiedliche Hürden. Denn es gibt sie schon noch, die wahren und halbwahren Geschichten, wie man an der ZVS vorbei einen Studienplatz ergattert.

Da hat doch tatsächlich wer im Uni-Auswahlverfahren noch einen winzigen Formfehler entdeckt. Jemand anders kann der Hochschule nachweisen, sie hätte noch Kapazitäten für einen weiteren Medizinstudenten.

Fragt man dann weiter, ob aus erfolgreichen Klägern auch erfolgreiche Studenten geworden sind, so driften die Antworten auseinander. Die Essenz daraus könnte man so auf den Punkt bringen: Schlechtes Abitur ist nicht gleich schlechtes Abitur. Wer in der Schule vielleicht intelligent, aber zu faul war, der kann mit der Aussicht auf den angestrebten Abschluss durchaus noch das Lernen lernen. Wer aber durch die Schule mit Klassen wiederholen, Nachhilfe bekommen und dem-Lehrer-vorheulen nur durchgemogelt wurde, dem wird diese Taktik im Medizinstudium nicht mehr helfen.

Rechts oder links

Rein rechtlich jedenfalls steht jedem Studenten die freie Studienwahl zu und das gilt natürlich auch für Medizin. Doch wo kein Kläger, da kein Richter. Nur wer fix genug ist und das nötige Geld hat, der klagt sich ins begehrte Medizinstudium. Moderne Anwälte arbeiten hier nach dem Prinzip des Erfolgshonorars: die Prozesskosten sind von Erfolg abhängig – der Erfolg selbst kann die fünfstellige Eurosumme sein. Die Klage richtet sich übrigens nicht gegen die ZVS, sondern gegen einzelne Hochschulen.

Letztere scheinen, zum Leidwesen der Studenten in spe, in Nordrhein-Westfalen gute Karten zu haben. Pressereferenten der Unis und Anwälte der Kläger betonen fast einstimmig, dass in den letzten fünf Jahren die Erfolgsrate rapide abgenommen hat. Die Ruhr-Uni Bochum beispielsweise musste im letzten Jahr keinen einzigen der einigen hundert Klagenden zulassen, so deren Sprecher Josef König zu “WR Campus”. Der Bericht zitiert weiter den Saarbrücker Anwalt Rolf Zimmerling: Im Oberverwaltungsgericht Münster säßen Richter, die nur sehr wenige Klagen durchkommen ließen. Der Jurist rät seinen Mandanten sogar, einen Prozess gegen nordrhein-westfälische Universitäten von vorneherein zu unterlassen; es rentiere sich einfach nicht, die Chance sei zu gering.

Doch verzagen muss auch in NRW niemand: Wer unbedingt zuhause an Rhein und Ruhr Medizin studieren will, kann sich immer noch bei Unis außerhalb des Landes einklagen. Vielleicht in Ostdeutschland, das nicht so überlaufen ist. Oder in einer bürgerlichen fränkischen Kleinstadt. Denn in Bochum, Köln und Co. gibt es bestimmt manche ZVS-Opfer aus Bayern und Brandenburg, die gerne die Plätze tauschen würden.

Andere Wege

Es gibt auch eine Alternative zur Klage. In Österreich zum Beispiel zählt für die Zulassung nicht die Abiturnote, sondern nur ein Auswahltest. Hinfahren, mitschreiben, abwarten – vielleicht gehört man zu den Glücklichen. In Wien sind zwanzig Prozent der Plätze für Nicht-Österreicher aus dem EU-Raum reserviert. Der Nachteil der Alpenrepublik ist wiederum, dass das Studium dort nicht überall in Europa so gut anerkannt wird wie das deutsche.

Etwas weiter östlich lockt die Semmelweis-Universität Budapest. Für 6.500 Euro Studiengebühren pro Semester kommt man, wie in Deutschland auch, in zwei Jahren durch die Vorklinik. Unterrichtssprache ist deutsch, die Zulassungsbedingungen sind moderat. Anschließend geht es mit dem Physikum in der Tasche für den Klinischen Abschnitt zurück in die Heimat. In Hamburg hat die Semmelweis-Uni eine Zweigstelle, an der man sein Studium fortsetzen kann, wobei ein Semesterbeitrag dann 7.200 Euro beträgt. Insgesamt zahlt man auch am Ende die fünfstellige Eurosumme. Natürlich gibt es noch die Möglichkeit, sich stattdessen an einer regulären staatlichen Hochschule um einen Klinik-Platz zu bewerben.

Fazit

Nicht zuletzt gibt es zwei zentrale Aspekte, die sich jeder Kläger überlegen sollte: Gewiss ist allein der Zugang zum Studium, oftmals eine der schwierigsten Hürden überhaupt, denn in der Schule konnte man sich eben nicht aller Nieten-Fächer entledigen, die im Abiturschnitt ihre unerfreuliche Rolle gespielt haben, später jedoch unwichtig sind. Andererseits lehrt die Erfahrung: Wer aus seinem Studienplatz irgendwann einen Studienabschluss machen will, dem hilft kein Klagen, sondern nur Lernen. Gilt übrigens auch für die Abiturbesten.

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