Adipositas: Bessere Arzneimitteltherapie nach OP

25. September 2013
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Derzeit ist unbekannt, inwieweit sich die Aufnahme von Arzneistoffen im Magen-Darm-Trakt nach einer Adipositaschirurgie verändert. Mit einer biopharmazeutischen Klassifizierung von Arzneistoffen wollen Wissenschaftler diese Lücke schließen.

Die Arzneimittelversorgung für Patienten nach einer Adipositaschirurgie soll verbessert werden. Mit diesem Ziel haben Pharmazeuten der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und der Ben-Gurion-Universität in Israel ein Kooperationsprojekt gestartet, das von der German-Israeli Foundation for Scientific Research and Development (GIF) in den kommenden drei Jahren gefördert wird. Derzeit ist unbekannt, inwieweit sich die Aufnahme von Arzneistoffen im Magen-Darm-Trakt verändert, wenn ein chirurgischer Eingriff zur Behandlung von krankhaftem Übergewicht erfolgt ist. Mit einer biopharmazeutischen Klassifizierung von Arzneistoffen wollen die beteiligten Wissenschaftler diese Lücke schließen und so dazu beitragen, die Sicherheit medikamentöser Therapien nach einer Adipositaschirurgie zu erhöhen.

In Deutschland und weltweit steigt die Häufigkeit für krankhaftes Übergewicht. Bei Patienten mit schwerem Übergewicht, sogenannter morbider Adipositas, kann zur Gewichtsreduzierung eine Adipositaschirurgie vorgenommen werden. Im Jahr 2008 wurden bereits mehr als 350.000 chirurgische Eingriffe weltweit durchgeführt. Ein häufig angewendetes Verfahren stellt der Magenbypass dar, der einem kombiniert restriktiv-malabsorptiven Verfahren entspricht. Dabei wird zum einen die Nahrungsmenge, die bei einer Mahlzeit aufgenommen werden kann, drastisch reduziert. Zum anderen wird der Ablauf der Verdauung geändert, sodass nicht mehr alle Nahrung vom Körper aufgenommen wird. Der größere Teil des Magens wird operativ „blind“ verschlossen und verbleibt im Körper und wird, zusammen mit dem Zwölffingerdarm und Teilen des Dünndarms, von der Nahrungspassage ausgeschlossen. Die Gewichtsabnahme durch die Operation beträgt im statistischen Durchschnitt 60 Prozent des extremen Übergewichts. Die Gewichtsreduktion geht in der Regel auch mit einer Verbesserung der Begleiterkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck und Herzinsuffizienz einher. Die Sterberate sinkt im Vergleich zu einer Kontrollgruppe um bis zu 40 Prozent.

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Anatomie des Magenbypass: Schematische Darstellung der Anatomie des Magen-Darm-Trakts vor (links) und nach (rechts) einer Operation. Im rechten Bild ist zu erkennen, dass bestimmte Regionen von der Passage des Speisebreis ausgeschlossen werden. Damit fehlen unter Umständen Regionen, die für die Aufnahme von Arzneistoffen wichtig sind. © Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie, JGU

Vorhersage der verbleibenden Resorptionsleistung

Da die Magenbypass-Operation einen wesentlichen Eingriff in die gesamte Verdauung darstellt, kann es zu Mangelzuständen wie z.B. bei der Versorgung mit Vitaminen und Spurenelementen kommen. Problematisch ist auch die derzeitige Unkenntnis, inwieweit sich die Operation auf die Resorption und Bioverfügbarkeit von Arzneistoffen auswirkt, die als Tabletten oder Kapseln geschluckt werden. Hier setzt das Forschungsprojekt der beiden Arzneimittelforscher Prof. Arik Dahan (Israel) und Prof. Peter Langguth (Mainz) an. Mittels biopharmazeutischer Klassifizierung von Arzneistoffen wollen sie ein System erstellen, das eine Vorhersage der verbleibenden Resorptionsleistung der gastrointestinalen Abschnitte für den jeweiligen Arzneistoff ermöglicht. Basis für diese Abschätzung sind neben experimentellen Modellen auch computergestützte Verfahren.

„Damit können Ärzte und Apotheker unter den zur Verfügung stehenden Arzneimitteln solche Präparate auswählen, deren Resorptionsleistung durch die Adipositaschirurgie möglichst nicht verändert wird, um den optimalen Therapieerfolg der Arzneimitteltherapie zu gewährleisten“, teilte Peter Langguth vom Institut für Pharmazie und Biochemie – Therapeutische Lebenswissenschaften der JGU dazu mit.

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Chirurgie, Medizin

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2 Kommentare:

Michael Wirtz
Michael Wirtz

40% Sterblichkeit? Das steht da gar nicht. Und vielleicht sollte man sich mit den Betroffenen mal auseinandersetzen

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Ärztin

Verkrüppelnde Operation mit 40% Sterblichkeit! Malabsorption als Basis der “Genesung” vom Übergewicht. Zur Rechtfertigung die Reduktion von Hypertonie und Diabetes.
Trotz der massiven Einschränkungen bei der Verdauung überleben immerhin 60 % der Operierten.
Das sollte bezüglich der verbliebenen Verdauungsleistung und somit durch die Hintertür der vermeintlichen verantwortlichen Eigenbeteiligung der Betroffenen bezüglich ihres Übergewichtes zu denken geben. Immerhin sind die Betroffenen auch nach der OP eher selten kachektisch, was ein deutliches Zeichen für die beachtliche Leistung ihres Verdauungstraktes bezüglich der Bereitstellung von Nährstoffen darstellt.
Man könnte daraus rüchschließen, dass diese Menschen “Opfer” des dolce vita der Zivilisation sind, jedoch im harten Überlebenskampf in Hungersnöten bei gleichzeitig harter körperlicher Arbeit einen deulichen Überlebensvorteil haben.
Modebewusstsein, Jugendlichkeitswahn und das allumfassende Bedienen dieser Begehrlichkeiten als “Werte”, bei der Bevölkerung durch Nahrungsmittelindustrie, Pharmaindustrie und auch der Medizin machen den “Dicken” zum Objekt.
Der oben geschriebene Artikel beweist: Gesund sind die schlankgeschrumpften Menschen nicht auch wenn der verloren gegangene Diabetes dies suggerieren mag.
Wie steht es eigentlich mit der Mortalität der “Gesundgeschlankten”? Leben sie wirklich länger als ihre dicken Zeitgenossen?

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