Colonkarzinom: Vorsorge per Blutprobe

27. März 2013
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Noch ist die Darmkrebsvorsorge mit einer Blutprobe Zukunftsmusik. Doch Forscher haben Marker entdeckt, mit denen eine Umsetzung möglich erscheint.

Die Krebsfrüherkennung ist ein wichtiges Instrument. Den Versicherten stehen die Vorsorgeleistungen zu – doch viel zu wenige nutzen sie. Zur Koloskopie, die ab dem 55. Lebensjahr als gesetzliche Vorsorgeleistung durchgeführt und nach zehn Jahren wiederholt werden kann, gehen nur etwa 20 Prozent der Bundesbürger, die einen Anspruch darauf haben. Wäre die Darmkrebsvorsorge mit einem Bluttest möglich, sähen die Teilnahmeraten vermutlich anders aus. Zukunftsmusik? In der Tat. Doch Wissenschaftler der Charitè und des Max Planck Instituts für molekulare Genetik in Berlin haben nach ihren neuesten Ergebnissen diese Möglichkeit im Hinterkopf.

Molekulare Marker für Darmkrebs entdeckt

“Wie konnten in einem Mausmodell für Darmkrebs ein konserviertes Muster von rund 13.000 epigenetischen Veränderungen identifizieren, in denen sich Krebszellen von gesunden Zellen unterscheiden. Die Veränderungen wurden bereits bei ganz jungen Mäusen beobachtet, denen das APC-Gen, ein Tumorsuppressor, defekt ist”, erklärt Dr. Markus Morkel, Leiter der Untersuchung. Das bedeutet, dass diese Mutation die epigenetischen Veränderungen bedingt. Diese Modifikationen haben zwar für das Fortschreiten der Krebserkrankung nicht unbedingt eine funktionelle Bedeutung, doch die Forscher fanden heraus, dass ein großer Teil dieser Veränderungen auch in menschlichem Darmkrebsgewebe nachzuweisen ist. Diese Muster scheinen folglich evolutionär sehr konserviert zu sein, was wichtig für einen Marker ist.

Erkennen bevor der Krebs entsteht?

Mit diesem Set an Markern für Darmkrebszellen ausgerüstet machen sich die Wissenschaftler um Dr. Morkel auf die Suche nach Hinweisen im Blut. Da Tumorzellen sich nicht nur unkontrolliert teilen, sondern auch unkontrolliert in Apoptose gehen, liegt relativ viel freie Tumor-DNA im Blut vor. Dort könnte sich also auch die epigenetische Veränderung in Form von angehefteten Methylgruppen finden lassen. Als nächsten Schritt auf dem Weg zu einer einfacheren Testmöglichkeit muss nun geprüft werden, ob die DNA und die epigenetischen Veränderungen im Blut von Tumorpatienten nachweisbar sind.

Anschließend wollen die Wissenschaftler testen, ob der positive Nachweis schrittweise auf einen immer früheren Zeitpunkt verlegt werden kann. Da die epigenetischen Veränderungen beim Darmkrebs bereits durch die ursprüngliche Mutation in APC, einem Gen des Wnt/Beta-Catenin-Signaltransduktionswegs, ausgelöst werden, müssten die Veränderungen folglich zu einem frühen Zeitpunkt nachweisbar sein, zu dem die Krebsvorstufen noch einfach aus dem Darm entfernt werden können – eine wichtige Voraussetzung für eine Früherkennungsuntersuchung.

Epigenetik & Krebs – eine vielversprechende Kombination

Auch bei anderen Krebsarten wird am epigenetischen Muster geforscht. Bei Magenkrebs lassen sich in Tumoren und Zelllinien Muster finden, die über die aggressive von weniger aggressiven Varianten unterscheiden lassen. Daneben versuchen Wissenschaftler, epigenetische Vorgänge für Antikrebstherapien zu verwenden. Bei Brust-, Leber– und Nierenkrebs übernimmt ein Enzym aus der Gruppe der Histondeacetyltransferasen (HDAC11) die epigenetischen Veränderungen. In gesundem Gewebe scheint das Enzym hingegen keine wichtige Rolle zu spielen. Daher hoffen die Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg, dass sich mit Hilfe der gezielten Unterdrückung der HDAC11 Krebszellen selektiv ausschalten lassen, was in Zellkulturversuchen auch bereits funktioniert hat.

Egal ob für Methoden der Früherkennung von Krebs oder der Therapie – in der Epigenetik scheint großes Potential zu liegen. Wir können gespannt sein, welche Entwicklungen sich in den kommenden Jahren ergeben werden.

98 Wertungen (4.09 ø)
Medizin, Onkologie

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9 Kommentare:

Prof. Dr. med. Huan Nguyen
Prof. Dr. med. Huan Nguyen

Sehr interessanter Ansatz
Entscheidend wäre ob Karzinom in den Stadien T1 -T2 entdeckt werden kann
Wenn der Test falsch negativ ausfallen sollte dann wäre es für Patient und Arzt fatal

#9 |
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dr. pia-lorette kleine
dr. pia-lorette kleine

Trotz des Kostenproblems dieser doch einfacheren Vorsorgemöglichkeiten ist es doch gut zu wissen,daß es sie gibt.

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Dr. Ullrike JEHMLICH
Dr. Ullrike JEHMLICH

Ein sehr interessanter Artikel.Der Septin 9 Test sollte vielleicht in punto Sensitivität verbessert werden.

#7 |
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Ein vielversprechender Artikel.Es wäre ideal wenn sich der Bluttest als Vorsorgetest für das Coloncarcinom etablieren ließe.

#6 |
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Dr. rer. nat. Alfred Hansel
Dr. rer. nat. Alfred Hansel

So schlecht ist der “Epipro colon” dann doch nicht, er erreicht eine Sensitivität von 90%. Allerdings beträgt die Spezifität auch “nur” 90%. Epigenomics hat eine ganze Reihe epigenetischer Marker detektiert und ausprobiert und ist am Ende bei einem Marker geblieben. Schwer zu verstehen, dass sich die akademische Forschung da nun noch einmal auf die Suche begibt und auch die gleichen technischen Probleme zu lösen wie Epigenomics, nämlich einen guten Test auf eoigenetische Marker im Blut zu etablieren. Und dass das dann als große Innovation gefeiert wird….

#5 |
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Dr. med. Peter Hain
Dr. med. Peter Hain

Findet denn in diesem Zusammenhang der M2PK -Test keine Erwähnung mehr?

#4 |
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Dr. med. Frank Bollig
Dr. med. Frank Bollig

Wie mein Vorgänger schon geschildert hat, gibt es schon den Septin 9 Test, den die Autorin unterschlagen hat.
Allerdings ist die Sensitivität (ca. 70 %) nicht besser als bei immunologischen Stuhltests und er ist viel zu teuer.

#3 |
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Ein analoges Testverfahren der Sept9-Test der Firma Epigenomics ist bereits seit einiger Zeit auf dem Markt. Leider scheitert die Einführung solcher neuen und sinnvollen Testsysteme häufig an den Kosten.

#2 |
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Dr. Christian Musialowski
Dr. Christian Musialowski

Inressanter Artikel, danke.

#1 |
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