Neue Therapie für schwer behandelbare Epilepsien

23. September 2013
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In einem Projekt kommt seit kurzem eine neue Behandlungsoption zum Einsatz, die Menschen mit schwer behandelbaren Epilepsien eine deutlich verbesserte Lebensqualität verspricht. Wie wichtig das ist, zeigt eine aktuelle Studie.

Rund 70.000 Menschen in Österreich leiden an Epilepsie, weltweit sind es geschätzte 50 Millionen. Das Problem daran: Trotz bestmöglicher medikamentöser Behandlung leidet ein Drittel aller Personen mit Epilepsie an Anfällen, oftmals mit der Folge beträchtlicher psychosozialer Auswirkungen. Für einen Teil dieser Menschen gibt es nun eine neue und vielversprechende Behandlungsoption, um die Symptome zu lindern.

Dazu werden Patienten mit schwer behandelbaren Epilepsien in Rahmen einer interdisziplinären Zusammenarbeit der Universitätskliniken für Neurologie und Neurochirurgie der MedUni Wien einem Palliativverfahren mit der tiefen Hirnstimulation (deep brain stimulation DBS) unterzogen. Ekatarina Pataraia von der Universitätsklinik für Neurologie der MedUni Wien erklärt die Vorgangsweise: „In einem Gehirnareal, dem Thalamus, werden Elektroden implantiert. Durch die Dauerstimulation dieser Strukturen kann es zur Unterbrechung der Ausbreitung der epileptischen Aktivität und dementsprechend zu einer deutlichen Abnahme der Anfallsfrequenz und -schwere kommen.“ Die Methode wird an den Universtitätskliniken der MedUni Wien darüber hinaus bereits bei anderen Indikationen (z.B. für die Behandlung von Morbus Parkinson) mit großem Erfolg eingesetzt.

Menschen mit Epilepsie haben schlechtere Berufschancen

Wie wichtig die Behandlung von Epilepsie ist, zeigt eine im heurigen Jahr an der Universitätsklinik für Neurologie der MedUni Wien durchgeführte Studie. Dazu Studienleiterin Ekaterina Pataraia: „Nur sehr wenige Personen mit Epilepsie absolvieren nach der Pflichtschule eine Berufsausbildung. Dadurch haben diese Menschen deutlich schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.“ Auch ein Universitäts- bzw. Hochschulstudium wird nur höchst selten abgeschlossen. Hinzu kommt nach wie vor das Problem der Krankheitsstigmatisierung und der damit verbundenen psychosozialen Belastung. Für das Gesundheitssystem besteht auch eine hohe finanzielle Belastung durch die direkten Krankheitskosten einerseits, die durch Medikamentenkosten und ärztliche Behandlung, Spitalsaufenthalte und Notfallbehandlungen entstehen und andererseits indirekten Kosten (z.B. infolge Arbeitsunfähigkeit, Rentenzahlungen, Pflegekosten).

Originalpublikation:


Direkte und indirekte Krankheitskosten der Epilepsie in Österreich, Florian Schwendinger

 

 

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Medizin, Neurologie

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