Spitzenmedizin und Menschlichkeit

12. November 2008
Teilen

So lautet das Motto des Uniklinikums Essen. Das mag für die Patienten gelten. Doch erleben die PJler Tag für Tag das Gegenteil. Dank eurer Hilfe füllt sich die Datenbank von pj-ranking.de immer mehr.

Nach über 3000 abgegebenen Bewertungen trennt sich die Spreu vom Weizen. Das UK Essen gehört wohl eher in die erste Kategorie. Mit einer Gesamtnote von 2,9 liegt das Essener Klinikum nämlich abgeschlagen auf einem der letzten Plätze des Rankings. Dabei erhebt es in seinem Leitbild den Anspruch, in der Lehre zu den herausragenden Fakultäten zu gehören. Was also läuft da schief?

„Sehr PJ-feindlich gesinnt“

Einer der Ex-PJler aus Essen sieht Probleme in der Umsetzung. Theoretisch sei in Essen alles „sehr gut durchgeplant, in der Praxis herrscht dann aber das Chaos.“ Schön, wenn zwei Seminare pro Woche angesetzt sind. Schlecht, wenn diese dann ausfallen oder der Unterricht „schlecht“ und „irrelevant“ ist. Auf vielen Stationen sei die „Ausbildung gleich null. Es interessiert niemanden, ob du überhaupt existierst, solange die Arbeiten auf der Station irgendwie erledigt werden.“ So ist eine herausragende Lehre nun wirklich nicht möglich.

Kommen wir nun zum Thema „Menschlichkeit“: Die gesamte Uniklinik wird in den Kommentaren gegenüber den PJ’lern als „sehr feindlich gesinnt“ bezeichnet. Auffällig sind die vielen bösen Kommentare zu den betreuenden Ärzten. Da wird der Chef – oder Oberarzt schon mal als „cholerisch“, „unmenschlich“ oder „schizophren“ bezeichnet. Auf dieser Basis verwundert das schlechte Abschneiden wohl kaum – gerade in einem Klinikum, das sich die Menschlichkeit auf die Fahne schreiben will.

Und auch von den Stationsärzten sind die Essener Studenten oftmals enttäuscht: „Es gab soviel zu tun, dass sie keine Zeit für Erklärungen hatten. Für das PJ in Essen gilt: Man muss viel zu Hause nacharbeiten. Praktisch lernt man fast nichts.“

Ausnahmen bestätigen die Regel

Ein ganz anderes Bild zeigt sich auf der Anästhesie und der Onkologie: Hier fand ein PJ’ler „sehr freundliche, kollegiale Ärzte“ vor, die an der Ausbildung des Nachwuchses großes Interesse zeigten und bei denen er viel dazulernen durfte. Mit Abstand am besten bewertet wurde jedoch das eher unbekannte Fachgebiet der Kinder- und Jugendpsychiatrie.

O-Ton eines zur Abwechslung begeisterten Studenten:“Gute Arbeitszeiten, respektvoller Umgang miteinander und immer ein offenes Ohr für alle Fragen. Ich werde die KJP vermissen.“ Das hört man gerade in Essen nicht häufig aus dem Mund eines PJler’s.

0 Wertungen (0 ø)
Allgemein

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

1 Kommentar:

Ich absolviere derzeit den letzten Monat des ersten PJ-Tertials in der Inneren Medizin an der Universitätsklinik Essen.
Für Lehre haben nur wenig Ärzte Zeit, der ein oder andere Chefarzt nimmt sich manchmal einem an und erklärt ein wenig. Oft ist es jedoch so, dass man eher unsichtbar oder störend ist, wenn man Fragen hat oder etwas nicht versteht. “Als PJ’ler sollte man soetwas schon wissen” ist eine der häufigsten Antworten. Zeit hat eigentlich selten einer der Ärzte.
Oberste Priorität haben die Blutabnahmen und die Aufnahmen-das ist PJ-Sache. Man versucht eben, das zu bewältigen, da es sonst die oft angeschlagene Laune der Stationsärzte weiter vermindert. Meistens nimmt es den ganzen Tag in Anspruch und man kann sich glücklich schätzen, wenn man es bis 16.00 erledigt bekommt. Währendessen kommt es oft vor, dass man den Vorwurf hört, man wäre sehr desinteressiert, da man ja nichts anderes macht als Blutabnahmen und Aufnahmen.
Man bekommt keinen Lob, eher einen blöden Spruch, wenn man in der Aufnahmeuntersuchung etwas fachübergreifendes findet.
Dank ist auch selten-am häufigsten in Form von:”willst de dir nicht mal nen Kaffee holen?!”
Ich habe vor dem Studium bereits eine medizinische Ausbildung absolviert und arbeite seitdem notgedrungen nebenbei im Krankenhaus. Ich habe stets Motivation in meinen Tätigkeiten gefunden. Im PJ ist das anders. Ich stelle mir zunehmend die Frage, warum sooo lange studieren, wenn man letzendlich doch nur Briefe schreibt und 2xtäglich mit dem Visitenwagen durch die Station schiebt. Erfolgserlebnisse gibt es nicht.
Ich überlege öfters krampfhaft, wie es nach dem Studium mit mir weitergehen soll. Eins steht fest: Internist an der Uniklinik Essen werde ich nicht.

#1 |
  0


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: