Herz in anderen Umständen

14. November 2008
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Fünf Prozent der Schwangeren entwickeln meist in der zweiten Schwangerschaftshälfte eine Präeklampsie. Dass die Erkrankung als möglicher Fingerzeig auf folgendes Herzleid zu werten ist, ergaben gleich mehrere Studien. 

Erhöhter Blutdruck, Proteine im Urin und Ödeme –Vorsorgeuntersuchungen beim Frauenarzt dienen dem Erkennen der Präeklampsie. Betroffene Frauen werden intensiver überwacht und gegebenenfalls behandelt. Deshalb kommt es hierzulande selten zur Ausprägung der lebensbedrohlichen Eklampsie. Geht es Müttern und Kindern nach der Geburt gut, scheint die Präeklampsie Vergangenheit zu sein.

Risikofaktor für Herzkreislauferkrankungen

Dass die Präeklampsie erster Indikator für die Entwicklung einer koronaren Herzerkrankung sein kann, ist das Ergebnis gleich mehrerer Studien. Demnach sollten sich nicht nur Gynäkologen um betroffene Frauen sorgen. Die Häufigkeit von erhöhtem Blutdruck und Blutfetten, beides kardiovaskuläre Risikofaktoren, war bei Frauen mit Präeklampsie in der Schwangerschaft gegenüber Frauen ohne diese Schwangerschaftskomplikation ein Jahr nach der Geburt deutlich erhöht. Rechnerisch ergab sich ein zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko für ein kardiovaskuläres Ereignis innerhalb der folgenden zehn Jahre. Dies berichtet die Queens University of Kingston in Kanada. Zugrunde liegt eine Studie an 400 kanadischen Frauen, wovon die Hälfte unter Präeklampsie litt. Ergebnisse veröffentlichte das American Journal of Obstetrics and Gynecology.

Erschreckend niedriges Durchschnittsalter

Ein etwa doppelt so hohes Risiko für frühe kardiale, zerebrovaskuläre und peripher arterielle Erkrankungen sowie eine erhöhte kardiovaskuläre Sterblichkeit fanden auch andere Forscher aus Kanada in einer Metaanalyse von fünf Fallkontrollstudien und zehn Kohortenstudien mit über 2 Mio. Frauen, von denen 116.000 unter Präeklampsie litten (Am Heart J 2008; 156: 918-930). Statistische Analysen ergaben in dieser Untersuchung zudem eine abgestufte Beziehung zwischen der Schwere der Präeklampsie und dem kardialen Risiko. Die größte in die Analyse einbezogene Studie hatte die Frauen bis zu acht Jahre nach der Geburt beobachtet. Diese belegt ein erschreckend niedriges durchschnittliches Alter von nur 38 Jahren für erste Krankenhausbehandlungen wegen einer kardiovaskulären Erkrankung oder einer Revaskularisation.

Gemeinsamer Ursprung beider Erkrankungen

Als eine Art Stresstest betrachtet Graeme Smith, Leiter des Canadian Institutes of Health Research (CIHR) and Heart & Stroke Foundation Pre-Eclampsia New Emerging Team (PE-NET), die Schwangerschaft. Die dauerhaft hohe Belastung reflektiert zugrunde liegende Probleme, die durch Veränderungen des Lebensstils beeinflusst werden können, bevor Medikamente zum Einsatz kommen. Präeklampsie und kardiovaskuläre Erkrankungen haben wahrscheinlich gemeinsame Pathomechanismen, die in der Schwangerschaft häufig erstmalig symptomatisch in Erscheinung treten. Die Prävention kann möglicherweise bei Frauen mit Eklampsie nicht früh genug einsetzen. Eine Präeklampsie in der Krankengeschichte sollte grundsätzlich bei der Erstellung eines kardiovaskulären Risikoprofils berücksichtigt werden.

Fieberhafte Fahndung nach Frühtests

Seit vielen Jahren bereits suchen Wissenschaftler nach einem möglichen Frühtest, um die Präeklampsie zu erkennen. Dies allerdings scheint nicht ganz einfach zu sein. So fanden US-Forscher bereits 2005 in Urinproben von Schwangeren mit Präeklampsie einen Mangel von plazentaren und endovaskulären Wachstumsfaktoren (JAMA 2005; 293: 77-85) und hielten die Entwicklung eines Screeningverfahrens für möglich. Andere Wissenschaftler konzentrieren sich auf das Blut von Schwangeren und fanden dort Spuren für ein erhöhtes Präeklampsierisiko. Bis es allerdings soweit ist, sind derzeit die regelmäßigen Schwangerschafts-Vorsorgeuntersuchungen beim Frauenarzt unerlässlich, um ein Risiko so früh wie möglich zu erkennen. Dass Patientinnen auch in der Folgezeit engmaschiger zu betreuen sind, mahnen auch Urologen an. Sie berichteten unlängst im New England Journal of Medicine von häufigeren Nierenschäden bei Patientinnen mit Präeklampsie und in der Folge frühzeitigem Nierenversagen mit Dialysepflicht.

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1 Kommentar:

Priv. Doz. Dr. med. Elke Halle
Priv. Doz. Dr. med. Elke Halle

Wir haben schon vor über 30 Jahren Patientinnen mit Präeklampsie in der Schwangerschaft an eine Internistin (Nephrologin/Kardiologin)überwiesen, die diese Frauen in eine Dispensaire-Betreuung genommen hat. Nicht selten haben wir dann später Informationen über Nierenschäden und/oder Gefäßerkrankungen erhalten.
Leider sind solche Dispensairebetreuungen in unserem Gesundheitssystem nicht mehr üblich!!!

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