Schau mir in die Augen…

25. November 2008
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Klarer Fall von Selbstüberschätzung: Ein Heilpraktiker behauptet gegenüber einem Gynäkologie-Professor, mittels alternativer Verfahren Krebs diagnostizieren zu können. Eine auf die Behauptung folgende Studie wurde mit einem Wissenschaftspreis ausgezeichnet.

Prof. Dr. med. Karsten Münstedt ist stellvertretender Direktor des Frauenklinikums der Universität Gießen und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Erforschung konventioneller und unkonventioneller Behandlungsmethoden von Krebserkrankungen. So passte der geworfene Fehdehandschuh genau in sein Spezialgebiet: Ein Heilpraktiker war sich der Qualität und Aussagekraft der von ihm bevorzugten alternativen Diagnoseverfahren so sicher, dass er gegenüber dem Professor die Behauptung aufstellte, er könne mittels „Irisdiagnostik“ und „Dunkelfeldmikroskopie nach Enderlein“ genauso exakte Diagnosen über gynäkologische Krebsformen stellen wie der Mediziner mittels radiologischer Untersuchung.

Hohe Akzeptanz in der Bevölkerung

Die beiden komplementärmedizinischen Verfahren werden häufig von Heilpraktikern zur Diagnose von Krebs und zu dessen Vorbeugung eingesetzt. In der Bevölkerung haben solche Methoden eine recht hohe Akzeptanz, da sie immer wieder als ernstzunehmende Alternative zur schulmedizinischen Diagnostik angepriesen werden und eine Diagnose ohne belastenden Eingriff möglich erscheint. Auch der weit verbreitete Wunsch der Patienten, als Ganzes wahrgenommen und nicht nur auf eine Krankheit reduziert zu werden, hat einen großen Einfluss auf die Popularität dieser Methoden.

Im Fokus: „Auffällige Zeichen“ und „Urkeime“

Grundlage der Irisdiagnostik (oder Iridologie) ist die Ansicht, dass das Auge der Spiegel des Körpers sei. Dazu wird die Iris mit einem Irismikroskop auf auffällige Zeichen abgesucht, die in bestimmten Regionen auf eine Krebserkrankung hinweisen sollen. Die Theorie der Irisdiagnostik geht bis auf das 17. Jhdt zurück; eine Verbreitung erfuhr das Verfahren 1881 nach einer Veröffentlichung des ungarischen Arztes Ignatz von Peczely. Ausgangspunkt der Dunkelfeldmikroskopie nach Enderlein ist der Pleomorphismus. Ein Urkeim pflanzlichen Ursprungs soll demnach im Körper vorhanden sein, der sich bei Störung des körperlichen Gleichgewichts durch eine Erkrankung verändert und schließlich zu Pilzen und Bakterien entwickelt. Zur Diagnostik wird ein Tropfen Blut aus der Fingerbeere entnommen und unter dem Dunkelfeldmikroskop mit Dunkelfeldkondensor analysiert. Hiermit sollen sich Krankheitstendenzen früh erkennen lassen. Etwa 400 bis 500 Heilpraktiker – und auch Ärzte – wenden diese Methode in Deutschland an.

Zurück auf den Boden der Tatsachen

Als sein Doktorvater machte Prof. Münstedt dem jungen Arzt Samer El-Safadi den Vorschlag, die Zuverlässigkeit der alternativen Diagnoseverfahren in seiner Dissertation mit validen Zahlen zu belegen – und so führte El Safadi dem von seinen Diagnoseverfahren so überzeugten Heilpraktiker im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie 110 Probanden zu (davon 68 mit zum Teil mehreren klinisch nachgewiesenen Karzinomen und 42 gesunde Vergleichsprobanden), um sie mittels Irisdiagnostik bzw. Dunkelfeldmikroskopie untersuchen zu lassen. Das ernüchternde Ergebnis: Mittels der komplementärmedizinischen Diagnoseverfahren konnte nur in drei Fällen die korrekte Diagnose gestellt werden. Andererseits wurde die Diagnose „aktiver Krebs“ bei 30 Personen gestellt, ohne dass sich klinisch und apparativ Hinweise dafür fanden. In einer realen Situation wären die Betroffenen mit unnötigen Ängsten und Verunsicherung konfrontiert worden. Möglicherweise wären auch therapeutische Maßnahmen eingeleitet worden, die abgesehen von dem fraglichen Nutzen eine finanzielle Belastung bedeutet hätten. Dr. Samer El-Safadi wurde kürzlich bei der 180. Tagung der Mittelrheinischen Gesellschaft für Geburtshilfe und Gynäkologie in Kassel mit einem Wissenschaftspreis für seine Untersuchung der alternativen Diagnoseverfahren ausgezeichnet.

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Allgemein

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21 Kommentare:

Begreife nicht, daß einige Kollegen weder Statistiken noch logische Zusammenhänge akzeptieren können. Weder statistisch noch anatomisch ist ein Zusammenhang der Iris mit Erkrankungen oder deren Anzeichen möglich. Alternative Methoden, die so offensichtlich falsch sind, sollten zum Wohl der Kranken verboten werden. Einzelfälle als Beweis für Wirksamkeit anzuführen ist indiskutabel. Man könnte genauso die Wirkung auf das Wetter, das Gebet von Oma Marga, einen Meteoriten oder die Regierung von Oberbayern zurückführen, alles gleich wahrscheinlich wie die Effektivität der Irisdiagnostik & Co.

#21 |
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Nicole Normann
Nicole Normann

@cohen
immer noch nicht kapiert? Noch mal zum Mitschreiben: WER HEILT HAT RECHT!!!! Bitte das Wohl des Patienten nicht vergessen, um das es uns doch eigentlich gehen sollte…

#20 |
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Nicole Normann
Nicole Normann

@idris: Ist dieses Forum nur bestimmt für Schulmediziner??? Nur offen für IHRE Sicht der Dinge? Arme Welt!

#19 |
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Nicole Normann
Nicole Normann

Stimmt, Cohen. Sie sind indiskutabel, schade eiegentlich…

#18 |
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Nicole Normann
Nicole Normann

Worauf bezieht sich das, bitte?

#17 |
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Nicole Normann
Nicole Normann

Herr/Frau Cohen,
Sie scheinen ja so langsam in jedem Forum aufzutauchen…. Gut so! Kritik muss geübt werden.! Aber dennoch gilt: Wer heilt hat Recht. In Ihrem Fall frage ich mich allerdings sol angsam: Warum schiessen Sie denn nun so scharf? In einem anderem Forum (Sie wissen, wo) waren Sie auch schon so unermüdlich penetrant gegen die Naturheilkunde. Leider! Werden Sie doch mal offener! Wer hat Ihnen denn was getan? Wir möchten doch ausdrücklich nochmals darauf hinweisen, dass wir hier bitte nur sachlich diskutieren möchten, Lieben Gruß, Nicole.

#16 |
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Karin Hönig
Karin Hönig

@10: Schwachsinn bzw. Hirnlosigkeit ist weder schulmedizinisch noch alternativ behandelbar!

#15 |
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Gesundheits- und Krankenpflegerin

“Ganzheitliche Behandlung” …. ein Widerspruch in sich, denn auch die Behandlung der Heilpraktiker bezieht sich auf spezielle Beschwerden….ich kann es einfach nicht mehr hören!!! Und dieses Gezanke zwischen Schulmedizin und den alternativ behandelnden hier in den Kommentaren zu fast JEDEM Artikel….wenn es ein Erfahrungsaustausch wäre dann würde ich ja nix sagen! Liebe Leute, warum verwendet Ihr diese Energie nicht einfach darauf Eure Klienten so gut es geht zu behandeln!!!???

#14 |
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Selbstüberschätzung, Dummheit und Überheblichkeit liegen offenkundig in einer Gauß`schen Normalverteilung bei Heilpraktikern und wie ich angesichts einiger Kommentare hier feststelle auch bei Ärzten.
Irisdiagnostik wird von mir seit dreißig Jahren angewendet zur Konstitutionsbestimmung, als Hinweisdiagnose und inbesondere zur Beurteilung von Stoffwechsel, Gefäßlage und
Wasserhaushalt. Natürlich gibt es Zeichensetzung die einen Krebs in der Zukunft wahrscheinlich werden lassen, aber es gibt kein Akutzeichen für Krebs. Soweit lag der beschriebene Fall klar Abseitz aller Erfahrungen mit der Irisdiagnose.
Im übrigen lassen sich optische Phänomene nur sehr schwer in wissenschaftliche Studien einordnen, Irisdiagnose ist daher auch immer noch die hohe Kunst der Diagnostik und nicht einfach zu beherrschen oder zu erlernen.
Es gilt in jedem Fall die Grenzen dieser Diagnostik zu kennen, ann kann sie auch mit guten Erfolgen eingesetzt werden.

Wer die “Wissenschaftlichkeit” vermißt sollte sich vor Augen führen wie häufig sich schon die sog. wissenschaftl. Medizin revidiert hat.
Als Beispiel möchte ich das furchtbare Durcheinander bei der Festlegung des Höchstwertes für Gesamt-Cholesterin nennen.

#13 |
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Heilpraktiker Michael Böttner
Heilpraktiker Michael Böttner

Krebs ist ein sensibles Thema.
Ich behandele seit vielen Jahren Patienten mit derartigen Erkrankungen, jedoch käme ich nie auf die Idee mittels Irisdiagnose oder Dunkelfeld Krebs diagnostizieren zu können. Uns Heilpraktikern stehen weitergehende Untersuchungsmethoden nicht zur Verfügung. Daher sollte man bei einem Verdacht nicht gleich den Patienten damit konfrontieren, sondern in Zusammenarbeit mit dem entsprechenden Arzt schnellstmöglich eine seriöse Untersuchung anregen. Selbstüberschätzung ist im Interesse des Patienten völlig fehl am Platz. Viele meiner Kollegen sehen im Krebspatienten eine “Geldquelle”. Davon distanziere ich mich entschieden. Andererseits sollte die Behandlung beim Heilpraktiker nicht als “Alternative Behandlung” bezeichnet werden, da es sich bei nötiger Fach- und Sachkunde um eine vollwertige Therapie handelt. Leider ist es dem Patienten meist nicht möglich herauszufinden ob der Arzt oder Heilpraktiker qualifiziert ist und versucht im Interesse des Patienten zu handeln. Als selbst Betroffener ( vor 10 Jahren Nierenzellcarzinom ) sehe ich die Krebsbehandlung durch Heilpraktiker mit hohen Maßstäben. Nach meiner Erfahrung gibt es in dieser Hinsicht nicht viele qualifizierte Kolleginnen und Kollegen. Trotzdem trägt die Heilpraktikerschaft in vielen Fällen bei Tumorerkrankungen auf “Nebenschauplätzen” zur Stabilisierung und Verbesserung der Lebensqualität der Patienten bei. Wünschenswert wäre eine bessere Zusammenarbeit mit den behandelnden Ärzten.

#12 |
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Antje Junge
Antje Junge

Ich habe während meiner langjährigen Tätigkeit auf einer gynäkologisch-onkologischen Abteilung…leider… muss ich sagen,erschreckend viele Patientinnen erlebt, die sich nach der Erstdiagnose”Brustkrebs” einem/er HP zugewandt hatten( als Alternative zur OP und anschließender notwendiger Chemo-Therapie ).mit dem Ergebnis, dass ausnahmslos alle! nach spätestens 4 Jahren verstorben waren.

#11 |
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Heilpraktiker

ich betreibe selbst die Irisdiagnose—eine Hinweisdiagnose—-immer im Gespräch und im Dialog mit dem Patienten!!!

Vieleicht einmal eine Studie über KURZ–INFO–GESPRÄCHE und Ihre Folgen für den Patienten von Seiten mancher gestresster und ausgelaugter Schuldediziner???

#10 |
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Kirsten Osbahr
Kirsten Osbahr

Schade, daß sich DocCheck der Stimmungsmache gegen Heilpraktiker anschließt. Die Irisdiagnose auf einer Seite mit Hamer zu bringen ist fragwürdig, aber wahrscheinlich gewollt. Wir wissen doch alle um die relevanten Irrtümer der Medizingeschichte. So wurden erst vor kurzem die
Reanimationsrichtlinien geändert, da das bisherige Vorgehen nicht nur falsch, sondern auch gefährlich war. Der Artikel ist schlecht recherchiert ( nicht nur bzgl der amtsärzlichen Überprüfung)und polemisch.

Ich hoffe, sie finden wieder auf ein besseres Niveau zurück!

#9 |
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Frau Silke Borowski
Frau Silke Borowski

An7 R.Oehmig, Dr.med.
Ich schätze die gewissenhafte Schulmedizin und schwarze Schafe der HP sollten es lassen..
Nur warum erkennt der Schulmediziner nicht den Hilfeschrei der Krebszelle,si will doch schon so lange sterben…!!!Anstatt anzufeinden,findet Euch doch!!! Die Schulmedizin am Anfang, am Ende hat sie verloren, dagegen muß keiner mehr angehen..weil die Natur gewinnt…immer!!!

#8 |
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Jana Hirthammer
Jana Hirthammer

Au weia Gratzel-Fan, so schlimm?
Mit welchem sachlichen Hintergrund wird den HP’s Medizinische Kompetenz abgeprochen?
Ich denke, du hast einfach Angst und mußt deshalb so bellen. Angst vor krankheit?
Hast du überhaupt einen blassen Schimmer davon, wie Heilpraktiker ausgebildet und geprüft werden? Gar kein vertrauen zu Amtsärzten, die ja die Prüfungen abnehmen, um die Heilpraktiker dann auf die Leute loszulassen?
Hm, sehr bedenklich…
Durch solch ein vehementes Dagegenhalten entblösst man sich ja nur selbst.
Schönen Gruß und immer schön fit bleiben!

#7 |
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Na, na, na, es geht doch nicht um Hochmut,
sondern um Ehrlichkeit. Wissenschaft zeichnet sich gerade dadurch aus, dass sie n i c h t allwissend ist.
Die Studie spricht für sich!!!

#6 |
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Arne Bruhn
Arne Bruhn

Warum nur gibt es so wenige Kollegen, Kolleginnen wie Frau Silke Lutz!
Gerade dieser Hochmut der Allwissenheit treibt doch viele Patienten, die sich nicht als Mensch wahrgenommen fühlen, zu denen, die Alternativen bieten, vor allem sich aber auf den Menschen, seine Ängste, Nöte und Lebensumstände einlassen.
Das richtige Wort (Gespräch) zur rechten Zeit
hat oft mehr Wirkung als alle Schulmedizin.
Nur das lernt man nicht im Med-Studium!

#5 |
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Dr. med. Rose Oehmig
Dr. med. Rose Oehmig

Humbug ! Das schlimme ist, dass in der BRD die Heilpraktiker praktizieren dürfen und in unzähliger Fälle die Diagnose ” Krebs” nicht zeitig gestellt wird…mit verheerender Folgen !!!

#4 |
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zu “Boden der Tatsachen”
Wissenschaftliche Methoden sollten sich in ebensolcher Zitierweise äußern; d.h. in diesem Fall wäre die Angabe der Quelle für die Behauptung, “davon 68 mit zum Teil mehreren klinisch nachgewiesenen Karzinomen und 42 gesunde Vergleichsprobanden”, zu nennen, möchte man sich wirklich von o.g. Personenkreis abheben. Behauptungen werden auch von dieser Personengruppe aufgestellt – zumeist jedoch ohne jegliche Quellen / Belegangabe, was eine Beurteilung der Validität unmöglich macht.

#3 |
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Heilpraktiker

Zweifellos sind Irisdiagnostik und Dunkelfeldmikroskopie wertvolle hinweisdiagnostische Verfahren, aber eben nur Hinweise sind es, die danach einer weitergehenden Diagnostik bedürfen. Wer sich mit allein aus diesen Verfahren erstellten “Diagnosen” zufrieden gibt, handelt nicht ganzheitlich, sondern monoman und unverantwortlich.
Unsaubere Diagnostik jedoch ist kein typisches Indiz für Alternativmedizin, sondern gerade auch im schulmedizinischen Bereich zunehmend Usus und trifft z.B. für die meisten der Fälle zu, in denen ohne jegliche Untersuchung lediglich Analgetika oder Sedativa rein symptombezogen im 5-Minuten-Takt verordnet werden.

Bezüglich des Tones, in dem hier berichtet wir, vermisse ich bei DocCheck das notwendige Maß an journalistischer Neutralität und sauberer Recherche. So wurde beispielsweise die Dunkelfeldmikroskopie von einem ärztlichen Mitarbeiter Robert Kochs entwickelt worden, hat also mit “Scharlatanerie der Heilpraktiker” reinweg gar nichts zu tun. Sic !

#2 |
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HP Silke Lutz
HP Silke Lutz

Schade
Schade, dass immer nur die Maulhelden stellvertretend für alle naturheilkundlich arbeitenden Therapeuten genannt werden.
Schade auch, dass mit keinem Wort eine Relation zu den täglichen vorkommenden Fehldiagnosen der Schulmedizin gemacht wird.
Warum muss immer in Hetzkampagnien berichtet werden. Warum kann für den Pat. nicht ein Miteinader erfolgen. Jeder mit seinen klaren fachlichen Kompetenzen, zum Wohle des Patienten.

Leider wird gerade bei DocCheck gerne auch die Parolen der anderen übernommen. Haben Sie dieses nötig.

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