Verkalkte Pumpe

27. November 2008
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Neue Risikofaktoren für die Aortenstenose: Der Grad der Verkalkung, ein erhöhter CRP-Wert und das Hormons NT-proBNP spielen für die Prognose eine wesentliche Rolle. Erstmals haben österreichische Forscher auch belegt: Eine Therapie mit Statinen kann das Fortschreiten der Erkrankung nicht aufhalten.

Die Aortenklappenstenose (AS) des Erwachsenen ist die häufigste Herzklappenerkrankung der industrialisierten Länder. Sie ist für 25 Prozent aller Herzklappenfehler verantwortlich, ihre Häufigkeit im Steigen begriffen. Dies erklärt sich aus dem hohen Durchschnittsalter der Bevölkerung und der steigenden Lebenserwartung, denn die Erkrankung betrifft in erster Linie ältere Menschen. Männer trifft es häufiger als Frauen. Die Prävalenz der AS beträgt bei Patienten ab 65 Jahren fünf Prozent. Aortenklappenstenosen manifestieren sich oft mit verminderter Belastungstoleranz, Angina pectoris, Synkopen, einer Aortendissektion oder einem plötzlichen Herztod. Das Problem dabei: Da die Klappenverengung meist nur langsam zunimmt, kann sich das Herz an die erhöhte Druckbelastung der linken Herzkammer durch eine Verdickung des Herzmuskels (Hypertrophie) vorerst anpassen. So bleibt der Klappenfehler oft über einige Jahre asymptomatisch. Auch eine schwere AS kann über einen langen Zeitraum symptomlos bleiben.

Verkalkungsgrad als hohes Risiko

Bei der Pathogenese der AS spielen die gleichen Risikofaktoren eine Rolle, wie bei der Atherosklerose. Man nimmt an, dass die Erkrankung dem Frühstadium eines chronisch entzündlichen oder immunologischen Prozesses entspricht, der zu Fettablagerungen und zur Stenose führen kann. Dazu gibt es aus Österreich nun neue Erkenntnisse: Innsbrucker Kardiologen konnten gemeinsam mit ihren Kollegen aus der Universitätsklinik für Radiodiagnostik in einer prospektiven, randomisierten und plazebo-kontrollierten Studie erstmals zusätzliche neue Risikofaktoren für die Aortenstenose bestimmen. Univ.-Doz. DDr. Wolfgang Dichtl nahm 47 Patienten in seine Arbeit auf und kam zu interessanten Ergebnissen: Neben etablierten hämodynamischen Paramatern – wie systolische Druckgradienten – stellte sich der Verkalkungsgrad, genau quantifiziert durch eine kardiale CT-Untersuchung, als wichtigster neuer Risikoparameter heraus. Als neue Risikofaktoren für eine schlechte Prognose konnten die Wissenschaftler nebem dem erhöhten systemischen CRP-Wert eine erhöhte Plasmakonzentrationen von NT-proBNP ausmachen. Dieses Hormon wird bei Überbelastung und Überfüllung des Herzens ausgeschüttet.

Effekt der Statintherapie widerlegt

Eine therapeutische Strategie der AS mit früher Intervention von Risikofaktoren ist die Therapie mit Statinen. Sie wurde bisher als effektive Kontrolle der Krankheitsaktivität disskutiert. Entgegen der Ergebnisse retrospektiver Studien, die bei einer Statintherapie eine verlangsamte Progression der Krankheit gezeigt hatten, stellte sich jedoch nun anhand der gesammelten Daten, die von November 2003 bis Februar 2008 reichen heraus, dass Statine, welche üblicherweise als Cholesterinsenker eingesetzt werden, die Progression der Erkrankung nicht aufhalten können. Insgesamt zeigte sich ein schlechteres klinisches Outcome als ursprünglich angenommen: Bei 50 Prozent der untersuchten Patienten traten innerhalb von zweieinhalb Jahren neue Symptome auf, welche in der Regel einen operativen Aortenklappenersatz nach sich zogen.

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