Das Poppen-Peptid

15. Dezember 2008
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Die Nachricht der Züricher Mediziner kommt als Weihnachtsgeschenk daher: Schon eine winzige Dosis des Hormons Oxytocin kann streitende Paare besänftigen. Netter Nebeneffekt: Das Hormon lässt sich auf recht angenehme Weise gewinnen.

Im Job müssen die restlichen Deadlines vor Weihnachten abgearbeitet werden, am Ende des ohnehin anstrengenden Tages kommt die häusliche Auseinandersetzung um die letzten organisatorischen Feinheiten rund ums anstehende Fest. Doch wer auf Grund bitterer Streitphasen bislang verzweifelte, darf in naher Zukunft aufatmen – und seiner besseren Hälfte etwas Oxytocin zukommen lassen. Was auf den ersten Blick merkwürdig klingt hat zumindest aus medizinischer Sicht einen realen Hintergrund. Denn Oxytocin vermag nicht nur die Menge an Cortisol im Blut des Menschen zu verringern – auch verstärkt die Substanz das positive Verhalten des Homo sapiens, wie Forscherinnen und Forscher rund um Beate Ditzen von der Universität Zürich im Fachblatt “Biological Psychiatry” kürzlich berichteten.

Streit? Bitte einmal sprühen!

Dass das Hormon im Gehirn von Säugetieren die Regulation des Sozialverhaltens mitbestimmt, ist aus Tierversuchen zwar lange bekannt. Allerdings ließen sich die Ergebnisse solcher Studien nicht auf den Menschen übertragen – bis Ditzen und ihre Kollegen der Sache auf den Grund gingen. Die Wissenschaftler baten nämlich 47 Paare im Alter zwischen 20 und 50 Jahren, im Laborversuch über ein für sie typisches Konfliktthema zu streiten. Vor dieser Konfliktdiskussion erhielten die Paare entweder das Hormon Oxytocin oder Placebo als Nasenspray verabreicht. Das Team um Ditzen zeichnete das Verhalten der Paare per Video auf und analysierte es mithilfe eines speziellen Kodiersystems. Zudem wurde das Stresshormon Cortisol bei beiden Partnern wiederholt im Speichel gemessen, um die psychobiologische Stressreaktion auf den Konflikt zu erfassen.

“Paare, die Oxytocin erhalten hatten, schnitten signifikant positiver ab als Paare mit Placebo”, fasst Ditzen das Ergebnis zusammen. Tatsächlich verlängerte Oxytocin die Dauer des positiven Verhaltens, zu dem Zuhören, Bestätigen oder Lachen gehören, im Verhältnis zu denen als negativ geltenden Mustern wie Unterbrechen, Kritisieren oder Abwerten. „Die Ergebnisse sprechen dafür, dass Oxytocin als neuronaler Mechanismus das Verhalten und die Stressreaktion bei Partnerschaften beeinflussen kann“, ließen die Schweizer die erstaunte Wissenschaftsgemeinde wissen. Auch scheint der Effekt, wonach Zärtlichkeit im Alltag von Paaren die Cortisolwerte vermindert, eine weitere Folge der Wirkung von Oxytocin im Gehirn zu sein. “Oxytocin ist damit ein möglicher biologischer Kandidat, der erklären könnte, warum Partnerschaften sich positiv auf unsere Gesundheit auswirken”, meint Ditzen.

Sex als Hormonpillen-Ersatz

Mit ihrer Meinung steht die Schweizerin nicht allein. Auch für den promovierten Chemiker und Sachbuch-Bestsellerautor Rolf Froböse gehört das Hormon zu den spannendsten Substanzen des menschlichen Körpers – auch wenn es sich, rein chemisch betrachtet, lediglich um ein zyklisches Peptid handelt, das im Hirn von allen Säugetieren produziert wird. „Wenn es über die Blutbahnen in den Körper gelangt, bewirkt es die Kontraktion der glatten Muskulatur, etwa wenn sich beim Orgasmus bei der Frau die Gebärmutter oder beim Mann der Samenleiter rhythmisch zusammenzieht“, erklärt der bei München schaffende Froböse. Am anderen Ende der Welt wiederum untersuchte Richard Ivell, Professor am Institut für Hormonforschung der Universität Melbourne, die Folgen der Oxytocin-Wirkung auf das menschliche Gehirn. Seine Aussagen decken sich mit den jetzt in Zürich vorgestellten Ergebnissen, und könnten streitende Paare nicht nur zur Weihnachtszeit beglücken: “Es dürfte am Oxytocin liegen, dass sich selbst der schlimmste Beziehungsstress oftmals nach einem erfolgreichen Schäferstündchen wieder abkühlt”.

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Allgemein

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19 Kommentare:

Weber Sabine
Weber Sabine

also ich habe meißt zuviel von dem stöffchen im blut und neige daher sofort milch zu produzieren obwohl meine schwangerschaft schon 18 jahre her ist,,g” beide hormone, die dafür verantwortlich, sind zu hoch. vielleicht liegt es daran , das ich relativ lange brauche bis mir die hutschnur kracht…aber dann, scheint anscheinend ein totalausfall(derselbigen) einzusetzen….

#19 |
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Robert Lüthe
Robert Lüthe

“Als Nasenspray ist Oxytocin in der brd nicht mehr zugelassen.”
Ja, aber man kann die Ampullen in ein Dosierspray-Fläschchen geben. Der Apotheker Ihres Vertrauens stellt das dann auf 4U/Spraystoß ein. Quelle: Rote Liste 1999, Syntocinon-Nasenspray. Schnell aufbrauchen, da nicht konserviert :-)

#18 |
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Medizininformatiker

Zitat Kibiki: “…weibchen, die aufmucken werden kurzerhand einmal schnell durchgefickt…”

kann da nicht so eine Verhaltensparallele sein wie bei nervigen Kindern: die wollen doch letztlich auch nur Aufmerksamkeit und Zuneigung, wenn sie nerven bis zum Abwinken.

Leider habe ich noch keine repräsentative Zahl von Probandinnen für den Praxistest gewinnen können, aber erste Ergebnisse zeigen deutlich: Es schadet den Menschen nicht, sich “wie die Tiere” zu verhalten – danach fühlt man und frau sich eben auch tierisch gut!

@kibiki: probier’s doch einfach mal…

#17 |
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Peinlich…. so eine Überschrift liest man ja sonst eher bei Bild-Online.

#16 |
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Dr. med. Erich Hahner
Dr. med. Erich Hahner

Ein sehr interessanter Artikel, welcher wissenschaftlich beleuchtet, was man nach einem beglückenden Beischlaf immer wieder verspürt!

PS Es heißt Zürcher und nicht Züricher!!!

#15 |
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Gesundheits- und Krankenpflegerin

Hey Leute, cool bleiben!! Wo bleibt denn bitte Euer Humor???!!!

Vielleicht sollte hier mal ne Runde Oxytocin-Spray verteilt werden *gg*

#14 |
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Fast noch i9nteressanter als der Artikel ist die Stellungnahme einer Frau (?) namens “Kimbiki”. Für dieses Wesen ist offenbar jede wissenschaftliche Erkenntnis, die nicht in sein vorgefertigtes Weltbild paßt, Ketzerei. Schade – ich hatte gehofft, wir seien als gebildete Spezies wenigstens über dieses Stadium schon hinweg.

#13 |
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Dr. Bina Mennenga
Dr. Bina Mennenga

Hi Micha, dein Schreibstil ist aber auch der Verbesserung würdig.

#12 |
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Michael Serr
Michael Serr

Was mich hier gehörig stört, ist der Schreibstil des Artikels und vorallem die im “Bild”-Stil formulierte Überschrift. Hat man das nötig?!
Scheinbar ja, denn kaum irgendwelche Drucksache kommt noch ohne das “SEX”-Thema aus! Schade! Und die Kommentare, gut, die spiegeln das ja auch wieder. Leider!
Interessant für mich wäre es mal gewesen, was Oxytocin bei Angstpatienten macht und sich dort vielleicht dort als Alternativen anbietet.
Grüße

#11 |
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Andreas Kouklinos
Andreas Kouklinos

und wo kann man das kaufen?

#10 |
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Dipl.-Stom Renate Müller-Balzarek
Dipl.-Stom Renate Müller-Balzarek

statt sich zu freuen, dass die Wissenschaft den Nachweis erbracht hat, gibt es hier nur nur ziemlich flache Kommentare.Diese können alle neunmalklugen für sich behalten

#9 |
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Thomas Schnura
Thomas Schnura

Es ist schon interessant, wie die Meinungen hier aufbrausen und emotional werden. Man wirft eine Banane in den Käfig, und die Horde kreischt. Es scheint uns ja doch zu berühren, dass Poppen über die Fortpflanzung hinaus irgendwie irgendwem hilft.

#8 |
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Dipl. Wirtsch. Ing. Walter Hammes
Dipl. Wirtsch. Ing. Walter Hammes

wow, ein Haufen studierter Dummschwätzer, die eh schon alles gewusst haben. Super, Leute. Ihr seid die Helden der Nation.

#7 |
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Dr. Bernd-Philipp Hoff
Dr. Bernd-Philipp Hoff

Männer nehmen am WE Cialis, Frauen sprühen Oxytocinspray , alter Hut

#6 |
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Zahnarzt

Therapeutisches Poppen im Streitfall – ist das realistisch? Eigentlich ein Widerspruch in sich – vielleicht sollte man sich doch sicherhaltshalber ein paar Fläschchen davon in die Notapotheke stellen….

#5 |
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MA Monika Uszkoreit
MA Monika Uszkoreit

Ist doch toll, wenn die Forschung unsere Erfahrungen bestaetigt! Das ist wahre Wissenschaft. Nur frage ich mich wie Paare unter Laborbedingungen wirklich richtig streiten. Unterm Strich wuerde das bedeuten, dass der Einfluss des Hormons moeglicherweise unter realen Bedingungen noch wesentlich relevanter ist.

#4 |
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Ina Holler
Ina Holler

Das wissen Mütter und Väter von gestillten Kindern schon lange.

#3 |
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Biochemiker

Ja, wusste ich auch schon immer, wusste nur nicht warum – hihi…Sex, mhmmh and Rock’n Roll…turns Xanthippe into doll…

#2 |
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Randolf Siecksmeier
Randolf Siecksmeier

wissen wir doch schon längst ;-)

#1 |
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