Hanf Dampf in allen Gassen

9. Januar 2009
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Der Report wird im März die UN-Drogenkommission (UNCND) beschäftigen, heftige Dispute sind abzusehen. Denn die renommierte Beckley Foundation empfiehlt die globale Freigabe des Cannabis-Konsums, um damit die Drogenprobleme weltweit besser in den Griff zu bekommen.

Den Vorstoß als Idee spleenige Alt-68er abzutun wäre unangebracht. Zu den Beratern der ehrwürdigen Gesellschaft gehört nämlich auch Colin Blakemore – und damit einer der renommiertesten Mediziner Englands. Blakemore ist nicht nur Professor of Neuroscience an der Universität Oxford, sondern auch ehemaliger Chief Executive des Britischen Medizinischen Forschungsrats (Medical Research Council, MRC).

Dreimal soviel THC

Tatsächlich ist der jetzige Vorstoß der Foundation erstaunlich. Die Legalisierung von Cannabis beschäftigt die Nationen der UN seit Jahrzehnten, vereinzelt glänzen Länder wie die Niederlande durch Toleranz. Doch außerhalb der Coffee-Shop-Vorzeigebastion hält sich die Politik zum Thema eher bedeckt. Allenfalls der medizinische Segen für Krebspatienten oder in der Palliativmedizin erreicht als Info die Entscheidungsträger – noch. Das wird sich womöglich im März 2009 rasant ändern, wenn sich nach Informationen des Fachblatts „New Scientist“ die UNCND des Themas annehmen wird. Die von der Beckley Foundation durchgeführte Untersuchung macht nämlich deutlich, dass das Kiffen für alle – trotz nachweisbarer Risiken – ein gesundheitspolitisches Happy End feiern könnte.

Zwar liegen die Nachteile des Hanf-bedingten Rauschs auch nach Meinung der Beckley Kommission auf der Hand. Der Gehalt der Pflanzen an Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) hat sich innerhalb der letzten zehn Jahre nahezu verdreifacht, weil die meisten illegalen Grünlinge meist indoor gezüchtet und optimal belichtet werden. Galt Kiffen noch in den 80ern als harmlose, wenn auch verbotene Rauschalternative zu den legalen Drogen Alkohol oder Tabak, zweifeln Ärzte heute nicht mehr am Suchtpotenzial von Joints & Co. Ob „Skunk“ oder „Sinsemilla“, wer den Stoff konsumiert läuft wirklich Gefahr, zu jenen neun Prozent Cannabis-Abhängigen zu gehören, bei denen die Aussetzung des Konsums zwangsläufig zu Entzugserscheinungen führt. Auch das Risiko psychischer Störungen liegt bei Marihuana-Konsumenten um 40 Prozent höher als bei Menschen, die auf den speziellen Rausch verzichten. Selbst die Zahl der cannabisbedingten Krankenhauseinweisungen nimmt zu, allein in den USA auf über 100.000 pro Jahr. Anfang der 1990er waren es gerade mal etwas mehr als 40.000.

Der Joint als Lebensretter?

Waren demnach die Mitglieder der Beckley Foundation selbst berauscht oder stehen die Fachleute der UNCND unter Dope-Einfluss? Mitnichten, wie die weiteren Fakten der Experten belegen. „Das Verbot der Substanz richtet mehr Schaden an, als ihr Konsum das vermag“, resümiert die Gründerin der Foundation, Amanda Feilding. Tatsächlich offenbaren die Details, dass pro Jahr rund 166 Millionen Menschen im Alter von 15 Jahren und darüber weltweit Cannabis konsumieren – was rund 3,9 Prozent der Weltbevölkerung entspricht. Lediglich ein Prozent der Menschheit greift indes zu den anderen, harten Drogen. Vor allem reiche Länder lieben offenbar den Dope aus der Hanfpflanze, allein in den USA schätzen Suchtmediziner den Prozentsatz der „irgendwann probiert“-Konsumenten auf rund 40 Prozent der Einwohner.

Den globalen Cannabis-Konsum zu „Erholungszwecken“ zu empfehlen wäre vermutlich eine irrlichterne Idee geblieben, sprächen da nicht harte medizinische Fakten für die Zulassung. Rund 200.000 Menschen sterben nämlichweltweit jedes Jahr, weil sie andere, meist harte Drogen zu sich nehmen. An den Folgen der legalen Suchtdroge Alkohol verenden jährlich sogar 2,5 Millionen Erdenbürger, während schlichtes Rauchen weltweit rund 5 Millionen ins Jenseits befördert. Gemessen daran wäre der durch die UN freigegebene Cannabis-Joint als Alternative eine wahre Erlösung: Im Jahr 2007 registrierten Ärzte auf unserem Planeten lediglich zwei durch Marihuana-Überdosen hervorgerufene Todesfälle.

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Medizin

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17 Kommentare:

Sebastian Dörschug
Sebastian Dörschug

Sorry Paul – zugegeben, etwas unqualifizierte Aussage meinerseits, aber vielleicht solltest Du einfach mal einen dampfen! Das entspannt. Und Du scheinst Dich soweit disziplinieren zu können, dass ich mir über das Suchtpotential Deinerseits keinerlei Gedanken machen muss.

#17 |
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Heilpraktiker

Wird ja auch endlich Zeit, daß die Heilpflanzen wieder in gebrauch kommen. Der ständige Gebrauch von von chemischen Wirkstoffen ist der Volksgesundheit eher abträglich als dienlich.
Wir benutzen in der Praxis seit eh und je ein Schmerztherapeutikum auf Hanfbasis. Mit sehr gutem Erfolg.

#16 |
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Solowij N et al: JAMA 2002;287:1123
AZ Pressedienst CH
Schwächeres Gedächtnis und schlechtere Konzentration nach langjährigem Konsum von Cannabis
Wer jahrelang täglich einen Joint raucht, kann sich schlechter erinnern und konzentrieren, und sein Zeitgefühl wird ungenauer. Diese Schwächen treten erst nach und nach auf, und sie halten längere Zeit an, auch nachdem die Wirkung der Droge nachgelassen hat. Das zeigen Tests an über hundert regelmäßigen Konsumenten von Cannabis in den USA und an gleichaltrigen Personen, die kein Cannabis konsumieren.

#15 |
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Es ist schon erstaunlich, dass sich hier Ärzte für die Freigabe von etwas einsetzen, was wesentlich gefährlicher ist als Zigaretten:
Denn e i n Joint entspricht dem Konsum von 20 Zigaretten.
http://www.paradisi.de/Health_und_Ernaehrung/Erkrankungen/Lungenkrebs/News/8899.php
(R.Beasley, Neuseeland, 2008)
Wer also ist hier blind und ohne Sachkenntnis?
Ich bekomme schon Übelkeit wenn ich eine Zigaretten-rauchende Mutter mit Kleinkind sehe und ihr wollt wohl noch fixende Mütter, die dann ihr Kind vom Balkon werfen, weil es lästig ist.

#14 |
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Stefan Jorga
Stefan Jorga

Es ist schon erstaunlich, dass die in Deutschland am weitesten verbreitete Droge(und meiner Meinung nach gefährlichste), nämlich der Alkohol jedes Jahr Unsummen in die Steuerkasse spült, gesellschaftlich anerkannt ist und strengen Qualitätskontrollen unterliegt. Wir dürfen aber auch nicht die Augen davor verschließen, dass THC tatsächlich konsumiert wird, legal oder nicht. Vermutlich gehen derzeit die größten Gefahren in der Tat von den beigemischten Substanzen aus, welche toxikologisch sicherlich mindestens bedenklich, wenn nicht gar sehr gefährlich sind. Die Debatte um den Sinn oder Unsinn des Konsums wird letztlich wohl niemand für sich entscheiden können. Was aber durch den staatlich kontrollierten Verkauf deutlich vermindert werden kann, sind gesundheitliche Gefahren.
Unabhängig davon möchte ich zu dem Teil des Artikels, in dem erwähnt wird, das Risiko psychischer Störungen läge bei Marihuana-Konsumenten um 40% höher noch eine Frage in den Raum stellen.
Ist es möglich, dass viele Menschen mit der latenten Anlage einer psychischen Störung vieleicht aus diesem Grunde schon zum Drogenkonsum neigen?

#13 |
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Medizinjournalist

Zu Kommentar Nr. 16

In Holland schließen immer mehr Coffieshops mit offenem Zu- und Umgang mit Drogen wie Marijuana, falls Ihnen diese “Aktualität” entgangen sein sollte. Die Befürworter der Freigabe von Marihuana stellen auch in diesem Forum eine Verhaltsnweise der Drogenkonsumenten in den Raum, die so nicht hingenommen werden kann. Z.B. an einer Haschisch-Torte ersticken: Weshalb schütten sich alkoholisierte Menschen Alkohol über, wenn sie trinken? Wohl weil sie bereits “zuviel” getrunken haben! Damit man richtig versteht, es geht um Statistik: Wie alt werden Menschen, die regelmäßig THC konsumieren?

MfG
RES

#12 |
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Das einzige was Sinn macht ist
Prävention durch Aufklärung

#11 |
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Dr. Med. Stefan Frank
Dr. Med. Stefan Frank

Kann mich noch an die Nachricht errinern das fast 20 Menschen mit Vergiftungserscheinungen die durch Blei hervorgerufen wurden in Leipzig ins Krankenhaus kamen.Bis die Ärzte heraufanden was die Patienten gemeinsam hatten, hat es etwas gedauert aber es stellte sich heraus das alle mit Blei gestrecktes Marijuana geraucht haben.Nun stellt sich mir die Frage ob eine Kriminalisierung von Marijuana wirklich dazu beiträgt die gesundheit der Betroffenen verbessern zu wollen.Meiner Meinung nach sieht es nämlich “leider” ganz anders aus zurzeit.Ich denke das z.B. in Holland die Konsumenten weitaus weniger gefährdet sind.Es sollte legalisiert werden und ständige Qualitätskontrollen geben.Das würde Steuern sparen , die Gesundheit der Konsumenten verbessern, die Polizei entlasten und zusätzlich noch einige Arbeitsplätze schaffen.Wenn man bedenkt das circa 80-90% des in Deutschland erhältlichen Marijuanas mit sehr Gesundheitsschädlichen Streckmitteln versehen sind ist eine legalisierung dringend nötig.

#10 |
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Hallo Paul,
die Freigabe würde endlich zur Entkriminalisierung eines weniger suchtauslösenden Rauschmittels als C2 & Zigaretten führen. Für mich besteht das Problem in der fürsorglichen Bevormundung des Bürgers durch den Staat.
(Ich bin militanter Nichtraucher, nicht alkoholabhängig, habe noch nie Cannabis konsumiert, aber 7 Jahre daran geforscht.)

#9 |
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na klar ist Canabis ein medizinisches Problem,
ein größeres als Zigaretten.
Aber einem Raucher ist das auch schwer nahezubringen.
Selbstverständlich würde die Freigabe das Problem verschlimmern.

#8 |
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Gesundheits- und Krankenpflegerin

Was in den Kommentaren garnicht erwähnt wurde bisher: Eine großangelegte Studie der AOK will vor Jahren durch Interviews mit Drogenpatienten herausgefunden haben dass Cannabis von diesen selber als Einstiegtsdroge bewertet wurde.

Aber okay – dann müssten Alkohol und Zigaretten auch verboten werden. Ich habe übrigens in den 4 Jahren Dienst auf Drogenstationen nur einen einzigen Patienten kennengelernt der Cannabis rauchte, aber keinen “normalen Tabak/Zigaretten”. Und insgesamt nur 2 Patienten die überhaupt Nichtraucher waren. Also könnte man fast folgern dass Zigaretten die Einstiegsdroge für härtere Sachen sind.

Noch ein Gedanke: Es gibt eine Richtung die davon ausgeht dass harte Drogen nicht konsumiert werden OBWOHL sie illegal sind, sondern WEIL sie illegal sind. Diese Richtung geht auch davon aus dass erst die Delinquenz da ist, und dann der Drogenkonsum.
Dann müsste der Einstig über Zigaretten sehr früh erfolgt sein, also bevor gesetzlich erlaubt – was man in vielen Anamnesen bestätigt findet.

Kann man also gespannt sein wie sich das alles dann bei einer Legalisierung entwickeln wird!

#7 |
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Caroline  Brüggemann
Caroline Brüggemann

Unmittelbare Todesfälle durch Canabiskonsum gibt es wie beschrieben nur wenig…was aber ist mit Todesfällen infolge eines langjährigen Konsums der Droge? Ich denke hier herrscht noch Unklarheit.

#6 |
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Dipl.med. Rita Schünemann
Dipl.med. Rita Schünemann

Ist es nicht wichtiger zu schauen,weshalb Menschen diese Droge(wie auch andere)brauchen,um dann Alternativen anzubieten,die der Gesundheit eher dienlich sind?

#5 |
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susann summer
susann summer

viele argumente sind schon genannt worden. ein weiteres ist, das cannabis nicht aggressiv macht, wie alkohol. wäre das nicht traumhaft? stadien voller friedlich schlafende fußballfans?
legales cannabis einer qualitätskontrolle zu unterziehen, halte ich ebenfalls für sehr sinnvoll.

#4 |
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Sehr interessanter Artikel, das Aufheben des Verbotes ist lange Überfällig.
Kleine Anmerkung zu den zwei angeblich cannabisbedingten Todesfällen aufgrund von Überdosierung: im Hirnstamm kommen keine CB1- bzw. CB2-Rezeptoren vor; wie soll es dann zum Eintritt des Todes kommen?

#3 |
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Rettungsassistent

Erstaunlich wozu Wissenschaftler Jahre(bis Jahrzenhnte) brauche was der Normalbürger schon vor Jahren gedacht und gesagt hat. Wenn der Staat in der gleichen Weise den Tabakkonsum untersagen würde oder gar den Alkohol…
Wie Dr. Müller sagt, Wirkstoffgehalt ausweisen und Qualitätskontrollen durchführen und dem Staat stehen nue Steuereinnahmen ins Haus! :-))
Und die Polizei kann sich um wichtigere Dinge kümmern.

#2 |
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Dr. med.vet. Bernd Müller
Dr. med.vet. Bernd Müller

Ich bin für die Legalisierung des Cannabiskonsums:der Aufwand,der zur Kontrolle der illegalen Szene getrieben wird,steht in keinem Verhältnis zum Schaden!Allerdings sollte legaler
Stoff qualitätskontrolliert sein(um das Verschneiden mit anderen Rauschmitteln zu verhindern)und mit Angaben zum Wirkstoffgehalt versehen sein.

#1 |
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