Säurebelastung kann zu höherem Blutdruck führen

13. September 2013
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Bluthochdruck ist ein weit verbreitetes Gesundheitsproblem, er hat seine Wurzeln zum Teil in der Kindheit. Forscher konnten in einer Untersuchung nun zeigen, dass der Säure-Basen-Haushalt möglicherweise von Bedeutung für die langfristige Blutdruckentwicklung im Kindesalter ist.

Viel Salz und wenig Obst und Gemüse in der Ernährung können auch bei Kindern zu einer Erhöhung des Blutdrucks beitragen. Aktuelle Studien bei Erwachsenen legen nahe, dass eine leichte Verschiebung des Säure-Basen-Stoffwechsels in Richtung einer höheren Säurebelastung (Azidifizierung) ebenfalls zu einem Blutdruckanstieg führen kann. Eine solche moderate, noch nicht klinische bedeutsame Azidifizierung entsteht zum Beispiel bei leichten fieberhaften Infekten, nach übermäßiger sportlicher Aktivität und bei ungünstiger Ernährung. Die ernährungsabhängige Säurelast ist besonders hoch, wenn sehr eiweißreich gegessen wird – also viel Fleisch, Wurst und Hartkäse verzehrt werden. Aber auch Brot und Getreideprodukte tragen zu einer erhöhten nutritiven Säurelast bei, wohingegen reichlich Obst, Gemüse und Kartoffeln durch ihren hohen Gehalt vor allem an den Mineralstoffen Kalium und Magnesium alkalisierend wirken.

Die Wissenschaftler des Dortmunder Außenlabors „DONALD Studie“ der Universität Bonn haben nun durch umfangreiche wiederholte Biomarker-Untersuchungen an einer Gruppe von 257 Kindern zeigen können, dass nicht nur die durchschnittliche Säurelast in einem Zusammenhang mit dem Blutdruck steht, sondern dass auch bei denjenigen Kindern, bei denen sich die ernährungsabhängige Säurebelastung im Studienverlauf deutlich erhöhte, im Mittel ein Blutdruckanstieg erfolgte. „Das Besondere an diesen Ergebnissen ist, dass wir diesen Einfluss bei gesunden Kindern völlig unabhängig von deren Salzzufuhr sehen“, sagt der Studienleiter Prof. Dr. Thomas Remer.

Ausgeglichener Lebensmittelverzehr

„Unsere Daten legen nahe, dass bei einer eher ungünstigen Ernährung durch das alkalisierende Potenzial von ca. 300 Gramm zusätzlich verzehrtem Gemüse und Obst – zum Beispiel ein Apfel und eine Banane -, ein Blutdruckanstieg im Studienverlauf von fast 1 mmHg verhindert werden könnte. Eine nahezu vergleichbare Blutdrucksenkung wurde in Interventionsstudien bei Kindern mit einer um 40 Prozent reduzierten Salzzufuhr beobachtet“, berichtet Erstautorin Danika Krupp aus der Arbeitsgruppe von Prof. Remer.

Eine Verminderung der Säurelast mit der Ernährung könnte somit für die langfristige Entwicklung des Blutdrucks bei Kindern von Bedeutung sein. Daneben hat ein hoher Obst- und Gemüseverzehr – also eine alkalireiche Kost – auch positive Effekte auf den Knochenstoffwechsel und die Vermeidung von Harnsteinen. Im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung ist es somit wichtig, das azidifizierende Potenzial von eiweißreichen Lebensmitteln durch einen hohen Verzehr von alkalisierenden pflanzlichen Lebensmitteln auszugleichen – eben durch reichlich Obst, Gemüse und Kartoffeln.

Originalpublikation:

Longitudinal relationships between diet-dependent renal acid load and blood pressure development in healthy children
Thomas Remer et al.; Kidney International, DOI: 10.1038/ki.2013.331; 2013

48 Wertungen (3.71 ø)

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10 Kommentare:

Gast
Gast

@Regina Nerb: Sie können das Buch direkt beim Verlag bestellen. [Kommentar von der Redaktion gekürzt da werblicher Natur]

#10 |
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Regina Nerb
Regina Nerb

An Herrn Dr. Thomas Krüger:
Ich hätte mir gerne das Buch ‘Der Heilpraktiker fiel in Ohnmacht’ gekauft, kann es aber nirgends finden.

Regina Nerb
Heilpraktikerin

#9 |
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Die Beiträge der beiden Chemiker sind sicher weiterführend, aber : es wird vergessen , daß die japanischen Fischer ( mglw. bei hohem NaCL -Genuß ) ebenso große Mengen der antihypertensiven Mg- , Ca – und NaHCo3- und K-Elektrolyte konsumieren ! Mit der anderen Bindung von Na und CL ist deshalb der nicht prohypertensive Effekt der Salzbelastung schon zu erklären ! Zusätzlich werden viele Formen vegetabiler Anteile eingenommen ….
Vielleicht haben die anderen Diskutanten auch die biologische Umwandlung der Säuren in Darm , Leber usw. nicht einbezogen ? Mir sind übrigends weder echte Studien der “Voll-Schulmedizin ” , noch überzeugende der Heilprktikerseite bekannt – was natürlich nichts heißen will….

#8 |
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@ Dr. Bayerl: Sie haben völlig recht. Laut einer älteren, japanischen Studie konsumieren japanische Fischer sogar bis zu 45 g NaCl pro Tag. Effekt auf den Blutdruck = 0!

#7 |
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Die Studie ist nicht das Papierwert, auf dem sie gedruckt wurde. Autor Remer perpetuiert seine esoterische Säure-Base-Theorie (Danke an Dr. Hochmuth) seit vielen Jahren. Jeder noch so kleine, mögliche Effekt wird hierbei aufgebläht, um die gerade unter Heilpraktikern auch sehr beliebte Theorie (besser: Hypothese) zu belegen. Fakt jedoch ist: Nichts davon hat Bestand. Die Gegenargumente habe ich in meinem just erschienenen Buch “Der Heilpraktiker fiel in Ohnmacht” zusammengefaßt. [Kommentar aufgrund werblicher Inhalte gekürzt]

#6 |
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im übrigen ist das Foto falsch!
Zitrusfrüchte alkalisieren!

mfG

#5 |
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Vegetariersprüche und immer wieder der Quatsch mit dem Salz,
das grenzt an Wunderglauben.
In Japan, immer noch mit der höchsten Lebenserwartung,
wird bis zu 20g Salz am Tag gegessen!.Zuviel Eiweiß ist ganz entschieden besser als zu wenig, gerade bei Kindern.
Danke Frau Schuster!

mfG

#4 |
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Es wäre schön, wenn hier die physiologischen Grundlagen kurz erklärt wären. So klingt das ganze etwas esoterisch angehaucht. Inwiefern stellt Eiweiß denn eine Säurelast für die Nieren dar? Überschüssiges Eiweiß wird in Harnstoff umgewandelt und ausgeschieden. Woher kommt die angebliche Säurelast? Wieso erhöhen gerade die chemisch gesehen säurehaltigen Lebensmittel wie Obst die Säurelast nicht? Inwiefern ist ausgerechnet Obst “alkalireich” im Sinne des Säure-Base-Haushalts? Warum sollen Mg, K, Na-Gehalte sich auf den Säurespiegel auswirken, wenn sie doch im allgemeinen nicht als als Säure oder Base aufgenommen werden? Ich befürchte, hier wird eine falsche, nämlich esoterische Säure-Base-Theorie verfolgt, die nicht naturwissenschaftlichen Ansprüchen genügt. Unabhängig davon mag es schon so sein, dass die Ausscheidung von überschüssigen Produkten wie Harnstoff zur Nierensteinbildung oder Belastung des kindlichen Organismus führen könnte — aber über “Acidifizierung”? Was wird denn dabei messbar saurer? Der Blut-PH wohl kaum?! Der Urin-pH wirklich? Und falls ja, warum ist das schädlich, gibt es dazu eine Theorie?

Wieso ist die Stärke aus Kartoffeln angeblich günstig, aus Weizen (Brot) dagegen nicht? Baut der Körper nicht alle Kohlenhydrate zu Glucosebausteinen ab und dann wieder nach Bedarf auf? Und was hat das wiederum mit dem Säure-Base-Haushalt zu tun? Waren hier wirklich Chemiker und Physiologen bei der Arbeit?

#3 |
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Gast
Gast

google “thomas remer protina”

#2 |
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Ärztin

…durch das alkalisierende Potenzial von ca. 300 Gramm zusätzlich verzehrtem Gemüse und Obst – zum Beispiel ein Apfel und eine Banane -, ein Blutdruckanstieg im Studienverlauf von fast 1 mmHg verhindert werden könnte….
Kann das signifikant sein? Steht da nicht die zusätzliche Kalorienzahl gegen den Blutdruck?
Eiweißarme Ernährung ist bei im Wachstum befindlichen Kindern wohl auch nicht empfehlenswert.
Die beliebtresten (ich habe nicht geschrieben, dass ich das befürworte!) Mahlzeiten bei Kindern sind doch vegetarisch und eiweißarm. (Pommes mit Ketchup und/oder Majo und Spaghetti mit Tomatensauce und Eis) -aber nicht unbedingt salzarm.

#1 |
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