Wie Elvis sein…

16. Januar 2009
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Mit Tennessee verbindet man sofort Memphis, die Stadt von Elvis Presley, des „King of Rock’n’roll“. Für unseren Gesprächspartner hatte dieser Bundesstaat aber noch einen anderen Reiz: die Möglichkeit, dort ein PJ-Tertial zu absolvieren.

Campus: Christoph, wie bist du auf die Idee gekommen, in den USA ein Tertial deines PJs zu absolvieren?

Christoph: Als Jugendlicher habe ich ein Internat in Bayern besucht, auf welchem ich auch mein Abitur gemacht habe. Wir hatten damals die Möglichkeit, von der Schule aus für einige Monate zu Gastfamilien zu gehen, um unsere Fremdsprachenkenntnisse zu verbessern. Ich hatte das große Glück, zu einer unheimlich netten Familie nach Memphis, Tennessee, zu kommen, mit denen ich mich sehr angefreundet habe und auch heute noch regen Kontakt pflege. Insofern lag also die Entscheidung, in Tennessee einen Teil meines Praktischen Jahres abzuleisten, quasi auf der Hand. Nach langem Bewerbungsgespräch und etlichen Behördengängen habe ich dann schlussendlich an der ETSU (East Tennessee State University) die Möglichkeit erhalten, ein Tertial zu absolvieren.

Campus: Hattest du irgendwelche Probleme mit der Kommunikation?

Christoph: Durch meinen monatelangen Aufenthalt bei meiner Gastfamilie während meiner Schulzeit habe ich schon sehr stark das Sprechen in der Fremdsprache Englisch trainiert. Ich habe meine Gasteltern zudem noch zwei mal nach dem Abitur besucht (insgesamt war ich bei diesen beiden Besuchen in Summe über ein Vierteljahr in Memphis). Aber natürlich sollte man gerade die klinische Fachsprache unbedingt vor einer solchen Reise intensiv erlernen. Ich hatte an der Uni die Gelegenheit, an einem „Medical English“ Kurs teilzunehmen, in welchem man die ganzen Abkürzungen und Fachbegriffe lernt. Ohne dieses Wissen wäre man schon ganz schön aufgeschmissen. Man kann ja nur schlecht bei jedem zweiten Handgriff nachfragen…!

Campus: Gibt es noch etwas zu beachten, wenn man in einer Klinik in den Vereinigten Staaten ein Praktikum absolvieren möchte?

Christoph: Die Amerikaner, mit denen ich Kontakt hatte, waren allesamt sehr aufgeschlossen, gastfreundlich und von der Mentalität her auf alle Fälle mit Mittel- und Westeuropäern zu vergleichen. Man tappt also nur sehr selten in Fettnäpfchen (was in anderen Kulturen ja sehr schnell mal passieren kann). Wichtig wäre vielleicht zu wissen, dass man sich in den amerikanischen Krankenhäusern – im Gegensatz zu Deutschland – sehr vornehm kleidet. Das gilt nicht nur für Ärzte und Schwestern, sondern auch für Studierende. Eine Jeans oder Cordhose unter dem Kittel sind also völlig inakzeptabel. Zudem gehört auf das weiße Hemd auf alle Fälle immer eine Krawatte.

Ein weiterer Punkt ist das Essen. Wer noch nie in den Staaten war, wird das vielleicht als längst überholtes Vorurteil abtun, aber für den verwöhnten Mitteleuropäer ist die amerikanische Küche wirklich ein Abenteuer!
Natürlich gibt es auch in den USA hervorragende Küche und Spitzenrestaurants nach europäischem Vorbild – aber diese Dinge sind nahezu unbezahlbar. Man muss sich, als armer Studierender, also irgendwie durch die kulinarischen Zumutungen durchbeißen. Leider macht hierbei auch die Krankenhausküche keine Ausnahme. Das ist ein Punkt, mit dem man sich rechtzeitig beschäftigen sollte.

Campus: Wie war dein Verhältnis zu den Ärzten und den Kollegen vor Ort?

Christoph: Hier muss man sagen, dass im Vergleich zur Küche die zwischenmenschlichen Begegnungen eindeutig positiver waren, als man das zum Beispiel von Deutschland gewohnt ist.
Die Ärzte haben sich allesamt wahnsinnig viel Zeit für den „Unterricht“ vor Ort genommen und wurden nicht müde, mir einen Zusammenhang auch drei mal zu erklären, wenn es sein musste. Die Kollegen sind auf sämtliche individuelle Fragen eingegangen, und die Studierenden werden von der Ärzteschaft als vollwertige Kollegen und Mitarbeiter respektiert und in ihren selbstständigen Tätigkeiten ermutigt und unterstützt. Das habe ich in Deutschland leider schon des öfteren ganz anders erlebt…!

Campus: Hattest du auch Zeit und Muse, neben deiner Arbeit in der Klinik, ein wenig am „amerikanischen Leben“ teilzunehmen?

Christoph: Auf alle Fälle! Besonders das Campus-Leben auf der ETSU hat mich nachhaltig beeindruckt, da man so etwas ja nur aus klischeehaften Hollywood-Filmen kennt. Die kleine Welt in sich mit ihren Football-Spielen, Rockkonzerten, Theateraufführungen und sonstigen kulturellen Höhepunkten, sowie einfach das studentische Miteinander-Leben in diesem Mikrokosmos waren eine ganz tolle Erfahrung. Ich habe sehr viele Freundschaften geschlossen – nicht nur mit amerikanischen Studierenden, sondern auch mit Italienern, Spaniern und vielen Deutschen, die auf der ETSU waren. Mit den meisten treffe ich mich auch heute noch.

Das gleiche gilt übrigens auch für meine Gastfamilie von damals aus der Stadt des „King of Rock’n’roll“… ich werde sie im Frühjahr auf alle Fälle wieder besuchen.

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