Mycobacterium tuberculosis: Ursprung entdeckt

13. September 2013
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Tuberkulose entstand vor über 70.000 Jahren in Afrika. Das zeigt nun eine genetische Untersuchung von Bakterienstämmen aus der ganzen Welt. Diese neuen Erkenntnisse könnten die zukünftige Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen maßgeblich beeinflussen.

Unbehandelt führt jede zweite Tuberkulose-Erkrankung zum Tod, und noch immer sterben daran jährlich ein bis zwei Millionen Menschen, hauptsächlich in Entwicklungsländern. Die Entwicklung von Medikamentenresistenzen bildet dabei eine ernsthafte Bedrohung im Kampf gegen die Krankheit.

Genetischer Stammbaum belegt afrikanischen Ursprung

Eine internationales Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Sebastien Gagneux vom Schweizerischen Tropen- und Public Health Institut (Swiss TPH) hat den Zeitpunkt und den Entstehungsort von Tuberkulose bestimmen können. Mithilfe einer Vollgenomanalyse von 259 Mycobacterium tuberculosis-Stämmen, die an verschiedenen Orten rund um den Globus gesammelt wurden, zeichneten die Forscher den genetischen Stammbaum der tödlichen Bakterien nach. Dieser Erbgutvergleich zeigt, dass die TB-Bakterien vor mindestens 70.000 Jahren in Afrika entstanden sind.

Enge Beziehung zwischen Mensch und Bakterium

Die Forscher verglichen den evolutionären Stammbaum der TB-Bakterien direkt mit jenem des modernen Menschen. Zur Überraschung der Forscher gleichen sich Form und die Verzweigungen der beiden Stammbäume örtlich und zeitlich in einem hohen Maße. „Die Evolutionswege des Menschen und der TB-Bakterien zeigen auffällige Gemeinsamkeiten“, sagt Sebastien Gagneux. Daraus lässt sich auf eine sehr enge und direkte Beziehung der beiden Organismen schließen.

Der Mensch und die TB-Bakterien sind demnach nicht nur in derselben Weltgegend entstanden, sondern haben sich aus Afrika heraus über die ganze Welt ausgebreitet. Die veränderte Lebensweise des modernen Menschen, die ihn während der so genannten Neolithischen Revolution zunehmend in größere Gruppen und in landwirtschaftlichen Strukturen führte, schuf günstigste Selektionsbedingungen für die Mensch-zu-Mensch-Übertragung der Bakterien. Über die evolutionäre Auslese sind so immer tödlichere Keime entstanden. „Wir sehen, dass die Vielfalt der TB-Bakterien sprunghaft ansteigt, just zum Zeitpunkt, wo der Mensch aus Afrika ausgewandert ist“, erläutert Gagneux.

Neue Strategien für den Kampf gegen Tuberkulose

Die neuen Resultate deuten auch darauf hin, dass Tuberkulose im Unterschied zu anderen Infektionskrankheiten nicht von Haus- oder Nutztieren auf den Menschen übergesprungen ist. „TB-Bakterien sind entstanden, lange bevor der Mensch Tiere als Haus- und Nutztiere gehalten hat“, so der Evolutionsbiologe.

Tuberkulose bleibt eine globale Bedrohung. Neue Medikamente und Impfstoffe sind dringend notwendig, um diese Infektionskrankheit zu bekämpfen. Mehrfach-Resistenzen gegen gängige TB-Medikamente steigen in Osteuropa, Asien und Teilen Afrikas dramatisch an. Die neuen, grundlegenden Erkenntnisse zur Entstehungsgeschichte und Evolutionsbiologie der TB-Bakterien könnten helfen, um neuartige Medikamente oder Impfstoffe und bessere Strategien zur Kontrolle der Krankheit entwickeln zu können.

Originalpublikation:

Out-of-Africa migration and Neolithic coexpansion of Mycobacterium tuberculosis with modern humans
Sebastien Gagneux
 et al.; Nature Genetics, doi: 10.1038/ng.2744; 2013

24 Wertungen (4.21 ø)

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5 Kommentare:

Andrea Bevc
Andrea Bevc

Diese Methode kann doch eigentlich nur die letzten 50 000 Jahre nachweisen. Mussten dann die armen Afrikaner zusätzliche 20 000 Jahre warten bis TB des Weges kam?
Ist das nicht sehr ungerecht?
Oder müssen vielleicht alle anderen Armen auf TB warten bis sie schwarz sind ????????

#5 |
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PD Dr. rer.nat. Gernot Zissel
PD Dr. rer.nat. Gernot Zissel

70.000 Jahre? ist das nicht extrem jung? Kannte der Neandertaler keine TB?

#4 |
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Gast
Gast

Warum sind gerade in Osteuropa die ganzen multiresistenten Keime? Weil die ganzen Menschen aus Afrika dort eingewandert sind?
Oder ist das eine Ausrede für eine neue Geldmacherei?

#3 |
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HP Stefan Goßner
HP Stefan Goßner

Ich möchte noch ergänzen, dass die Unglücklichen, die Medikamente gegen TB brauchen, diese natürlich haben sollen. Aber es gibt hier Heuchler, die das Leben in Elendsgebieten durch TB-Medikamente verbessern wollen, statt mit viel weniger Geld die Ursache für die TB-Problematik zu lindern und damit nicht nur die TB-Verläufe erfolgreicher positiv zu beeinflussen, sondern auch noch viele andere Erkrankungen und andere Elendsfaktoren.
Es geht mir also nicht um ein Entweder-Oder, sondern ich kritisiere, dass man die segensreicheren Werkzeuge verschweigt, nur weil diese kein schnelles Geld bringen.

#2 |
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Heilpraktiker

Interessanter Artikel, nur leider immer wieder der selbe Unsinn gebetsmühlenartig wiederholt: TB sei ach so tödlich, man brauche Impfungen und Medikamente. Dabei ist es jedem ernsthaften Mediziner bekannt: TB ist eine Erkrankung von Menschen im Elend. Ob TB ernsthaft gefährlich wird, ist keine Frage medizinischer Behandlung oder Impfprophylaxe, sondern der Lebensbedingungen. Genug Luft, Licht, Wärme, gute Ernährung, keine chronischen Grunderkrankungen. DAS sind die Faktoren die entscheiden, ob (nicht nur) TB ein erhebliches Problem wird (und daher auch historisch die Steigerung der Problematik bei Auswanderung aus Afrika). Aber diese Dinge bringen keinem Konzern Patente und Umsatzsteigerungen. Trotzdem ist jeder Artikel unredlich, der diese wahren Ursachen verschweigt.

#1 |
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