Malariatherapie – Rien ne va plus

28. Januar 2009
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Jedes Jahr fordert die Malaria weltweit über eine Million Tote und mehrere hundert Millionen Erkrankte. Die Behandlung und Kontrolle der Erkrankung wird immer schwieriger: Die Therapieresistenz gefährdet die Malaria-Bekämpfung.

Alle 30 Sekunden stirbt ein Kind an Malaria. Die parasitäre Erkrankung ist auch noch im 21. Jahrhundert eine der häufigsten Todesursachen für Kinder unter 5 Jahren. Die meisten Todesopfer kommen in Afrika, Asien und Lateinamerika vor. Fernreisende importieren die Erkrankung nach Europa, 60 bis 90 Malariafälle pro Jahr auch nach Österreich. Davon sterben etwa ein bis zwei Betroffene, weil sie die Symptome verkannt oder verharmlost haben. Während die medizinische Forschung in den letzten Jahrzehnten auf vielen Gebieten große Fortschritte gemacht hat, wurden Behandlung und Kontrolle der Malaria schwieriger und teurer. Das größte Problem dabei ist die Entwicklung von Resistenzen gegenüber allen Malaria-Medikamenten, die in den letzten Jahrzehnten eingeführt wurden. Eine neue Studie der Medizin Universität Wien brachte vor kurzem alarmierende Ergebnisse für die Wirksamkeit von Malaria-Therapien: Die Therapieresistenz gefährdet die Malaria-Bekämpfung. Das beunruhigende Fazit daraus: Der Wirkstoff könnte bald unwirksam werden.

Artemisinine bald unwirksam?

Artemisinine zählen zu den wichtigsten Malariamedikamenten. Sie werden aus dem Einjährigem Beifuss (Artemisia annua) gewonnen, einer in Ostasien weit verbreiteten Pflanze, die seit Jahrhunderten in der Traditionellen Chinesischen Medizin eingesetzt wird. Dank ihrer Wirksamkeit haben die Artemisinine im letzten Jahrzehnt einen beispiellosen Siegeszug in der Therapie der Malaria angetreten. Praktisch alle derzeit verfügbaren Malariatherapien basieren in irgendeiner Form auf einem Verwandten des Artemisinins. Univ.-Doz. DDr Harald Nödl vom Institut für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der Medizinischen Universität Wien führte im Westen Kambodschas eine groß angelegte klinische Studie durch. „Das Besondere am Design unserer Studie war, dass sie speziell auf die Untersuchung möglicher Artemisininresistenz ausgelegt war. Dieses Design erlaubte es erstmals nicht nur die klinische Wirksamkeit von Kombinationstherapien sondern auch die des Artemisinins selbst zu bestimmen“, erklärt Nödl. „Die Studie belegt erstmals ein deutlich schlechteres Ansprechen der Malariaparasiten auf Artemisinin und damit verbunden eine stark verzögerte Heilung der Patienten.“

Keine Ersatzwirkstoffe in Sicht

Die Artemisinine bilden derzeit das Rückgrat praktisch aller Versuche die Malaria zu kontrollieren. Für sie gibt es zurzeit keinen wirklichen Ersatz: „Die verfügbaren Daten zeigen, dass Artemisininresistenz bislang auf einzelne Parasitenstämme und eine relativ umschriebene Region entlang der kambodschanisch-thailändischen Grenze beschränkt ist, die Artemisinin Kombinationstherapien also in den meisten Gebieten noch immer das Mittel der Wahl in der Malariatherapie sind“, so Nödl. Sollte sich die Resistenz der Parasiten gegen Artemisinin aber verbreiten, sieht der Wissenschaftler eine große Gefahr für die Malaria-Bekämpfung. „Eine Ausbreitung der Resistenz von Südost-Asien auf weite Teile der von Malaria betroffenen Welt könnte aus unserer Sicht eine der größten Katastrophen in der Geschichte der Malariakontrolle im 21. Jahrhundert auslösen.“ Denn das Vertrauen in die Wirksamkeit der auf Artemisinin basierenden Medikamente hat in den letzten Jahren auch die Entwicklung neuer Medikamente gehemmt. Die Präsentation der neuen Daten aus Wien führte nun vorerst dazu, dass in der Region unter der Obhut der Word Health Organisation WHO mehrere Projekte entstanden, um das Phänomen der Artemisininresistenz zu untersuchen und deren Ausbreitung zu verhindern.

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