Blütenreine Weste

28. Januar 2009
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Die Medizin Universität Wien hat einen Impfstoff zur Immunbehandlung von Birkenpollenallergien entwickelt. Er brachte im Vergleich mit anderen Impfstoffen überlegene Ergebnisse.

Die Nase ist verstopft, rot und rinnt, die Augen tränen, eine Niesattacke folgt der anderen – als hätte man damit nicht schon genug Probleme, ist als direkte Folge meist auch die Atmung erheblich eingeschränkt: Für viele Birkenpollenallergiker beginnt im Frühling die alljährliche Leideszeit. Der Blütenstaub gilt in Nordeuropa als Hauptverursacher allergischer Erkrankungen. Die Tendenz ist steigend: In den letzten 20 Jahren nahm die Zahl der Neuerkrankungen um 50 Prozent zu.

Ignoranz ist gesundheitsschädigend

Die Birkenpolleninvasion auf die leichte Schulter zu nehmen ist gefährlich: Ohne wirksame Therapie kann es zu schwerwiegenden Erkrankungen der Lunge kommen. Fachärzte sprechen dann vom Etagenwechsel und der Ausbildung zum allergischen Asthma. Patienten mit frühzeitiger, fachärztlicher Diagnose und konsequent durchgeführter spezifischer Immuntherapie (SIT) haben dagegen die besten Chancen auf eine deutliche Besserung der allergischen Symptome. Die Behandlung mit Impfstoffen, die über einen rund zwei Jahre dauernden Zeitraum regelmäßig unter die Haut injiziert werden, setzt als einzige Therapie an den Ursachen der Erkrankung an. Cortison oder Antihistamine dämpfen lediglich die mit der Allergie einhergehende Entzündung und daraus resultierende Symptome. Mit der SIT kann der Übergang vom harmlosen Heuschnupfen zum allergischen Asthma, verhindert werden. Die bisher verwendeten “Allergie-Impfstoffe” haben jedoch auch Nachteile: Sie werden aus Birkenpollen durch Extraktion aus natürlichem Material hergestellt und können zu Nebenwirkungen oder zur Entstehung weiterer Sensibilisierungen auf Nebenallergene führen. Das soll ein neuer Impfstoff aus Wien verhindern.

Wiener Biotech-Allergie-Impfstoff macht Hoffnung

20 Jahre Forschungsarbeit an der Medizinischen Universität Wien haben sich in diesem Zusammenhang ausgezahlt: Ein eigens entwickelter Impfstoff zur Immunbehandlung von Birkenpollenallergien hat in einer Phase-II-Studie mit Allergikern als Probanden zum Teil im Vergleich zu herkömmlichen Produkten überlegene Ergebnisse gebracht. Die Behandelten benötigten während der Pollensaison um 50 Prozent weniger symptomatisch wirkende Medikamente. Bereits 1989 konnte Univ.-Prof. Dr. Rudolf Valenta vom Institut für Pathophysiologie mit seinem Team das Hauptallergen der Bilkenpollen, Bet v 1, isolieren und das Gen klonieren. Dadurch wurde die Biotech-Produktion von Bet v 1 möglich. Es konnte ein Testkit entwickelt werden, mit dem überprüfbar ist, ob ein Proband spezifisch auf dieses Allergen anspricht oder nicht. „Jetzt könnten wir auch einen ganz spezifisch wirksamen Impfstoff anbieten”, erklärt Valenta. Den Beweis für die Machbarkeit und deutliche Hinweise auf eine Wirksamkeit publizierte der Wissenschaftler vor kurzem im “Journal of Allergy and Clinical Immunology“. In einer Studie die seit fünf Jahren läuft, wurden bisher 134 Birkenpolenallergiker unter die Lupe genommen. Sie erhielten entweder den Wiener Impfstoff, eine zugelassene Vakzine aus gereinigten Birkenpollen, Birkenpollenextrakt oder ein Placebo. Die Injektionen erfolgten zunächst wöchentlich, danach einmal monatlich über zwei Jahre über zwei Pollen-Saisonen hinweg.

Überzeugende Ergebnisse

Bei allen Probanden, die im Vergleich zu Placebo einen Impfstoff erhalten hatten, kam es zu einem um rund 50 Prozent verringerten Bedarf an zusätzlichen Medikamenten, die Stärke der Symptome nahm ebenfalls um 50 Prozent ab. Die Bildung von IgG-Antikörpern, die vor der Allergie schützen, war allerdings mit dem rekombinant produzierten Bet v 1-Impfstoff aus Wien deutlich höher. Bei drei Patienten, welche einem herkömmlichen Impfstoff aus Birkenpollen-Extrakt behandelt worden waren, kam es zur Ausbildung einer zusätzlichen Sensibilisierung gegenüber einem anderen Birkenpollenallergen. Hingegen stellte sich dieser Effekt bei keinem der Patienten ein, welche den neuen Wiener Biotech-Allergie-Impfstoff erhalten hatten.

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1 Kommentar:

Prim.Dr. Manfred Kremser
Prim.Dr. Manfred Kremser

Ob ‘blockierende’ IgG-Ak wirklich blockieren, ist weiterhin mehr als umstritten. Ob eine SIT mit reinen bet V1- Antigenen eine Ausweitung einer Sensibilisierung auch auf andere Betulaceae-arten oder gar andere Inhalationsallergenen/ kreuzreagierende NM verhindern kann, wird sich erst in futuro zeigen.

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