Anatomie im Fokus: Das Hüftgelenk

29. Januar 2009
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Was hat die Pfanne mit dem Hüftgelenk zu tun? Wieso ist der Kontakt zwischen Acetabulum und Caput femoris so wichtig? Weißt du es nicht? Dann schau dir diesen Artikel mal genauer an!

Bei der Hüftdysplasie handelt es sich um eine Entwicklungsstörung des Hüftgelenks. Dabei ist die Hüftpfanne (Acetabulum) im Wachstum verzögert, sodass sie flach bleibt und den Hüftkopf (Caput femoris) nicht halten kann. Der Kontakt zwischen Kopf und Pfanne ist wichtig für deren Wachstum. Ist er durch die unterentwickelte Pfanne verringert, so wächst auch die Epiphyse des Caput femoris schlechter. Außerdem kann der Caput femoris durch Muskelzug zunehmend verlagert werden, weil in das Acetabulum nicht in Position hält.

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Was für Symptome hat das Kind?

Erst Wochen oder Monate nach der Geburt äußert sich die Hüftdysplasie durch klinische Zeichen. Bei einseitiger Erkrankung können die Hautfalten am Gesäß asymmetrisch sein. Dies ist durch die Beinverkürzung zu erklären, die zum einen durch die Wachstumsverzögerung des kranken Beins entsteht. Zum anderen wirkt das Bein kürzer durch das Hochwandern des Hüftkopfes. Den Eltern fällt auf, dass das Kind erst verspätet zu gehen lernt und beim Laufen leichter ermüdet. Ist die Hüfte auf beiden Seiten betroffen, so fällt oft die Hüftdysplasie weniger auf, da man schlechter vergleichen kann. Am auffallendsten ist dabei der watschelnde Gang.

Eine frühe Diagnose ist wichtig!

Bei der Hüftdysplasie ist eine frühe Diagnose höchst wichtig, da dann die Therapiemöglichkeiten sehr gut sind. Denn anfangs kann die Hüfte noch nachreifen. Wird die Erkrankung zu spät erkannt und behandelt, so sind Folgen wie eine komplette Auskugelung des Hüftgelenks (Luxation) oder eine Arthrose im Erwachsenenalter gefürchtet. Dabei kann der Erkrankte auch lange Zeit wenig Beschwerden haben, bis im Alter von 30-40 Jahren die Symptome und die Behinderung schnell zunehmen.

Wie erkennt der Arzt die Dysplasie?

Eines der bedeutendsten klinischen Zeichen ist das Ortolani-Zeichen. Dabei liegt das Kind auf dem Rücken und der Untersucher beugt dessen Hüfte (in Richtung Wirbelsäule). Wird der Oberschenkel nun nach außen gedreht, so merkt er ein Schnappen oder Klicken. Dabei ist der hochgewanderte Hüftkopf in die Hüftpfanne zurückgewandert. Dies ist ein Zeichen für eine instabile Hüfte.

Die Ultraschalluntersuchung stellt bei der Früherkennung die wichtigste Maßnahme dar. Sie wird bei allen Kindern im Rahmen der U-Untersuchung bei der U3 (4.-5.Woche) durchgeführt. Bei Risiko-Kindern mit Skelettanomalien, Beckenendlagegeburt, klinischen Dysplasie-Zeichen findet die Sonographie auch früher statt. Erst nach dem Ende des 3. Lebensmonats ist das Röntgen aussagekräftig.

Je früher die Therapie, desto besser

Die Behandlungsmöglichkeiten sowie deren Erfolg hängen stark vom Alter des Erkrankten ab. Anfangs helfen Spreizhosen oder Spreizschienen bei der Nachreifung der Hüfte, weil sie einen guten Kontakt zwischen Hüftpfanne und –kopf wiederherstellen. Ist der Kopf schon gewandert, so muss reponiert werden, beispielsweise durch Längszug an den Beinen. Falls diese Möglichkeiten nicht helfen, so muss operiert werden.
Wird vor dem 3. Lebensmonat behandelt, so können Eltern und Kind auf eine komplette Ausheilung hoffen!

Interview: Wie es ist, als Erwachsener an Hüftdysplasie zu leiden, könnt ihr hier nachlesen.

Unsere neue Reihe Anatomie im Fokus wird mit freundlicher Unterstützung von 3B Scientific, dem renommierten Hersteller anatomischer Modelle, ermöglicht. Mit den Modellen von 3B Scientific liefern wir euch in dieser Reihe einen Einblick in die Anatomie des Menschen.

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