Bereitschaftsdienst in Bayern: Ärzte mit Grenzen

16. September 2013
Teilen

Der Regionalverband des Bundesverbandes der Vertragspsychotherapeuten e.V. sieht aufgrund der Neuregelung der Bereitschaftsdienstordnung in Bayern die Bürger in Gefahr. Wollen sich die Psychotherapeuten und andere Arztgruppen einfach vor den Diensten drücken oder ist wirklich die Qualität der Patientenversorgung in Gefahr?

Wer außerhalb der regulären Sprechzeiten einen Arzt benötigt, wendet sich an den Bereitschaft habenden Arzt. Bisher wurde der Bereitschaftsdienst in Bayern vor allem von Allgemeinärzten und Fachärzten der organmedizinischen Versorgung durchgeführt. Doch der Ärztemangel, die Überalterung der Hausärzteschaft und die bröckelnde hausärztliche Versorgung in ländlichen Gebieten haben den Bereitschaftsdienst in seiner bisherigen Form an den Rand des Zusammenbruchs gebracht. Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) hat daher eine geänderte Bereitschaftsdienstordnung auf den Weg gebracht, die im April dieses Jahres in Kraft getreten ist.

Eine große Änderung ist die Verpflichtung von Arztgruppen zur Teilnahme, die bisher vom Bereitschaftsdienst befreit waren. Darunter fallen die Fachärzte für Humangenetik, Labormedizin, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Pathologie/Neuropathologie, Psychiatrie und Psychotherapie, Radiologie, Transfusionsmedizin u.a. Bisher hielt die KVB eine fachärztliche Ausbildung, wie etwa die zum Facharzt für Allgemeinmedizin für notwendig, um am Bereitschaftsdienst teilnehmen zu können und zu dürfen. Wegen Nichteignung waren beispielsweise Psychotherapeuten vom Bereitschaftsdienst seit mehr als zwei Jahrzehnten ausgeschlossen. Sie haben also seit sehr langer Zeit keine körperlich kranken Menschen versorgt. In einem Feld wie der Medizin, wo es zum einen im Extremfall um Leben und Tod gehen kann, und sich zum anderen das Wissen und die Behandlungsmethoden schnell weiterentwickeln, sollte die Frage erlaubt sein, ob unter einer solchen Reform die Qualität der Patientenversorgung leiden könnte.

Approbation und Fortbildung ausreichend

Dr. Wolfgang Kromholz, Vorstandsvorsitzender der KVB, geht nicht davon aus: „Jeder Kollege mit Approbation hat eine klinische Ausbildung durchlaufen und ist daher befähigt, Menschen in Notfällen zu versorgen. Für Mediziner, die sich nicht hinreichend ausgebildet fühlen, bieten wir über zwei Jahre Fortbildungen an, in denen alle wichtigen Themen behandelt werden. Ich sehe keinen Grund, warum die Ärzte das nicht können sollten.“ Zugegeben, an einem Unfallort ist ein Radiologe ebenso verpflichtet, erste Hilfe zu leisten, wie ein Allgemeinmediziner. Einige Betroffene sehen es dennoch aus einer anderen Perspektive: Silke Doll, Fachärztin für psychosomatische Medizin und Psychotherapie aus Immenstadt im Allgäu erklärt: „Ein Drittel meines PJ habe ich vor über 20 Jahren in der inneren Medizin gemacht, ein weiteres Drittel in der Chirurgie. Ab dann war ich nur noch in der Psychiatrie und der Psychotherapie beschäftigt. Ich habe faktisch nie somatisch gearbeitet und war schon gar nie mit Akutsituationen konfrontiert.“

Auf viele Schultern verteilen

Ein Vorteil der Teilnahmepflicht anderer Facharztgruppen soll und wird darin liegen, dass sich mehr Ärzte den Bereitschaftsdienst teilen, und somit die Belastung und Frequenz für jeden einzelnen Arzt sinkt. In städtischen Gebieten wird das sicherlich funktionieren, doch dort steht der Bereitschaftsdienst auch nicht auf der Kippe. Doch in ländlichen Gebieten gibt es eben kaum Genetiker, Pathologen, Transfusions- und Nuklearmediziner, welche beim Bereitschaftsdienst die bisherigen Teams verstärken könnten. Bleibt also die Problematik auf dem Land trotz der Neuordnung bestehen? Jörg Hüwel ist Referatsleiter für den Bereich ambulante Versorgung beim Verband der Ersatzkassen e.V., Landesverband Bayern: „Für so ein Flächenland wie Bayern, in dem es von Großstädten bis Einzelhöfen, von Millionären bis zu Obdachlosen, von jungen Medizinern und alternden Landärzten alles gibt, ist es praktisch nicht möglich, eine Schablone zu entwickeln, mit der sich alle wohlfühlen“, sagt er. „Das Ziel der Krankenkassen ist es, dass die Versicherten in allen Ecken Bayerns eine gute Versorgung bekommen.“

Längere Wege, längere Wartezeiten

Silke Doll befürchtet sowohl Qualitätseinbußen für die Versorgung im Bereitschaftsdienst als auch in ihrer psychotherapeutischen Arbeit. Denn auch bei den Psychotherapeuten herrscht Nachwuchsmangel. Und die Verdienste sind im Durchschnitt deutlich geringer als die eines Hausarztes. Frau Doll würde sich eine flächendeckende Versorgung mit Bereitschaftspraxen wünschen, in denen extra dafür angestellte Ärzte Dienst tun und dafür angemessen bezahlt werden. „Ich kann diese Betreuung in hoher Qualität aufgrund mangelnder Erfahrung nicht leisten. Da kenne ich meine Grenze!“ Zudem schlagen die Psychotherapeuten vor, dass sie den hausärztlichen Bereitschaftsdienst mit ihrem Fachwissen unterstützen könnten. Denn Untersuchungen der Universität Hamburg und der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf haben gezeigt, dass etwa 20 Prozent der Einsätze im Bereitschaftsdienst einen psychischen, psychiatrischen oder psychosozialen Hintergrund haben. Und hier könnten die entsprechenden Fachärzte ihre Stärken gewinnbringend für alle Beteiligten einsetzen.

Teil der Reform ist auch, dass die Bereitschaftsdienste zentralisiert werden sollen, indem Bereitschaftspraxen eingerichtet werden, in denen der Bereitschaftsdienst geleistet werden kann. Praxisräume und die Ausstattung werden mit Unterstützung der KVB und der Krankenkassen finanziert. Durch die Zusammenlegung von Dienstgruppen werden Patienten künftig längere Wegstrecken zur Bereitschaftspraxis auf sich nehmen und mit längeren Wartezeiten rechnen müssen. Medizinische Risiken sollten damit dennoch nicht verbunden sein, denn in wirklich lebensbedrohlichen Situationen ist der Notarzt zuständig. Doch auch die Bevölkerung muss sich weiterbilden, und zwar u.a. darin, in welchen Fällen überhaupt der Bereitschaftsdienst und der Notarztdienst zu rufen oder aufzusuchen ist.

Dem Nachwuchsmangel begegnen

Junge Ärzte werden vermutlich problemlos in das neue Bereitschaftssystem hineinwachsen und werden als Niedergelassene die schönen Seiten des Arztberufes kennenlernen. Für Ältere, die seit langer Zeit befreit waren, bedeutet die neue Bereitschaftsdienstordnung mitunter einen großen Einschnitt. Andererseits werden natürlich auch viele Ärzte von der Reform profitieren und dadurch entlastet. Es gibt die unterschiedlichsten Stimmen – viele freuen sich über die Änderung, andere Ärzte finden sie verantwortungslos:

„Ich möchte nicht dafür verantwortlich sein, wenn durch meine Fehleinschätzung ein Mensch großen Schaden davonträgt oder stirbt“, stellt Fr. Doll heraus.

„Es ist auf jeden Fall nicht richtig, dass die Patienten Angst haben müssten, wenn die neu integrierten Ärzte Dienst haben“, betont Dr. Krombholz.

Eine viel dringlichere Frage scheint aber zu sein, wie auf lange Sicht dem Nachwuchsmangel bei Haus- und Fachärzten begegnet werden kann. Die KVB hofft, dass der Hausarztberuf auf dem Land wieder attraktiver wird, wenn zum normalen Praxisbetrieb nur maximal sechs Wochenenddienste pro Jahr geleistet werden müssen. Und die Kassenärztliche Bundesvereinigung hat eine große Werbekampagne gestartet, um auf die Problematik aufmerksam zu machen. Doch so lange das Verhältnis aus Bezahlung in Kombination mit langen Arbeitszeiten ungünstig ist, und Hausärzte auf dem Land aufgrund von fehlenden Fachärzten in der Umgebung die Budgets nicht einhalten können, scheint die Lage verzwickt. Viele Absolventen gehen ins Ausland, weil dort die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung attraktiver sind und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf gegeben ist. Das sollte uns zu denken geben. Andere gehen in die Industrie. Oder machen etwas ganz anderes. Die Neufassung der Bereitschaftsdienstordnung dürfte dabei aber nur eine untergeordnete Rolle spielen. Herr Hüwel urteilt: „Die neue Bereitschaftsdienstordnung muss aber auch Zeit haben, leben zu dürfen. Sie ist noch sehr jung, aber sie ist mit Augenmaß gemacht worden, und sie ist gut.”

127 Wertungen (4.5 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

49 Kommentare:

Daniel A.
Daniel A.

Vielen Dank für die informative Antwort, Herr Meyer!

mfg

#49 |
  0

@Daniel A.
Sehr geehrter pharmazeutischer “Kollege”,
fachkundiges “Sticheln” ist sicher hin und wieder willkommen. Ihre Wortmeldung bzw. Fragen laden natürlich sofort zur Antwort ein!
Es geht nicht immer um Lust! Auch möchte ich meinen psychotherapeutischen
Kollegen, die “wiederverpflichtet” oder “neuverpflichtet” werden sollen für einen eigentlich hausärztlichen Notdienst eher ärztliches Selbstvertrauen zusprechen. Denn es geht hier um verantwortungsvolles Denken und Handeln, sich eben keines Übernahmeverschuldens anheim zu stellen!
Jahrelang wurde ja gerade in Bayern Psychosomatikern die Teilnahme am
kassenärztlichen Notdienst gewissermaßen “untersagt”, wurden sie also von der Teilnahme daran ausgeschlossen! Wie sollen dann Erfahrungen gesammelt
werden?
Ich kann mir auch nicht vorstellen, daß Laborärzte berechtigt sein sollen, kassenärztliche Verordnungen auszustellen, so reglementiert, wie diese Fach-
gruppe schon in ihrem Fachgebiet gegängelt wird! Wenn ein Laborarzt für seine Familie solch eine Verordnung per Privatrezept trifft, liegt das in seiner
persönlichen Verantwortung! Wobei ich mir gut vorstellen kann, daß es Labor-
kollegen gibt, die einer guten Diagnose nach Anamnese und Untersuchung mächtig sind!
Der Frischling aus dem Studium wird den Notdienst, der hier diskutiert nicht machen! Dazu ist er nun wirklich noch nicht in der Lage. Tut er es doch, nach
erworbener Approbation, wird er schnell mit seinen Grenzen konfrontiert werden. Das Risiko ist hoch, wenn man liest, daß mancher PJler offenbar noch
nicht einmal den Unterschied zwischen peroral und intravenös zu validieren vermag! So wie heute die Anleitung und Führung von “Frischlingen” gehand-
habt wird, werden die Konsequenzen in wenigen Jahren fatal sein!
Nachschulung haben viele Psychotherapeuten nicht abgelehnt und ausge-
schlossen. Jedoch dann nicht nur zwei Jahre, und das neben der tagtäglichen
Facharbeit mit ihren Patienten. Hospitationen am Wochende wären keine
geringe Belastung. Auch für den niedergelassenen Arzt sollte gelten, daß er sich am Wochenende regenerieren darf! Ich gaube kaum, daß gerade die älteren Kollegen ein schlechtes Selbstbild für sich in Anspruch nehmen!
Natürlich kann man Notdienst auch zusammen machen! Es gibt einige gute
Beispiele, wie genossenschaftliches Engagement von Ärzten zu funktionieren-
den Bereitschaftspraxen geführt hat. Und sicher wäre in solchen Praxen auch
Lehre und Ausbildung, somit die Integration und Anleitung von “Frischlingen”
möglich. Warum dies bisher so sparsam vorangetrieben wird, darüber sollten
diejenigen Auskunft geben, die Erfahrung damit haben bzw. die Kollegen, die
es bisher vermeiden, solche Projekte ins Leben zu rufen!

Ein schönes Wochenende mit viel Nachdenken!

#48 |
  0
Daniel A.
Daniel A.

Interessante Diskussion hier.
Dürfte ich als Apotheker mal ein wenig dazwischensticheln?
Ich kann schon nachvollziehen, dass man nach 20 Jahren ‘Fachdienst’ weder Lust noch ausreichendes Selbstvertrauen für einen Notdienst hat.
Aber verschreiben dürfen die Herren und Damen trotzdem noch ‘alles’?
Oder sollte man dem Labormediziner gewisse Wirkstoffgruppen nicht lieber untersagen, dem persönlichen Umkreis und sich selbst zum Schutze?
Sie trauen sich eine Diagnose ja offensichtlich selbst nicht zu…

Noch ein Punkt: Der Frischling aus dem Studium hat auch keine nennenswerte Praxis und Erfahrung für den Notdienst. Aber der solls dann klaglos machen? Und der alte Arzt sieht sich derweil unfähig zur Nachschulung? Schlechtes Selbstbild.

Noch eins: Notdienste kann man auch zusammen machen, wenn man unsicher ist. Machen zumindest die Apotheker mit ihren Frischlingen… können das die Ärzte für die Anfangszeit nicht organisieren?

#47 |
  0
Dr. med. Martin Lorenz
Dr. med. Martin Lorenz

Lieber Kollege Hagen,

Danke für die Blumen! Einige der hier diskutierten Punkte sind aber auch mir u.a. dank Ihrer erst klarer geworden, nachdem ich erfahren konnte, daß die Sicht auf die Dinge viele der Fachärzte teilen und die jedenfalls hier vorgebrachten Argumente der Hausärzte recht “dünn” waren und blieben.

In unserer Region verdient man als Diensteleistender mittlerweile rund 1200 € pro Nachtdienst vor Steuern, was zu einer zunehmenden Belastung der nicht teilnehmenden anderen Ärzte wird, die aber nicht teilnehmen, weil sie aus den vorgenannten und ausführlich geschilderten und nachvollziehbaren Gründen aus Sorge verzichten.
Wie weit finanziell soll dieser “Spaßdienst” also noch ausufern?
Dieser Betrag ist 1/4 meines Salers in der Schweiz mit mindestens 4 à 36-Stundendiensten in der Chirurgie im Monat – im Jahr 2000!

Wir müssen eigentlich keine Selbsthilfegruppe aufmachen, sondern einfach diesen KV-Dienst-Irrsin weiterhin thematisieren; wenn dem nämlich so ist, wie selbst Hausärzte schreiben: eigentlich ein Quatsch, dann muss dieser weder von den Versicherten noch von uns subventioniert werden.

Ich darf repetieren:

– Hausärzte argumentieren, daß es weitgehend um belanglose Dinge ginge. Wozu muß dann ein Notdienst sein? Können echte Notfälle nicht in die Notfallambulanz des nächsten KH gehen?

– Insbesondere unter Berücksichtigung des neuen Patientenschutzgesetzes geht es uns nicht allgemeinmedizinisch fortgebildeten Ärzten tendentiell an den Kragen, wenn wir keine optimale allgemeinmedizinsche Behandlung garantieren können.
(Natürlich darf man sich fragen, warum nennenswerte Prozente an Patienten beim Hüsterchen schon ein Antibiotikum vom HA kriegen…, darum geht es aber leider nicht)

– Das wiederum interessiert die AFA’s nicht, die brav ihre Fortbildungen machen – so, wie wir es tun, aber jeweils fachspezifisch, um gut zu bleiben und am Markt bestehen zu können. Wieviele Wochenenden mehr sollen wir also noch zusätzlich fachfremd investieren, damit wir diesem fachfemden Wohlfühldienst Genüge tun können?
250 Punkte in einem Jahr? Oder was stellen sich die Kollegen oder die KV vor?
Ich jedenfalls habe noch keinen AFA bei einer radiologischen Fortbildung entdeckt…
…allerdings genügend Erfahrungen damit, daß diese dann dem Patienten die Bilder “erklären” inklusive “Neuentdeckungen” von “Tumoren”, die der Radiologe natürlich nicht gesehen hat.

Bleiben wir also auf dem Boden der Tatsachen. Wären wir noch im Wilden Westen, wo ein Arzt vom Kinder auf die Welt holen bis zum Kugel aus dem Bauch holen alles gemacht hat, sind wir aufgrund der Spezialisierung weit entfernt.

Wir sind nicht mehr insbesondere unter Berücksichtigung des Patientenschutzgesetzes berechtigt, (Gesetzeskonflikt?!!!), Alles und Jedes bei einem Patienten nächtens zu behandeln, aber offenbar dazu verpflichtet,
ohne Gefahr zu laufen, um den Komfort der Hausärzte willens, straffällig zu werden, echte Notfälle natürlich, wie einen VU auf dem Heimweg, ausgenommen.

Fazit: Der KV-Dienst in der bisherigen Form hat keine Berechtigung. Spezialisierte Fachärzte gänzlich anderer Richtungen für dessen Realisierung zu mißbrauchen, ist unethisch und wahrscheinlich auch nicht gesetzmäßig.

Beste Grüße

#46 |
  0
Dr. med Herbert Hagen
Dr. med Herbert Hagen

Lieber Kollege Lorenz,
wollen wie eine Selbsthilfegruppe für von der Hausärzteschaft missbrauchte Fachärzte gründen? Es tut so gut wenn ein Kollege ehrlich ist und die Missstände beim Namen nennt anstatt immer nur darauf zu schielen das man ja die potentiellen Zuweiser Hausärzte nicht verärgert und sich darüber alles gefallen lässt. Das geht bei den Diensten los und hört beim abschieben lästiger Patienten noch lange nicht auf (6 Wochen hingehalten, dann als Notfall geschickt, zuvor wirtschaftlich abgeschöpft, aber keine KG Verordnung möglich, das liebe Budget lässt es nicht zu. Dann aber maulen wenn man den Patienten nicht sofort abnehmen kann). Den Selbstbedienungsladen Hausarztmodell lassen wir jetzt mal außen vor. Fakt ist der Facharzt ist immer Recht wenn es dem Hausarzt dient. Die größte Gruppe unter den niedergelassenen Ärzten spielt diesen Machtvorteil gnadenlos aus. Vor allem die jetzt nachrückende Generation die die geniale Zusammenarbeit in der Zeit vor dem hausärztlichen Sektierertum nicht mehr kennt. So wie es derzeit um den Zusammenhalt in der Ärzteschaft steht kann einem Angst und Bange werden was da in den nächsten Jahren bei Älter werdender Bevölkerung und ignoranter Politik noch bevorsteht. Letztlich bekommen wir das was wir verdienen als selbstgerechte zerstrittene Gruppe von Individualisten.

#45 |
  0
Dr. med. Martin Lorenz
Dr. med. Martin Lorenz

@ Kollegin Lebert

Sie haben sicher mit Ihrem ersten Halbsatz recht. Mit dem zweiten liege ich im Zweifel, denn diejenigen Patienten, die sich schon bisher nicht “trauten” / weigerten (aus welchen Gründen auch immer), den Dienst in Anspruch zu nehmen, würden es fortan auch nicht – und das, egal wie das System ist. Die Einzigen, die man “glücklich” macht, sind nach einhelliger Meinung überwiegend diejenigen Patienten, die es nicht oder kaum nötig hätten.

Was kann dann der Grund für diese Dienste sein?

Meines Erachtens zieht man sich hinsichtlich der Hausärzteschaft oft auf rein egoistische Motive zurück. Jeder “Landarzt” weiß, daß seine Praxis praktisch “unverkäuflich” ist, wenn der Dienst nicht geregelt ist. Das führt tlw. zu grotesken Überbietungen beim Stundenlohn für den KV-Dienst und damit auch zu grotesken Angeboten bezüglich der Dienstbereitschaft für Vertreter. Damit die Sache “gerecht” zugeht, hat man sich ausgedacht, daß fachfremde Fachärzte eben auch verpflichtet werden, den Dienst zu bestreiten.
Wieso? Es gibt kein überzeugendes Argument dafür. Wir haben oftmals bereits so viele Nachtdienste hinter uns, daß wir bei jedem Hausarzt, der seine Patienten halbwegs im Griff hat, mindestens gleichziehen können.
Wir, die 36- und tlw. 48-Stundendienste bis zum kalten Erbrechen abgeleistet haben, haben keinen Turn auf noch mehr davon.
Wir sind vor allem von der Allgemeinmedizin von heute fachlich oft nicht mehr auf dem Stand der Zeit (s. vorige Beiträge) – insbesondere unter Berücksichtigung der neuen Rechtsprechung.

Es kann nicht sein, daß diese Dienste, die eigentlich ausschließlich Hausärzte bestreiten sollen, zu Praxis-Übernahmeforen werden, für die wir Fachärzte außerhalb der Allgemeinmedizin “bluten” und ungebührliche Verantwortung übernehmen müssen, zumal, wie Kollege Hagen schildert, der Hausarzt sich weigert, einen Verbandswechsel respektive eine Wundkontrolle zu machen.
Aber wir Fachärzte (nicht allgemeinmedizinische) sollen state of the art die Patienten allgemeinmedizinisch versorgen, weils ja angeblich so problemlos ist, damit die Nachfolge geregelt ist?

Mir persönlich ist im ersten Jahr meiner Niederlassung aufgefallen, daß ich oft für Feiertagsdienste eingeteilt wurde – ein Schelm, wer Böses dabei denkt – obwohl noch niemand wissen konnte, daß ich mich vertreten lasse.

#44 |
  0
Ärztin

Das Problem ist, dass ein Zurückfahren des bisherigen Systems aufgrund der Vielzahl von Überbesorgten/Psychosomatikern/Bequemen/Mißbräuchlern/An-Fehlernder-Selbsteinschätzung-Leidender auf Kosten derer ginge, die zu bescheiden sind oder auch an fehlender Selbsteinschätzung leidend (alt, überfordert). Ich kenne noch zur Genüge z.B. die zeternde Patientin, bei der die Insulinschwester bei BZ von 30mmol/l (>300mg%) trotz der fälligen Zuzahlung den Bereitschaftsdienst gerufen hatte. Oder den seit Tagen hochfieberhaften Landwirt (Ernte musste rein). Und auch die Dienstverpflichtung nach irgendeinem Paragraphen zum Notarzteinsatz (ohne Schein!), weil alle (!!) verfügbaren Notärzte (3. Notarzt+Luftrettung) unterwegs waren. Ich bin der Sache nie nachgegangen, aber wette, dass mindestens einer der “richtigen” Notärzte bei jemandem mit Infekt war, dem es nicht schnell genug ging.

#43 |
  0
Dr. med. Martin Lorenz
Dr. med. Martin Lorenz

Solche Verhältnisse wie geschildert in Lettland will hier sicher niemand.
Manchmal ist es aber dennoch gut, zu wissen, wie es woanders aussieht, um mal wieder einen Eindruck zu bekommen, wie gut es den Versicherten in Deutschland geht und wie abwegig dieses nicht endenwollende Besingen einer Zweiklassenmedizin hier ist.
Ich kann das für alle Stellen, in denen ich bisher arbeitete, nicht erkennen – von der Problematik der Terminvergabe einmal abgesehen – weder für Deutschland noch für die Schweiz, was aber wiederum jeweils nicht für Notfälle gilt.

Das Kernproblem, wie es der Vorredner jedenfalls so ähnlich sagte, ist
dasjenige unrealistischer Anforderungen an das Gesundheitssystem, weniger dasjenige mangelnder Aufklärung, zumal “Dr. Google” und zahlreiche andere Internetportale Hilfestellungen geben, welche zunehmend in Anspruch genommen werden.

Ein jeder Mensch hat das Gefühl, wie ernst eine Gesundheitsstörung sein könnte. Bohrende Brustschmerzen und Atemnot sind etwas anderes als Halsweh. Ersteres sollte sofort zur Vorstellung im Notdienst führen, für zweiteres hätte ich mich geschämt, auch schon vor meiner “medizinischen” Zeit, zum Notdienst zu gehen, allenfalls zur Notdienst-Apotheke. Ein Asthmaanfall ist etwas anderes als Rückenschmerzen oder Knieschmerzen, die man schon seit 4 Wochen hat. Es ist in meinen Augen eine kalkulierte Unverschämtheit, wegen seit 4 Wochen bestehender Knieschmerzen nachts in die Bereitschaft zu gehen.

Ein weiteres Thema ist das zwischen Angebot und Nachfrage.
Nachfrage kann Angebot schaffen, aber Angebot auch Nachfrage, die zuvor nicht bestand. Daher sollte mal ganz grundsätzlich über diesen KV-Dienst nachgedacht werden.

Da zahlreiche Mitdiskutanten ausführten, daß dieser Dienst ganz überwiegend zur Vorstellung banal erkrankter Patienten führt, die früher z.B. eine heiße Milch mit Honig oder eine “Aspirin” inkorporiert hätten, dann muss dieser Dienst in seiner aktuellen Form grundsätzlich zur Disposition gestellt werden.

Bei ernsthaften Erkrankungen muß ein perfekter Rettungs- und Notarztdienst zur Verfügung stehen, der nach 10-15 Minuten beim Patienten ist.

Bei Befindlichkeitsstörungen kann man also bis zum nächsten Konsultationstag des Hausarztes warten.

Eine hochgradig schmerzhafte oder fieberhafte Erkrankung insbesondere eines Kindes oder eines alten Erwachsenen führt zur Vorstellung in der “echten” Notfallambulanz des Krankenhauses.

Basta.

#42 |
  0
Gast
Gast

nur zur Info:
in Lettland muss der Patient für jeden Rettungsdiensteinsatz 25 Lat (ca. 35 Euro) bezahlen. Kann er das nicht (und das ist bei einer Rente von ca. 70 Lat (ca. 100 €) im Monat nicht ganz einfach), wird er nicht ins Krankenhaus mitgenommen (es sei denn er ist Kreislauf instabil) und verstirbt wenn er Pech hat einfach daheim. Wenn die netten Menschen aus der bildungsfernen Schicht nachts um 3 Uhr mit Rettungsdienst in meine internistische Notaufnahme mit Husten und Halsschmerzen kostenfrei gebracht werden, könnte ich zum Hulk werden!
Das Kernproblem ist daher wie der Kollege schon richtig gesagt hat meiner Ansicht nach die mangelnde Aufklärung der Menschen und unrealistische Anforderungen an das Gesundheitssystem, welche es langfristig sprengen werden.

#41 |
  0
Dr. med. Martin Lorenz
Dr. med. Martin Lorenz

Bravo, Herr Kollege, ich denke, daß es um genau das geht !!!
Ich bin überzeugt, daß Sie absolut recht haben.

Dieser Wohlfühl-Dienst gehört abgeschafft, denkbar und evtl. sinnvoll ist eine Bereitschaft am Wochenende tagsüber.
Wenn die Patienten tatsächlich wegen Bagatellen ankommen, sollte ihnen mindestens 50 Euro angerechnet werden, es sei denn, sie werden anschließend wegen der Erkrankung stationär weiterversorgt.
Ich habe es selbst während meiner Krankenhauszeit erlebt, daß Patienten rotzfrech sagten, sie gehen absichtlich in díe Notfallambulanz, weil sie dann schneller drankämen.
Alle die sollten auswandern nach Amerika, damit sie sehen, wie klasse unser System ist.

#40 |
  1
Dr. med Herbert Hagen
Dr. med Herbert Hagen

Liebe Kollegen,
diese Thema ist hochemotional weil es bei den Betroffenen Ängste weckt. Fakten schaffen Klarheit. Ich bin Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. Seit 10 Jahren niedergelassen und damit zum KV Dienst zwangsverpflichtet. In unserem ländlichen Bereich gibt es keinen fachärztlichen Dienst sondern nur einen allgemeinen KV- Dienst. Zuvor war ich 2 Jahre in einen städtischen Dienstgruppe aktiv mit getrenntem allgemeinärztlichem und fachärztlichen Dienst. Davor habe ich am Notarztdienst als vollausgebildeter Notarzt teilgenommen, neben den Klinikdiensten in einer kleinen Klinik ohne zusätzliche andere Arztbesetzung einschließlich Mitbetreuung der Intensivabteilung. Ich kenne also fast alle Varianten der Dienstverpflichtung.
Die vom Patientengut her zu 90% aus hausärztlichen Patienten bestehende Verpflichtung für Fachärzte zum KV- Dienst empfinde ich als schlichtes Ärgernis. Die ganz überwiegende Mehrheit der Konsultationen sind schlicht unnötig und könnten locker bis zum nächsten regulären Besuch beim Hausarzt warten. Sie dienen lediglich der Komfortzone der Patienten und der Hausärzte. Das hat die Hausärzteschaft so gewollt um sich damit finanziell besser zu stellen.
Zwischen diesen unsäglichen Konsultationen kommen dann einige wenige vor die einen trotz aller Erfahrung und in der Folgezeit lückenloser Weiterbildung an seine Grenzen bringen. Einfach weil einem dazu die Alltagsroutine fehlt. Diese Konsultationen wecken Ängste, diese rufen Aggressionen hervor. Auf Patienten die einem nachts um 3 Uhr rausklingen und auf die Hausärzteschaft als solche weil sie mit ihrer Mehrheitsmacht die Fachärzteschaft aus kleinmütigem Eigennutz zu dominieren versucht. Das ist die eigentliche Entsolidarisierung! Bei unserer letzten Dienstgruppenbesprechung habe ich den hausärztliche Kollegen vorgeschlagen der Fairness halber wenn ich schon unter der Woche allgemeinen Dienst leisten muss, dann bitte doch auch die fachärztliche postoperative Bereitschaft für unsere frischoperierten Patienten in diesen KV- Dienst zu übernehmen. Das haben wir alle genauso im Studium gelernt. Die Empörung unter den Hausärzten war groß und entlarvend um was es wirklich geht. Finanzielle Besserstellung der Hausärzte durch Ausweitung der KV- Dienstzeiten (absolut berechtigt) und Zwangsverpflichtung der Fachärzte um unliebsame Termine abdecken zu können (Brücken- und Feiertage etc.). Es gibt eben doch Unterschiede im Versorgungsbereich zwischen Haus- und Fachärzten. Die Hausärzteschaft hat sich doch lautstark um den Grundversorgungsauftrag bemüht (Primärarztsystem. Hausarztverträge). Soll das nur Mo bis Fr 8- 18 Uhr gelten?? Das ist ja wohl ein schlechter Witz liebe Kollegen!

#39 |
  0
Dr. med. STEPHAN WISCHER
Dr. med. STEPHAN WISCHER

und wenns richtig brennt, gibts ja noch die 112, oder?

#38 |
  0

Ich hätte eine These für die Kollegen/-innen, die hier plakatieren, daß die Patienten “im Bereitschaftsdienst…meistens nichts ernstes haben” und daß “ein Großteil der Notfälle…häufig auftretende Erkrankungen” hat, “die auch mit Hausmitteln überbrückt werden könnten”.

Wenn das so ist, könnte man doch diesen “Notdienst” signifikant reduzieren und müsste nicht Ärzte rekrutieren, deren Aufgabe gar nicht die hausärztliche Versorgung ist.
Patienten mit ernsthaften Erkankungen (Atemnot, Brustschmerzen, Blutung, Treppensturz etc.) rufen ohnehin den Notarzt/Rettungsdienst, weil sie meist nicht mehr allein zum Bereitschaftsdienst kommen können.
Andererseits würde der mobile Bereitschaftsdienst beim Vorfinden eines solchen Patienten nach der Erstversorgung sowieso den Rettungsdienst alarmieren – also Zeitverlust.
Ein multimorbider, älterer Patient wird sicher auch vom KV-Dienst sicherheitshalber stationär eingewiesen – also Zeitverlust.

Faktisch wäre der KV-“Not”dienst im Sinne der o.g. (fremden!) Argumentationen nichts mehr als als eine teure “Wellness”-Einrichtung fraglicher Relevanz.

Das ist die konsequente Interpretation Ihrer Argumente!

In Ländern mit dünner Besiedelung fahren Patienten tlw. 3-stellige km-Zahlen, um zum Notdienst zu kommen, z.B. in Norwegen oder Schweden. Deren allgemeine Sterblichkeit liegt allerdings unterhalb derer Deutschlands.

Nach meiner Ansicht geht also der Schuss dieser Argumentation: “Alle an die Front, es geht doch nur um banale Erkrankungen” voll nach hinten los.
Nicht die Spezialisten stellen sich ein schlechtes Zeugnis aus, die auf die Verantwortung der Erfahrung mit allgemeinmedizinischen Krankheitsbildern verweisen, sondern diejenigen Hausärzte, die diese schrägen Argumente w.o. vorbringen, daß es nur um banale Erkrankungen ginge.

Wenn also schon die Notdienstpatienten so banal erkrankt sind, wieviel mehr banal sind dann diejenigen erkrankt, die in die Praxis zu den regulären Zeiten kommen? Brauchen wir dann wirklich einen Facharzt für Allgemeinmedizin oder reicht vielleicht doch der “praktische Arzt”, wenn man nach dem Studium doch schon alles weiß…?

Ich persönlich meine, den AFA brauchen wir schon, er hat die Versorgung eindeutig verbessert.

Andererseits könnte eine signifikante Betriebsblindheit Grund zu der Aussage sein, daß das alles doch ganz “easy” im Notdienst ist.
Es ist eine Frage der Sichtweise und der Gewöhnung an die Art der Fälle.
Ich, der verneint, daß Allgemeinmedizin so “easy” ist, lade jeden dieser Wortführer zu einer doch so angeblich mit Fortbildungspunken überhäuften Hospitation in der Radiologie ein und bin dann gespannt, wie “easy” der Hospitant radiologische Diagnosen findet und lasse mich auch gerne überraschen – Mittagessen in zünftigem Restaurant auf meine Kosten inklusive.
Schließlich hat ja der AFA und der Radiologe “nur” eine gemeinsame Weiterbildungszeit von fünf Jahren, also dürfte “Waffengleichheit” herrschen.

Wie schon Mitdiskutanten treffend feststellten: “Schuster, bleib bei deinen Leisten” und “Wer wird schon einen Schlosser beauftragen, wo ein Maurer gebraucht wird?”
Denn ein einziger falsch behandelter Patient wegen mangelnder Erfahrung in dem doch so “banalen” Bereitschaftsdienst kann einem das Genick brechen.

#37 |
  0

Liebe Kollegen,
das ist unfair!!!
Warum soll nur der HA alleine diese gesellschaftliche Verpflichtung übernehmen?
Wenn Sie meinen im Bereitschaftsdienst Patieneten, die meistens nichts ernstes haben, nicht versorgen zu können, dann rufen Sie den Rettungsdienst oder den Notarzt. Sie sind in wenigen Minuten beim Patienten.

Ansonsten suchen Sie sich einen Vertreter, der ihren Dienst übernimmt….. wieviele Hausärzte auch!!!
Mit freundlichen kollegialen Grüßen aus Niedersachsen.

#36 |
  0
Petra Sybille Nothhelfer
Petra Sybille Nothhelfer

Endlich ein Schritt in Richtung Gleichberechtigung. Wieso soll nicht jede Facharztgruppe einen Notfalldienst übernehmen können – hat nicht jeder vor der Approbation in unserem Land ein Medizinstudium durchlaufen? Konnte man vor Jahren sich danach nicht noch ohne einen Facharzt zu besitzen als „praktischer Arzt“ niederlassen. Ein Großteil der Notfälle stellt häufig auftretende Erkrankungen dar, die auch mit Hausmitteln überbrückt werden könnten. Meines Erachtens stellen sich die Kollegen ein negatives Zeugnis aus, wenn man das notwendige

Wissen sich nicht anzueignen bereit ist – oder ist es nur bequemer zu Hause vor dem warmen Kamin zu sitzen und die Hausärzte allein aufs Glatteis zu lassen. Es gibt ja ausreichend Punktesammelmöglichkeiten. Eine entsprechende Weiterbildungsveranstaltung sollte man auch finden, oder anregen. Alternativen wären für jede Fachrichtung ein verlängertes aktives Arbeiten am Patienten zu implizieren in der Facharztweiterbildung.

Abgesehen von einer entsprechenden Vergütung…, ein Türöffnungsdienst würde nicht einmal anfahren. Ein Bereitschaftsdienst ist eben nicht attraktiv.

#35 |
  1

Als Anästhesist und Psychotherapeut in Bayern, der vor Jahren in der Ober- pfalz, eigentlich tiefsten, ländlichen Region, KV-Notdienst plus Notarztdienst versah, will ich doch mein Verständnis für psychotherapeutisch tätige Kolle-ginnen und Kollegen äußern, wenn diese Jahre vom KV-Notdienst befreit oder zeitweise sogar ausgeschlossen waren! Es finden sich in der Diskussion bisher eine Vielzahl von Argumenten für die Einbeziehung von Fachgruppen in den allgemeinärztlichen Notdienst, wenn diese keinen originären Fachdienst zur Verfügung stellen, die dabei jedoch Wesentliches außer Acht lassen! Es geht bei dem KV-Ärztlichen Bereitschaftsdienst um die Überbrückung von Zeiten, in denen der zuständige Hausarzt nicht erreichbar ist, und es geht um den Versorgungsauftrag, den die KVen übernommen haben! Es gab eine Zeit,
da waren diese Dienste adäquat honoriert, konnten es sich Praxisinhaber so-
gar leisten, dafür Vertreter zu engagieren. Und es gab Kollegen, die durch solche Vertretungen gut leben konnten. Leben und leben lassen!
Inzwischen haben sich die Zeiten geändert. Die Dienstgruppen schrumpfen, die
Belastungen steigen, die Vergütungen sind der Leistung und Verantwortung eines Arztes nicht angemessen! Es wundert nicht, daß dies dazu führen mußte,
daß immer weniger Ärzte in der Niederlassung bereit sind, diese Mehrbelastun-
gen zu tragen. Parallel dazu haben allerdings die KVen versäumt, dieser Ent-
wicklung etwas entgegenzusetzen. Dies betrifft in Bayern ganz konkret nicht
nur den KV-Bereitschaftsdienst. Hiervon können auch die Notärzte in Bayern
ein Lied singen, wenn es um nicht erfasste und nicht vergütete Einsätze geht!
Daß aber nun Ende 2012 hier in Bayern, ohne mit den Fachvertretern der be-
troffenen Diziplinen erschöpfend zu beraten, eine neue Dienstordnung durch die Vertreterversammlung “gepeitscht” wurde, die die Interessen der bisher nicht im Bereitschaftsdienst befindlichen Kollegen vollkommen negiert, hat mit
ärztlicher Solidarität ebensowenig zu tun, wie umgedreht die vollkommene Ab-
lehnung eines solchen Dienstes durch Kollegen, die diesen Dienst leisten könnten! Es wurde versäumt, dieses Thema gar nicht erst zum Problem wer-
den zu lassen, und es wurde unterlassen, darüber ausreichend und mit dem
Ziel einer tragfähigen Lösung zu debattieren! Mit der “Brechstange” wurden
relativ kurzfristig Tatsachen geschaffen! Dies betrifft auch das Verfahren, die
neue BDO relativ schnell und ohne ausreichende Transparenz von der Baye-
rischen Ministerialbürokratie genehmigen zu lassen!
Es geht hier also zunächst gar nicht so sehr um die fachlichen und grundsätz-
lichen Details, was ein zugelassener Arzt muß, soll, darf und kann. Dies hätte
eigentlich in die Vorfelddiskussion gehört! Nein, es geht um die Art und Weise,
wie eine Körperschaft öffentlichen Rechts, hier konkret ihre ärztlichen Vertreter
(Standesvertreter!) mit ihren Kollegen umgeht! Dies gilt auch für alle die Kolle-
gen, die diese neue BDO mit zu verantworten haben, denen jedoch ihre jetzt
betroffenen Ärztekollegen der Fachrichtungen, die bisher nicht am Bereit-
schaftsdienst teilnahmen, offensichtlich egal sind. Da wird Solidarität eingefor-
dert, wo bisher nie Solidarität war! Ärzte, hier meine ich nicht Zahnärzte, sind
selten solidarisch! Es gibt kaum eine Berufsgruppe, die so egoistisch und ei-
gennützig über ihre Partikularinteressen wacht, wie wir sogenannten Human-
mediziner! Ausnahmen bestätigen die Regel!
Letztendlich sollten wir in Bayern versuchen, die Probleme hinsichtlich des Ver-
sorgungsauftrages nicht zu Lasten unserer Patienten zu lösen. Genauso ist es
unsere Aufgabe, dafür Sorge zu tragen, daß nicht Kollegen in den ärztlichen Bereitschaftsdienst gezwungen werden, die Ängste davor haben, den Anfor-
derungen nicht zu genügen! Diesbezüglich sollte es Wege und Möglichkeiten
geben oder solche gefunden werden. Wenn die bayerische Ärzteschaft dies nicht zuwege bringt, dann stellt sie sich ein Armutszeugnis aus, welches für die
Probleme, vor die wir noch gestellt sein werden, auf nichts Gutes hoffen lässt!

#34 |
  0
Ärztin

Der Fehler ist doch von “den Ärzten” zu sprechen wie von “den Handwerkern”. Es käme ja auch kein Mensch auf die Idee einen Metzger einzubestellen, wenn es an Bäckern fehlt oder einen Schlosser zu beauftragen wo ein Maurer gebraucht wird. Die Medizin ist mittlerweile so stark spezialisiert, dass man nicht einfach den Einen durch den Anderen ersetzen kann. Das ist “draussen” nicht anders als im Krankenhaus.
Schön, wenn die Bayern als Erste merken, dass da was im System nicht stimmt. Herr Seehofer hat ja Erfahrung mit dem Gesundheitssystem, auch persönlich. Man
sollte das Thema in Bayern zur “Chefsache” machen.

#33 |
  0

state of the art in Thüringen = 3 Gleisig:
1 KV Sitzdienst in KV Zentralpraxis je nach physischer Konstitution
2 KV Fahrdienst im KV KFZ mit Fahrer getrennt je nach physischer Konstitution
3 KV Facharztdienst: Augen, Kinder, HNO Lokalität nach KV Vorgabe
alle 3 Gleise verpflicheten:
-alle niedergelassene Fachärzte des Notdienstbezirkes in der GKV/KV
-alle niedergelassene Fachärzte des Notdienstbezirkes in der LÄK/Privatpraxis
-freiwillig Nichtfachärzte im letzten Weiterbildungsdrittel WBO/eigene LANR
Nebenher gibt es zur Absicherung der Präsenzzeiten noch Präsenz- und Vertreternetze (Erfurter Tagfahrdienst).
Bisher funktioniert das recht gut. Im übrigen müssen z.B. Laborärzte- / Mikrobiologen etc. nicht mitmachen, sofern Sie in einem anderen Dienstsystem gebunden sind, z.B. Laborgemeinschaft mit 24/7 Diagnostik. Aber es gibt auch fahrende Pathologen :-)
Die Dienste werden exEBM mit Stunden- und Patientensätzen vergütet um so in Thüringen regionale Kostendefizite auszugleiche. D.h. der Arzt in Erfurt subventioniert den Arzt im Landkreis da dort der NFD weniger frequentiert wird. Nach allen Widerständen bisher sehr Effektiv und dennoch Kollegial, weil alle im Boot in die gleiche Richtung rudern und die Einsatzbelastung des Einzelnen durch die Vielen Schultern sinkt. Soviel Kollegialität muß aber auch über Jahre erst wachsen. Der Vorteil ist, ich bin während und nach Sprechzeiten immer durch vertreter und Präsenz abgesichert, da prinzipiell erreichbar oder vertreten.
Neben den 20% Verrückten haben wir ja auch 20% psychisch Kranke mit zB akuten Psychosen und schweren Depression. Schon anhand dieser Fallzahl wird klar das auch der Psychiater einen festen Platz im NFD hat und wegen seiner Fähigkeiten auch geschätzt wird.

Mit freundlichen Grüßen

M. W.

#32 |
  0
Holger Kuehn
Holger Kuehn

Mal ein Fachbuch zu lesen was über das eigene Spezialgebiet hinaus geht,um verschollenes Wissen zu reaktivieren, ist doch eine schöne Idee.- verhindert zugleich das Abdriften in die “Fachidiotie”.

#31 |
  0
Dr. med. Martin Lorenz
Dr. med. Martin Lorenz

@ Kuehn
Sehr geehrter Herr Kuehn,
Ehrabschneidungen sind nicht mein Ziel, klare Positionierungen schon.
Eine Reanimation sollte jeder Arzt IRGENDWIE hinkriegen.
Aber es geht bei den KV-Diensten nicht um Reanimationen, sondern um Patienten, die mehr oder weniger motiviert mit Beschwerden “aufschlagen”.
Meist handelt es sich um Beschwerden, die auch am Vor- oder Folgetag beim Hausarzt “abgefrühstückt” werden könnten, selten um lebensbedrohliche Zustände.
Aber um beide Entitäten geht es.
Ich predige die juristischen Probleme, bin auch schon in meinem Fach von Patienten angegangen worden, die eine Fehlbehandlung behauptet haben.
Ich will und kann mir keine Fehlbehandlung unterstellen lassen, weil die Renitenz der fachspezifischen Patienten reicht.
Und, lieber unbekannter Kollege, bitte akzeptieren Sie es, daß es einen Unterschied macht, ob ein Anästhesist, Chirurg, Internist oder AFA den Dienst macht oder ein Labormediziner oder Radiologe.
Dies gilt, auch wenn ich meinen kleinen Sohn notfallmäßig bei einem Infekt behandle, aber am nächsten Tag zum Pädiater schicke.
Er wird mich im Zweifel nicht verklagen und niemals würde ich ihm schaden.
Die “Fronten” sind hier viel klarer als im organisierten Notdienst.

#30 |
  0
Dr. med. Martin Lorenz
Dr. med. Martin Lorenz

@Gast
Unabhängig davon, ob ich im Kleingedruckten irre, was ich nicht ausschließen möchte (es gibt ja diesbezüglich auch Korinthenkac.er), verweise ich auch darauf, daß dies Landes-KV-abhängig sein könnte, ob z.B. Fortbildungspunkte anerkannt werden für Hospitationen – was sicher aber mit mehr oder weniger Aufwand beantragt werden muß.
Medizinische Gutachten, die tlw. aufgrund aufwendiger Literaturrecherchen zu kleinen Dr.-Arbeiten und zu Seitenzahlen von 100 oder mehr ausarten können, werden in RLP z.B. nicht für Fortbildungspunkte anerkannt. Aber die Punktegeierei ist sicher nicht der Vordergrund für den Entrüstungssturm der hochspezialisierten Fachärzte gegen den Zwangsdienst.

Sie schreiben: “kein Detailwissen auf Facharztniveau”… ist der AFA also doch kein Facharzt? Das wird Ihnen wenig Freunde einbringen. Ich meine, zurecht ist er es schon, und ich kenne auch exzellente AFAs in meiner Umgebung.
Zurecht haben viele Beitragschreiber die juristischen Probleme erkannt, was die Befürworter der “Psychiater-an-die-Front”-Kampagne nicht haben, wobei ich standhaft bleibe.

Das neue Patientenrechtegesetz spricht eine deutliche Sprache und ist und bleibt der Hemmschuh für eine Versorgung nach dem Motto: besser irgendein Arzt als gar keiner.
Selbst der Facharzt, der sein Gebiet beherrscht, kann ins Schlingern kommen, wenn er dies nicht korrekt umsetzt. Wie ist es z.B. mit einem Humangenetiker oder Labormediziner, der seit 20 Jahren nicht mehr im Akutzusammenhang gearbeitet hat?
Wollen das Leute wie Sie nicht verstehen oder schreibe ich in einer fremden Sprache?
Sollen diese Ärzte innerhalb eines längeren Zeitraumes, währenddessen sie aber schon notdienstpflichtig sind, noch mehr Wochenenden für mehrzeitige Fortbildungen opfern, die sie nur äußerst fraglich in den Kenntnisstand eines AFA versetzen und ihnen ansonsten keine nützlichen Informationen für das Tagesgeschäft vermitteln?
Wie kommt das wohl beim Patienten an, wenn der Arzt im Sprechzimmer anfängt, zu googeln?
Und vergessen Sie nicht, daß es bösartige Patienten gibt, die sich mit Halsschmerzen und “Emser Pastillen” nicht über die Nacht retten, wie das früher mal der Fall gewesen wäre, sondern morgens um 4 in die ABZ fahren. Die Erfahrung zeigt, daß es Patienten gibt, die nur danach geiern, einem Arzt was anzuhängen, wenn er nicht das modernste und teuerste Medikament verschreibt.

Wer unter den lesenden Kollegen der Meinung ist, das Medizinstudium, selbst wenn man es wie wir wohl alle mit großem Engagement und jeder Menge freiwilliger Kurse bestritten hat, Kenntnisse vermittelt, die zum KV-Notdienst befähigt, ohne mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen, leidet m.E. unter enormem Realitätsverlust oder spielt russisches Roulette, wenn er/sie nicht AFA, Chirurg oder Internist ist. Aus forensischen Gründen holt selbst der klinisch tätige Gynäkologe heute bei fieberhaftem Infekt ein internistisches Konsil ein.
Aber im Notdienst soll der Labormediziner/Radiologe/Humangenetiker folgen- und gefahrlos Medikamente verordnen?
Das ist eine fatale Verkennung der juristischen Realität.
Und ich fühle mich mit 3 Jahren Stationstätigkeit in Innere, Chirurgie und allgemeinmedizinsch noch dabei noch verhältnismäßig fit.

Wie Kollegen, die hier von “null Problemo” sprechen, dies fachfremden Kollegen gegenüber verantworten wollen, erschließt sich mir insbesondere vor dem juristischen Hintergrund nicht.

#29 |
  0
Holger Kuehn
Holger Kuehn

@ml
@@

@ml

Sehr geehrter Kollege, wenn ich mir hoffentlich meine Jugend erhalten habe, die Bezeichnung infantil könnte vielleicht als Ehrverletzung eingeschätzt werden.- kollegial?
PS bin niedergelassener Anästhesist mit Notfallmedizinischer Zusatzbezeichnung. Ich bin mir nicht zu Schade gewesen den Kassenärztlichen Dienst selbst zu versehen. Mensch wir haben doch alle das Studium absolviert und jedes Fach absolviert.
Und auch z.B.der Dermatologe muss doch eine Reanimation in seiner Praxis durchführen können ( im KV Dienst eher extrem selten).
Und auch zum Ausstellen der Totenbescheinigung sind wir alle verpflichtet ( auch der Labormediziner). Das mag uns nicht passen, ist aber einer von vielen Verpflichtungen die uns aufs Auge gedrückt werden.
Unsere Standesvertreter haben’s bisher nicht geschafft. Das Problem ist so alt wie der Notdienst. Die Argumente haben sich nicht geändert. Entsprechende Gerichtsurteile liegen schon Jahrzehnte zurück: wer in der kV ist, ist zum ärztlichen Notdienst verpflichtet.- Das muß bei meiner KV übrigens jeder unterschreiben, sonst bekommt er die Zulassung nicht.- Schauen Sie einmal in Ihren Unterlagen nach.

#28 |
  0
Gast
Gast

@ml
Sehr geehrter Kollege, sie scheinen falsch informiert:
1. gegenseitige Hospitationen können mit Fortbildungspunkten ( gar nicht mal so wenige) honoriert werden. – einfach mal informieren.
2. ich weiß nicht in welcher KV Sie tätig sind, so weit ich weiß ist in allen KV en ausdrücklich gefordert sich in Notfallmedizinischen Fragen fortzubilden.- mal im kleingedruckten nachschauen.
3. ihr Tonfall ist m.E. Nicht angemessen.- sachlich geht anders…..
Es verlangt doch niemand das sie im Rettungsdienst als Notarzt fahren. Hier geht’s um medizinisches Grundwissen, das wir im Studium doch alle erlangt haben. – Kein Detailwissen auf Facharztniveau.

#27 |
  0
Dr. med. Martin Lorenz
Dr. med. Martin Lorenz

Die Sicht von Herrn Kuehn auf die Realität in diesem Betreff kann man schon fast als infantil bezeichnen (oder ist er Bestattungsunternehmer?).
Außerdem werden falsche Aussagen getätigt.
Wir sind wie jeder Bürger zur Nothilfe verpflichtet, aber wir sind nicht verpflichtet, uns in Notfallmedizin fortzubilden, sondern sollten dies tunlichst in unserem Fach tun.
Ich weiß nicht, welchen Beruf Herr Kuehn hat, aber jedenfalls ist es schon recht realitätsverlustig, zu glauben, wenn man “halt mal einen Notdienst mit einem Kollegen zusammen” gemacht hat, wäre man fit für allgemeinmedizinische Notfälle. Für die durchgemachte Nacht dann auch noch Fortbildungspunkte zu bekommen, ist sicher der Gipfel der Phantasterei.
Es ist kein Sturm im Wasserglas, sondern das Werfen von Nebelkerzen sowohl von Herrn Kuehn als auch von allen anderen Protagonisten dieser irrsinnigen Idee, daß jeder Arzt gleichermaßen suffizient den Bereitschaftsdienst bestreiten könnte.
Würde man mich zwingen, würde ich analog zu den Ausführungen des Kollegen Piechnik jeden Patienten unterschreiben lassen, daß er von einem Arzt behandelt wird, der für diese Aufgabe nicht hinreichend ausgebildet ist.
Würde sich dann zeigen, wie lange ich für solche Dienste eingeteilt würde.
Dieser bayerische Vorstoß, den es in ähnlicher Form auch in anderen Bundesländern gibt, ist eine intellektuelle Totgeburt, gefährdet die Patienten, ist gefährliche Flickschusterei und soll die tatsächlichen Ursachen des Ärztemangels an der Basis verschleiern.

#26 |
  0
Holger Kuehn
Holger Kuehn

Der ärztliche Notdienst ist doch wirklich keine so große Kunst.
Wir haben dich alle ein Medizinstudium absolviert und sind mit unserer Zulassung verpflichtet uns in der Notfallmedizin fortzubilden.
Es wird im Notfalldienst keine internistische Facharztausbildung vorausgesetzt. hier geht es darum ernsthafte Krankheiten von Bagatellen zu unterscheiden und entsprechend zu handeln. Wenn sich ein Kollege nicht so fit fühlt macht er halt mal einen Notdienst mit einem Kollegen zusammen und kann sich das noch als Fortbildung anrechnen lassen. Also eher :Sturm im Wasserglas.

#25 |
  0

@Carmen Ebertsch
Diese Nuancierung war beabsichtigt. Gerne würden ich und meine Kollegen unsere Dienstzeit Kranken und auch psychisch Kranken widmen. Leider werden wir auch mit Situationen und Patienten konfrontiert die im KV Notdienst und Notarztdienst nichts zu suchen haben. Und für diese Lebensuntüchtigen, Lebensüberforderteten, Wohlfühlgestörten usw, die schon tagsüber Praxen bevölkern und nach DSM und ICD zwangsmorbidisiert werden damit Kassengeld fließt: für die möchte doch in der Unzeit auch ein helfendes Händchen, mitleidendes Tränchen und hinhörendes Ohr dasein. Mir fällt das spontan der fehlende Dorfpfarrer und jetzt auch der nichtärztliche Psychologe ein. Insbesondere ist es für den notbehandelnden Arzt dann immer wieder erfrischend welche Therapeuten, Heiler, Lebensberater, Osteopathen die vermeintliche Krankheit zuvor “erfolgreich” behandelt haben, aber die Notdiensspritze vom Kollegen letzte Nacht um 3 Uhr nicht mehr wirkt und deshalb diese Nacht um 5 Uhr wieder ein Kollegen antanzen darf. In Zeiten der Praxsigebühr haben einen wenigsten dei 10€ vor dem gröbsten Unfug geschützt, Privatversicherte machen sowas auch nicht.

#24 |
  0

Als Mitglied der betroffene Berufsgruppe (Labormediziner/ Mikrobiologe) durften und dürfen wir (bis heute!) nicht direkt an der Patientenversorgung teilnehmen, sondern immer nur im Auftrag (Zuweisung) der klinisch tätigen Kollegen handeln. Jetzt plötzlich sollen wir über Kurse wieder “fit” gemacht werden für die Notfälle des Alltags und dort eine “state of the art” Notfallmedizin durchführen, und dies 20 Jahre nach Beendigung des Medizinstudiums! Wer sich dieses Szenario vor Augen hält, wird sich zu Recht fragen, ob man als Notfallpatient tatsächlich durch so einen Kollegen gut versorgt werden kann. Dies ist meines Erachtens nicht möglich.
Es wird nur dazu führen, daß wertvolle Zeit bis zur richtigen Diagnosestellung und sachgerechter Therapie vergeudet wird, daß betroffene Patienten nicht zeitgemäß oder sogar falsch behandelt werden und bestenfalls im nächsten Krankenhaus landen.
Dazu kommt weiter, daß diese Arztgruppen nicht auf dem Land praktizieren sondern in der großen Mehrzahl in den Großstädten tätig sind, in denen der existierende Ärztemangel (noch) nicht so zum tragen kommt.
Eine geeignete Maßnahme, den hausärztlichen Notdienst insbesondere auf dem Land damit zu begegnen, kann die Verpflichtung hochspezialisierter Arztgruppen zum ärztlichen Breitschaftdienst nicht sein. Hier sind deutlich andere Impulse gefagt, allen voran muß der Arztberuf attraktiver gestaltet werden, damit die Jungmediziner auch nach dem Studium im Arztberuf bleiben und nicht in Wirtschaft und Industrie abwandern, weil dort die Arbeitsbedingungen spürbar besser sind!
Dr. Johanna Lerner
Fachärztin für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie
Fachärztin für Laboratoriumsmedizin

#23 |
  0
Gast
Gast

Großen Respekt muss man allen Kollegen zollen, die erkannt haben, dass sie für den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst wenig bis gar nicht geeignet sind. Dafür verfügen sie über andere hochwertige Kenntnisse und Qualitäten, denen wir nicht das Wasser reichen können. Schuster bleib‘ bei Deinen Leisten, sagt der Volksmund und er hat Recht.

#5 Michael Bösenecker wies bereits auf das sog. Übernahmeverschulden hin. Von Fragen der Arzthaftung, im Studium oder meiner Facharztzeit völlig unberührt, assoziierte ich sie mit dem grobem Ärztepfusch. Ich möchte in diesem Zusammenhang auf die sehr schöne Übersicht vom Verband der Schadensopfer e. V. für uns Ärzte zur Betrachtung der juristischen Seite der Medaille besonders hinweisen. Danach stehen wir für die „vertragliche“ und für die „deliktische“ Haftung ein und es entstehen die unterschiedlichen Fragen der Rechtswidrigkeiten und des Verschuldens aus den beiden Segmenten.

Der „Kunstfehler“ ist heutzutage sehr viel präziser unter den Begriffen

– Diagnosefehler
– Therapiefehler
– Koordinierungsfehler
– und Übernahmeverschulden differenziert.

Dessen nicht genug kann bei jedem Arzt-Patienten-Kontakt eine Haftung aus Aufklärungsfehlern entstehen. Der Arzt hat bekanntlich seinen Patienten über Art, Ausmaß und Folgen einer Behandlungsmaßnahme auf der Grundlage des Selbstbestimmungsrechts gem. Art. 1,2 Abs. 1 GG so aufzuklären, dass ihn in die Lage versetzt, das Risiko für sich abzuwägen. Daraus resultiert eine Diagnoseaufklärung wie auch eine Therapie- oder Behandlungsaufklärung, die zu dokumentieren ist. Wer die Beweise zu führen bzw. die Beweislast trägt, hängt auch von den Umständen ab.

Zur Aufklärung gehört dann auch gleichfalls den Notfallpatienten darüber ins Bild zu setzen, dass man als z.B. Humangenetiker ….. …….
und sich deshalb die Diagnosefindung nicht sicher zutraut und Therapiefehler nicht auszuschließen sind. Wenn er dann immer noch in eine Behandlung einwilligt, ist die Aufklärung über die Umstände zu dokumentieren und vom Patienten abzuzeichnen.

Das ist natürliche eine Farce, die die Fachgesellschaften, Patientenorganisationen, Ärztekammer und Kostenträger auf den Plan rufen sollten.

Es ist auch wenig hilfreich darauf hinzuweisen, dass in anderen Regionen Deutschlands der gleiche Sachverhalt anders bewertet wird.

Die hausärztliche Versorgung nebst den entsprechenden Strukturen auf einzelne Fortbildungsabende zu vertagen ist m. E. nicht akzeptabel und ist nicht Ausdruck einer besonderen Sorgfalt – gegenüber den eigenen Kollegen und nicht gegenüber den Patienten.

Dr. Michael Piechnik
FA f. Allgemeinmedizin, Notarzt

#22 |
  0
Dr. Volker Porst
Dr. Volker Porst

Vielleicht sollte Dr. Krombholz mal einen Bereitschaftsdienst am Wochenende absolvieren um zu wissen wovon er überhaupt redet. Aber das ist doch symptomatisch für Politiker, keinerlei Sachverstand bei Entscheidungen.
Irgendwelche “Gremien”entscheiden und “Weiterbildung”…die natürlich sicher wieder kostenpflichtig ist….vielleicht machen die Weiterbildung Freunde von Dr. Krombholz und verdienen dabei? Also Pathologen und Humangenetiker als KV-Arzt? Ist doch wirklich ein ausgemachter Schwachsinn. Und die tollen zentralen Bereitschaftspraxen verlangen bis 40% des Honorars des diensthabendeb Arztes…was denkt sich da mancher Allgemeinarzt…LmaA

#21 |
  0
Gesundheits- und Krankenpflegerin

@Herr Woytas: Es ist äußerst unprofessionell und respektlos, psychisch Kranke als “verrückt” zu bezeichnen.

#20 |
  0

Das ganze funktioniert in Thüringen seit ausnehmend gut. http://kv-thueringen.de/mitglieder/notdienst/6__Teilnahme_Notdienst/index.html
Ich sehe nicht warum das BY-Ärzte nicht auch können sollten :-)
Für Praxisstarter ist das auch ein gewisses Zubrot. Auch Privatärzte sind verpflichtet :-) Vertragspsychologen leider noch nicht – wegen der mindestens 20% Verrückten wäre ich dafür hier ein eigenes Dienstsystem zu etablieren wie z.B. eine Telefonseelsorge etc.

#19 |
  0
Rettungsassistent

Eine interessante Thematik, welche mich an einen Artikel, welchen ich vor kurzem in einer Fachzeitschrift las, erinnert. Hierbei ging es um den Kreis Celle in Niedersachsen.
Auf Grund der bereits seit langem bekannten Problematik hinsichtlich des Ärztemangels werden hier seit (so der Artikel) kurzer Zeit mobile Bereitschaftsdienste eingesetzt. Diese besetzen hierbei beispielsweise einen “Rettungswagen” – natürlich OHNE Sondersignalanlage, und decken mit diesem die Hausärztliche Versorgung vor allem im ländlichen Bereich ab. Wie ich finde, eine gute Idee.
Durch meine Arbeit im öffentlichen Rettungsdienst hört man regelmäßig von verängstigten KV Diensten, welche auf Grund der steigenden Aggression und Gewaltbereitschaft in der Bevölkerung selbst teilweise nicht rausfahren und hier lieber den Rettungsdienst schicken. Evtl. wäre es bereits ein Lösungsansatz das “Modell Celle” einmal weiter bzw. zu ende zu denken und “arztbesetzte Versorgungsfahrzeuge” in den Dienst zu stellen, welche i.d.R. mit einem GEEIGNETEN Arzt und einem Rett.Ass. zu besetzen sind. Sicher löst dies nicht das Problem der mangelnden Fachkräfte, jedoch könnte somit einer fahrlässig herbeigeführten unterversorgung durch, mit Verlaub, nicht ausreichend qualifizierter Ärzte entgegengewirkt werden. Denn wer möchte schon eine Einweisung in den Händen halten auf der “erbitte Reanimation” geschrieben steht ;)

#18 |
  0

Bitte um Verzeihung – Herr Kromholz heißt KromBholz.

#17 |
  0

Kollege Heissler hat in meinen Augen recht. Hochspezialisierte Fachärzte wie Psychotherapeuten, Labormediziner, Pathologen, Radiologen, Augenärzte, MKG etc. haben in der Regel seit ihrem Studienabschluß mit allgemeinklinischen Fragestellungen, wie sie im Bereitschaftsdienst anfallen, nichts mehr zu tun. Zudem werden und BLEIBEN sie nur auf dem Stand der Forschung und damit in ihrem Fach gut, wenn sie vorwiegend fachspezifische Fortbildungen und nicht etwa einen Knieuntersuchungskurs oder ein EKG-Seminar besuchen.
Herr Dr. Kromholz scheint mit seinem Statement, daß die Approbation sozusagen der Garant ist, daß man übliche Notfälle versorgen kann, vergessen zu haben, daß auch zu meinem Leidwesen der AiP seinerzeit eingeführt wurde mit dem Argument, daß eben das abgeschlossene Studium noch NICHT ausreichende Kenntnisse vermittelt habe – daher hatte der AiP ja auch konsequenterweise nur eine eingeschränkte Approbation. Daß man damit als junger Kollege noch erpressbarer wurde und die Arbeitgeber zwei bis drei Ärzte zum Preis von einem beschäftigen konnten, scheint er auch vergessen zu haben. Dieses Spiel mit der Ärzteschaft, welches je nach Wasserstandsmeldungen mal in die eine oder andere Richtung getrieben wird und die meist bessere Bezahlung bzw. Lebensumstände im Ausland sind es, die dafür gesorgt haben, daß es tausende von Ärzten jedes Jahr ins Ausland zieht, welche hier in der Breitenversorgung fehlen.
Hinzu kommt, daß ich z.B. als Radiologe nicht mehr in voller Breite über zeitgemäße medikamentöse Therapieregime vollumfänglich informiert bin. Das ist der Grund, warum ich mich seit sieben Jahren bei meinen Pflicht-Bereitschaftsdiensten vertreten lasse – im Interesse des Patienten und aus Gründen wachsender Zahlen von Schadensersatzklagen – und das, obwohl ich als junger Arzt je ein Jahr Chirurgie, Innere und Allgemeinmedizin “auf der Uhr” hatte. Alternative bei Zwang wäre die forensisch motivierte stationäre Einweisung jedes persönlich unklaren Patienten, was im Zweifel deutlich mehr Geld verschlingt als eine suffiziente allgemeinmedizinische Versorgung.
Dem Kollegen Voigt widerspreche ich somit. Ein Labormediziner oder Pathologe ist ein anderer Arzt als ein Chirurg oder Internist. Bei immer größerer Subspezialisierung der medizinischen Fächer erwartet der Patient zurecht, daß ein entsprechender Spezialist für ihn zuständig ist – oder träumt der Kollege davon, daß ein 45-jähriger Augenarzt generell noch suffizient ein Knie untersuchen, eine Wirbelsäule “einrenken”, einen entgleisten Diabetes stabilisieren oder ein 12-Kanal-EKG auswerten kann?
Die Zeche dieses Irrsinns bezahlt zunächst der Patient und hernach der Arzt, wenn er vor den Kadi gezogen wird.
Dies hat auch nichts mit der für alle Bürger verpflichtenden ersten Hilfe zu tun. Diese steht unter einem ganz anderen juristischen Stern als der professionell angebotene Bereitschaftsdienst.
Und schließlich entwertet der “Facharzt für Allgemeinmedizin” Kromholz augenblicklich das Alleinstellungsmerkmal einer eigenen Facharztanerkennung für Allgemeinärzte.
Wenn das Ganze so easy ist und man es nach dem Studium schon kann, wozu braucht es dann den “Facharzt” für Allgemeinmedizin??? Nennen wir Herrn Kromholz doch wieder “praktischer Arzt”… ob das seinen Kollegen nach 3 bzw. 5 Jahren WB gefällt?
Ein kleines Beispiel möge das verdeutlichen: eine selbst erlebte Durchsage während eines Mittelstreckenfluges nach einem Arzt wegen eines kollaptischen Patienten. Es fanden sich vor: eine Dermatologin und ein Radiologe (ich). Wir waren beide nicht unglücklich, als auch noch ein Rettungsasssistent zu uns stieß…

#16 |
  0
Ärztin

Da sind die Bayern bisher auf einer grünen Insel. Hier in Greifswald und Umgebung (trotz Uniklinik) sind wegen des Ärztemangels insbesondere auf dem Land seit Jahren ärztliche Psychotherapeuten und Laborärzte zum Dienst verpflichtet, Augen/Radiologie/Gynäkologie sowieso. Labor und Psychotherapeuten lassen sich vertreten von mir und anderen, übrigens nicht gegen horrende Vertretungssummen, sondern auf eigenen Abrechnung (die KV vergibt Zulassungen nur für den Bereitschaftsdienst.
Bäuche dürften relativ nahe am Fach einer Gynäkologin sein, Thoraxschmerzen weisst man halt rasch ein (mit Notarzt), bezüglich banaler Infekte traue ich auch anderen Fachgebieten als Allgemeinmedizin Fortbildungsfähigkeit zu. Ansonsten setzte sich der Dienst aus viel Pille-Palle zusammen, sowie Blasenzündungen, Infekte der oberen Luftwege, sowie AZ-Verschlechterung und Exsikkosen bei alten Menschen. Hier ist dann auch das Limit für etwaige Bereitschaftsambulanzen, die werden von den wirklich Kranken nicht nur wegen evt. Bettlägerigkeit, sondern auch wegen der eingeschränkten Mobilität nicht erreicht. Dies dürfte auch im ländlichen Bayern nicht viel anders sein als hier in Vorpommern.
Notdienstpraxen dürfen durchaus strittig sein,. Die Krankenkassen finanzieren diese nur zu einem Bruchteil. Schauen Sie sich doch die Diskussionen im Netz an. Die Umlage muss dann nämlich von allen Niedergelassenen finanziert werden.

@ #13: Der Notarzt lässt sich nicht einfach rufen! Die Leitstelle sortiert die Fälle, die nicht unter die Notarztindikation vor ; manchmal zwar auch fälschlich aus. Ich bitte doch sehr darum, die Kolleginnen Notärzte auf Kosten lebensbedrohlich Erkrankter nicht als Dienstleister zu empfehlen!!! Hier gibt es gestandenen KV-BereitschaftsdienstärztInnen aus den Bereichen Augen/HNO/Gyn, die qualitativ hochwertige kassenärztliche Notdienste fahren!

#15 |
  0
Martina Kuhlbusch
Martina Kuhlbusch

?

#14 |
  0

So etwas kann wirklich nur Theoretikern einfallen. Das führt doch nur zu einer Überlastung der Notärzte. Bis der dann kommt geht wohlmöglich kostbare Zeit verloren. Den Patienten kann man nur den Tipp geben den Notarzt zu rufen und den ärztliche Notdienst zu vergessen. Das mit der Fortbildung über zwei Jahre ist doch ein Witz. Soll mann sich dann in seinem Fach nicht mehr fortbilden? Oder nur noch jedes Wochenende auf Fortbildung gehen. Berufserfahrung bringt das auch nicht. Eine kranke Kopfgeburt. Das ist meine Diagnose!!

#13 |
  0
Christoph Voigt
Christoph Voigt

Einem Psychotherapeuten kann man was die Brustschmerzabklärung angeht wahrscheinlich genauso vertrauen wie einem Gynäkologen oder Urologen. Fakt ist, eine 6-jährige Ausbildung sollte die Grundlage für die Bewältigung der meisten Notfälle schaffen und Fortbildungen (sofern sie denn leicht zugänglich und kostenfrei sind) Kollegen, die schon länger aus diesem Geschäft raus sind auf den aktuellsten Stand bringen. Ein Arzt ist nunmal Arzt…

#12 |
  0
Dr. med Ludwig Hepting
Dr. med Ludwig Hepting

Ich kann die Meinung von Herrn Kollegen Dr. med. Jochen Beus nur unterstützen. Die Wahrheit der Funktionäre und, die der die Leistung erbringenden Ärzte, ist gänzlich verschieden. Wie so häufig, handelt es sich nicht um eine demokratisch motivierte Meinungsfindung innerhalb der Ärzteschaft, die so einer fundamentalen Änderung der Patientenversorgung vorausgehen sollte, sondern um ein Diktat von oben an die geschundenen Befehlsempfänger. Sehr geehrter Herr Kollege Kromholz, würden Sie sich wohl fühlen, wenn bei Ihnen ein psychotherapeutisch arbeitender Kollege Ihre akuten Brustbeschwerden abklärt?
Dr. med. Ludwig Hepting. Hausarzt.

#11 |
  0
Götz Gülberg
Götz Gülberg

Als ich mich 1992 in einer ländlichen Gegend als Allgemeinmediziner niederlies, waren Radiologen noch in der Bereitschaftsgruppe integriert, gaben aber regelmäßig, wie manche Fachkollegen (Dermatologen, Gynäkologen) ihre Dienste an bereitwillige Kollegen ab. Die zusätzliche Freizeit und Abnahme von Verantwortung ließen sich die Kollegen auch etwas kosten. Die Selbstorganisation hat gut funktioniert.
Ich denke, trotz aller Gängeleien durch Politik und unsere Standesvertretungen haben wir diese Fähigkeit zur Problemlösung im Kleinen nicht verloren und werden auch mit der neuen Regelung leben können.
Vielleicht will zukünftig eine Mehrheit den Versorgungsauftrag an andere (Kassen?, Aktiengesellschaften???) abgeben, im Jahr 2010 hat der Versuch ja nicht geklappt.
Götz Gülberg

#10 |
  0
Dr. med. Hermann Berberich
Dr. med. Hermann Berberich

Das erinnert doch sehr an die Zustände in den Schulen. Englischlehrer unterrichten Mathematik, Deutschlehrer Biologie, nur dass dort kein Menschenleben davon abhängt. Die KVB löst keine Probleme, sie ist sebst ein Problem für Ärzte und Patienten.

#9 |
  0
Sabine Dickbertel
Sabine Dickbertel

Sabine Dickbertel, Gynäkologin
Ich halte die Neuregelung für absolut verantwortungslos!
Ich bin seit über 20 Jahren ausschließlich gynäkologisch tätig und leiste seit 15 Jahren die fachspezifischen Bereitschaftsdienste, zu denen wir 1-2 x pro Quartal immer 1 Woche lang incl. 1 Wochenende eingeteilt werden. Einen hausärztlichen Notdienst würde ich mir definitiv -auch nach “Fortbildung”!- nicht mehr zutrauen, denn wie ein Kollege schon sagte: die Erfahrung ist die halbe Miete bei einer schnellen und richtigen Diagnose! Sollte unsere Fachgruppe in die hausärzlichen Dienste integriert werden werde ich versuchen meine Dienste abzugeben und wenn dies mangels Kollegen nicht möglich ist die Kassenzulassung zurückgeben, denn ich könnte nicht damit leben, wenn ein Mensch im Notdienst aufgrund meines Erfahrungsmangels stirbt! Und das hat nichts mit “sich drücken wollen” zu tun!
P.s.: “1-2 x im Quartal ein Wochenende Hausarztdienst” ist für die Kollegen, die ich kenne ja jetzt schon eine völlig realitätsferne Zukunftsvision, viele haben alle 3-4 Wochen eine komplette Woche lang Dienst…!

#8 |
  0
Prof. Dr. Dr. Wulf von Restorff
Prof. Dr. Dr. Wulf von Restorff

Da bin ich aber froh, dass ich als Arbeitsphysiologie (aber approbierter Arzt) nicht in der Liste auftauche.
Das Entscheidende in solchen Notsituationen ist, in kurzer Zeit an das Richtige zu denken, und da hilft die Routine natürlich ungemein.

Macht der gute Dr. Krombholz eigentlich auch beim Notdienst mit oder ist er als Funktionär jenseits von Gut und Böse?

Aber zum Glück gibt es im Hintergrund immer noch die gute Mutter Natur mit ihren Heilkräften.

#7 |
  0
Dr. med. Jochen Beus
Dr. med. Jochen Beus

„Es ist auf jeden Fall nicht richtig, dass die Patienten Angst haben müssten, wenn die neu integrierten Ärzte Dienst haben“, betont Dr. Krombholz.

Das sehe ich (seit 20 Jahren Radiologe, 1994 ein klinisches Jahr in der Inneren) anders: Es muss dann sowohl der Patient als auch der Arzt Angst haben.

#6 |
  0
Michael Bösenecker
Michael Bösenecker

Da hilft nur Eines, alle Kollegen die sich nicht in der Lage sehen im Bereitschaftsdienst die Patienten zu versorgen müssen diese konsequent ins Krankenhaus einweisen, oder den Notarzt hinzuziehen. Sie würden sich ja sonst auch juristisch eines Übernahmeverschuldens schuldig machen.
Vielleicht erkennen ja dann Politik, KV’en und Krankenkassen, dass man nicht einfach mit einer Verordnung von Oben Ärzte in die Patientenversorgung zwingen kann, die sich vielleicht auch bewusst, in Kenntnis ihrer Grenzen, dagegen entschieden haben.

#5 |
  0
Rettungsassistent

Im Eingangstext wurde mal wieder (wie irgendwie immer bei diesem Thema) der ärztliche Notdienst und der Notarztdienst in einen Topf geworfen.
Wenn der vor Ort befindliche Arzt Lebensgefahr oder schweren gesundheitlichen Schaden bei einem Patienten befürchtet, möge er doch bitte den Rettungsdienst rufen und bis dahin eine vernünftige Erstversorgung machen.
Wenn Ärzte im Notdienst mit Patienten in Lebensgefahr konfrontiert werden, muss doch eher darüber nachgedacht werden, wer den Anruf so falsch bearbeitet hat.

#4 |
  0
Dr. med. Martin Bauer
Dr. med. Martin Bauer

… ich kann die Sorge von Frau Doll sehr gut verstehen. Wie wir alle wissen ist Fortbildung allein nicht ausreichend um die notwendige Praxis zu erlangen. Nicht umsonst dauert eben eine Facharztausbildung mehrere Jahre. Zum Glück hätte Frau Doll ja noch die Möglichkeit zu jedem Akutfall den Rettungsdienst +/- Notarzt hinzuzuziehen und die Krankenhauseinweisung zu veranlassen.

#3 |
  0

meinen “Notarztschein” machte ich 1999 und wechselte dann von der Unfallchirurgie in die Radiologie, wo ich meinen Facharzt machte. Als ich dann – als Assistenzarzt ab 2000 – freiwillig in der Notfallversorgung tätig sein wollte, wurde ich mit dem Hinweis auf die fachliche Richtung abgelehnt. Und jetzt soll ich Bereitschaftsdienste machen wo doch so einiges hinten heruntergefallen sein dürfte…. das hätte man damals schon voraussehen können, daß der Strukturwandel kommt und damals schon motivierte Personen beteiligen können! Aber in der Medizin wird ja wie so oft immer nur vom 1.1. zum 31.12. gedacht. Aber gut, ich werde natürlich meinen Verpflichtungen nachkommen und die entsprechenden Fortbildungen besuchen – und wahrscheinlich die Kollegen der Notfallambulanz in den Krankenhäusern mit erhöhter Einweisungsrate (im Zweifelsfalle immer ZNA) in den Wahnsinn treiben. ;o)

#2 |
  0
Dr. Bernhard Staudt
Dr. Bernhard Staudt

Die Rechtssprechung war in diversen Urteilen immer schon der Auffassung, dass jeder Arzt, d.h.jeder der eine Aprobation hat, befähigt ist am ärztl. Bereitschftsdienst teilzunehmen. Eine Pflicht der adäquaten Fortbildung ergibt sich aus der rechtssprechung.

#1 |
  0


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: