HPV-Vakzin: Die zweite Generation

24. Februar 2009
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Die STIKO empfiehlt, Mädchen prophylaktisch gegen Papillomviren zu impfen. Bereits infizierte Erwachsene soll in Zukunft ein Vakzin der zweiten Generation schützen. Die Anforderungen sind hoch: Effektiv, weltweit einsetzbar und erschwinglich.

Viele der rund 1000 Familienmitglieder sitzen als harmlose Kommensalen in menschlichen Epithelien. Andere verursachen Warzen. Und einige davon erzeugen Krebs. Diese Erkenntnis brachte Harald zur Hausen den Nobelpreis und war die Basis für zwei Vakzine, die Millionen junger Mädchen von dem Zervixkarzinom schützen sollen. Gardasil und Cervarix erzeugen eine Immunantwort gegen L1-Proteine der humanen Papillom-Virustypen (HPV) 16 und 18 (bei Gardasil noch zusätzlich 6 und 11).

Das Problem Zervix-Karzinom ist damit jedoch noch nicht gelöst. Denn nur etwa 70 Prozent der Karzinome gehen auf einen der Typen zurück, die die Impfung abdeckt. Auch wenn Merck Berichten nach bereits an einem Impfstoff gegen ein breiteres HPV-Spektrum arbeitet, bleibt die Impfung ein recht kostspieliger Schutz. Dabei sind „messbare Effekte auf die Rate von Gebärmutterhalskrebs in 20 bis 30 Jahren zu erwarten.“ so die Impfkommission STIKO. Denn zwischen Infektion und Auftreten des Tumors vergehen rund 15 bis 25 Jahre.

Therapeutische Vakzine: Langlebig, effektiv und erschwinglich

Am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg entstehen daher die Prototypen für “Impfstoffe der zweiten Generation”. Das “Super-Vakzin” der Zukunft schützt Frauen nicht nur vor der Infektion, sondern alarmiert die Immunabwehr, wenn es der Virus bereits ins schützende Innere von Zelle geschafft hat. Auf dem Wunschzettel der Labore von Lutz Gissmann und Angel Cid-Arregui stehen aber noch weitere Eigenschaften der Impfstoff-Innovation: Langlebig auch bei tropischen Einsatzbedingungen der dritten Welt und ein kompletter Schutz über viele Jahrzehnte hinweg.

Wenn es um die Aktivierung einer zellulären Immunantwort geht, spielen Dendritische Zellen eine zentrale Rolle. Sie können virale Proteine aufnehmen und als Peptid für eine T-Zell-Antwort auf ihrer Oberfläche präsentieren. In der möglichen Therapie von Zervixkarzinom-Vorstufen sind sie der Hebel für die Anti-Tumor-Antwort. Im Tierversuch gelang es bereits, das Onkogen E7 von HPV 16 in Dendritische Zellen einzuschleusen und damit eine effektive Immunantwort zytotoxischen T-Zellen hervorzurufen. Das funktioniert mit E7-DNA, noch besser aber mit der entsprechenden mRNA. Für den Einsatz am Menschen sind jedoch Versuche mit einem viralen Onkogen zu gefährlich. Dabei könnte aus der Tumorprävention leicht eine Tumorinduktion werden. Daher behalfen sich Kerstin Dell und Lutz Gissmann mit einem Trick: Sie ordneten die Sequenzen von E7 so um, dass die transformierenden Eigenschaften verloren gingen. Erste klinische Studien mit diesem therapeutischen Impfstoff sollen in absehbarer Zeit beginnen: “Man kann sich vorstellen, dendritische Zellen aus einer Patientin zu gewinnen, im Reagenzglas mit E7-mRNA zu behandeln und anschließend in den Körper der Patientin zurückzugeben”, erläutert der ehemalige zur Hausen-Mitarbeiter Gissmann die therapeutischen Möglichkeiten der Methode.

CVLP: Stimulieren Antikörper und T-Zellen

Die Wirkstoff-Schmiede des DKFZ forscht aber auch noch nach Alternativen. Die derzeitigen präventiven Impfstoffe bestehen aus dem L1-Kapsidprotein der Papillomviren, das sich spontan zu “Virus-like-Particles” (VLP) zusammenlagert. Ein chimäres VLP (CVLP) aus dem Gissmann-Labor besteht aus einem Fusionsprotein von L1 und E7. Das Konstrukt bringt das beste aus beiden immunologischen Welten mit: Es produziert einen hohen Antikörperspiegel und aktiviert gleichzeitig zytotoxische und Helfer-T-Zellen gegen die beiden viralen Proteine, die sich auf den Oberflächen transformierter Zellen wiederfinden. Ein erster klinischer Test mit dem Kandidaten verlief recht hoffnungsvoll. Bei 40 Prozent aller getesteten Patienten mit intraepithelialer Neoplasie der Zervix im Stadium II und III sorgte das stimulierte Immunsystem für einen Rückgang des Tumors. Auch das Labor von Angel Cid-Arregui arbeitet an einem CVLP, das sich aus E7 und einem immunogenen Hepatitisvirus-Protein zusammensetzt. Als Industriepartner soll die spanische Biotechfirma Chimera Pharma den neuen Impfstoff weiterentwickeln und vermarkten.

Für das “Super-Vakzin” müssen die Wirkstoffe noch billiger und stabiler werden. CVLP’s, die nur mehr ein Bruchteil der ursprünglichen Größe besitzen, sind günstiger herzustellen und haltbarer im ungekühlten Zustand. Wenn die geplante klinische Studie zusammen mit Kollegen aus den USA und Brasilien die Erwartungen erfüllt, könnte aus den „mini VLP’s“ ein Impfstoff entstehen, der auch von Entwicklungsländern bezahlbar ist. Denn der Großteil der rund 200.000 Opfer dieser Krankheit kommt aus unterentwickelten Staaten. Unabhängig vom Infektionsstatus der Frau könnte er vielleicht nicht nur Tumore, sondern auch unangenehme Hautwarzen vermeiden helfen. Oder aber mit analogen viralen Eiweißen auch bei anderen virus-assoziierten Krebserkrankungen vorbeugen und heilen. Und vielleicht belohnt einer der zukünftigen Nobelpreise die Entwicklung von therapeutischen Vakzinen der zweiten Generation.

162 Wertungen (3.78 ø)
Medizin

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12 Kommentare:

Bernd Lenigk
Bernd Lenigk

Ich staune immer wieder über die Ignoranz und die Fähigkeit zur Verdrängung von Fakten. Die krassen Nebenwirkungen der HPV Impfungen – bis hin zu 2 Todesfällen in Österreich – stehen in krassem Wiederspruch zu einem nicht beweisbaren (“in 20 – 30 Jahren”)nutzen!
Fragen Sie sich bitte alle ehrlich: hat irgendeine Impfung überhaupt je Nutzen gezeigt? Haben nicht vielmehr Aufklärung, Wohlstand, Ernährung und vor allem verbesserte Hygienemaßnahmen zur Abnahme der Infektionskrankheiten geführt? Die letzten Todesopfer der Pest in Deutschland (60er Jahre) waren übrigens dagegen geimpft…
Die Tuberkulose ist auf dem Vormarsch, Impfung hin oder her. Und wenn diese Erkrankungen alle so gefährlich und “ansteckend” sind, warum ist die Menschheit nicht ausgerottet worden sondern expandiert zunehmend? Viele Pestärzte überlebten den täglichen Kontakt zu Ihren Patienten. Die Erkrankung konnte erst zuschlagen als das Immunsystem unter dem Streß zusammenbrach.
Alle Symptome sind natürlichen Ursprungs die Erkrankung verursacht man jedoch selbst. Es gibt daher für alles Natürliche auch eine Lösung aus der Natur (für die Allopathen: siehe Penicillin). Gesundheit abeer kann jeder für sich selbst durch gesunde Lebensweise und Ernährung erzielen, und braucht keine Erkrankung jemals zu fürchten.
Ich hoffe, die Vision aus Pharmazeutix polemischen Beitrag wird eines Tages Wirklichkeit, und Pharmazeuten erkennen endlich die medizinische Nutzlosigkeit Ihres bisherigen Tuns.

#12 |
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Heilpraktikerin Noelle Kuhn-Studer
Heilpraktikerin Noelle Kuhn-Studer

Das Virus wird via Geschlechtsverkehr übertragen.Warum kommt niemand auf die Idee, einen Impfstoff für Manner zu entwickeln? Übertragen würde das Virus dann ja nicht mehr…
Ich erachte die Impfkampagne als einen Affront gegen den weiblichen Teil der Gesellschaft, zumal alle Todesfälle/Nebenwirkungen/Zwischenfälle nach HPV-Impfungen als harmlos und zusammenhangslos bezeichnet werden.Ich bin keine Imfgegnerin a priori.Aber hier wird am lebenden Objekt “geforscht”.Schade für die so intelligente Welt der Medizin.

#11 |
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Martina Meusel
Martina Meusel

Lieber Frank,
auch davon überzeugt, dass Impfungen notwendig sind, habe ich meine Tochter (heute Gott sei Dank 17) im Jahr 2007 geimpft. Bis dato war sie ein stabiler Mensch, nur nach der 2. Impfung traten plötzlich immer wiederkehrende Infekte auf, nach der letzen Impfung im Dez.07 brach ihr Immunsystem dann völlig zusammen, d.h. ich musste sie mit einer Streptokokkensepsis mit beginnendem Multiorganversagen ins Krankenhaus bringen.
Hier wurde ein evtl.Zusammenhang mit der Impfung nicht ausgeschlossen. Ebenso findest Du unter Informationen für Fachkreise, dass anaphylaktoide Reaktionen nach dieser Impfung auftreten können.

Was mich auch sehr wundert, ist, dass letzte Woche in einer renommierten Ärztezeitung ein Artikel erschien, dass das Guillan-Barré-Syndrom plötzlich nichts mehr mit der Impfung zutun haben soll, nachdem dieses bei mehreren Mädchen nach der Impfung diagnostiziert wurde…

Lieber Frank, da frage ich mich dann doch, ob wir Impfkritiker uns auf BILD-Zeitungsniveau begeben oder ob wir uns einfach gegen die Machenschaften der Pharmaunternehmen wehren.

Allen anderen ein Herzliches Dankeschön, dass ihr diese Impfung kritisch beäugt.

#10 |
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josef scheibl
josef scheibl

Vielen Dank Herr Dr. Hutschek, Sie bringen es auf den Punkt.Bravo!
J.S.

#9 |
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Naturwissenschaftlerin

Hohe Sicherheitsstandards bei der Zulassung hin oder her. Warum treten aber bei sovielen neuen Medikamenten immer häufiger nach der Zulassung soviele Nebenwirkungen auf, dass nachgebessert werden muss. Als Beispiel Impfung gegen Rotaviren. Zum Glück habe ich mich damals dagegen entschieden, weil aufeinmal gibt es eine Altersbeschränkung, die kurz nach der Zulassung ganz anders aussah und mein Kind zu einem Zeitpunkt geimpft wurden wäre, was heute eindeutig als Kontraindikation angegeben ist.

#8 |
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Herzlichen Glückwunsch den superschlauen Kritikern der Impfung.Wir leben in einer Demokratie!! Ihr müsst Eure Töchter nicht impfen lassen, auch nicht gegen Masern,Windpocken,Kinderlähmung usw.Auch bei diesen gab es anfänglich Komplikationen,die schrittweise reduziert , aber nie auf null geführt werden konnten. Tuberkulose, Kinderlähmung, Pocken usw. können die Impfmuffel gern wiederhaben, aber dann bitte im Betroffenheitsfall nicht wieder über Ärzte oder Pharmaindustrie meckern. Wissenschaftler, Ärzte oder Industrie zu beschimpfen hat BILD-Zeitungsniveau. Ihr Kritiker wollt die sehr hohen Sicherheitsstandarts für die Zulassung einer Impfung ignorieren und begebt Euch auf das miese Niveau unwissenschaftlicher Meckerei. Schämt Euch.

#7 |
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Diana Schäfer
Diana Schäfer

Ich hatte mehrere junge Frauen in meiner Praxis und im persönlichen Umfeld, denen es nach der HPV -Impfung sehr schlecht ging. (Übelkeit, Erbrechen, Fieber, starke Infektanfällig u.ä) Ein Zusammenhang mit anderen Ursachen konnte weitgehend ausgeschlossen werden. Trotz allem wird die Impfung als Ursache für den schlechten Gesundheitszustand konsequent ausgeschlossen.Vielleicht sollte man doch mal genauer hinschauen . . .

#6 |
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Dr. Dagmar Deixelberger-Fritz
Dr. Dagmar Deixelberger-Fritz

ich hatte kondilome, jedoch mein gyn befund auf hpv war negativ… was soll das alles

#5 |
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HP Claudia Gökdemir
HP Claudia Gökdemir

Vielen Dank für die durchweg kritischen Kommentare.
Ich kann mich da nur anschließen. Selbst Mutter von drei Teenager-Töchter bin ich absolut dagegen,junge Mädchen mit viel zu wenig erprobten Vakzinen zu impfen, anstatt den jungen Männern etwas über Intimhygiene zu erzählen. Schließlich ist es erwiesen, dass in Ländern, in denen die Männer traditionsgemäß alle beschnitten sind, Zervixkarzinome so gut wie nicht auftreten.
Was sagt die Pharmaindustrie dazu??
In meiner Praxis habe ich zwei Fälle,bei denen kurz nach der Impfung mit Gardasil eine Hashimoto-Thyreoiditis und ein Diabetes Typ I aufgetreten sind.
Natürlich darf ich auf keinen Fall einen Zusammenhang mit der Impfung vermuten,meine Gedanken dazu kann mir aber niemand verbieten.

#4 |
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Dr. med.dent. Christoph Hutschek
Dr. med.dent. Christoph Hutschek

Ich verstehe nicht, wieso sich der Großteil unserer Ärzte zu Handlangern der Pharmaindustrie machen!!!. Was springt für sie dabei heraus???
Sie sollten sich auf ihren Eid des Hypokrates erinnern und nicht beim Zwinkern das EURO- Zeichen in den Augen haben wie Dagobert Duck.
Hier geschieht wie so oft ein Verbrechen an den jungen Menschen, die als Versuchskaninchen verwendet werden, Tierversuche sind verboten–Menschenversuche wohl nicht???

#3 |
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Heilpraktikerin Bettina Pirnay
Heilpraktikerin Bettina Pirnay

Statt Impfung wären Hygiene und Kondome eine präventive Maßnahme zum kleinen Preis.

Wieso soll Frau alles über sich ergehen lassen?

#2 |
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Peter VonRüsten
Peter VonRüsten

nur eines….und das meine ich auch so….

Es gibt Impfungen die sind völlig Nutzlos..

Denn niemand kennt von dieser hier beschriebenen Impfungen ,die folgen
bzw. es liegen keine klaren Ergenisse vor…

tritt Krebs so nach 30 Jahren bei einer geimpften Frau mal auf…

wird da kein Hahn mehr nach krähen…

denn man hat ja gut verdient…

und wenn der Krebs da ist…wird man die Schuld einem anderen Virus anhängen…

in der Pharmaindustie gibt es ja nur heilige…

irgendwie kann man sich für diese Entartung der Wissenschaft…nur schämen…

Schreiben Sie weiter so…vielleicht wird man Ihnen dann auch noch einen Preis zukommen lassen ? …

#1 |
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