Das oberste Gebot: Ruhe bewahren!

24. Februar 2009
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"Häufig muss man sich selbst auch ehrlich eingestehen, dass man überhaupt nicht weiß, woran der Patient nun tatsächlich leidet und dann symptomatisch behandeln." Wie schwierig ist, als Notarzt zu arbeiten, erzählt euch die Dagmara, die seit 2 Jahren mit dem Krankenwagen fährt.

DC Campus: Was war bislang dein schönstes Erlebnis?

Dagmara: Ich finde Fälle sehr befriedigend, bei denen man noch während des Einsatzes einen Erfolg sehen kann. Dies ist beispielsweise bei Patienten mit hypoglykämischem Koma der Fall, die nach Glukosegabe binnen Minuten wieder erwachen. Auch freue ich mich sehr darüber, Patienten, die wegen Verletzungen Schmerzen erleiden müssen, mit einigen wenigen Medikamenten erhebliche Linderung verschaffen zu können.

DC Campus: Was braucht man für Fähigkeiten um ein guter Notarzt zu sein?

Dagmara: Das oberste Gebot im Rettungsdienst lautet: Ruhe bewahren! Selbstverständlich muß man bei vital bedrohlichen Erkrankungen zügig handeln, bevor es zu spät ist. Man darf jedoch niemals den Fehler begehen und blind in eine Falle laufen. Nicht selten kommt es allerdings vor, daß man im Rahmen der Einsätze mit Krankheitsbildern konfrontiert wird, die einem nicht geläufig sind, da sie aus der Fachrichtung stammen, auf die man sich gerade nicht spezialisiert hat. Häufig muß man sich selbst auch ehrlich eingestehen, daß man überhaupt nicht weiß, woran der Patient nun tatsächlich leidet und symptomatisch behandeln. Dies ist auf Grund der im Rettungsdienst fehlenden diagnostischen Möglichkeiten häufig auch gar nicht anders möglich, in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle jedoch absolut ausreichend.

DC Campus: Wie kann man sich – besonders im PJ – schon darauf vorbereiten?

Dagmara: Wichtig ist, daß man ärztliche Basistätigkeiten, zum Beispiel Venenzugänge legen, wie im Schlaf beherrscht. Deswegen sollte man als angehender Mediziner immer daran denken, daß auch ungeliebte Aufgaben zu irgendetwas nutze sein mögen. Auch sind Grundkenntnisse der Anästhesiologie sicherlich von Vorteil, damit auch im Notfall das Intubieren sicher klappt.

DC Campus: Wie verarbeitest du furchtbare Einsätze, zum Beispiel einen schweren Autounfall mit mehreren Toten?

Dagmara: Nach solchen Einsätzen ist es unerlässlich, daß man anschließend mit jemanden darüber redet – im Idealfall gleich mir den Kameraden der Feuerwehr, die mit vor Ort gewesen sind. Die fühlen sich nämlich in der Regel ähnlich wie man selbst. Nach Großschadensfällen – das sind beispielsweise Katastrophen wie Flugzeugabstürze oder Zugunglücke – werden meist von den verantwortlichen Stellen professionelle Helfer wie etwa Psychologen oder Seelsorger angeboten. Sicherlich ist es kein Ausdruck von Schwäche, wenn man sich nach Erleben einer Ausnahmesituation helfen läßt.

DC Campus: Welche Vorraussetzungen muß man erfüllen, um Notarzt werden zu können?

Dagmara: Die Zulassungskriterien sind Sache der Länder. In der Regel wird von den Medizinern verlangt, über eine gewisse Berufserfahrung zu verfügen, welche auch zumindest einen Teil Anästhesie oder Intensivmedizin beinhalten sollte. Außerdem muß man an der mehrtätigen Fachweiterbildung teilnehmen. Schließlich führt man unter der Aufsicht eines erfahrenen Kollegen zehn lebensrettende – einfach mitfahren reicht hier nicht aus – Notarzteinsätze durch. Die genauen Zulassungskriterien kann man bei seiner Ärztekammer erfragen. Meistens hinterlegen die Kammern entsprechende Kriterien auf ihren Webseiten.

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