Chronisch gut drauf

2. März 2009
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"Always look on the bright side of life". Wie gut es gelingt, die positive Seite zu sehen, liegt auch im Erbgut. Forscher zeigten, dass ein Gen die Wahrnehmung beeinflusst: Die Träger bringen positiven Informationen mehr Aufmerksamkeit entgegen als negativen.

Das Gen namens 5-HTTLPR steht schon länger im Visier der Forschung. Es beeinflusst die Serotonin-Konzentration im Gehirn und wie bereits frühere Studien zeigten, Stimmung und mentale Verfassung. Bekannt ist auch, dass bei dem Transportergen ein Polymorphismus in der Promoter-Region existiert – insgesamt gibt es drei Allelvarianten. Die kurzen korrelieren mit einer geringeren synaptischen Verfügbarkeit von Serotonin und einem höheren Risiko für depressive Störungen und Suizidversuche. Zudem triggern die kurzen Varianten eine verstärkte neurochemische Reaktion auf Stresssituationen.

Drei Wissenschaftler der Universität Essex sahen sich nun genauer an, wie sich die Varianten von 5-HTTLPR jeweils auswirken. In ihrer Ende Februar veröffentlichten Studie stellten sie fest, dass die Allelvarianten eng mit der Wahrnehmung von positiv und negativ besetzten Bildern assoziiert sind. »Wir haben zum ersten Mal an gesunden Menschen gezeigt, dass diese genetische Variation mit der Tendenz zu einer positiven oder negativen Lebenseinstellung gekoppelt ist«, so Studienleiterin Prof. Elaine Fox.

Schokolade versus Spinne

Das Forschertrio teilte die 97 Studienteilnehmer in drei Gruppen: Homozygote Träger mit zwei langen Allelen (LL), Heterozygote mit einem langen und einem kurzen Allel (SL) sowie Personen mit zwei kurzen Allelen (SS). Den Probanden wurden Fotos unterschiedlicher Aussagekraft vorgelegt. 20 riefen positive Assoziationen hervor, 20 negative und weitere 40 hatten eine neutrale Botschaft. Die Fotos aus dem so genannten »International Affective Picture Set« wurden paarweise gezeigt. Dabei wurde stets ein »gutes« wie etwa Schokolade oder ein »schlechtes«, beispielsweise eine Spinne, mit einem neutralen Motiv kombiniert. Die Probanden hatten also nicht die Wahl zwischen positiv und negativ. So konnte das Ausmaß der Wahrnehmung positiver oder negativer versus neutraler Information effektiver erfasst werden. Sie wurde anhand der Differenz der durchschnittlichen Reaktionszeit auf negative oder positive und neutrale Motive ermittelt. Die 16 Probanden der LL-Gruppe brachten Fotos mit einer positiven Aussage signifikant mehr Aufmerksamkeit entgegen: Sie reagierten darauf 23,5 Millisekunden früher als auf neutrale. Negatives Bildmaterial mieden sie dagegen: Es wurde 18,3 Millisekunden später wahrgenommen als die neutralen Motive. Gegensätzlich, wenn auch nicht so ausgeprägt, war es in der SL- und SS-Gruppe. Bei diesen Probanden fanden Motive mit negativer Botschaft eine größere Beachtung als jene mit positiver.

Die Ergebnisse der Studie deuten nach Ansicht der britischen Wissenschaftler darauf hin, dass die Fähigkeit, das Gute im Leben zu sehen, ein »kognitiver Kernmechanismus« sei. Er bestimmt mit darüber, wie widerstandsfähig ein Mensch gegen Stress und emotionale Belastungen ist. Damit auch, wie gesund: Die Tendenz, negativen Ereignissen nicht so viel Beachtung zu schenken, korreliert mit Wohlbefinden und mentaler Gesundheit. Wer seine Aufmerksamkeit hingegen besonders auf negative Dinge richtet, ist psychisch labiler.

Es sind nicht nur die Gene

Lebenseinstellung und psychische Belastbarkeit werden laut Prof. Fox jedoch keineswegs nur von den Genen bestimmt. Wessen 5-HTTLPR nur ein oder gar kein langes Allel hat, ist nicht zwangsläufig pessimistischer eingestellt. Denn neben genetischen sind zu über 50 Prozent andere Faktoren daran beteiligt, wie wir die Welt sehen. Dazu gehören allen voran individuelle Lebenserfahrung, Erziehung sowie soziales Umfeld, so Prof. Fox. Dennoch, die Befunde aus Essex eröffnen neue und wichtige Einsichten in die neurobiologischen Mechanismen hinter der Auffassung, ob das berühmte Glas Wasser halb voll oder halb leer ist…

121 Wertungen (3.6 ø)
Medizin

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13 Kommentare:

Thomas Bornschein
Thomas Bornschein

@Georg Wintzer
-erbitte aufklärung-
sie haben mit sicherheit recht, wenn sie postulieren, das “positives denken” erlernt werden kann
die frage ist, ob es auch lernenswert ist, ca. die hälfte aller denkresultate auszublenden
aber da ich mich nun schon als fantasielos und unkreativ ausdiagnostiziert sehen muss – hätten sie die positiv denkende güte, sich mir mit menschlichkeit zu nähern und mir (und anderen chronisch therapieresistenten zweiflern) die von ihnen avisierten konsequenzen wenigstens versuchsweise näherzubringen?
da sie positiv denken, sollte das konzept nutzloser versuche ja eigentlich keinen platz in ihrem weltbild haben, oder?
“neugierig gespannt grins”
mad-doc

#13 |
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Kristina Walker
Kristina Walker

Meine Güte, kochen da die Emotionen hoch!!!
Die meisten Reaktionen auf diesen – eigentlich sehr ausgewogenen- Artikel geben Aufschluss darüber, wie viele Menschen Angst vor dem “Negativen” haben und stracks den Abwehrmechanismus aktivieren.
Ich fand es interessant von einem weiteren Aspekt in der Angstentstehung zu lesen, das beseutet doch kein Ausgeliefert sein!
Übrigens, ich finde Spinnen auch kuschelig, aber irgendein Beispiel musste man ja wählen.
Nicht alles in ein vorgefertigtes Beet rauschen lassen, einfach mal angstfrei lesen…
Gruß an alle
Kristina

#12 |
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Bernd Hoppe
Bernd Hoppe

auch wenn es die meisten ungern hören,
der Fortschritt der Wissenschaft basiert
wohl eher auf den kritischen, nachdenklichen
Menschen

trotzdem wollen die Menschen durch die Spaßmacher
abgelenkt werden, so wie durch Alkohol, fernsehen
und je schwächer sie sind, desto mehr eigentlich traurig

#11 |
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Ist ja echt toll! Also, was soll das jetzt? Wie sind die Gene in der Bevölkerung verteilt? Werden Heterozygoten-Ehen öfter geschieden? Hat das einen Effekt auf die Krankenversicherungskosten? Sollte man als zukünftiger Mediziner mit dem Bedarf zu hoher Frustrationstoleranz vor dem Studium zur genetischen Beratung?
Aber malim Ernst: Was soll das?

#10 |
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der optimist sieht das glas halb voll,
der pessimist sieht das glas halb leer,
und der unternehmensberater würde sagen: “Sie haben 50% zuviel glas für ihr getränk, das ist ineffizient!”

#9 |
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Dietlinde Richter
Dietlinde Richter

25 millisekunden …sollen den unterschied machen?ich spielte gerne mit Spinnen aber Froesche und Tauben meide ich da meine Mutter mich als Kind schon bei jedem dieser Lebewesen aufschreckte–ich habe vor allen Tieren vor denen sie einen Ekel hat, dasselbe Gefuehl ( also anerzogen ) denn mein Vater hat nichts gg. diese Lebewesen, aber Mutter erzog mich– und bei Zitrusfruechten assoz. ich negative Dinge, da allergisch bin–diese Studie ist unsinnig–wenn man mit viel Liebe aufwaechst und mit einem Partner in einer guten Beziehung lebt, einen Job hat ( egal welchen ) der einem Spass macht sieht man La Vie en rose–wenn man aber in der Vergangenheit oft in menschlichen Beziehungen enttaescht wurde, in dem Job gemobbt–sieht man eher alles negativ–dazu sind Menschen eben vorprogrammiert–die Erfahrungen merkt man sich

#8 |
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Immerhin der Nachweis, dass der Serotoninhaushalt nicht ausschließlich Resultat der Sozialisation ist!

#7 |
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Heilpraktikerin

Bahnhof??? Meine Wahrnehmung? Prima, super, Urlaub… ich bin dann mal weg :-).. tschakkaaaa!!

#6 |
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Unternehmensberater

Ich sehe weiterhin alles positiv,…und ihr könnt euch weiterhin über das negative unterhalten! Tschüss

#5 |
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Thomas Bornschein
Thomas Bornschein

nice to know
allerdings bleibt die frage nach der konsekutiven relevanz solcher erkenntnisse…
oder hat jemand eine idee, welche therapieansätze für suizidgefdährdete oder depressive sich hier eröffnen könnten?
scheinbar sind wir auf dem weg in einen genetischen determinismus
im unterschied zum historischen calvinistischen weltbild wird der aber wohl keinen fortschritt zeitigen, denn während damals die menschen sich bemühten, als vorherbestimmt gut zu gelten, führt jetzt der genetiker den beweis – ohne möglichkeit der revision…

#4 |
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Heidi Bertz
Heidi Bertz

Das die Anschauung und die Einstellung Auswirkungen auf die Gesundheit hat ist ja schon lange bekannt. ABer die Menschheit will vieles eben schwarz auf weiß sehen und jetzt haben wir auch eine Studie DAzu!
Warum diese Stdien- warum gucken wir nicht in die 500.000 Jahre alte Medizin der Chinesen. Die haben schon lange für alles ein Kraut.
Keep smile

#3 |
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@beld: Jedesmal, wenn ich einen Kommentar von Ihnen lese, ist er negativ. Ich glaube, Sie sind chronisch mies drauf.

#2 |
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Naturwissenschaftlerin

Ich verstehe bloß Bahnhof.

#1 |
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