Gott is jot

6. März 2009
Teilen

"Beten hilft!" - sagen die einen. "Stimmt nicht!", sagen die anderen. Neurologische Untersuchungen demonstrieren immerhin, dass spirituelles Denken bei Patienten bestimmte Hirnrareale aktiviert, die Schmerzen bekämpfen und Krankheiten lindern helfen.

Die Welt mitten in der Finanzkrise, viele US-Banken vor dem Aus. Doch für das amerikanische Nachrichtenmagazin TIME prangte in der Ausgabe des 23. Februar 2009 ein anderes Thema auf der Titelseite: „Wie Glaube heilen kann“. Gemeint waren damit keinesfalls göttliche Rezepte gegen die Wirtschaftskrise – Gebet als Alternative oder Ergänzung zur Pille stand vielmehr auf dem Plan.

Das Thema an sich ist so neu nicht, doch allein die Tatsache, dass der Nachrichtengigant TIME sich jetzt endlich dafür derart vehement interessiert, rechtfertigt den genauen Blick hinter die Kulissen. Für Gläubige steht die positive Wirkung von Gebeten auf den Organismus seit jeher außer Frage. Sie finden im Zwiegespräch mit Gott Ruhe, Geborgenheit, Zuversicht und Hoffnung, fühlen sich aufgehoben und unterstützt. Jetzt liefern Mediziner zunehmend ernstzunehmende Hinweise, das Beten als Therapie hilft.

Spontanheilung durch Gebet?

Die US-Biochemikerin Caryle Hirshberg hat beispielsweise als eine der ersten das Phänomen der Spontanremissionen wissenschaftlich untersucht und insgesamt 50 Fälle dokumentiert. Sie kam unter anderem zu dem Ergebnis, dass 67 Prozent der Patienten spirituelle Faktoren wie Glaube, Meditation und Gebet für sehr wichtig hielten: „Es ist interessant festzustellen“, schreibt Hirshberg, „dass Beten oft mit jenen seelischen Zuständen einhergeht, die wir bei ungewöhnlichen Heilungen ausgemacht haben: die besondere Konzentration auf einen Gegenstand, seelische Entspannung und Entlastung, Ausschalten des rationellen Denkens, Visualisierungen, aktive Imagination und einheitliche Intention…“.

Tatsächlich gibt es Studien, die einen Zusammenhang zwischen Glauben und Genesung zu belegen scheinen. Ein Beispiel ist eine amerikanische Phase-I-Studie an 150 Herzpatienten, die allesamt an einer instabilen Angina pectoris litten. Der Studienleiter Dr. Mitchell W. Krucoff von der Duke University in Durham, North-Carolina, stellte erstaunt fest, dass es denjenigen Patienten deutlich besser ging, für deren Gesundheit andere Menschen beteten. Allerdings, so räumt er ein, können die Ergebnisse der Untersuchung auf Grund der geringen Patientenzahl „purer Zufall“ gewesen sein.

Zu ähnlichen Ergebnissen kamen Ärzte am Dartmouth-Hitchcock Medical Center. Sie hatten untersucht, wie eigene Gebete auf den Organismus des Kranken wirken. Ihr Fazit: Die Patienten, die angaben, Trost und Kraft aus ihrem Glauben zu schöpfen, hatten eine deutlich bessere Überlebenschance. Die andere Patientengruppe wies eine etwa dreimal höhere Sterberate auf. Erklärungsversuche für derlei „Wunder“ gibt es viele. So glauben einige Forscher, der Grund für die Hilfe von Gebeten läge an einer Art Placebo-Effekt. Wenn nämlich in einem Versuch auch die Beschwerden derjenigen Patienten gelindert werden, die lediglich das Placebo-Mittel erhalten haben, so deute das auf den Einfluss der Psyche bei der Genesung hin.

Andere Forscher hingegen meinen, dass das Beten den Körper des Gläubigen in einen Entspannungszustand versetze. Auf diese Weise vermindere sich die Ausschüttung bestimmter Stresshormone, außerdem verlangsamten sich Herz- und Atemfrequenz: ein Effekt, der sich vor allem bei stressbedingten Krankheiten wie Bluthochdruck, Schlafstörungen und Zwölffingerdarm-Geschwüren auswirke.

6000 Studien seit Beginn des neuen Milleniums

Eine in Medizinerkreisen aufseherregende Untersuchung führte der Neurowissenschaftler Andrew Newberg von der Pennsylvania School of Medicine in Philadelphia durch. Mit Hilfe der Single Photon Emission Computed Tomography (SPECT), einer speziellen Aufnahmetechnik der Hirnaktivität, zeigte Newberg, dass es eine für religiöse Gefühle zuständige Hirnregion gibt. Betende Menschen etwa verfügen über einen deutlich höheren Blutfluss im vorderen Bereich des Gehirns, jene Gegend also also, die normalerweise für die Konzentration des Menschen zuständig ist. Newbergs erstaunlichstes Ergebnis: Beim Beten und Meditieren werden jene Areale deaktiviert, die unsere Orientierung steuern – möglicherweise ein Grund, warum sich gläubige Menschen von Raum uns Zeit losgelöst und Gott nahe fühlen.

Dennoch bleibt der Grat zwischen Befürwortern und Gegnern der Gebet-als-Heilung Theorie schmal. So fand beispielsweise der an der Harvard University arbeitende Kardiologe Herbert Benson heraus, dass die Hälfte aller betenden Patienten bei Bypass-Operationen keine Komplikationen aufwies, nur: Auch für die nichtbetende Klientel galt genau der gleiche prozentuale Anteil.

Es sind Ergebnisse wie diese, die den Ernst und die Vielschichtigkeit des Themas demonstrieren. Was genau im Gehirn der Patienten passiert, wenn Mann oder Frau betet, weiß niemand mit Bestimmtheit zu sagen, lediglich dasss sich wundersame Dinge tun, scheint belegbar. Allein seit dem Jahr 2000 gibt es über 6000 neue medizinische Studien über die Auswirkungen von Gebet, Religion und Spiritualität auf die Genesung des Menschen. Zwar ist sich die ärztliche Gemeinde darüber einig, dass Gebete keinen Ersatz zu den üblichen Behandlungsmethoden darstellen, sondern diese lediglich ergänzen können. Doch eine Umfrage in der aktuellen TIME-Ausgabe dürfte die Ärzte im Lande trotzdem interessieren: 94 Prozent der Patienten fanden es „absolut in Ordnung“ von ihrem Arzt über die religiöse Einstellung befragt zu werden – im sicheren Glauben, dass Gebete als verordnete Therapie nicht schaden können.

158 Wertungen (3.73 ø)
Medizin

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

8 Kommentare:

Tönnies Katz
Tönnies Katz

So, wie man sieht, gibt es doch einige “Gläubige” gerade im Medizinerberuf. Ich würde vorschlagen sich viel intensiver mit dem “Phänomen” Gebet und Heilung zu beschäftigen und dabei vielleicht ein bißchen mehr die Produkte der Pharmaindustrie zu vernächlässigen, aber mehr die Naturprodukte (gegen jede Krankheit ist ein Kraut gewachsen) zu bevorzugen, sozusagen “Tee + Gebet”, anstelle von “Pillern + Fernseher”…

#8 |
  0
Jens Zimmermann
Jens Zimmermann

Egal, ob beten, Meditation oder Hypnose es handelt sich immer um das gleiche Phanomen.Es wirkt!

Abgesehen davon, Placebo ist für mindestens 50 % aller “Heilungen” verantwortlich. Das weiss sogar inzwischen der Gesetzgeber. Siehe Heil- und Werbemittelgesetz.

Statt randomisierter Doppelblind sollte die Medizin sich gezielt damit beschäftigen – und nicht versuchen, Placebo auszuschliessen.

#7 |
  0
Peter VonRüsten
Peter VonRüsten

Das Gebet ist Selbtssuggestion…

der Mensch konzentriert sich auf sein Problem..

die Heilenergie fängt an zu wirken….

Eine Uralte Geschichte…..

Aber so nebenbei….eine Hölle und einen Teufel gibt es nicht….hat es nie gegeben und wird es auch nie geben….

ist nur religiöses bla bla…um den Menschen suggesiv Angst zu machen…

denn ohne Körper..gibt es weder Schmerz..Hunger…Durst oder Sexuelles…

Aber es gibt einen Gott bzw. Schöpfer…

und alles was bisher geschehen ist

…Krieg…Krankheiten…und vieles andere

hat seinen Sinn…Aber auch einfach alles..

alles negative wird nach richtiger Nachbetrachtung positiv…..

und das innere Licht wird dann um so heller…

ich wünsche Allen ein schönes Wochenende mit viele Licht und Liebe und das ohne Ausnahme…

#6 |
  0

“Gott ist tot.” sagte Nietzsche.
“Nietzsche ist tot.” sagt Gott

#5 |
  0

Ein Arzt unterhält nur, heilen tut ein anderer…
Man merkt wie wenig Placebowirkungen in der Medizin verstanden werden. Anregender Artikel

#4 |
  0

Bei 6000 Studien zu einem Thema gibt es für wohl jede Aussage einige Studien, die diese Aussage stützen. Signifikante Aussagen mit Bezug auf eine einzelne Studie sind – nicht signifikant!

#3 |
  0
Mitarbeiter Industrie

Siehste, so kann man sich irren!

#2 |
  0

Und ich dachte, Gott ist tot.

#1 |
  0
Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: