Supermarkt-Pillen fallen durch

6. März 2009
Teilen

In ihrer Märzausgabe fühlt die Zeitschrift Ökotest insgesamt 89 Gesundheitsprodukten aus Discountern auf den Zahn. Zwar gibt es positive Überraschungen, doch die Quote der Reinfälle ist hoch. Insbesondere die 27 Arzneimittel im Test überzeugten nicht durchgehend.

Mit der Wirtschaftskrise wird sie wieder wachsen, die Attraktivität der Discounter, die im sparsamen, manche sagen geizigen Deutschland ohnehin schon eine ihrer großen Bastionen haben. Aldi und Co verkaufen nicht nur Lebensmittel, Waschpulver und alle vier Wochen Laptops, sondern zunehmend auch Gesundheitsprodukte.

Johanniskrautpräparate erleben Bauchlandung

Doch taugt das Zeug was? Die Zeitschrift Ökotest, die sich in der Vergangenheit immer wieder mit viel beachteten Tests zu apothekenpflichtigen Arzneimitteln zu Wort gemeldet hat, hat sich diesmal frei verkäuflichen Arzneimitteln und Nahrungsergänzungsmitteln von Lebensmitteldiscountern angenommen. Außer den unvermeidlichen Vitamintabletten, Calciumbrausen und Fischölkapseln finden sich im Testsortiment auch handfeste Arzneimittel wie Schnupfenpräparate, Blasen- und Nierentees und sogar zwei Johanniskrautpräparate, die die Tester bei Aldi Nord und bei Netto aus den Regalen fischten.

Die beiden waren dann auch der große Reinfall des aktuellen Tests. Die bei Aldi Nord für 3,59 Euro erhältlichen St. Christoph Johanniskraut Dragees SN waren in den Augen der Tester genauso ungenügend wie die gleich preiswerten St. Ursula Johanniskraut Dragees SN von Netto. Die Präparate seien unterdosiert, wiesen lückenhafte Angaben zu Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln auf und enthielten keine Angaben zur Anwendung bei Kindern, kritisierten die Tester. Zusätzlich fanden sich bei beiden Produkten chlorierte Kohlenwasserstoffe in den Verpackungen. Sechs. Setzen.

Große Spannbreite bei Vitaminen und Mineralstoffen

Maximal schlecht schnitten auch eine ganze Reihe von Multivitamin- und Mineralstoffpräparaten ab. Aldi Süd konnte mit seinen Präparaten Multinorm 1xtäglich 24 und Multinorm 1xtäglich ab 50 plus nicht überzeugen. Sie enthielten jeweils erhöhte Konzentrationen von Niacin, Vitamin A, Eisen, Kupfer, Mangan und Zink in Mengen, die über die Empfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) hinaus gehen. Ähnliches gilt für die Präparate Vitalis Langzeit Vitamintabletten A-Z Generation 50+ und A-Z Balance, die bei Aldi Nord im Regal stehen und zusammen mit zwei weiteren Aldi Nord-Präparaten aus diesem Segment ebenfalls ein „ungenügend“ erhielten. Bei Lidl fallen die Optisana A-Z Vitalcompletten komplett durch, und bei Plus gibt es die Note sechs für die ProLife A-Z Vitamin- und Mineral 50+ Tabletten. Einschränkend ist hier allerdings zu sagen, dass es bei den Vitamin- und Mineraltabletten auch eine ganze Reihe sehr guter Produkte gab, die vor allem dadurch sehr gut wurden, dass sie sich an die BfR-Grenzwerte hielten. Es gibt dabei keinen Discounter und keine Marke, die besonders gut oder schlecht wäre, was nicht weiter wundert, weil die Präparate nicht selten trotz abweichender Namen inhaltlich identisch sind.

Bei Husten, Schnupfen, Blasenleiden sieht es besser aus

Im Gegensatz zu den Vitamin- und Mineralstoffpräparaten schnitten die Blasen- und Nierentees der Discounter durchweg mit gut ab. Egal ob St. Benedikt Blasen- und Nierentee von Aldi Nord, sein Brüderchen St. Christoph von Aldi Süd, St. Ursula von Netto oder, weniger heilig, Medicazin von Plus, nirgends fanden sich unerwünschte Zusatzstoffe. Der Discounter-basierten Supportivtherapie bei Harnwegsinfekten steht demnach zumindest produktqualitativ gesehen nichts im Wege. Auch Husten- und Schnupfenpräparate aus den Discounterregalen bewegen sich durchweg zwischen sehr gut und (vereinzelt) befriedigend. Die Meerwasser-Nasensprays von Optisana (Lidl) und St. Ursula (Netto) stehen beispielsweise ganz oben auf dem Ökotest-Treppchen. Mit den St. Ursula Baldrian-Einschlaf-Dragees PA hat Netto sogar ein pflanzliches Schlafmittel im Portfolio, das den Segen der Tester fand. Sehr gut hieß hier das Urteil.

Gut getestet ist nicht gleich gute Wirksamkeit

Freilich ist bei der Interpretation der Ökotest-Ergebnisse etwas Vorsicht geboten: Sehr gute Präparate enthalten keine unerwünschten Zusatzstoffe sowie eine allgemein als angemessen betrachtete Dosis des Wirkstoffs. Das heißt allerdings nicht, dass sie nachgewiesen effektiv wären. Große placebokontrollierte Studien über einen medizinischen Nutzen gibt es für die Mittelchen aus dem Supermarktregal in aller Regel nicht, das sollte der Kunde wissen. Erfahren tut er es im Discounter allerdings nicht. Da ist er mit der Apotheke und ihrer Beratung sicher besser bedient.

100 Wertungen (3.54 ø)
Medizin, Pharmazie

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

2 Kommentare:

Heilpraktiker

Ich bin der Meinung,dass alle Medikamente, Zusatzstoffe, Vitamine usw. generell in die Apotheke gehören.Ich kaufe meine Leberwurst auch nicht in der Autowerkstatt!

#2 |
  4
Elke Engelhardt
Elke Engelhardt

Sehr ärgerlich an diesem Artikel hier ist, dass zwar die durchgefallenen Angebote namentlich benannt werden nicht aber die, welche: “.., dass es bei den Vitamin- und Mineraltabletten auch eine ganze Reihe sehr guter Produkte gab, die vor allem dadurch sehr gut wurden, dass sie sich an die BfR-Grenzwerte hielten”, also sehr gut waren – ist das objektiv?

#1 |
  3
Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: