Medizinerpärchen: Du, palpier mich mal!

31. Oktober 2012
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Wie ist das eigentlich, wenn zwei angehende Mediziner zum Liebespaar werden. DocCheck gibt Euch einen Einblick in diese spezielle Form der Beziehung - mit persönlichem Einschlag.

Etwas über die Beziehung, also die Liebes- oder Partnerschaftsbeziehung, zwischen Medizinern zu schreiben, ist zugegebenermaßen eine Herausforderung. Wie unterscheidet sie sich von, soll ich sagen, gewöhnlichen Beziehungen? Würde ich behaupten, die Beziehung zwischen zwei Medizinern sei gar ungewöhnlich im Sinne ihrer Auslebung, ihrer Probleme und Freuden? Ich will also versuchen, einen kleinen Einblick in die Höhen und Tiefen dieser zu geben. Dabei fließen selbstverständlich sowohl eigene, als auch Fremderfahrungen mit ein.

Medizinerpaare, die sich schon während des Studiums gefunden haben, gar im selben Semester verweilen, gibt es augenscheinlich gar nicht so selten. Oft findet sich eine sehr eigenwillige Art von Pärchen in dieser Konstellation. Ungefähr die Kategorie – wir verbringen jede Sekunde miteinander, teilen alles und mögen Partnerlook. Für den Liebhaber dieser Form der Beziehung ein einziges Glück, so kann doch wirklich alles im Leben in Einklang gebracht werden. Ein unbeteiligter Kommilitone reagiert hierauf aber schon einmal mit großer Verwunderung.

Zwischen Luxus und Bodenhaftung

Als weiterer fast schon Pärchen-Klassiker, kann an dieser Stelle die Konstellation der PJ-Studentin mit dem Fach– oder Oberarzt aufgeführt werden. Hierbei steht nicht der Hang zum Partnerlook, sondern der zu teuren Luxusgegenständen, wie Autos, Uhren, Taschen und einer schicken Wohnung im Vordergrund. Die Bewunderung der Studentin dem erfahrenen Arzt gegenüber mag beide Beziehungspartner glücklich stimmen. Der Lebensstil hier wenig studentisch, hebt sich aber meist deutlich von dem der Anderen ab.

Außerdem findet sich selbstverständig auch das bodenständige Medizinerpärchen im Hörsaal wieder. Meist sind beide Liebhaber namhafter Outdoorausstatter und aufregender Fernreisen, mit dem Wunsch nach einer sonnigen Zukunft im eigenen Heim. Abgesehen von jedem Beziehungsklischee, haben alle Partnerschaften unter Medizinern einen riesigen Vorteil: Ein wirklich immer offenes Ohr für medizinische Sorgen und Fragen oder einen gütigen Helfer bei der Prüfungsvorbereitung zu haben, rettet so manch einen sorgenvollen Abend. Wem kann man besser erzählen, welch entsetzlich peinlicher Fehler einem am ersten Tag einer Famulatur, des PJ oder gar der neuen Stelle passiert ist?

Achtung Konkurrenz

Das wissende Ohr des Partners kann aber in dieser medizinisch qualifizierten Verbindung auch nerven. Neben möglichen Konkurrenzgefühlen und fehlender Abwechslung im Gesprächsfundus bleiben kleinere und größere Zankereien sicher nicht aus. Dreht es sich hierbei in der Otto-Normal-Beziehung um Haare im Abfluss, so streitet der Mediziner, zu aller Überraschung, über kaum hochtrabendere Dinge als den hochgeklappten Klodeckel. Im Ernst, die Lust auf fachlich anspruchsvolle Diskussionen in der eng bemessenen Freizeit ist meist nur gering, ein Ratschlag bei unlösbaren Problemen dagegen immer willkommen.

Häufig tummeln sich diese Paare im selben Freundeskreis. Ein großes Dilemma. Die Gesprächsthemen bleiben ähnlich und die Abnabelung ist schwierig. Ungewöhnlich finde ich dies jedoch nicht, kann ich doch unter Lehrern, Juristen und Biologen ein ähnliches Gefüge feststellen. Wirklich anders sind Medizinerpaare hier also nicht.

Karriere vs. Alltag

Ist das Studium dann vollendet und der Berufseinstieg geschafft, verändert sich der Alltag dieser intensiven Partnerschaft jäh. Dienstpläne und Erschöpfung verdrängen die Unternehmungslust und sorgen dafür, dass die gemeinsamen Stunden auf ein Mindestmaß schrumpfen. Sollte man sich nach der intensiven Studienzeit plötzlich doch nicht mehr mögen, macht dies erstmal nichts, denn sehen tut man sich eh kaum.

Die größere Freizeit während des Studiums, welche unweigerlich auch einen Fundus an Zerstreuungsmöglichkeiten mit sich bringt, schafft es, Unstimmigkeiten gering zu halten. Jetzt wo der erste Schritt auf der Karriereleiter erklommen wurde und die freie Zeit für einen selbst kaum noch vorhanden scheint, ergeben sich neue Probleme in dieser hochqualifizierten Partnerschaft. Ehrgeizige Karrierepläne kollidieren plötzlich mit den alltäglichen Aufgaben. So kann es insbesondere in Bezug auf die häusliche Aufgabenverteilung Konflikte geben, wenn der Mann des Hauses in diesen vor allem eine weibliche Pflicht sieht. Wie eine OECD-Studie zeigte, eine gar nicht so seltene Auffassung.

Spannungen vorprogrammiert

Spannungen durch die berufliche Annerkennung des Partners sind in besonders karriereorientierten Partnerschaften auch keine Seltenheit. Meist sind es hier störende Gefühle wie Neid und Eifersucht, die das Zusammenleben strapazieren. Auch wenn Wilhelm Busch treffend formuliert: “Neid ist die aufrichtigste Form der Anerkennung”, in einer Partnerschaft ist es wohl die falsche.

Sollte nach meinen Ausführungen zu Unrecht der Eindruck entstanden sein, Partnerschaften unter Ärzten seien eintönig und schwierig, die Paare seien vor allem karriereorientiert und selbstsüchtig, möchte ich dies in Anbetracht der vielen mir bekannten glücklichen Beziehungen zwischen Medizinern vehement verneinen und verbleibe mit den Worten: Geteiltes Leid ist halbes Leid.

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Medizin, Studium

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