Pflegepraktikum – nur Drecksarbeit?

17. März 2009
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Qualvolle 90 Tage oder praktische 3 Monate? Was sind eigentlich Aspekte und Ziele des Pflegepraktikums? Mehr über den Sinn und Zweck der Verpflichtung lest ihr hier.

90 Kalendertage müssen innerhalb der Vorklinik als Pflegepraktikum absolviert werden, um schließlich zur ersten Ärztlichen Prüfung zugelassen zu werden. Für viele ist es der erste reale Patientenkontakt. Einige absolvieren einen Teil des Pflichtprogrammes eines jeden Medizinstudenten bereits vor dem Studienbeginn, andere wiederum lassen sich etwas mehr Zeit damit und beginnen die Jagd nach den Stunden erst im Laufe des Studiums. Dabei gilt es viele Dinge zu beachten, es sind etliche Formalitäten und Regeln von der organisatorischen Seite her einzuhalten. Denn: das Landesprüfungsamt ist gnadenlos.

Unangenehm gehört dazu

Viel wird von allen Seiten her über den Sinn und den Zweck diskutiert.
Von Mitstudenten oder bereits fertigen Medizinern hört man häufig, dass man, im wahrsten Sinne des Wortes, nur zur Drecksarbeit herangezogen, man könnte meinen, sogar regelrecht geknechtet wird. Pflegerinnen und Pfleger würden den angehenden Medizinern das Leben mit vollster Absicht schwer machen, da es für sie wohl die letzte Möglichkeit ist, bevor das Kräfteverhältnis später umgekehrt wird. Es werden qualvolle 90 Tage. Das mag sein.

Doch entgegen diesen Horrorgeschichten machen viele Studenten ganz andere Erfahrungen. Natürlich erlebt man die negativen Seiten des Jobs. Diese gründen allerdings in den meisten Fällen nicht auf den Personen selbst, die diesen Beruf ausüben, sondern basieren vielmehr auf den Gegebenheiten und Bedingungen der Arbeit. Die Aufgaben auf der Station sind stressig, müssen in kürzester Zeit so gut wie möglich ausgeführt werden und erfordern dabei gleichzeitiges Fingerspitzengefühl im Umgang mit Kollegen, Ärzten, Patienten und Angehörigen. In diesen Sog gerät man als Praktikant mitten hinein. Da ist es oftmals nur allzu gut verständlich, dass gewisse Dinge zu kurz kommen und der Ton manchmal etwas ruppiger wirkt.

Das Pflegepraktikum gehört zum Pflichtprogramm eines jeden Medizinstudenten und soll es auch weiterhin bleiben. In welchem Umfang, soll offen bleiben.
Es ist sehr wichtig, zumindest ein Mal die unterschiedlichen Facetten des Alltags in einer Klinik zu erleben. Und das lässt sich nun mal am besten von der Basis her erfahren. Der willige und offene Praktikant kann so verschiedene Fähigkeiten erlernen und manch wertvollen Blick für bestimmte Feinheiten bekommen.

Wie man in den Wald hineinruft, so hallt es auch zurück…

Das persönliche Erlebnis „Krankenpflegepraktikum“ ist zudem abhängig von dem eigenen Auftreten. Es sind nicht einmal besondere Fähigkeiten als Praktikant gefragt, schließlich steht man ja erst einmal am Anfang der Ausbildung. Der Ausspruch, „wie man in den Wald hineinruft, so hallt es auch zurück“, stellt die Situation schon recht gut dar, der Umgang ist wichtig.
In vielen Fällen gelingt jedoch eine gute und erfreuliche Integration in den Arbeitsalltag und in die Pflegegemeinschaft. Die Eigenschaften „Offenheit“, „Willen“, „Hilfsbereitschaft“, „Verständnis“, „Akzeptanz“ und „Freundlichkeit“ stehen hierbei ganz vorne.

In der Rolle des Praktikanten steht man da gerade an den wichtigsten Schnittstellen eines Krankenhauskollektivs. Man erlebt den Kontakt zwischen Pflegepersonal und dem Patienten, Man erfährt, wie die Kommunikation zwischen Krankenpflegern und Ärzten abläuft und wie der Umgang zwischen Angehörigen und medizinischem Personal funktioniert. Zudem kann man wichtige Informationen über weitergehende Verfahren und Prozesse bekommen, wie z.B. mit den technischen Angestellten der Klinik, den Rettungsdienstmitarbeitern, der Verwaltung und auch Ärzten außerhalb des Krankenhauses. Für den späteren Beruf als Arzt kann man jederzeit darauf zurückgreifen und durchaus davon profitieren. Es sind Eigenschaften, die man sich sonst nirgendwo holen kann. Sicherlich gibt es Bücher, Berichte, etc., aber nirgends lassen sich diese Erfahrungen besser erlernen, als in der Praxis unter realen Bedingungen.

Das Praktikum ist demnach mehr: Natürlich ist es wichtig zu wissen, wie bettlägerige Patienten gewaschen und umgelagert werden, wie man eine Infusion richtet und einen Pflegebericht schreibt, wie mit Fäkalien umgegangen und der Blutzucker bestimmt wird. Viel wertvoller neben diesen Grundkenntnissen aber sind die Erfahrungen des generellen „Lebens“ einer Klinik. Eben diese Umgänge, diese Beziehungen und Verstrickungen hautnah mitzubekommen. Selbstverständlich gehören dazu auch die Komplikationen und Leiden aller.
Das ist es, worauf es später im Berufsleben grundlegend ankommen wird.
Und das ist es vielleicht ja auch, was einen Arzt von einem guten Arzt unterscheidet.

189 Wertungen (1.96 ø)
Allgemein

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10 Kommentare:

Tanemasa Rahn
Tanemasa Rahn

Jeder der meint, er würde durch sein Pflegepraktikum eine Pflegekraft ersetzen, hat in seiner blinden Arroganz sich selbst weit überschätzt. Als frischer Assistenzarzt weiß ich die Erfahrung vieler Pflegekräfte zu schätzen, die jeden Vorkliniker in die Schranken weisen können. Allein diese Erkenntnis sollte Teil des Pflegepraktikums sein. Der Alltag ist weit von jeglichem Lehrbuchwissen entfernt und häufig durch ganz praktische Dinge bestimmt, die man nur von Pflegekräften lernen kann. Die fehlende Bezahlung mag eine Schweinerei sein, aber man ersetzt KEINE Pflegekraft… vielleicht eine Putzkraft und das auch nur, wenn man sich so arrogant darstellt, wie mancher, der sich hier schon zu Wort gemeldet hat.

#10 |
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Andreas Frings
Andreas Frings

Dass das Pflegepraktikum Teil des Studiums ist, ist gut. Muss es aber 90 Tage dauern? Begreift der angehende Mediziner nicht schon nach – sagen wir – 6 Wochen, dass Pflege harte Arbeit ist und gewürdigt werden sollte?!
Wäre es nicht cool eine Art Curriculum zu entwerfen, das man im Pflegepraktikum durchlaufen muss?
Wenn man bedenkt, dass die Famulaturen 120 Tage dauern, ist das Pflegepraktikum zu lang dimensioniert.
PS: Warum müssen eiglt. angehende Pfleger(innen) keine Famulatur machen?! ;-)

#9 |
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Student der Humanmedizin

Ihr habt recht es gehört zum Iniationsritus eines deutschen Mediziners erst geknechtet zu werden, um dann später um so besser auszuteilen. Dazu reichen 90 Tage nicht aus,
die Dauer des Pflegepraktikums muss auf 12 Monate erhöht werden. Selbstverständlich nicht ohne Bezahlung: Jeder Praktikant sollte mit ca. 200 EUR an den Kosten der Ausbildung beteiligt werden.

#8 |
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Studentin der Humanmedizin

Also ich habe 11 Jahre als Krankenschwester gearbeitet, bevor ich angefangen habe Medizin zu studieren.
Ich habe viele Pflegepraktikanten erlebt, auch in einer Zeit in der die Pflege noch nicht so anstrengend war. Ich arbeite immernoch um mein Studium zu finanzieren.
Ich muss leider zugeben, dass Praktikanten oft nichts zu lachen haben…. aber wenn ich als einzige ausgelernte Kraft mit einem Schüler und einem Praktikanten 21 Patienten versorgen muss, teilweise Pflegefälle, zu- und Abgänge…. dann habe ich (leider) keinerlei Zeit mehr irgendjemandem etwas zu erklären, jeder der greifbar ist wird aus reinem Selbstschutz eingespannt. Traurig aber war.
Allerdings muss bei uns kein Medizinstudent Nachttische putzen oder nur die üblen Dinge machen. Wenn sich einer engagiert, dann wird er auch integriert.

Ich finde das Pflegepraktikum wichtig. Nie wieder werdet ihr so intensiv Patientenkontakt haben (sofern man euch nicht als Putzhilfe missbraucht), bezahlen könnte man das schon ein bisschen (finde ich).

Wer sich vor einem echten Praktikum in der PFLEGE drücken will und wem das zuviel ist sollte lieber nicht Arzt werden.

Dass Krankenschwestern oft die Ellbogen ausfahren ist ein Problem dass in ihrem Selbstverständnis liegt. Die meisten fühlen sich immernoch als Assitenz des Arztes und damit minderwertig. Also wird auf den Studenten rumgehackt.
Ich persönlich habe mich nie ale minderwertig gesehen. Schaut man in die dritte Welt dann gibt es viele Krankenhäuser die zeitweise ohne Ärzte auskommen, aber nicht ohne Pflege.
Ohne uns gehts nicht, wir müssen miteinander arbeiten und jeder sollte in seinem Kompetenzbereich gute Arbeit leisten. Schaut man in die angloamerikanischen Staaten und die Schweiz, dann funktioniert das ja auch.

Aber ein Tipp:
Wenn ihr schlecht behandelt werdet, dann wendet euch an die PDL und verlangt auf eine andere Station versetzt zu werden. Meistens sind die Zustände nicht auf allen Stationen gleich schlecht.

#7 |
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Janine Morgenstern
Janine Morgenstern

sooo ein Gesülze in diesem Artikel…. ich glaube nach wie vor fest, dass man einfach nur billige Arbeitskraft ist. Klar sammelt man Erfahrungen im Umgang mit Patienten, insbesondere, wenn man noch am Anfang steht. Und auch ich war eine von denen, die sich mit dem Pflegepersonal gut verstanden hat.. aber wenn man zB betrachtet, dass das dreimonatige früher ein zweimonatiges Praktikum war, sieht man, was für eine Ausbeuteidee eigentlich dahinter steckt. Welche Erfahrungen soll man beim Betten machen oder Hintern abwischen denn in drei Monaten mehr machen, als in zwei? Oder welche Erfahrungen dabei soll man denn noch machen, wenn man zB ZIVi in der Pflege gemacht hat und das dennoch nicht für ein Praktikum anerkannt bekommt? Da drängt sich doch der Verdacht der Ausbeute ordentlich auf…

#6 |
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Fabian Klaiber
Fabian Klaiber

Wenn ich mir so anhöre was einige hier für Unsinn von Stapel lassen, kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Es hängt vorallem von einem selber ab, ob man beim Pflegepraktikum was lernt oder nicht. Und sei es nur, dass Pfleger/in ein verdammt harter Job ist.
Die Arroganz von vielen Medizinstudenten in der Klinik gegenüber der Pflege ist jedenfalls erschreckend. Ich bin jetzt Famulant und immer gut mit den Schwestern ausgekommen. Gegenseitiger Respekt ist einfach wichtig und denn lernt man nur im Praktikum – und viele scheinbar nicht einmal da…

#5 |
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Ärztin

Also vor allem lernt man im Praktikum, daß man als Praktikant (später auch Famulant)am untersten Ende der Nahrungskette steht. Man ist nur ein Wurm und den Pflegekräften ausgeliefert, die dann anscheinend auch mal das Gefühl haben dürfen, Macht zu haben.

“Man erlebt den Kontakt zwischen Pflegepersonal und dem Patienten, Man erfährt, wie die Kommunikation zwischen Krankenpflegern und Ärzten abläuft und wie der Umgang zwischen Angehörigen und medizinischem Personal …”

Der Umgang zwischen Personal(Arzt und Pflegepersonal) und Patient, bzw deren Angehörigen ist oft sehr rüde.Es herrschen Machtkämpfe, Ärzte und Pflegepersonal gehen oft nicht auf Sorgen und Probleme der Angehörigen ein und hören dem Patienten nicht zu. Es fehlt ja auch einfach die Zeit zuzuhören. Leider ist das an vielen Krankenhäusern der Alltag.

Der Bericht beschreibt vor allem, wie ein Praktikum aussehen sollte. Wenn es so wäre, dann gäbe es sicherlich nicht so viele kontroverse Diskussionen über das Praktikum.
Aber vielleicht sollten wir uns das alles hinter die Ohren schreiben und es später besser machen!

#4 |
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Luna Luna
Luna Luna

Leider lernt man im Pflegepraktikum nicht die Fähigkeiten der speziellen Pflege, die dem Arzt später tatsächlich bei der Arbeit vom Nutzen sind, z.B. Monitoring, Infusionen-, Injektionenrichten, Transfusionen richten, Verbandswechseln etc.

Wenn im klinischen Alltag Ärzte bei Transfusionen völlig hilflos mit dem System hantieren, kann ich bzgl. Pflegepraktikum nur den Kopf schütteln… denn 90 Tage sind lang… und wenig nützlich.

Insbesondere Mädels bekommen dann im Umgang mit älteren Schwestern den Vorgeschmack auf “später”..

#3 |
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FIrezz FIrezz
FIrezz FIrezz

Halte dein Schreiben auch für Schönschreiberei.. 30 Tage wären völlig ok, aber 90 Tage sind und bleiben Ausnutzen und das auch noch ohne Bezahlung…

#2 |
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Studentin der Humanmedizin

Ich bin immer im Wanken: einerseits sind 90 Tage unbezahltes Arbeiten ein hoher Tribut an die Klinik, andererseits sollte man manchen Studenten die Erlaubnis entziehen, Medizin zu studieren, da sie sich menschenunwürdig zeigen. Leider fehlt den PDLs die Villmacht dazu.
Der Studentenausschuss des Hartmannbundes hat übrigens einen Katalog erstellt, was im Krankenpflegepraktikum zu tun und zu lassen ist.

#1 |
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