Es kommt nicht auf die Größe an

30. März 2009
Teilen

Eben büffelte man noch fürs Physikum, schon steht sie an – die erste Famulatur. Und damit die ersten Gehversuche als Weißkittel. Was ist denn besser: eine große Uniklinik oder ein kleines Krankenhaus? Christian H. aus Heidelberg erzählt uns von seiner Famulatur auf der Inneren in Durlach.

Campus: Christian, wann und wo feiertest du Famulaturpremiere?

Christian: Das ist schon eine Weile her, und zwar im Sommer 2004 auf der Inneren des Paracelsuskrankenhauses, einer beschaulichen Klinik in Karlsruhe–Durlach. Die Abteilung war auch entsprechend übersichtlich: ein Chefarzt, drei Oberärzte, fünf oder sechs Assistenzärzte und eben meine Wenigkeit.

Campus: Und wie hat es dich dorthin verschlagen?

Christian: Ich hatte zuerst überlegt, die Famulatur in Heidelberg zu absolvieren, aber da meine Eltern im Nachbarort wohnen, hat es sich eben sehr angeboten, in Durlach zu bleiben. Außerdem hatte ich ohnehin vor, eine kleine, familiäre Klinik auszusuchen und da ich an der Uni gerade den Block der Inneren Medizin hinter mich gebracht hatte und somit recht gut vorbereitet war, bewarb ich mich einfach mal gezielt für eine Famulatur auf der Inneren. Die Antwort kam auch ganz prompt und war sehr freundlich: Ich solle doch einfach an dem und dem Termin bekittelt erscheinen. Ganz ohne Auswahlverfahren und Vorstellungsgespräch.

Campus: Was waren Deine Aufgaben als Famulant?

Christian: Ich hatte das Glück, dass ich der einzige Famulant war und dass auch seit langer Zeit kein Medizinstudent mehr zugegen gewesen war, so dass alle sehr aufgeschlossen und aufmerksam zu mir waren. Dabei war der Station gar nicht bewusst, wie praktisch so ein Famulant doch sein kann und was man ihm alles für schnöde Aufgaben aufhalsen kann. Von daher wurde ich eigentlich gar nicht als „billige Arbeitskraft“ umhergescheucht, sondern kam eher in den Genuss, mich an die Oberärzte zu hängen und viele interessante Untersuchungen zu sehen: die Visite, Ambulanzdienste, EKGs, Sonographien, Gastroskopien, Koloskopien… Später habe ich dabei auch „assistiert“, also den Schlauch gehalten oder mal Dormicum nachgespritzt. Ich durfte sogar frei Wünsche äußern, bei welcher Untersuchung ich gerne dabei wäre und ob ich lieber auf Station oder in der Ambulanz bleiben würde.
Aber natürlich hab ich auch die Stationsärzte entlastet, indem ich bei den Aufnahmen die Anamnese und körperliche Untersuchung gemacht habe und natürlich Dinge wie Blutabnehmen, Zugänge legen und Befunde auswerten.

Campus: Was ist dir am Arbeitsalltag besonders gut in Erinnerung geblieben?

Christian: Ganz toll war auf jeden Fall die herrschende Freundlichkeit, die sehr familiäre und lockere Atmosphäre im Team, die Motivation, gute Arbeit zu leisten und mir etwas beizubringen und die beeindruckende Kollegialität – die ist nicht in jeder Klinik selbstverständlich.

Campus: Hast du auch etwas zu kritisieren?

Christian: Da es ja meine erste Famulatur war, hatte ich noch keine konkreten Vorstellungen, was ich erwarte. Aber ich habe zumindest nichts vermisst. Von daher kann ich der Klinik und dem Team überhaupt keinen Vorwurf machen. Ich habe mich sehr gut aufgehoben gefühlt.

Campus: Meinst du, dass dir die Famulatur fachlich viel gebracht hat?

Christian: Ja, durchaus. Die Stations,- und Oberärzte waren sehr bemüht, mir Fertigkeiten beizubringen. Ich bekam tägliche Lernziele auferlegt, etwa mindestens drei EKG – Befunde pro Tag auswerten, mindesten drei Zugänge legen – und nicht nur die grünen, auch mal die blauen und orangefarbenen. Dadurch bin ich auf jeden Fall in die Übung gekommen. Dabei waren die Anleitungen, die ich bekommen habe, auch sehr ausführlich und verständlich. Ich wurde mit meinen Aufgaben nicht ins kalte Wasser geworfen. Alles in allem war diese Famulatur ein ganz behutsamer Einstieg in die ärztliche Tätigkeit. Eine echte Vorstellung von der tatsächlichen Klinikarbeit, wie ich sie im Moment erlebe, bringt so eine Famulatur allerdings nicht. Das kann man erst ermessen, wenn man selbst die volle Verantwortung für seine Patienten trägt. Und das ist in Deutschland während des gesamten Studiums nicht der Fall. Wäre auch nicht möglich, da die Uni einen hier im Gegensatz zu anderen Ländern hier nicht ausreichend auf echte Patienten vorbereitet. Das ist auf jeden Fall ein Manko in unserer Ausbildung, „praxisnahes“ Curriculum hin oder her.

Campus: Welchen Tipp kannst du zukünftigen Famulanten geben?

Christian: Ich kann nur empfehlen, sich schon vor der Bewerbung genau über die Klinik, die Station und ihre Abläufe zu informieren. Es ist für das Gelingen der Famulatur wichtig zu wissen, wie die Klinik funktioniert. Meine zweite Famulatur in einer kleineren Heidelberger Klinik musste ich zum Beispiel nach einer Woche abbrechen, da ich in einer Ambulanz famulierte, in der es für diesen Zeitraum aufgrund Personalmangels gar keinen Ambulanzarzt gab. So etwas lässt sich durch genaueres Nachfragen oder etwa einen Probetag sicherlich vermeiden. Das sollte eigentlich sehr unkompliziert machbar sein, einfach mal nachfragen!

Ob es ratsamer ist, seine Famulatur in einer großen Uniklinik oder in einem kleinen Krankenhaus zu absolvieren, lässt sich nicht pauschal beantworten. Für mich kann ich sagen, dass ich mich im „familiären Milieu“ wesentlich wohler fühle, auch wenn das auf Kosten von spektakulären Fällen geht. Das schließt aber nicht aus, dass manch anderen hier Langeweile plagen würde und er sich lieber ganz anonym in einer Uniklinik austobt. Wenn man unsicher ist, was einem eher liegt, ist es wohl am besten, beides mal auszuprobieren!

21 Wertungen (3.43 ø)
Allgemein

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

1 Kommentar:

Studentin der Humanmedizin

Hallo,

ich mache meine Famulatur gerade auch in einem kleinen Haus, in der Anästhesie. Auch mir gefällt das familiäre Milieu. Der Vorteil an den unspektakulären Fällen die man auch als “normal” bezeichnen könnte ist, dass man eher ärztliche Tätigkeiten selbst ausführen darf, da man ja erstmal das normale erlernen muss. So habe ich in den ersten zwei Wochen schon sehr viel gelernt, unter anderem hat mir der dortige Chef mit einer unendlichen Geduld und didaktisch einwandfrei das Intubieren solange beigebracht bis ich es alleine konnte.

Wichtig in einer Famulatur ist auf jeden Fall auch Eigeninitiative. Nur so kann man den maximalen Nutzen aus der Zeit ziehen.

#1 |
  0
Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: