4 Augen lernen mehr als 2

14. April 2009
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Lerngruppen – pure Zeitverschwendung oder gemeinsamer Nutzen? Wie funktioniert es wirklich? Hier lest ihr, wie man für sich selbst das Beste daraus nimmt und trotzdem ein echter Teamplayer bleibt.

Für viele Medizinstudenten gilt die Lerngruppe als erfolgversprechendste Vorbereitung auf eine Prüfung. Lernen in der Gruppe ist ein hoher Motivationsfaktor, es kann helfen „Durchhänger“ schneller zu überwinden und es ist sehr effektiv. Aber gerade das Lernen als Gruppe birgt einige Probleme, wie Arne Kernig zu berichten weiß: Es verging immer mehr als eine Stunde bis wir uns wirklich ans Lernen gesetzt haben. Es war einfach zu verlockend ein bisschen mit den Freunden zu klönen. Viel gebracht hat das Zusammenlernen so natürlich nicht. Um eine Gruppe von Studenten wirklich zu einer perfekt funktionierenden Einheit zu formen bedarf es einiger Spielregeln, um den Erfolg nicht zu gefährden.

Eigene Wünsche

Um mit anderen gut zusammenarbeiten zu können ist es vor allem wichtig zu wissen, was man selber möchte. Eine Gruppe die nur darauf bedacht ist, die Prüfung irgendwie zu bestehen wird nicht glücklich mit jemandem, der unbedingt eine gute oder sehr gute Note erreichen möchte. Auch sollte man sich vor Augen führen, welche Lernmethode den meisten Benefit für einen selbst bringt. Möchte man Erlerntes nur abgefragt bekommen oder möchte man den Inhalt zusammen mit der Gruppe erarbeiten?
Anhand dieser Parameter sollte man auch seine Mitstreiter aussuchen. Hierbei empfiehlt es sich nicht nur im Freundeskreis nach passenden Mitgliedern zu suchen, sondern auch über den Tellerrand hinauszuschauen.

Deine Checkliste

  • Gemeinsames Ziel: z.B. sehr gute Note
  • Bestimmte Lernmethode: nur abfragen oder wiederholen
  • Vielfalt der Teilnehmer: Erklärer, Nachfrager etc.
  • Feste Spielregeln: Termine, Themen etc.
  • Verteilung der Aufgaben: kopieren, Bücher besorgen etc.

Bunte Mischung

Am meisten profitieren die einzelnen Mitglieder einer Lerngruppe von einer bunten Mischung an Charakteren. Jemand der gut erklärt sollte genau so dazugehören, wie jemand der oftmals unbequeme Fragen stellt. Aber natürlich entscheidet über die Zusammensetzung des Teams letztendlich auch im hohen Maße die Sympathie zueinander. Ebenfalls ein wichtiger Parameter, der zum Gelingen beträgt, ist ein vergleichbares Vorwissen der Mitglieder einer Lerngruppe. So ist ausgeschlossen, dass einer immer derjenige ist, der erklären muß und sich dadurch ausgenutzt fühlt. Andererseits ist ebenfalls ausgeschlossen, dass der Schwächste die Gruppe weit zurückwirft, weil ein Thema wieder und wieder behandelt werden muss.
Eine feste Größe für eine effiziente Prüfungsgemeinschaft gibt es natürlich nicht. Bewährt haben sich aber Dreier- oder Vierergruppen. Bei mehr als fünf Teilnehmern besteht die Gefahr, dass sich innerhalb des Teams weitere Kleingruppen bilden und so eine gute Prüfungsvorbereitung gefährden.

Spielregeln

Hat sich ein Zirkel zusammen gefunden, gilt es feste Spielregeln zu vereinbaren. Wichtig sind vor allem verbindliche Termine. Fängt ein einzelner an Termine abzusagen oder zu verschieben, hat das meistens Auswirkungen auf das Durchhaltevermögen aller übrigen Mitstreiter. Optimal ist es, wenn beim Lerntreffen schon die Themen der nächsten Gruppensitzung besprochen werden. Auch ein gemeinsam erarbeiteter Lernplan sorgt für Stabilität in der Vorbereitung. Hilfreich ist es ebenfalls, wenn feste Aufgaben verteilt werden. So kann zum Beispiel jemand für das Kopieren von Mitschriften verantwortlich sein, während sich ein anderer um die Beschaffung bestimmter Bücher kümmert.

Und bei Problemen?

Aber was tun, wenn es nicht klappt? Wichtig ist hier die offene Ansprache der Angelegenheiten. Eventuell empfinden die anderen Mitglieder der Lerngruppe ebenso oder das Problem wurde in dieser Deutlichkeit noch nicht wahrgenommen. Auch das Überdenken des eigenen Verhaltens ist dabei wichtig. Eine gute Lerngruppe geht offen mit den Wünschen und Bedürfnissen seiner Mitglieder um, und versucht diese in das Gesamtbild zu integrieren. Nichts desto Trotz sollte man sich von Zeit zu Zeit kritisch fragen, ob die Lerngruppe den gewünschten Effekt hat oder, ob es zwar nette Nachmittage sind, aber der persönliche Lernerfolg dabei ausbleibt. Dann muss man seine Konsequenzen ziehen und das Team verlassen und versuchen eines zu finden, mit deren Teilnehmern eine effektivere Prüfungsvorbereitung möglich scheint.

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