Krebstherapie: Auf den Hund gekommen

14. April 2009
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US-Wissenschaftler entwickelten eine neue Strategie gegen Krebs. Sie banden Stickstoffmonoxid an Vitamin B 12 und schleusten den Wirkstoff als Trojanisches Pferd in die bösartigen Zellen von Tumoren bei Hunden. Das Resultat: Die erkrankten Tiere erholten sich zusehends.

Der zehnjährige Bichon Frisé namens Oscar entwickelte ein Adenokarzinom des Analbeutels. Diese besonders bösartige Krebsform sollte den Rüden allenfalls noch drei Monate leben lassen. Entgegen dieser Prognose war der Hund allerdings auch nach weiteren fünf Jahren am Leben – und dies bei guter Lebensqualität.

Nicht erkannte Trojaner

Der verzweifelte Besitzer hatte den Hund nicht einschläfern lassen wollen, nachdem alle Therapieversuche versagt hatten, und sich an das Taussig Cancer Institute in Cleveland gewandt. Joseph Bauer, zu diesem Zeitpunkt wissenschaftlicher Mitarbeiter am Clevelands Clinic’s Center for Hematology & Oncology Molecular Therapeutics, hatte dem Veterinär des Hundes im Rahmen einer experimentellen Studie ein nicht zugelassenes Krebsmedikament geschickt. Seither erhielten zwei weitere Hunde das Medikament Nitrosylcobalamin (NO-Cbl).

NO-Cbl arbeitet dabei wie ein Trojanisches Pferd, indem es an Vitamin B12-Rezeptoren auf Zelloberflächen bindet. Krebszellen benötigen für ihre schnelle Zellteilung besonders viel Vitamin B12 und haben deshalb sehr viele Rezeptoren für das Vitamin. Ist die Wirkung des Vitamin B12 blockiert, wird der Prozess des potenziell tödlichen Vervielfältigungsprozesses der bösartigen Zellen unterbrochen.

Der Tumor des Hundes Oscar war nach 15 Monaten der täglichen Therapie mit NO-Cbl um 43 Prozent geschrumpft. Erste Erfolge hatten sich bereits nach zwei Wochen der Behandlung gezeigt. Die zehnmonatige Therapie eines anderen todkranken Hundes mit Schilddrüsenkarzinom ließ dessen Tumor um 77 Prozent schwinden. Ein peripherer Nervenscheidentumor eines weiteren Tieres schwand nach einem Dreivierteljahr um 39 Prozent, berichtete Bauer anlässlich des nationalen Treffens der American Chemical Society in Salt Lake City. Nach eigenen Angaben ließen sich keine Nebenwirkungen beobachten. Die antineoplastische Wirksamkeit von NO-Cbl ist schön länger Gegenstand der Forschung (PLoS ONE 2007; 2(12): e1313. doi:10.1371/journal.pone.0001313).

Hunde bevorzugt

Offenbar eignen sich Hunde wesentlich besser für Wirkstoffstudien bei Krebs als Mäuse. Bei Mäusen werden Tumoren meist durch genetische Manipulation induziert. Die Hunde hingegen hatten den Krebs spontan entwickelt, wie dies auch beim Menschen der Fall ist. Hunde sind dem Menschen auch genetisch ähnlicher als Mäuse und überdies denselben Umweltbedingungen ausgesetzt. Mit experimentellen Chemotherapeutika lassen sich bei Mäusen häufig Responseraten von 80 Prozent oder mehr erzielen. Diese Erfolge sinken beim Menschen aber auf enttäuschende 10 bis 15 Prozent, erklärt Bauer.

Das Forschungsfeld scheint immerhin so viel versprechend zu sein, dass das U.S. National Cancer Institute das Comparative Oncology Program ins Leben gerufen hat, um Chemotherapeutika gezielt bei Hunden zu untersuchen. Seit 2007 gibt es zudem die erste U.S. Gewebebank für Hunde, die Gewebe- und Blutproben von Hunden mit Krebserkrankungen sammelt.

Ist der Hund gesund, freut sich der Mensch

Derzeit forscht die Studiengruppe um Bauer mit zehn krebskranken Hunden. Sie werden ein Jahr lang mit Hilfe ihres Tierarztes behandelt und beobachtet. Die Ergebnisse sollen schließlich Phase-I-Studien am Menschen den Weg bereiten. Die meisten Krebsmedikamente für Hunde und andere Hautiere wurden in den Fünfziger Jahren entwickelt, beklagen Forscher und Veterinäre. Zwischen der Krebstherapie bei Hund und Mensch bestehen also erhebliche Unterschiede. Die Studien von Bauer haben möglicherweise für beide Spezies einen Nutzen.

182 Wertungen (4.21 ø)
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3 Kommentare:

Ulrich Mähler
Ulrich Mähler

Sehr geehrte Frau Dr. Hofmann,
in Ihrem Artikel ist einmal NO-Cbl und weiter
unten CO-Cbl als Wirkstoff genannt.Kohlen-
monoxyd dürfte es Wohl nicht sein.
Mit freundlichen Grüßen U. Mähler

#3 |
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@ Marleen:

Definitiv ein klares Nein! – Dies wurde aber auch nie behauptet.

#2 |
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Brigitta Sußebach
Brigitta Sußebach

Heisst das im Umkehrschluss, dass ich als Mensch, wenn ich mir Vitamin B12 inj. zuführte eine höhere Rate habe an Krebs zu erkranken?

MfG
Marleen43

#1 |
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