Hochschulmedizin: Finanzierung auf dem Prüfstand

4. September 2013
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Der von der Deutschen Hochschulmedizin geforderte Systemzuschlag für die besonderen Aufgaben der Universitätsklinika erfährt immer mehr Zustimmung. Ein Gutachten des VUD bestärkt nun die Forderungen nach Zusatzfinanzierungen.

Mittlerweile zählen, laut Verband der Universitätsklinika (VUD), die Bundesärztekammer, die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern, die Kultusministerkonferenz, der Kanzlerarbeitskreis Hochschulmedizin sowie die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin zu den Befürwortern.

Nun mache zudem das vom VUD in Auftrag gegebene Gutachten erstmals deutlich, dass im internationalen Vergleich neben den Zuschüssen für Forschung und Lehre Zusatzfinanzierungen für die Besonderheiten der Hochschulmedizin Standard seien. „Das deutsche Fallpauschalensystem, das Universitätsklinika Krankenhaus-Einheitspreise finanziert, ist im internationalen Vergleich ein Alleingang“, so Professor Michael Albrecht, Erster Vorsitzender des VUD.

Die Studie untersucht die sehr unterschiedlichen Fallpauschalen-Systeme in den Niederlanden, Österreich, Großbritannien und den USA. Deren Ergebnis, so der VUD: Ungeachtet der deutlichen Unterschiede der jeweiligen Vergütungssysteme habe jedes Land spezifische Regelungen für seine Universitätsmedizin gefunden. „Neben Zusatzvergütungen für besondere Behandlungen gibt es in den untersuchten Ländern auch strukturbezogene Sondervergütungen, die ausschließlich die Universitätsklinika bekommen“, erklärt Professor Dr. Heyo K. Kroemer, Präsident des Medizinischen Fakultätentags.

Finanzierungssystem stößt an Grenzen

„In allen untersuchten Ländern wird politisch akzeptiert, dass Uniklinika aufgrund ihrer Sonderaufgaben Mehrkosten haben, in Deutschland wird das aber immer noch bestritten“, so Albrecht. „Die Studie zeigt, dass unsere Forderungen nach einem Systemzuschlag für die Hochschulmedizin ausreichend begründet und berechtigt sind“.

„Der Fallpauschalen-Katalog ist in Deutschland gut entwickelt, das stellen wir nicht in Frage. Das derzeitige Finanzierungssystem stößt aber an Grenzen, wenn es um die Leistungen und Kosten der Hochschulmedizin geht“, so Ralf Heyder, Generalsekretär des VUD. Der Systemzuschlag für die Hochschulmedizin solle deshalb das bestehende Finanzierungssystem ergänzen.

Nicht annähernd ausreichend

Zu den spezifischen Belastungen der Universitätsklinika zählten schwierige und komplizierte Fälle, die die Uniklinika als Maximalversorger behandelten. Die nach dem Gesetz nur für Forschung und Lehre vorgesehenen Hochschulambulanzen übernähmen immer mehr die Sicherstellung der Ambulanzversorgung in weiten Teilen Deutschlands. Die klinische Erprobung und Erstanwendung von neuen medizinischen Produkten und Verfahren erfolge zumeist in der Universitätsmedizin. Auch die ärztliche Weiterbildung, die Vorhaltekosten für eine rund um die Uhr und alle notwendigen Disziplinen umfassende Notfallversorgung sowie die Versorgung von Patienten mit seltenen Erkrankungen würden derzeit nicht annähernd ausreichend finanziert. Die vollständige Studie sowie eine kurze Zusammenfassung findet Ihr hier.

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