Sonografie: Schneller heilen, kürzer weilen

11. September 2013
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Eine frühzeitige Ultraschalluntersuchung in der Notaufnahme verkürzt die Verweildauer im Krankenhaus, wie eine neue Studie nun zeigt. Die Notfallsonografie erlaubt außerdem die schnelle Einleitung der richtigen Therapie und trägt zur Kostensenkung im Gesundheitssystem bei.

Viele Menschen suchen bei akuten Beschwerden die Notaufnahme einer Klinik auf. Nicht immer gelingt dort jedoch eine sichere Diagnose. Sie scheitert oft daran, dass bildgebende Verfahren nicht rasch genug von den diensthabenden Ärzten eingesetzt werden. Die Folge: Patienten kommen in die falsche Fachabteilung und müssen länger in der Klinik bleiben. Eine klinische Studie hat nun gezeigt, dass eine Untersuchung mit Ultraschall innerhalb der ersten 24 Stunden die Verweildauer von Notfallpatienten im Krankenhaus um mehrere Tage verkürzen kann. Wie die Mediziner um Studienleiter Andreas Schuler neulich auf einer Pressekonferenz in Berlin bekannt gaben, trägt die Notfallsonografie so auch zur Kostensenkung im Gesundheitssystem bei. „Ultraschall hilft, die Beschwerden der Patienten schnell dem richtigen Krankheitsbild zuzuordnen“, sagt Schuler, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Medizinischen Klinik an der Helfenstein-Klinik Geislingen.

Bildgebung ohne Strahlenbelastung

Mit diesem Verfahren können Mediziner zum Beispiel lebensgefährliche Blutungen im Brust- und Bauchraum, Thrombosen in großen Blutgefäßen, eine Störung der Herzfunktion sowie Gallen– oder Nierensteine als Ursache von Koliken erkennen. Ultraschall kommt ohne Strahlenbelastung aus und ist deshalb beliebig oft wiederholbar. Um die Vorteile einer schnellen Diagnose mit Hilfe von Ultraschall zu bestätigen, untersuchten Schuler und seine Kollegen an sechs Kliniken im Rahmen der prospektiven PRIMUS-Studie insgesamt 1452 Patienten, die mit unklaren Beschwerden in die Notaufnahme gekommen waren. Bei 1105 Studienteilnehmern entschieden sich die Mediziner in den ersten 24 Stunden für eine Sonografie, bei den anderen 347 erfolgte diese erst später, nachdem die Probanden in eine Fachabteilung gebracht worden waren.

Frühzeitige Ultraschalluntersuchung senkt Kosten

Allerdings bestimmte nicht der Zufall, in welche der beiden Gruppen die Patienten eingeteilt wurden, sondern der behandelnde Arzt. „Es wäre ethisch nicht vertretbar gewesen, einem Patienten mit starken Bauchschmerzen mit Verdacht auf eine Blinddarmentzündung die sofortige Ultraschalluntersuchung zu verweigern“, sagt Schuler. Obwohl so die Tendenz bestand, Patienten mit stärkeren Symptomen in die erste Gruppe einzuschließen, zeigte sich bei der Auswertung der Studie, dass die Verweildauer der Patienten in der Gruppe mit einer raschen Ultraschalluntersuchung nur rund 5,13 Tage betrug – im Gegensatz zu den Patienten der anderen Gruppe, die durchschnittlich 8,36 Tage im Krankenhaus bleiben mussten. „Das ist ein Unterschied von 3,23 Tage oder knapp 40 Prozent, der nicht nur den Patienten zugute kommt, sondern auch den Kliniken und den Krankenkassen Geld spart“, sagt Schuler. „Je früher Ultraschall gemacht wird, desto weniger ist auch andere Bildgebung nötig.“

Ultraschall ermöglicht zielgerichtete Behandlung

Nicht selten blieb den Studienteilnehmern aus der ersten Gruppe ein Krankenhausaufenthalt ganz erspart: 311 dieser Patienten konnten die Ärzte nach der gründlichen Untersuchung zur Weiterbehandlung an den Hausarzt überweisen oder nach Hause entlassen. Der Einfluss der Sonografie auf die Therapie ist in beiden Gruppen hoch: In der ersten Gruppe konnten die Ärzte bei 51,2 Prozent der Patienten dank des Ultraschalls die richtige Therapie bestimmen und bei 46,1 Prozent Differenzialdiagnosen ausschließen. In der Kontrollgruppe zeigte der Ultraschall bei 30,1 Prozent der Patienten die richtige Therapie an und bei 53,9 Prozent gelang mit seiner Hilfe der Ausschluss von Differenzialdiagnosen. „Der Ultraschall hilft dabei, dass zum Wohle der Patienten schneller eine zielgerichtete Behandlung stattfinden kann“, sagt Schuler.

Notaufnahme braucht Ärzte mit Ultraschall-Erfahrung

In der Studie wurde auch untersucht, welchen Einfluss die Qualifikation der behandelnden Ärzte in der Notaufnahme auf die Verweildauer der Patienten und die Qualität der Diagnose hat. Es zeigte sich, dass es sich positiv auswirkte, wenn Ärzte mehr als zwei Jahre klinische Erfahrung hatten und schon mehr als 200 Ultraschalluntersuchungen im jeweiligen Fachgebiet vorgenommen hatten. „Es ist zwar richtig, dass junge Assistenzärzte in der Notaufnahme Dienst tun und dort wichtige Erfahrungen sammeln, aber es braucht auch gut ausgebildete Ärzte mit entsprechender Expertise, die rund um die Uhr zur Verfügung stehen“, sagt Schuler. „Für die Patienten ist es wichtig, dass sie möglichst früh die richtige Diagnose bekommen.“ Aber auch für den Krankenhausträger, so Schuler, rechne sich die bessere personelle Ausstattung, er müsse zuerst zwar etwas mehr investieren, spare aber langfristig Geld.

Notfallmedizin als eigenständiges Fachgebiet

Andere Experten sehen das ähnlich: „Die Ergebnisse der PRIMUS-Studie sind auf jeden Fall sehr interessant und bestätigen, dass die Notfallsonografie extrem hilfreich dabei ist, um Patienten in die richtige Fachabteilung zu verlegen“, sagt Barbara Hogan, Chefärztin der Zentralen Notaufnahme an der Asklepios Klinik in Hamburg-Altona. „Allerdings benötigen wir in den Notaufnahmen nicht unbedingt mehr erfahrene Ärzte, die sich vor allem in ihrem Fachgebiet gut auskennen, sondern speziell ausgebildete Ärzte, die die gesamte Notfallmedizin abdecken.“ In den meisten Ländern Europas, so Hogan, seien Fachärzte für Notfallmedizin mittlerweile Standard, nur in Deutschland wehren sich die etablierten Fachgesellschaften seit langer Zeit massiv dagegen. Hogan: „Erst seit einigen Jahren hat auch bei uns ein Umdenken eingesetzt, so dass im Rahmen der gerade stattfindenden Novellierung der (Muster-)Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer vermutlich auch die notwendige Qualifizierung in der Notfallmedizin berücksichtigt wird.“ Es bleibe abzuwarten, ob hierbei der Empfehlung der European Union
of Medical Specialists (U.E.M.S.), einer europaweit einheitlichen Ausbildungszeit von fünf Jahren zum Facharzt für Notfallmedizin, entsprochen werde.

48 Wertungen (4.54 ø)

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8 Kommentare:

Nichts Neues. Etwas einseitig dargestellt- 95% der Behandlungen erfolgen übrigens durch Niedergelassene Ärzte. Die haben meist auch US Geräte. Aber jetzt staunen Sie mal: wer stellt diese Geräte zur Verfügung für die Praxen? Fällt doch nicht etwa vom Himmel? Tun Sie sich und den threadteilnehmern doch einen großen Gefallen: Gehen Sie der Frage nach 1. Wieviel kostt ein modernes US Gerät mit verschiedenen Sonden, 2. Welche Standards sind dabei zu erfüllen- wer trägt dafür die Kosten, 3. Wie wird eine US Untersuchung durch die GKV vergütet und Letztlich 4. Wie lange braucht es, damit ein solches Gerät abgezahlt werden kann und repariert und erneuert..? Habe ich also richtig verstanden, modernste risiko und strahlenarme, kostengünstige, schnelle und sichere Diagnostik ist erforderlich- wer ist dann dafür? Wer ist dafür zuständig, die Kosten zu übernehmen? Die GKV sagen Sie? naja, ziehen Sie doch mal Erkundigungen ein…
MfG

#8 |
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Martin Geibel
Martin Geibel

Der deutsche Erfindungsreichtum an Zusatzbezeichnungen und jede andere “Titelitis” löst das Problem nicht. Ich wurde vor Jahrzehnten aus Personalnot heraus an einer deutschen Uniklinik im 2. internist. Weiterbildungsjahr in eine Ambulanzkabine gesetzt und war zunächst heillos überfordert ! Zum Glück gab es in unmittelbarer Nachbarschaft auf 2 Intensivstationen erfahrene Altassistenten, die mehr sehr geholfen haben. Heute habe ich selbst die Sonographie- Erfahrung, die mich für derartige Einsätze qualifiziert. Wichtig bleibt, dass die Kenntnisse tradiert werden, die/der Schallerfahrene sollte also stets eine/n Nachwuchskraft an seiner Seite haben, was innerhalb weniger Wochen zu einem enormen Wissenszuwachs führen kann. Die dünne Personaldecke ist dabei allerdings an deutschen Akutkrankenhäusern immer noch das Hauptproblem. Aber nur so kommen wir weiter und ersparen vielen Patienten/innen eine “Verlegungsodyssee !!

#7 |
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Dr. med. Siawasch loghmanieh
Dr. med. Siawasch loghmanieh

Zu rumgeeiere kommt es nur bei mangelnder erfahrung bzw.Übung mit dem us-gerät. …

#6 |
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Nichtmedizinische Berufe

Wirklich lustig, wieso man immer wieder mit Statistik beweisen möchte, was eh klar ist.

#5 |
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Weitere medizinische Berufe

Wie verhält sich bei einem Ultraschall am Herzen??

#4 |
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Irene Stoller
Irene Stoller

Besser gleich CT als das rumgeiere mit Ultraschall

#3 |
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Gast
Gast

Genau das ist der massive Widerstand von dem Dr. Hogan im Artikel ja spricht. Die etablierten Fachgesellschaften haben Angst, Einflussmöglichkeiten abzugeben. Das ist bei allen Veränderungsprozessen so. Aber auch die Chirurgen und Internisten werden schnell merken, dass ein breit ausgebildeter Notfallmediziner in der Notaufnahme genau die medizinischen Leitungen anbieten kann, die die multimorbiden und oft nicht schwer erkrankten Patienten in der Notaufnahme benötigen. Wir haben dadurch eine Entlastung für die chirurgischen und internistischen Spezialisten sowie eine breit aufgestellte Notfallversorgung für die Patienten. Eigentlich eine Gewinn für beide Seiten, nur müssen sich die etablierten Gesellschaften dafür etwas bewegen.
Sehr informativ hierzu auch: http://www.youtube.com/watch?v=2NGRcdCremQ

#2 |
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Gast
Gast

Etwas Aufklärendes zum Thema “Facharzt für Notfallmedizin”:

BDC (Berufsverband der Deutschen Chirurgen), DGCH und DIVI warnen dringend vor der Einführung des neuen Berufsbildes “Facharzt für Notfallmedizin” in den Rettungsstellen. Wegen Mangels an Fachmedizinern in deutschen Kliniken , fordert die DGINA genau dies. Doch was zunächst verlockend klingt, ist in Wirklichkeit eine Mogelpackung. Während derzeit in deutschen Notaufnahmen voll ausgebildete Chirurgen, Internisten, Neurologen, Kinderärzte und Gynäkologen sowie andere Fachgruppen zusammen arbeiten, würde es in Zukunft nur noch den Facharzt für Notfallmedizin geben, der nur Bruchteile des Wissens der einzelnen Fachgebiete erlernt.

“Das wäre ein qualitativer Rückschritt und eine Gefahr für die Patienten”, sagt Frau Prof. Julia Seifert. Die Vizepräsidentin des BDC arbeitet selbst als leitende Oberärztin in einer der größten Unfallkliniken Europas, dem ukb: “Deutschland nimmt bei der Versorgung von Unfallopfern, Herzinfarkt- oder Schlaganfallpatienten eine Spitzenposition in Europa ein. Das liegt u.a. daran, dass wir Strukturen wie Traumanetzwerke, Stroke units und Herzkatheterplätze geschaffen haben und dass wir dafür spezialisierte Mediziner aller Fachgruppen in der Rettungsstelle vorhalten und den ärztlichen Nachwuchs gezielt ausbilden können. Die einzelnen Fachmediziner können später eine zusätzliche Qualifikation, die Zusatzbezeichnung “Notfallmedizin”, erlangen.”

Prof. Dr. Dr. Hans-Joachim Meyer, Generalsekretär der DGCH, mahnt: “In der Notfallmedizin steht das übergreifende Arbeiten aller Fächer im Vordergrund.” Prof. Dr. André Gries, Sprecher der DIVI-Sektion “Interdisziplinäre Notaufnahme” und Ärztlicher Leiter der Zentralen Notaufnahme am Uniklinikum Leipzig: “Was wir brauchen, ist eine zweijährige Zusatzweiterbildung ´Notfallmedizin´ für den leitenden Arzt jeder zentralen Notaufnahme.”

Einige andere europäische Länder haben wegen fehlendem Geld und Fachpersonal den Facharzt Notfallmedizin etabliert. Diese Länder, z.B. Rumänien, Bulgarien, Ungarn und Großbritannien haben ein weniger leistungsstarkes Gesundheitssystem. Auch die Rettungsmedizin hängt dort hinterher, weshalb sich viele Deutsche im Akutfall nach Hause fliegen lassen. Im letzten Jahr wurden allein vom ADAC 14.100 Urlauber zurücktransportiert.

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