Aus für Kittel-Ferkel

21. April 2009
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Na, mal wieder die Händedesinfektion vergessen? Das könnte bald der Vergangenheit angehören, wenn die Erfindung einiger US-amerikanischer Krankenhaushygieniker Schule macht. Die wollen nämlich die Händehygiene von Ärzten und Pflegepersonal per Funkchip verbessern.

Den Satz kennt jeder Medizinstudent: Die wichtigste Infektionsquelle in Krankenhaus oder Arztpraxis sind die Hände des Personals. Immer wieder zeigen Untersuchungen, dass es um die Händehygiene in vielen medizinischen Einrichtungen nicht optimal bestellt ist. Desinfektion vor jedem Patientenkontakt, das wird in der Hektik des Alltags nicht immer beherzigt.

Desinfektions-Compliance 75 Prozent. Tendenz fallend.

Das Problem war offenbar auch den Krankenhaushygienikern der University of Iowa bewusst. Doch statt fleißig Kontrollgänge zu machen oder Mitarbeiterschulungen zu organisieren, besann sich das Team um den Arzt Philip Polgreen auf die Möglichkeiten der modernen Informations- und Kommunikationstechnik. Wie das? Nun, sämtliche Desinfektionsmittelspender auf einer Teststation wurden mit Funktechnik ausgestattet. Desgleichen erhielten alle Mitarbeiter kleine „Badges“, die ebenfalls funken konnten. Wenn nun ein Arzt oder eine Schwester ein Patientenzimmer betritt, wird das vom System registriert. Ebenfalls registriert wird, ob und wenn ja wie oft der Betreffende während seines Aufenthalts im Patientenzimmer den Desinfektionsmittelspender bedient. Aufgezeichnet werden dabei unter anderem Zeitpunkt und Dauer des Spendergebrauchs, das Datum sowie eine ID-Nummer der jeweiligen Desinfektionsmittelquelle. Dass das Ganze auch kontrolliert werden kann, liegt auf der Hand. In einem hypothetischen Krankenhaus, das sein Personal einrichtungsweit auf diese Weise überwacht, hätte der Hygieneexperte demnach Zugriff auf eine Datenbank, die ihm genau sagt, welcher Mitarbeiter es mit der Händedesinfektion wie genau nimmt, bei welchem Patienten geschludert wurde und wohin die Keime, so denn welche an der Hand waren, als nächstes getragen wurden.

Die Installation geht auch ohne IT-Berater

Das aus technischer Sicht interessante an dem Projekt aus Iowa ist die Art der Funktechnik, die zum Einsatz kam. Die Amerikaner benutzten keine RFID-Technik, wie sie teilweise für die Überwachung von Babies auf Neugeborenenstationen angewandt wird, sondern ZigBee-Technik, eine Alternative dazu. „Das System braucht keinerlei Netzwerk, sondern zeichnet alle Daten dezentral in den Badges auf“, betont der zuständige Computerwissenschaftler Ted Herman. „Die Daten des Badges können dann so oft wie nötig herunter geladen werden. Es müssen keine Daten manuell eingegeben werden“, so Herman. Der entscheidende Vorteil von ZigBee gegenüber RFID-basierten Verfahren bestehe darin, dass es bei der Installation wesentlich billiger sei und im Betrieb sehr viel weniger Strom fresse. „Diese neue Technologie ist tatsächlich eine sehr praktische Methode, um die Compliance beim Händewaschen zu ermitteln. Das System kann innerhalb von Minuten auf und wieder abgebaut werden“, betont Polgreen. IT-Experten braucht es dazu nicht. Dass das System auch hinreichend zuverlässig ist, konnten die Krankenhausepidemiologen aus Iowa in einer Studie nachweisen, bei der ermittelt wurde, wie viele der Patienten- und Desinfektionsmittelkontakte korrekt protokolliert wurden. Es zeigte sich, dass 90 Prozent der Badge-Träger korrekt identifiziert werden konnten, wenn sie 30 Sekunden im Patientenzimmer verbrachten. Waren sie eine Minute oder länger im Zimmer, stieg die Quote auf 100 Prozent.

The sky is the limit…

So richtig spannend wird die neue Variante der Telemedizin „made in Iowa“, wenn man das Szenario ein wenig weiterspinnt. Denn wer etwas mehr Geld in die Hand nehmen möchte, könnte seine Desinfektionsmittelstationen natürlich auch noch mit Lautsprechern aufrüsten. Stellen Sie sich vor, Ihre Sterilium-Flasche fängt lauthals an zu protestieren, wenn Sie sie nach 30 Sekunden Aufenthalt im Patientenzimmer noch immer keines Blickes gewürdigt haben. Vorstellbar wäre auch eine kleine Wasserpistole, die nach sagen wir 60 Sekunden eine Prise Desinfektionsmittel in jene Richtung spritzt, aus der sie die Signale des Badges empfängt. Der PJ-Student der Zukunft trägt dann für seinen Chef keine Kurven mehr durch die Gegend, sondern – einen Regenschirm.

84 Wertungen (3.83 ø)
Allgemein

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15 Kommentare:

Dr. med. Erwin Weiblen
Dr. med. Erwin Weiblen

Warum hat DocCheck zwar diverse Links gesetzt, aber keine nachlesbare Quelle genannt?

Ein Link ist gesetzt auf den Arzt Philip Polgreen von der University of Iowa. Dort gibt es wiederum einen Link auf sämtliche von Pubmed erfassten Veröffentlichungen von Herrn Polgreen. Darunter ist aber keine, die sich dem genannten Thema widmen würde.

Angesichts der Datenfülle, die von diesen Badges erzeugt werden, müsste man eigentlich prüfen können, welche Maßnahmen tatsächlich zu einem Rückgang von Infektionsraten führen. Warum wurde das nicht gemacht? Ist es vielleicht ziemlich einfach, Angestellte zu schikanieren, aber ziemlich schwierig, die Rate von Krankenhausinfektionen tatsächlich messbar weiter zu senken?

Wie seriös sind die DocCheck-News?

#15 |
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Kein Wunder , dass Semmelweis wahnsinnig wurde angesichts der Ignoranz seiner Intravenisten und Gynäkologen ….

#14 |
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Beate Panek
Beate Panek

@ Herrn Graetzel:
Interessant- woher kommt die Quelle für diesen Bericht?

#13 |
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Dipl. KT P.M. Berchid
Dipl. KT P.M. Berchid

gut geschrieben- aber der inhalt ist erschreckend!
wie “dr.faust” schon geschrieben: george orwell lässt grüßen !

#12 |
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Herr Bernd Leskopf
Herr Bernd Leskopf

Ich war einmal in einenm Krankenhaus in dem der Zugang einer elektrischen Tür zum Op-Bereich mit der Bedienung eineDesinfektionsspenders verknüpft war. Darunter stand ein Eimer, weil viele die in den Bereich gingen nur auf den Spender hauten um die Tür zu öffnen. Ist das sinnvoll?

#11 |
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als langjähriger Krankenhaushygieniker zweifle ich dennoch an dem erhofften Erfolge, Effektiv hat sich nach m.M. der regelmäßige Handschuhwechsel zwischen den einzelnen Kontakten mit den Pt. erwiesen, Bewußtseins-schulung läßt sich nicht durch Überwachung deser Art ersetzen, zumal, solange nicht, wie die Herren und Damen mit den Visitenkitteln dann auch zum gemeinsamen Essen in die Kantine gehen.

#10 |
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Dr. med. Volker Steckelbroeck
Dr. med. Volker Steckelbroeck

Die Freiheit stirbt immer da, wo die Überwachung und Kontrolle anfängt. Wer will das? Ja, zugegeben, manche Politiker – große Koalition, Herr Schäuble, Herr Lauterbach usw. – finden das gut. Aber der Einzelne? Wie war das mit George Orwell, welche Angst hatten wir davor? Und jetzt laufen wir so Stück für Stück genau da hin. Genau so ist es auch mit der e-card. Ich meine, wir alle sollten aufstehen und laut nein!!! rufen. Händedesinfektion lernt man auch durch vernünftige Schulung.

#9 |
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Kristien Huughe
Kristien Huughe

Das arme Personal tut mir jetzt schon leid.
Die bekommen die ganze Ekzeme wie die Friseure
mit dem Chemie.
Sowas ist nur sinnvol bei Menschen wo absolute
immunschwäche ist, und die sollten am besten im Quarantaine, anstatt im ganzen Krankenhaus Nosokom. zu zuchten.

#8 |
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Kristien Huughe
Kristien Huughe

Wie war es wieder? Woher kommen denn immer diese Nosokomiale Erreger???
… von schon ZU VIEL DESINFEKTIONSBENUTZUNG:::
Wolle noch ein wenig MEHR NOSO?

#7 |
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Gesche Röhreke
Gesche Röhreke

Die Grundidee finde ich nicht schlecht, allerdings, denke ich, würde mit dieser Methode auch zuviel Schindluder betrieben. Kann mich da auch J.Meister absolut anschließen. Endrsultat: Entlassungen wegeen unefektiver Arbeit!

#6 |
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Altenpflegerin

Ich finde das eine gute Sache.

#5 |
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Dr. med. Britta Fordran
Dr. med. Britta Fordran

Bei Händedesinfektion vor jedem Patientenkontakt und 80-100 Pat./d in der Praxis – Wie lange dauert es bis zum Handekzem, wann wird es chronisch, wann kommt dadurch AU?
Die Antwort wissen vielleicht die multiresistenten Keime…

#4 |
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Maximilian Micka
Maximilian Micka

Was wollen die denn noch kontrollieren?
Wieviel Klopapier verbraucht wird?
“In der Hektik des Altages”… Wie wäre es denn zum Beispiel damit erst einmal die Hektik zu reduzieren?
Am besten hält sich das Personal ganz von den Patienten fern, dann kann es auch keine Keime verschleppen, oder?
Hygiene im Patientenzimmer besteht nicht nur aus dem Gebrauch von Desinfektionsmittelspendern!
Mit dieser Maßnahme will man nur sein Personal überwachen, ausbooten und in die Falle locken. Kündigungsgrund: “Sie stehen ja ständig nur am Desinfektionsmittelspender….”
Laßt uns doch mal bitte in Ruhe und vernünftig arbeiten.

#3 |
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Dr. med. Elena Blank
Dr. med. Elena Blank

Oversized! Zu viel Kontrolle ist auch nicht das wahre.
Da ich grad Pj Studentin bin, kann ich mir das bildlich vorstellen mit dem Regenschirm…Herrlich…verrückt!

#2 |
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Gesundheits- und Krankenpfleger

Schön …im ersten moment, aber der zweite gedanke wäre dann : was können wir damit alles Messen ? Der komplette Dienst wäre überwachbar und es sind szenarien denkbar in welchen das Pesonal auf seine efektive zeiteinteilung überwachbar wäre und sich im endeffekt rechtfertige muß warum bei wem wielange um dann noch mehr Personal von den Stationen abzuordern oder zu entlassen. Wie gesagt der zweite Gedanke ….

#1 |
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