Creditpoints für’s Frausein

23. April 2009
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Bei den Themen Frauenförderung und Gleichberechtigung denken die meisten immer noch an Kinderbetreuung am Arbeitsplatz oder Beistand im Arbeitsrecht. Dass aktiv praktizierte Frauenförderung nicht nur ein Schmiermittel im Lebenslauf sein kann, zeigt die RWTH Aachen mit dem Programm TANDEMmed.

Im Aachener Modellstudiengang Medizin ist für den erfolgreichen Abschluss die regelmäßige Teilnahme an wahlpflichtigen Qualifikationsprofilen obligatorisch. Luft- und Raumfahrtmedizin, Biochemie, Arbeitsmedizin, Ethik und viele andere Disziplinen aus den Randbereichen der Medizin können und sollen belegt werden. Dies ist nicht neu, sondern seit Einführung des reformierten Studienganges an mindestens einem Tag in der Semesterwoche integraler Bestandteil der neuen medizinischen Ausbildung.

Frauenförderung ist auch nicht neu. Schon seit mehreren Jahren gibt es an vielen medizinischen Lehrstühlen in Deutschland spezielle Kurse für junge Medizinerinnen, künftige Heilberuflerinnen oder Forscherinnen, die gezielt auf die künftigen Aufgaben in der Berufswelt ausgerichtet sind. Kompetenzentwicklung, Führungstraining und Networking sind nur einige Bereiche, in denen die Frauenförderer am Uniklinikum in Aachen seit 2008 versuchen, die Studentinnen ab dem 7. Fachsemester weiter zu qualifizieren.

Jetzt der Clou: Frauenförderung lohnt sich für die Teilnehmerinnen nun doppelt, denn mit der 2. Runde des Programms im Jahr 2009 werden belegte Veranstaltungen des Programms TANDEMmed mit Creditpoints dotiert. Die Studentinnen können also nicht nur aktiv an ihrer eigenen Karriere schleifen, sondern verdienen sich auch zeitgleich die nötigen Punkte, um den Bereich der Wahlpflicht in Aachen zu erfüllen.

Zwar ist TANDEMmed kein eigener Bereich der Qualifikationsprofile, da die Punkte den Profilen „Medizin und Ethik (Arzt-Patient-Gesellschaft)“ und „Neue Medien, Kommunikation und Didaktik“ zu gleichen Teilen zugeordnet werden, aber es gibt immerhin insgesamt acht Credits dafür – mehr als die Hälfte der fünfzehn zu holenden Punkte innerhalb des Studiums. Sogar sechs Termine individuelles Mentoring wird den jungen Frauen innerhalb des zweisemestrigen Programms angeboten, außerdem stehen Themenabende und Networking-Treffen im Curriculum.

Die Vergabe der begrenzten Plätze erfolgt nicht wie sonst üblich durch ein Losverfahren. Die Initiatoren um Dr. Henrike Wolf erwarten ein Motivationsschreiben mit eigenen Zielvorstellungen, einen standardisierten Bewerbungsbogen, einen tabellarischen Lebenslauf und die Teilnahme an einem Auswahlgespräch.

Und auch nach dem Studium kann die Förderung fortgeführt werden, dann allerdings ohne die Bonuspunkte. Für die Karriereförderung von Frauen, die bereits promoviert haben und am Universitätsklinikum Aachen arbeiten, steht das Programm TANDEMplusMED zur Verfügung. Dieses Angebot besteht seit 2006 und betreut nach eigenen Angaben mittlerweile 11 Nachwuchswissenschaftlerinnen mehrerer Fachrichtungen in der Medizin bei der Planung und Durchführung ihrer Karriere – mit einem klaren Ziel vor Augen: Mehr Habilitandinnen und habilitierte Wissenschaftlerinnen zur Professorin zu machen. Langfristig soll der Anteil von Frauen in Führungspositionen erhöht werden.

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