Holi-Husten: Bunter Auswurf

13. September 2013
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Holi-Partys - der neue Farbenrausch aus Indien - haben Deutschland längst im Griff. Tausende Feierfreudige bewerfen sich mit Farbpulver – ein Riesenspaß! „Doch wie gefährlich ist der Farbrausch eigentlich?“, fragte ein Leser an. DocCheck hat für Sie recherchiert und getestet.

Holi-Partys sind angesagt, friedlich und richtig bunt. Zu meist festgelegten Zeitpunkten werfen alle Partygäste gleichzeitig bunt gefärbten Puder – Gulal – in die Luft oder bemalen sich damit. Das farbenfrohe Fest ist eigentlich in Indien beheimatet. Dort zählt „Holi“, das Fest der Farben, zu den wichtigsten Feierlichkeiten des Landes. Mit der bunten Farbenpracht begrüßen die Inder einerseits den Frühling, aber auch den Sieg des Guten über das Böse nach dem hinduistischen Glauben. Beim Holi-Fest sind alle Menschen gleich – egal ob jung oder alt, arm oder reich, denn die bunten Farben lassen die Unterschiede zwischen Kasten, Religion oder Herkunft verschwimmen.

Nach kurzer Zeit weit verbreitet

Kürzlich schwappte die Farbwelle auch nach Deutschland. Im Juli des letzten Jahres versammelten sich zahlreiche Menschen in Berlin zum ersten „Holi Festival Of Colours“, der wohl größten Veranstaltung dieser Art in Europa. Es folgten weitere Partys in Dresden, Hannover und München. Der Veranstalter spricht von insgesamt 25.000 Partygästen. 2013 kann man sich bereits in 14 deutschen Städten bei einem „Holi Festival of Colors“ dem Farbrausch hingeben, und auch zahlreiche kleinere Farbenpartys erfreuten sich wachsender Beliebtheit. „Kulturelle Vielfalt, Freude, gegenseitiger Respekt und Toleranz machen das Holi-Fest jedes Jahr unvergesslich“, kann man auf der Webseite eines Veranstalters lesen.

Staubexplosionen und Atemwegsbeschwerden?

Doch auch negative Schlagzeilen blieben trotz der erst seit kurzem veranstalteten Farbenpartys nicht aus. Das Mikrokonfetti oder Gulal könne Haut- und Augenreizungen, sowie Atemwegsbeschwerden auslösen. Eine für Mai 2013 in Offenbach geplante Holi-Party musste abgesagt werden, nachdem das hessische Landeslabor potentiell krebserregende Stoffe, darunter das Oxalat Malachitgrün, im Farbpulver entdeckt hatte. Auch mögliche Staubexplosionen, die dann auftreten, wenn das aufgewirbelte Pulver auf eine Flamme trifft, werden immer wieder im Zusammenhang mit Holi-Farben diskutiert.

Wie gefährlich sind Holi-Farben wirklich?

Für das bunte Farbpulver gibt es vom deutschen oder europäischen Gesetzgeber bisher keine Regelungen. Der Dipl. Chemiker Dr. Martin Müller, der das von der Hirams Trade GmbH europaweit vertriebene Holipulver testete, stufte das bunte Pulver daher als „sonstige Bedarfsgegenstände“ entsprechend §2 des Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuches ein. In seinem Gutachten bestätigte er, was der Betreiber der entsprechenden Webseite Holipulver.de DocCheck bereits telefonisch versprach: Die vom ihm angebotenen Holi-Farbpulver bestehen ausschließlich aus zugelassenen Lebensmitteln oder Lebensmittelzusatzstoffen, nämlich aus dem Trägerstoff Maisstärke, dem Trennmittel Siliciumdioxid (E551), dem Konservierungsmittel Schwefeldioxid (E220), Speisesalz und Wasser.

Keine Explosionsgefahr

Auch die Explosionsfähigkeit des Farbpulvers wurde geprüft. Dazu werden verschiedene Staubkonzentrationen innerhalb der 20 Liter umfassenden Kugel aufgewirbelt und einem Zünder der Energie 2 kJ ausgesetzt. Wenn dabei ein Überdruck von 0,2 bar erreicht wird, gilt die Substanz als staubexplosionsfähig. Bei sämtlichen getesteten Konzentrationen konnten die Prüfer keinen Überdruck messen. Das Farbpulver, zumindest jenes von holipulver.de, gilt also als nicht staubexplosionsfähig.

Nur für Allergiker und Asthmatiker problematisch

Auch die Farbstoffe in den getesteten Pulvern scheinen unbedenklich zu sein. Bei allen Produkten handelt es sich um wasserlösliche Lebensmittelfarben, die in der EU „zur Färbung von kosmetischen Mitteln“ zugelassen sind. Bei empfindlichen Personen können diese Stoffe allerdings – auch wenn dem Vertreiber Holipulver.de bisher keinerlei Fälle bekannt sind – allergische Reaktionen auf der Haut und in den Atemwegen hervorrufen. Daher ziert die Farbbeutel folgender Warnhinweis: „Nicht bei asthmatischen oder anderen allergischen Vorerkrankungen benutzen. Kann Augenreizungen bei Kontaktlinsenträgern hervorrufen. Es wird empfohlen, beim Einsatz einen Augen-/Mundschutz zu tragen.”

Besser keine originalen indischen Farben

Alexander Gomer, Sales Manager der MachDichBunt GmbH, erklärte DocCheck, dass die gesundheitliche Unbedenklichkeit der Farben an erster Stelle stehe: „Wir achten auf die Löslichkeit der Stoffe in der Lunge sowie unserer Haut und Umwelt. Außerdem gewährleisten wir einen geringen Feinstaubanteil durch unser Produktionsverfahren. Die Höchstmengen der zulässigen Lebensmittel-Farbstoffe und Lebensmittel-Zusatzstoffe werden dabei nicht überschritten.“ Vor originalen indischen Farben warnt er jedoch. „Die Indischen Holi-Farben bestehen meistens aus allergenhaltigem Maismehl oder Mineralstoffen, die gar nicht oder nur schlecht aus der menschlichen Lunge löslich sind.“ Auch eine Explosionssicherheit sei nicht immer gegeben, so Gomer. Grundsätzlich wisse man nie so genau, was in diesen Farbpulvern alles verarbeitet werde, wie auch das hessische Landeslabor im Mai feststellen musste. Ob sie die Zertifizierung der gewünschten Farben für eine Holi-Party anerkennt, entscheidet jede zuständige Kommune selbst.

Dauerhafte Haarcoloration

In den letzten Tagen wurde in den Medien immer wieder von einem europäisch anmutenden Problem im Zusammenhang mit Holi-Farben berichtet: Blonde Frauen klagten über eine dauerhaft rosafarbene oder anderweitig colorierte  Haarpracht nach einer Holi-Party. Backpulver, Waschmittel, Peroxid, alles vergebens! Für diese Art von Nebenwirkung scheint es bisher noch kein wirksames Gegenmittel zu geben.

Und was sagt der DocCheck Holi-Party-Tester Paddy Gsell?

holiAm 31. August mischte sich auch unser „Holi-Party-Tester“ Paddy Gsell – 35 Jahre, braunhaarig, ohne Allergien – unter etwa 4.000 weitere farbenhungrige Partygänger zur „HoliGaudy“ auf der Heilbronner Theresienwiese. Seine Erfahrungen: „Mit dem Pulver verhält es sich meines Erachtens wie mit gewöhnlichem Weizenmehl oder Staub. Zuviel davon in Augen, Ohren, Lunge oder auf Haut und Haare kann zu Nebenwirkungen führen. Bekommt man das Pulver also direkt in die Augen, brennt es natürlich. Aber das Brennen lässt auch schnell wieder nach. Vergleichbar mit Schweiß, der in die Augen gelangt. Vereinzelt kam es bei Besuchern zu roten Augen – hier gehe ich davon aus, dass es nicht nur vom Pulver kam – und zu Hautirritationen und Juckreiz.“ Doch unser Mann vor Ort war natürlich vorbereitet: „Ich habe mit Schutzbrille, Mundschutz und Gel in den Haaren versucht, den unangenehmen Begleiterscheinungen des Gulal vorzubeugen. Das hat funktioniert. Meine Ausrüstung schützte mich vor roten Augen, Atembeschwerden, nachhaltig verfärbten Haaren, Juckreiz und sonstigen Begleiterscheinungen.“ Und nach einer gründlichen Dusche war unser Holi-Partytester wieder sauber. Auch aus der Kleidung ließen sich die Farben durch einen Waschgang problemlos entfernen.

Selbst das Smartphone unseres Testers hat die Party unbeschadet überstanden: „Einmal mit einem feuchten Lappen drüber, dann war es wieder wie neu!“ so Paddy Gsell. Sein Fazit: „Die meisten Besucher hatten weder Brille noch Mundschutz und sind unbeschadet nach Hause gekommen. Wer sich und seinen Körper in Bezug auf ein staubiges Umfeld einschätzen kann, der weiß auch, ob er besser mit oder ohne Schutzkleidung auf ein Holifest gehen sollte. Nötig ist sie meines Erachtens nicht, aber sicherlich angenehm.“

188 Wertungen (3.48 ø)

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6 Kommentare:

Wenn den Leuten nichts mehr einfällt, kommen sie auf solchen Blödsinn!
Das ist und kann gesundheilich nicht ohne Folgen bleiben, daran ändern auch
die angeblichen Unbedenklichkeitsuntersuchungen nichts!
Staub ist immer eine Belastungssituation für die Lunge!

#6 |
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HP Claudia Sobottka-Lewin
HP Claudia Sobottka-Lewin

Schade, daß ein, in diesem Sommer gerade unter Jugendlichen, so wichtiges Thema hier so unwissenschaftlich diskutiert wird. Für mich wird hier totale Verharmlosung betrieben.
Nehmen wir bloß den in der Maisstärke enthaltenen Zusatzstoff E551, Siliciumdioxid: sprich aus Quarzsand hergestellt, wie #1 schon schreibt – keine Aussage zur Partikelgröße – kann vom Körper nicht verwertet werden, wird bei oraler Aufnahme unverändert ausgeschieden, bedeutet?? (verbleibt in der Lunge??), fällt unter “Mineralische Stäube”; hier sagt z.B. die TRGS 559:”…für alveolengängigen Quarzstaub am Arbeitsplatz kann nach dem derzeitigen Stand der wissenschaftlichen Kenntnisse nicht ausgeschlossen werden, dass noch ein
Krebsrisiko besteht.”
So weit zu einem Bestandteil, bleiben da ja noch weitere.
Ich hoffe, dass Frau Schmitzer Ihren verharmlosenden Artikel nochmal unter den richtigen Gesichtspunkten beleuchtet (Vielleicht mal Chemiker oder Arbeitsmediziner befragen?)
Artikelbewertung: Für ein medizinisches Portal völlig unzureichend.

#5 |
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Norbert Manteuffel
Norbert Manteuffel

Käse

#4 |
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Biologe

Gleiche Meinung wie meine Vorredner, Schwachsinn in Potenz.
Ist das ein tolles Partygefühl in Schutzbrille und Mundschutz?
Müssen wir jeden Götzendienst hier nachmachen?
Hoffentlich bleiben die Blondinen lange rosa, sozusagen als abschreckende Warnung für die Männerwelt.

Grüße Kittler

#3 |
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Gast
Gast

Welch ein Schwachsinn!

#2 |
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Michael Riediger
Michael Riediger

Ein wesentlicher Punkt, auf den der Artikel überhaupt nicht eingeht, ist die Partikelgröße der Farbpulver. Diese bewirkt nämlich, wie tief die Farbstoffe in die Atemwege eindringen. Dass keine potentiell toxischen oder kanzerogenen Inhaltsstoffe enthalten sind, sagt NICHTS über mögliche pathogene Wirkungen aus!

Interessieren würde mich noch, woher ihr “Party-Tester” Paddy Gsell denn weiß, dass auch alle Partybesucher “gesund nach Hause” gekommen sind? Hat er jeden einzelnen nach Hause begleitet? Oder basiert diese Aussage in Wirklichkeit darauf, dass er die Farbenschmeisserei SUBJEKTIV als ungefährlich betrachtet?

Fazit: Dieser Artikel ist mir 1 von 5 Punkten wert, einzig und alleine daher, weil auf einen Modetrend jüngerer Erwachsener hingewiesen wird, der möglicherweise noch medizinische Folgen haben kann. Einen sonstigen Wert kann ich – gerade in Zeiten der Evidence Based Medicine – hier nicht erkennen.

Bewertung des Artikels: 1/5

#1 |
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