Heile, heile Ringelblümchen

29. April 2009
Teilen

Krebspatienten sollen in puncto Nebenwirkungen einer Chemo- oder Strahlentherapie von der Homöopathie profitieren. Das ergab eine Studienanalyse der renommierten Cochrane Collaboration. Die geprüften Wirkstoffe allerdings waren nicht ausnahmslos verdünnt, die Studien klein und ihre Qualität meist gering.

Viele Krebspatienten lassen sich begleitend zur konservativen Therapie homöopathisch behandeln, um Auswirkungen der Chemo- oder Strahlentherapie zu mildern. Belege für die Wirksamkeit begleitender homöopathischer Behandlungen blieben Studien bislang allerdings schuldig.

Cochrane belegt Wirksamkeit

Dass homöopathische Arzneimittel Nebenwirkungen aggressiver Krebstherapien mildern bzw. vor diesen schützen können, ist das Ergebnis einer aktuellen Analyse der Cochrane Collaboration (Cochrane Database of Systematic Reviews 2009, Issue 2. Art. No.: CD004845) In einem systematischen Review analysierten Sosie Kassab vom Royal London Homeopathic Hospital und Mitarbeiter acht Studien mit 664 Teilnehmern. Alle Studien waren randomisiert und kontrolliert, sieben davon gegen Plazebo, eine gegen eine andere aktive Behandlung. Drei Studien untersuchten Nebenwirkungen der Strahlentherapie, drei Nebenwirkungen der Chemotherapie und zwei weitere postmenopausale Symptome nach Brustkrebstherapie.

Das Ergebnis überrascht Kritiker der Homöopathie wohl kaum: Vier Studien konnten keine Wirkung, zwei Studien nicht sicher eine Effekt belegen. Doch gab es zwei Untersuchungen mit geringem Biasrisiko, also qualitativ hochwertige Studien. Diese belegten positive Ergebnisse einer Lokaltherapie mit Calendulasalbe und einer Mundspülung mit Traumeel S. In der einen Studie französischer Forscher mit 254 Patienten schützte eine Salbe mit Calendula besser vor Strahlendermatitis als eine Salbe mit Trolamin, die sonst üblicherweise bei dieser Indikation eingesetzt wird. In der anderen Studie mit allerdings nur 32 Patienten erwies sich eine Mundspülung mit Traumeel S, einer Mischung aus homöopathischen Bestandteilen wie Belladonna, Arnika, Johanniskraut und Echinacea, bei Stomatitis nach Chemotherapie wirksamer als Plazebo.

Kritiker: „Natur der Homöopathie bleibt nicht belegt“

Nicht nur die Studienautoren selbst räumen ein, dass die vorliegenden Studien zu wenige sind, die Anzahl der Patienten klein, die Qualität meist gering. Edzard Ernst, Professor für Komplementärmedizin an der Peninsula Medical School stellt die Evidenz der Ergebnisse grundsätzlich in Frage und sieht die verschiedensten Probleme. Erstens fehlten unanhängige Wiederholungen von Tests vollkommen. Diese wären jedoch nötig, bevor eine der Behandlungen in die Routineversorgung übernommen werden könnte. Eine Bestätigung der Ergebnisse durch andere Forschungsarbeiten wünschen sich die Studienautoren allerdings selbst. Zweitens sei die Hautsalbe nur sehr fraglich als homöopathisch zu bezeichnen, da der Wirkstoff unverdünnt angewendet worden sei. Dass unverdünnte Heilmittel wirken, bezweifle ja eigentlich kein Mensch. Zusätzliches Problem ist laut Ernst, dass qualitativ hochwertige Studien kaum zu finden sind.

Immerhin, keine der untersuchten Studien wiesen Unverträglichkeiten oder Nebenwirkungen der „homöopathischen“ Anwendungen aus. Das wiederum ist zwar für Patienten schön, könnte aber dennoch zumindest Homöopathen ein wenig verwundern. Bleiben Fragen offen, die der Klärung homöopathischer Begriffe dienlich wären. Ist die Potenzierung eines Wirkstoffs in der Homöopathie nicht unabdingbar? Warum ließ sich bei keinem Patienten eine so genannte Erstverschlimmerung feststellen, die ja nicht selten vorkommen soll und nach der Theorie einem homöopathischen Ursache-Wirkungsprinzip folgt. Gibt es die bei den untersuchten äußerlichen Anwendungen gar nicht? Welche Wirkung ist möglicherweise den verwendeten Hilfsstoffen der untersuchten Cremes zuzuschreiben?

Bei den vielen Ungereimtheiten wird es für viele schwierig, in den Ergebnissen der vorgelegten Studien Belege für die Wirksamkeit der Homöopathie zu erkennen. Die Ergebnisse ändern nichts an den Diskussionen und Streitgesprächen um die Wirkungen der Homöopathie, heizen diese wahrscheinlich eher erneut an.

124 Wertungen (2.83 ø)
Medizin

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

30 Kommentare:

Ines Ade
Ines Ade

Ja, wir hätten kein so großes Bedürfnis nach Homöopathen, wenn die Mediziner tatsächlich so gut heilen würden.

#30 |
  0

Herr Prof. E. Ernst hat wenig (keine) Ahnung und läßt sich diese in Exeter/Plymouth bei der “Studentenverbildung” gut honorieren. Insofern sind diese “Kollegen” gefährlich, weil sie versuchen den medizinischen Nachwuchs auf die biologischen Gifte einzuschwören;- auf das es den Pharmariesen zu jeder Zeit (kapitalistische Krisen etc.) richtig gut geht.
Mit der Dummheit und den Ängsten der Menschen machen die Lehrmediziner mindenstens soviel Profit wie Homöopathen und andere komplimentär arbeitenden Kollegen.

#29 |
  0
Ulrike Kukuk
Ulrike Kukuk

Vielleicht sollte sich die Autorin besser über Homöopathie informieren. Erstverschlimmerungen sollte es bei der richtigen Potenz eigentlich gar nicht geben. Bei sehr niedrigen Potenzen, wie D6, bei o.g.Mitteln kommen so gut wie keine Verschlimmerungen vor. Erst bei sehr hohen Potenzen ab C 30 kann es Verschlimmerunen geben und bei Mißbrauch können Arzneimittelsymptome entstehen.
Die richtige “klassische Homöopathie” kann sehr wohl Nebenwirkungen bei Krebstherapien lindern.

#28 |
  0
Manuela Weidner
Manuela Weidner

man muß sich wirklich wundern, es gibt keine Artikel, die so fleissig kommentiert werden, wie Diskussionen um Schulmedizin/Homöopathie. Es ist ja fast so, als würde man in ein Wespennest stechen. Dabei vermisse ich ein bißchen mehr Sachlichkeit.
Ich stimme Kommentar 38 zu: am wichtigsten ist, wie sich der Patient fühlt….

#27 |
  0
Wolfgang Wieries
Wolfgang Wieries

Ja, da erkennt man mal wieder die völlige Verblendung der Schulmedizin im altem Glanz.
Zu entnehmen ist, das Pisa nun wohl auch schon im Studiengang Medizin Einzug gehalten hat.
Nur wenn¿s den überheblichen Doktoren dann selbst einmal ans Leder geht, sind sie die Ersten die sich heimlich einen guten Naturmediziner bzw. Homöopathen suchen. Schämt euch! Ich als Patient erkenne hier ausschließlich Futterneid und Dummschwätzerei! Das Vertrauen in die Schulmedizin ( Handlanger der Pharmamaffia) schwindet meiner Meinung nach zu Recht.

#26 |
  0
Karin Hönig
Karin Hönig

@Dr. Brändle
Shame!!!!! Diese Äußerung ist keine Basis für eine vernünftige, sinnvolle Diskussion. Es gibt sicherlich anderen Foren, die sich auf diesem Niveau verständigen. Hier sind Sie fehl am Platze.

#25 |
  1
Rainer Ecker
Rainer Ecker

Noch abschließend…..denen die hier eine wahrhaftige Schlammschlacht veranstalten ist wohl auch nicht mehr zu helfen. Es bleibt nur zu hoffen, dass sie guten Wissens und Gewissens ihre künftigen Patienten behandeln werden. Wirklich schade wie kriegerisch miteinander umgegangen wird….mir reichts jetzt wirklich … und ich wende mich doch lieber konstruktiveren Themen zu.

#24 |
  0
Heilpraktikerin

Mein Vater ist gerade im 7.Zyklus einer FOLFOX4-Chemo und ich gebe im begleitend Homöopathika. Er sagt, dass er sich subjektiv recht gut fühle und im Vergleich zu anderen Patienten in derselben Praxis meint er, dass es ihm erheblich besser gehe.

Es ist mir ehrlich gesagt egal, ob es sich wissenschaftlich bestätigen lässt, oder ob es nur ein Placebo-Effekt ist – so lange er sagt, er fühle sich gut, halte ich die begleitende Behandlung für sinnvoll. (Seine Blutwerte sind übrigens auch immer noch komplett im guten Normbereich – ob es Zufall ist oder Placebo oder die homöopathische Behandlung ist mir in diesem Fall auch ziemlich gleich. Der einzige, der zählt ist der Patient und sein Befinden.)

#23 |
  0

Wo ist das Problem, liebe Leute? Wenn den zahlreichen Pflanzenonkeln und -tanten hier die kritische Berichterstattung nicht schmeckt, können sie doch einfach ihr Abo canceln und in Zukunft nur noch ihre Pendel-Bachblüten-Kügelchen-Hokuspokus-Blättchen lesen.

#22 |
  1
Rainer Ecker
Rainer Ecker

Lest doch alle einmal Artikel Nr. 26 von unserem Kollegen Herrn Diedler! Aus seiner jahrzehntelanger Erfahrung als Heilkundler spricht Weisheit, Verständnis und Toleranz! Dies sind Tugenden die wir brauchen um Menschen zu helfen heil zu werden!

#21 |
  0
Ines Ade
Ines Ade

zu Dr.Dralle: wenn die Mediziner tatsächlich so gut heilen würden…dann bräuchte man auch keine Homöopahten!

#20 |
  0
Naturwissenschaftlerin

Auweia, jetzt wirds auch noch spirituell.

#19 |
  0
Naturwissenschaftlerin

Ich kann Frau Lauffer nur zustimmen. Das hat mit objektivem Journalismus nichts zu tun.

#18 |
  0
Silke Lauffer
Silke Lauffer

Zuerst lernen, erfahren, dann urteilen. Die Studienmacher und der Artikelschreiber haben nichts der gleichen getan! Hat weder mit Homöopathie noch mit Studie etwas zu tun! Völliger Quatsch, der nur dazu dient Vorurteile zu schüren und Leute zu verdummen!

#17 |
  0
Thorsten Kapitzki-Nagler
Thorsten Kapitzki-Nagler

Nimmt man die Homöopathie in ihren Aussagen ernst, so läßt sich ihre Wirkung nur an den klinischen Endpunkten festmachen. Warum lassen wir nicht die Patienten entscheiden? Die Homöopathie sagt, was sie behandlen kann und was nicht. Die Krankenversicherungen bieten einen Homöopathie-Tarif an, der für die genannten Beschwerdebilder eine schulmedizinische Behandlung ausschließt. Dann wird sich rasch die Spreu vom Weizen trennen.

#16 |
  0
Naturwissenschaftlerin

Aha, man ist mal wieder dabei einen Rundumschlag gegen die Homöopathie zu machen.

#15 |
  0
Mark Deutschmann
Mark Deutschmann

Wer findet denn Autobahnen deswegen doof nur weil Hitler sie bauen ließ? Der Nazi-Vergleich ist lächerlich und absolut dümmlich…

#14 |
  0
Dr. Christian Brändle
Dr. Christian Brändle

Glücklich die Staaten wo diese auch von den Nazis
hochgeschätzte “Medizin”(R.Hess u.a.)nicht zum
Standartrepertoire der Ärzteschaft gehört.
In den Mülleimer der Geschichte gehört Sie
und sonst nirgendwo hin.
Stellt euch gegen die “H” Koll/innen!
Habt Mut!

#13 |
  0
Claudia Zielke
Claudia Zielke

Für Schulmediziner ist Homöopathie nicht bewiesen.
Komisch,daß Hahnemann so viele mit Erfolg anwenden.Ist das nicht Studie genug?!

#12 |
  0
Helma Borowski
Helma Borowski

Wie schon bemerkt ist die Calendulasalbe, wenn sie nicht aus der Urtinktur selbst bereitet wurde, kein homöopathisches Heilmittel, aber trotzdem gewaltig in ihrer Heilwirkung.
Traumeel S ist ebenfalls kein homöopathisches Einzelmittel, sondern ein Komplexmittel und zudem aus dem Bereich der Homotoxinheilweise und deshalb auch keine “Erstverschlimmerung” wie bei den klassischen homö. Einzelmitteln möglich.
Trotzdem auch ein geniales Mittel.
Somit hat meiner Ansicht nach der gesamte Artikel nichts mit der allgemeinen klassischen Homöopathie zu tun.

#11 |
  0
Kristien Huughe
Kristien Huughe

Diese Artikel ist echt der Witz!!!
Wenn mann zwischen Homöopathie und Phythotherapei keinen Unterschied kennt…….
und das sollen denn wissenschaftlichen Studien sein??? HAHAHA

#10 |
  0
Kristien Huughe
Kristien Huughe

Kleine Fehler eingeschlichen…die Katz und der Hund usw. braucht nicht daran zu “glauben” damit es wirkt!

#9 |
  1
Kristien Huughe
Kristien Huughe

Ist doch KLAR was dieser Artikel sagen will!
Es dient auf jedenfall die Pharmakaindustrie!!!
Die homöophathische Mittel helfen auch sehr gut bei Hund, Katze, Pferde usw. Bis jetzt hab ich noch nicht davsollen damit es heilt. Das Beweis liegt bei den Verbrauchern (und das sind nicht wenige!)

#8 |
  1

Wenn nach der Chemotherapie das Haupthaar endlich wieder wächst und auch bei keimender Hoffnung auf endgültige Genesung die kleinen und großen Gelenke besonders nach längerer Ruhe schmerzen,sich die Gelenkbeschwerden beim Wiederbewegen aber jedesmal langsam bessern, dann sollte man rhus toxicodendron D6 oder D12 ruhig “mal ausprobieren” und dann möglicherweise anfangen, über die Homöopathie nachzudenken.

#7 |
  0
Frau Monika Schreck
Frau Monika Schreck

Was wurde in der Studie eingesetzt und in welcher Potenz? Sie können von einer “schulmedizinischen” Anwendung von Phytotherapeutika oder Komplexmitteln keine individuelle hom. Reaktion (Erstverschlimmerung) erwarten – den Homöopath, der sich da wundert, den würde ich gerne kennenlernen ;-))

#6 |
  0
Tobias Kuhnert
Tobias Kuhnert

Das ist ja auch der Sinn einer Chemotherapie… Sie soll einiges zerstören.
Inzwischen gibt es auch von der Schulmedizin aus neue therapeutische Ansätze. microRNAs sind nur ein beispiel.

#5 |
  0
Heilpraktiker

Während in Ländern wie Indien und Brasilien die Homöopathie seit Jahrzehnten integraler Bestandteil der Medizin ist, wird hier immer wieder die Diskussion um irgendwelche Studien angeheizt. Solange Studien für allopathische Medikamente in diesem Land von höchst subjektiven pharmazeutischen Unternehmen erstellt und dann für Zulassungsverfahren verwendet werden können, sollte eine derartige Polemik nicht mit einer “wissenschaftlichen” Betrachtungsweise verwechselt werden.

#4 |
  0
Dr. Udo Kind
Dr. Udo Kind

Eine Ringelblumensalbenanwendung gehört wohl eher zur Phytotherapie als zur Homöopathie.

#3 |
  0
Eleonore Bölts
Eleonore Bölts

wie kann man für solche studien nur geld ausgeben? es ist klar, wenn man mit der homöopathie arbeitet, das bei chemopatienten keine oder nur ganz geringe wirkungen erzielt werden, weil die chemo keine reaktionen zuläßt. wie kann man calendulasalbe zu den homöopathischen mitteln zählen?

#2 |
  0
Heilpraktikerin Renate Britz
Heilpraktikerin Renate Britz

Was soll ein solcher Artikel, der so gut wie nichts aussagt?

#1 |
  0
Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: