Ejaculatio spray-cox

29. April 2009
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Harte Erektion ist das eine, schnelle Erschlaffung das andere. Zu den sexuellen Problemen des Mannes gehört auch die vorzeitige Ejakulation. Doch Hilfe naht: Neben der Viagra-Packung könnte demnächst eine unscheinbare Sprühdose im Apothekenregal stehen: mit Betäubungsmittel.

Das Problem scheint nicht so selten zu sein: Der vorzeitige Samenerguss des Mannes, im Branchen-Slang Ejaculatio praecox genannt, kann eine Partnerschaft unter Umständen erheblich belasten. Die Definitionen sind ziemlich vielfältig, wie unter anderem ein Blick in die Wikipedia verrät. Ein gemeinsamer Nenner ist, dass dann von einer Ejaculatio praecox gesprochen wird, wenn der Ejakulationsverlauf vom Manne als unkontrollierbar empfunden wird und bei der Partnerin entsprechen wenig Befriedigung auslöst. Es gibt auch eine quantitative Definition: EP ist wenn die Zeitdauer zwischen der Einführung des Penis in die Vagina und der Ejakulation regelmäßig unter zwei Minuten liegt. Andere zählen sogar die Beckenbewegungen bis zur Ejakulation: nicht unter sieben, lautet hier die Vorschrift der Schulmedizin.

Urologen erfinden neuartiges Genital-Deo

Wie dem auch sei, die EP existiert, und wenn sie ausgeprägt ist, will sie auch therapiert werden. Bisher lief das überwiegend mechanisch: Bei der Squeeze-Technik wird da Glied manuell zusammengedrückt, um eine Ejakulation hinaus zu zögern. Alternativ kann die Start-Stopp-Methode angewandt werden. Die ist selbsterklärend. Britischen Urologen vom Royal Victoria Hospital in Belfast war das alles nicht genug. Sie haben sich nach anderen Optionen für die betroffenen Männer umgesehen. Und sie wurden bei einer Spraydose fündig, die das Unternehmen Plethora Solutions aus London produziert. Das Produkt könnte aber auch von jedem anderen hergestellt werden. Denn was es enthält, ist wenig aufregend: In der Dose sind die seit Jahrzehnten im Einsatz befindlichen Lokalanästhetika Lidocain und Prilocain im Verhältnis drei zu eins. Die Idee ist ziemlich naheliegend: Wer Probleme mit dem Geschlechtsverkehr hat, weil sein Glied oder er selbst übererregbar ist, der sprüht im Fall der Fälle einfach ein Lokalanästhetikum auf den Penis. Weil die Ejakulation physiologisch gesehen nichts anders ist als ein sensorisch-motorischer Reflexbogen mit einem „Point of no return“, sollte sich die Sache kontrollieren lassen, wenn die sensorische Komponente dieses Reflexbogens durch eine Lokalanästhesie lahmgelegt wird. Wo kein Gefühl, da kein Effekt. Oder so ähnlich.

Sieben mal länger Sex!

Im British Journal of Urology haben die Urologen um Wallace Dinsmore jetzt von einer ersten Studie berichtet, die sie mit dem neuartigen Konzept gemacht haben. Die Sache hatte Hand und Fuß: Es handelte sich um eine randomisiert-kontrollierte Studie mit 300 Männern, die an insgesamt 31 Zentren in unterschiedlichen europäischen Ländern in Behandlung waren. Sie mussten in stabilen, monogamen Verhältnissen leben und zeitlebens eine EP-Problematik gehabt haben. Die Männer konnten zudem nur dann an der Studie teilnehmen, wenn sie innerhalb einer vierwöchigen Startphase bei mindestens zwei von drei Sex-Episoden weniger als eine Minute nach Einführung des Glieds in die Vagina einen Orgasmus hatten. Das Behandlungsschema sah dann so aus, dass die Männer fünf Minuten vor dem Geschlechtsverkehr insgesamt dreimal ihr Glied besprühen mussten. Pro Sprühstoß werden dabei 7,5 mg Lidocain und 2,5 mg Prilocain appliziert. Ein Drittel der Männer erhielt ein Placebospray.

Der Effekt war relativ beachtlich. Zu Beginn „kamen“ die Studienteilnehmer im Mittel 0,6 Minuten nach Einführung des Penis in die Vagina. Dieser Zeitraum war nach Applikation der Lokalanästhetika mit 3,8 Minuten doch deutlich länger. Und der Effekt war signifikant ausgeprägter als in der Placebogruppe, wo die Zeit bis zur Ejakulation nach Sprühtherapie bei 1,1 Minuten lag. Interessant ist die deutliche Spannbreite: In der Verumgruppe brauchten die Männer 0,3 bis 57,8 (!) Minuten bis zum Orgasmus. In der Placebogruppe waren es null bis 15 Minuten. Der Vergleich mit Placebo ist bei dieser Therapie noch wichtiger als sonst. Denn man könnte zumindest auf die Idee kommen, dass allein das Sprühprozedere vor dem eigentlichen Akt – wie soll man sagen – abtörnend wirkt. Das war offensichtlich nicht in ausgeprägtem Maße der Fall. Wofür auch die Reaktionen der Studienteilnehmer sprechen: Zwei von dreien beurteilten die Therapie als gut oder exzellent. Systemische Nebenwirkungen traten keine auf. Die üblichen lokalen UAW von topischen Anästhetika gab es natürlich auch beim Spray.

168 Wertungen (3.29 ø)
Medizin

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24 Kommentare:

Die Behandlung der ejakulatio praecox mit einem Lokalanästhetikum ist kein Novum und dem Urologen bekannt.Ich behandele meine diesbezüglichen Patienten schon seit vielen Jahren mit Instillagel, einem Lidocaingel,das bei allen urethralen diagnostischen und therapeutischen Eingriffen beim Urologen zur Anwendung kommt.Es hat den Vorteil gegenüber einem Spray,daß die einmalige Anwendung 10 bis 15 Minuten vor dem GV genügt.

#24 |
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Ulrike Havlik
Ulrike Havlik

Was man da so liest könnte man durchaus für ein tolles Produkt der Käuflichen Liebe bezeichnen, Mann hat mehr davon, Frau muß nichts spüren (aber immer mit Kondom)eigentlich perfeckt

#23 |
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Kai Ulrich Bösch
Kai Ulrich Bösch

ein Rennen ist ein Rennen,
aber das Rennen hinauszuzögern macht doch auch Spaß…

#22 |
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Heike Rachor
Heike Rachor

Man kann auch einfach sagen: Erster!!!
Dann ist es nicht so peinlich und die Frau kann versuchen mitzuhalten :-))

#21 |
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Männer und Frauenfeindlicher Schwachsinn, mit Kookain auf die Schleimhäute geht das auch meint R. Robbins in seimem Roman Die Play boys , irgendwo war auch nuiveau aber wo ???

#20 |
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Ja betaeubung hat aber nachteil.Die Partnerin wird auch betaeubt und klagt dass sie nichts spuehrt!!

#19 |
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Karin Donner
Karin Donner

Ich findes schon heavy, dass der Artikelschreiber kein Wort darüber verliert, was das Spray in der Vagina der Frau “macht”. Zum Sex gehören doch immer noch zwei ? Oder ist die Frau nur “Mittel zum Zweck” ?????

#18 |
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Student

hermi hat Recht – die Idee ist übrigens keineswegs neu.
Die Praktik, den Koitus mit Lokalanästhetika zu verlängern, ist z.B. im arabischen Kulturjreis seit Jahrzehnten allgemein üblich.

#17 |
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Michael Müller
Michael Müller

Finde es nur merkwürdig, daß hier immer nur von Partner und Partnerin die Rede ist. Es gibt ja durchaus auch Männer, die beim Verkehr mit einem Mann das gleiche Problem haben.

#16 |
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Dr. med. Silvia Gümpel
Dr. med. Silvia Gümpel

@Faktix: Priligy (Dapoxetin) ist kein Spray. Das ist ein vollkommen neuer Wirkstoff, der nur bei Bedarf eingenommen wird. Da wird nichts taub!

#15 |
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Eine uralte Geschichte ! In jedem SexShop gibts Lokalanästhetika zu diesem Zweck. Vor Jahren schon habe ich auch in einer medizin. Fachzeitschrift die Empfehlung eines lokalanästhetischen Gels (EMLA) gelesen – und sogar ausprobiert ! Problem: die Dosierung.Mit etwas Pech fühlt sich der Penis völlig gefühllos an – wie eingeschlafen ! Und meine Frau war völlig entsetzt ! Kann den Kommentatoren 1-5,8, 11 und 12 also nur zustimmen.

#14 |
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Sandro Maier
Sandro Maier

Das ist doch eine spannende sache. Nicht jeder will z.B. aus Scham zum Arzt rennen und eine Pille einwerfen! Gibt es dieses Spray schon in Deutschland und kann Mann das so in der Apotheke kaufen?

#13 |
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Heilpraktikerin

Gähn,
Das Problem das dahintersteckt wird nicht angeguckt, ich will mit einem eingesprühten Penis nix zu tun haben

#12 |
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Dr. Andreas Kockskämper
Dr. Andreas Kockskämper

als Betroffener kann ich sagen , dass es mir doch sehr geholfen hat die EP zu kontrollieren und der Partnerin einen längeren Akt “bieten”, auch wenn die eigene Lust unter der LA etwas leidet , aber es geht nicht so peinlich schnell .

#11 |
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Zahnarzt

Damit haben wir Zahnmedizinstudenten schon in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts herumexperimentiert. Aber außer Steherqualitäten bringt es nichts. Die Lust bleibt auf der Strecke.

#10 |
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Dr. med. Silvia Gümpel
Dr. med. Silvia Gümpel

Die EP ist tatsächlich häufiger anzutreffen als man denkt. In Deutschland ist jetzt ganz aktuell das erste und einzige Arzneimittel gegen EP zugelassen worden (Priligy). Es wurde kürzlich auf dem Urologen-Kongress in Stockholm vorgestellt, mit sensationellen Daten.

#9 |
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Dr. Laura Rangel
Dr. Laura Rangel

Wieder so ein Artikel…. Immer häufiger habe ich den Eindruck, dass ich die Artikel, die hier gezeigt werden, zu dem “BILD” Zeitung besser passen würden.

#8 |
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Dr. med. Ulrich Köhl
Dr. med. Ulrich Köhl

gähn, EMLA tut seit Jahren das gleiche

#7 |
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Die Übertragung der anästhetischen Wirkung auf die Frau dürfte durch kurzes Einwirken (1-3 Minuten) und anschließendes Abspülen des Sprays keine Probleme bereiten.

#6 |
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Respekt! Eine Erektion über 57 minuten mit einem gefühllosen Penis. Man muss dies wohl eher sportlich sehen, denn mit Lust hat das wohl kaum etwas zu tun.

#5 |
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Naturwissenschaftlerin

Wie schon geschrieben, ist das alles andere als neu. Enttäuschend, das hier als bahnbrechende neue Erkenntnis zu verkaufen.
Was mich aber mal noch interessieren würde, sind die Auswirkungen auf die Frau. Bei den Kondomen ist ja nur der Mann betroffen, aber bei einem Spray würde das ja bedeuten, dass die Vagina auch gefühlsunempfindlicher gemacht wird. Damit ist doch aber auch niemanden geholfen.

#4 |
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Dr. Martin Kauer
Dr. Martin Kauer

Und außerdem:
eine wichtige “Nebenwirkung” wurde unterschlagen!
Beim Akt mit “blanker Waffe” stellt sich durch die Übertragung des Anesthetikums auf die erogenen Vaginazonen möglicherweise auch dort eine Orgasmusverzögerung ein, was dann wiederum zu “Schwierigkeiten” führen könnte!

#3 |
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Dr. Martin Kauer
Dr. Martin Kauer

Dto!
Es gab dergleichen Untersuchungen bereits vor ca. 15 Jahren an der Uni Istanbul. Habe leider keine Quelle mehr.

#2 |
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Timm Schmitt
Timm Schmitt

Das sind aber doch nicht wirklich neue und überraschende Ergebnisse, oder? Schließlich gibt es Kondome mit Lidocain (oder ähnlichem) schon seit langem…

#1 |
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