Akute Cholezystitis: OP forcieren?

3. September 2013
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Gleich operieren oder doch noch abwarten? Patienten, die an einer akuten Gallenblasen-Entzündung leiden, sollten umgehend operiert werden. Eine spätere Operation nach mehrwöchiger Behandlung mit Antibiotika hat keine Vorteile, so zumindest die Ergebnisse einer aktuellen Studie.

Nach einer Operation innerhalb von 24 Stunden, so die Studie, haben die Patienten weniger Komplikationen, sind früher wieder fit und können das Krankenhaus schneller verlassen. „Mit dieser Studie konnte eine langjährige Kontroverse endlich wissenschaftlich gelöst werden“, erklärt Professor Dr. Markus W. Büchler, Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg. Die ACDC-Studie ist jetzt in der amerikanischen Fachzeitschrift „Annals of Surgery“ veröffentlicht worden.

Wichtigste Risikofaktoren für eine akute Entzündung der Gallenblase sind Gallensteine und ein höheres Lebensalter. Unbehandelt kann die Entzündung der Gallenblase (Cholezystitis) zur Ruptur und zu schweren Infektionen in den benachbarten Organen und im Bauchraum führen. Die Gallenblase wird heute in der Regel ohne großen Bauchschnitt minimal-invasiv mit der „Schlüsselloch-Chirurgie“ entfernt; unklar war bislang, wann der beste Zeitpunkt für diesen Eingriff ist.

Weniger Komplikationen und Beschwerden

Die ACDC-Studie („Acute Cholecystitis—early laparoscopic surgery versus antibiotic therapy and Delayed elective Cholecystectomy“) wurde an mehreren Zentren in Deutschland gemeinsam von Chirurgen und Internisten durchgeführt. Sie ist die erste klinische Studie, die beide Therapieansätze – frühe und verzögerte Operation – prospektiv bei zwei großen Gruppen, jeweils rund 300 Patienten, nach zufälliger Gruppenzuteilung untersucht hat.

Die Therapieergebnisse wurden 75 Tage nach der Operation analysiert: Bei einer frühzeitigen Operation gab es signifikant weniger Beschwerden und Komplikationen (11,8 Prozent) als bei dem zunächst konservativen Vorgehen (34,4 Prozent). Auch aus ökonomischen Gesichtspunkten spricht vieles für eine frühzeitige Entfernung der Gallenblase: Die unverzüglich operierten Patienten blieben im Durchschnitt nur 5,4 Tage in der Klinik, im Gegensatz zu den später operierten Patienten, bei denen der Aufenthalt im Durchschnitt 10 Tage betrug. Dies schlug sich in den deutlich niedrigeren Krankenhauskosten nieder (2.919 Euro / 4.262 Euro). Das Fazit der Autoren der ACDC-Studie: „Aufgrund dieser Ergebnisse glauben wir, dass die sofortige minimal-invasive Entfernung der Gallenblase die Therapie der Wahl für die akute Cholezystitis bei allen operablen Patienten werden sollte.“

Originalpublikation:

Acute Cholecystitis – Early Versus Delayed Cholecyytectomy, A Multicenter Randomised Trial
Markus W. Buechler et al: Annals of Surgery, doi: 10.1097/SLA.0b013e3182a1599b; 2013

23 Wertungen (4.7 ø)

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3 Kommentare:

Schön zu hören bzw- lesen! Wir “alte Hasen” (danke an Kollegen Humberg und Bayerl) haben das schon immer gewusst – aus Erfahrung – was bei “evidence based”-ler natürlich nicht zählt.
Jetzt ist es auch e.b.
Es wird trotzdem die konservativ Tätigen nicht davon abhalten, Patienten zur konservativen Therapie “zu behalten”.
Warum?
Es ist doch klar: es gibt auch in den medizinischen Abteilungen “Kennzahlen”, “Zielvereinbarungen” etc.
Und mit jedem , früh und effekiv operiertem Patient – ein weniger in der Medizin.
Auch daran sieht man, wie krank unser System ist.
Evidence based hin oder her – es gelten weiterhin die handfeste wirtschaftliche Interessen – statt Interesse des Patienten.
Aber das war einmal – Hippokrates , sein Eid, unser dazu.
Ganz abgesehen vom Patienten, der/die mittlerweile bloss als Zweck für oligophrenen Metaanalysen dient.

#3 |
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Seit 20 Jahren ist das jetzt vorgestellte wissenschaftliche Ergebnis aus Heidelberg bekannt und erneut bestätigt worden. Eine akute Cholecystititis wird auch nach längerer Antibiotikatherapie nicht entzündungsfrei.

#2 |
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eigentlich war das immer klar, ebenso klar wie die Elektiv-Operation der Cholecystolithiasis, für die es nun mal keine Spontanheilung gibt.
Es fehlt lediglich die Bereitschaft der “konservativen Fächer” zur erforderlichen Kooperation.

Chirurgisch – minimal invasiv – ist es wesentlich schwieriger eine wirklich alte vergammelte stark umgebungsverwachsene Gallenblase zu entfernen,
als eine frisch entzündete.

mfG

#1 |
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