Der i-Doktor

14. Mai 2009
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Das iPhone wächst und gedeiht – gerade auch in der Medizin. Seit Neuestem gibt’s im Apple App Store ein von der FDA zugelassenes Tool für die Schwangerenbetreuung. Und der trendbewusste Kardiologe holt sich längst das EKG auf den iPhone-Schirm.

Zwar hat die Telekom mit der Einführung des iPhone 3G die Monatsgebühren für die iPhone-Maxi-Flatrate auf ziemlich happige 119,95 € erhöht. Es soll aber trotzdem noch genug Zeitgenossen geben, die sich davon nicht abhalten lassen – oder die das iPhone clever in andere Verträge umlenken. Für Ärzte lohnt sich das jetzt immer mehr. Denn mal abgesehen von dem ganz erheblichen Coolness-Faktor im nicht-medizinischen Alltag taugt das iPhone zunehmend mehr zum Einsatz im Job. Wer also seinen Chefarzt beeindrucken will oder gegenüber seinen Patientinnen dezent andeuten möchte, dass er mehr kann als mit dem Stethoskop wedeln, der sollte sich bei den medizinischen iPhone-Anwendungen einmal umsehen.

Befunden unter Palmen jetzt auch fürs CTG

Brandneu für das iPhone ist eine Software, die man im Apple App Store herunterladen kann und die Mitte April sogar eine offizielle Zulassung der US-Behörde FDA bekommen hat. Es handelt sich um ein Programm mit dem Namen AirStrip OB™, das sich, wie der Name schon andeutet, primär an Ärzte richtet, die in der Geburtshilfe (Obstetrics) tätig sind. Diese Kollegen müssen bei Risikoschwangerschaften CTG-Daten überwachen und brauchen unter Umständen auch Zugriff auf die Daten der regelmäßigen klinischen Untersuchungen, die von Schwestern beziehungsweise Hebammen gemacht werden. Physisch anwesend sein muss der Arzt für diese Kontrollen eigentlich nicht, und deswegen gibt es schon seit einigen Jahren Telemedizinsysteme und Fernabfragelösungen in dieser Spezialdisziplin. Dank AirStrip™ OB geht das jetzt auch mit dem iPhone, was die Qualität der Bilddaten und den Bedienungskomfort nach Angaben von AirStrip-Präsident Dr. Cameron Powell im Vergleich zu den bisher verfügbaren PDA-Versionen auf eine ganz neue Stufe hebt. „AirStrip OB™ für das iPhone ist in unseren Augen ein echter Meilenstein in der mobilen Healthcare-Technologie“, so Powell bei der US-Health-IT-Konferenz HIMSS in Chicago. Wer seine Schwangeren also künftig per iPhone überwachen möchte, sollte rasch Kontakt zu seinem IT-Chef aufnehmen. Denn bevor der Mobilspaß losgeht, muss AirStrip an die CTG-Monitoring-Software angedockt werden. Das soll nach Auskunft des Unternehmens mit vielen gängigen Lösungen möglich sein. Noch was? Ach ja, am selben Tag erhielt AirStrip OB™ die FDA-Zulassung auch für Blackberry. Aber wen interessiert der schon…

Telemonitoring-Plattformen müssen nicht klobig sein

Nun ist nicht jeder Arzt ein Geburtshelfer. Deswegen gibt es jetzt etwas für Kardiologen und für den kardiologisch ambitionierten Hausarzt. Den Komfort des iPhones für Ärzte nutzen möchte nämlich auch T-Systems. Das Unternehmen hat deswegen eine Anwendung entwickelt, mit deren Hilfe der Arzt Langzeit-EKG-Befunde seiner Patienten in Echtzeit überwachen kann. Das läuft so, dass der Patient wie gehabt ein Langzeit-EKG mit nach Hause bekommt. Das überträgt dann die EKG-Daten per GPRS auf eine Web-Plattform. So weit, so üblich. Neu ist die iPhone-Verbindung zu dieser Webplattform, mit deren Hilfe der Arzt direkt auf die EKG-Daten und auf die Sauerstoffsättigung zugreifen kann. Ausgewertet wird das EKG – rund eine Gigabyte pro Tag – allerdings wie bisher auf einem echten Rechner. Nun mag man sich fragen, wie nützlich so eine Anwendung tatsächlich ist. Denn die Kurven eines Langzeit-EKG in Echtzeit anzusehen dürfte nur für die allerwenigsten Indikationen wirklich relevant sein. Und wenn ein Patient kardial so gefährdet ist, dass man seinem Herzen live zusehen möchte, dann schickt man ihn sicher nicht nach Hause.

Unabhängig davon sind auch die Kosten ganz beachtlich: 10.000 Euro gab T-Systems als Preis für die Komplettlösung bei der CEBIT an. Um der Lösung gerecht zu werden, muss man allerdings sagen, dass es nicht beim Langzeit-EKG bleiben soll. Gedacht ist an eine umfassende Telemonitoring-Plattform mit iPhone-Zugriff, die auch Module zu Diabetes, Nephrologie und Thrombose sowie für das Fitness-Monitoring bieten soll. Das ist dann schon eine andere Liga. Auch AirStrip hat übrigens mobile Monitoring-Anwendungen für andere Fachdisziplinen im Angebot, überwiegend allerdings noch nicht auf iPhone-Basis.

53 Wertungen (2.91 ø)
Allgemein

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4 Kommentare:

ich frage mich angesichts dieses Artikels was zuerst kollabiert,
unsere Wirtschaft oder das Gesundheitssystem.
Beim Kauf eines I-Phone sicher erst das Gesundheitssystem
Weniger Technik muss das Gebot der Stunde sein – nicht mehr…
Baut den Bürgern doch einfach ein kleines Labor in den Körper ein, alle wichtigen Parameter werden überwacht. Einen kleinen Simlook-Schacht hinder das Ohr und eine kleine Spriralantenne auf den Kopf. Das ganze angeschlossen an ein zentrales Überwachungssystem das z.B. bei drohendem Zuckerschock sofort die Person ortet und den Notarzt in Bewegung setzt :-)))

#4 |
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Klaus Werner
Klaus Werner

EINFACHER!: Seit Neuestem gibt es nur für einen Zweck (wunderbar!), ein modernes, traditionell einfach zu bedienendes Blutdruckmessgerät mit einer speziellen Schwangeren Validierung. Habe dies für meine Frau besorgt. Einfache Einknopfbedienung, Hintergrundbeleuchtet mit leicht ablesbarem großem Zifferndisplay. Ideal deshalb auch für Senioren. In schickem schwarzem, flachem Reisedesign. Hersteller ist die Firma OMRON Medizintechnik. Ich hab es da gekauft, wo man noch kompetent und persönlich beraten und eingewiesen wird – und in das Gerät eingewiesen wird – in einer Apotheke hier vor Ort.

#3 |
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Eine Andreas Hoel
Eine Andreas Hoel

Ja, perfekt, und wenn es Apple gefällt, umzusatteln, dann muss man alle programme neu kaufen.

Es ist eine schande, dass menschen diesen schrott von apple und microsoft gefallen lassen. Ich habe in einem labor gearbeitet, wo man die computer nicht austauschen könnte, weil sie dringend notwendig waren um die spektrometer unsw zu steuern. Das wäre NIEMALS der fall gewesen, wenn man offene treiber, offene software und offene operativsysteme verwenden würde.

Die Rote Liste gehört schleunigst auf Linux. Die Krankenhäuser hätten längst umsteigen sollen. Siemens sollte mehr wettbewerb bekommen, und ein tritt in den arsch, damit sie auch dafür sorgen, dass programme für BSD, Linux und OpenSolaris zugänglich wird.

#2 |
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Gibt es auch Programme zur Sportmedizin, Orthopädie, Neurologie ?

MfG!

#1 |
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