Spermidin stoppt Demenz

2. September 2013
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Der altersabhängige Rückgang der Erinnerungsfähigkeit kann durch die Verabreichung der natürlichen Substanz Spermidin gestoppt werden. Das Molekül Spermidin setzt die sogenannte Autophagie in Gang, einen Reinigungsvorgang auf zellulärer Ebene.

In der Studie von Prof. Dr. Stephan Sigrist von der Freien Universität Berlin sowie dem Exzellenzcluster Neurocure und Prof. Dr. Frank Madeo von der Karl-Franzens-Universität Graz wird nachgewiesen, dass die körpereigene Substanz Spermidin einen zellulären Reinigungsprozess auslöst, infolge dessen die Erinnerungsleistung älterer Gehirne von Fruchtfliegen wieder auf jugendliches Niveau steigt. Erinnerungsprozesse bei tierischen Organismen wie Fliegen oder Mäusen sind auf molekularer Ebene denen des Menschen ähnlich. Sigrists und Madeos Forschung kann einen Beitrag dazu leisten, Mittel zu entwickeln, die das Einsetzen von Demenzerkrankungen verzögern.

Spermidin mit Anti-Aging-Wirkung

Als Auslöser der altersabhängigen Demenz werden aggregierte (verklumpte) Proteine vermutet. Diese reichern sich in alten Gehirnen von Fliegen, Mäusen und Menschen vermehrt an. Das Molekül Spermidin, dessen Anti-Aging-Wirkung bereits 2009 in Madeos Grazer Forschungsgruppe entdeckt wurde, setzt die sogenannte Autophagie in Gang, einen Reinigungsvorgang auf zellulärer Ebene. Proteinaggregate und weiterer zellulärer Abfall werden den Lysosomen, den Verdauungsapparaten in Zellen, zugeführt und dort aufgelöst. Nachdem den Fruchtfliegen Spermidin zugefüttert wurde, minimierte sich die Menge der Proteinaggregate in ihren Gehirnen deutlich und ihre Erinnerungsfähigkeit nahm zu. Messbar ist dies, weil Fliegen durch klassische Pawlowsche Konditionierung lernen, sich an das Gelernte erinnern und ihr zukünftiges Verhalten danach ausrichten.

Erinnerungsfähigkeit lässt ab dem 50. Lebensjahr nach

Beim Menschen lässt die Erinnerungsfähigkeit ab etwa dem 50. Lebensjahr nach. Dieser Schwund beschleunigt sich mit zunehmendem Alter. Aufgrund steigender Lebenserwartung nehmen altersinduzierte Demenzerkrankungen drastisch zu. Die Spermidinkonzentration hingegen nimmt mit dem Alter bei Fliegen auch bei Menschen ab. Sollte es gelingen, mit Spermidin als Nahrungsergänzung das Einsetzen von Demenzerkrankungen zu verzögern, würde dies für den einzelnen Patienten und die Gesellschaft einen Durchbruch bedeuten. Patientenstudien sind das nächste Ziel von Stephan Sigrist und Frank Madeo.

Originalpublikation:

Restoring polyamines protects from age-induced memory impairment in an autophagy-dependent manner
Stephan Sigrist et al.; Nature Neuroscience, doi: 10.1038/nn.3512 , 2013

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4 Kommentare:

Dr. Beatrix Naton
Dr. Beatrix Naton

Spermidin ist ein Polyamin, kommt natürlicherweise z.B. in Weizenkeimen vor. Als Reinsubstanz ist es eine stark nach altem Fisch riechende, ätzende Flüssigkeit. Deshalb würde ich von Eigenversuchen abraten [:-)] und eher auf Spermidin-reiche Nahrungsmittel zurückgreifen. Der Wikipedia-Artikel ist übrigens ganz informativ.

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Dr. med. Albrecht Pitzken
Dr. med. Albrecht Pitzken

wie sieht spermidinchemisch aus, wie wird es gewonnen, wo kommt es vor?

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@ Dr. Barbara Schmid

Kurzer Artikel mit Strukturformel in Wikipedia !

#2 |
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Wo findet sich Spermidin? Wie sieht die chemische Struktur aus?

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